Category Archives: Orte

Räuber und Poli

Liebe Rowdys und liebe Polizei,
pollerist euer beider Alltag denn tatsächlich so problembefreit und ereignisarm, dass nur Räuber und Poli auf dem Vorplatz bleibt? Gäbe es vielleicht nicht andere, dringlichere Probleme anzugehen auf der Welt? Oder könntet ihr zumindest eure Dummheit, Autoritätsprobleme, pawlowsche Reflexe und Gewaltgeilheit sonst wo verpülfern und uns Kulturinteressierte nicht damit behelligen? Auf dem Mond hätte es sonst noch Platz.

Die ganzen Poller-Kolumne in der Bund (12. 09.18) zu den ewigen Faxen auf dem Vorplatz der Reitschule gibst hier zu lesen.

«Bärn isch eso»

Die Plattform Bärn isch eso bietet einen etwas andern Blick auf die Hauptstadt. Fernab touristischer Sehenswürdigkeiten beschreiben Berner Autoren, Dichterinnen und Musizierende, wie die Stadt für sie aussieht, klingt und riecht. Dabei werden auch Orte beleuchtet, die sonst vielleicht nicht unbedingt den Weg in einen Reiseführer schaffen würde. Nachdem Frau Feuz vorletztes Jahr auf Bädertour ging, testete sie nun Cocktails in Spunten & Spelunken und besuchte Seemannsbar, Calypso, Fäuder, Brésil Bar, Drachen Bar, Casa Marcello, Rock Café, Main Street Bar und Calypso. Zur Tour geht’s hier.

calypso

Wo Schlagermusik läuft und der Chef seit 18 Jahren eigenhändig Kuchen bäckt, ist die Welt noch in Ordnung: Calypso Bar

Lasst uns das System von innen aufmischen

«Ein überwiegend weisses, männliches Line-Up fördern wir nicht.» Katja Lucker fand letzten Samstag klare Worte auf dem M4Music-Podium «Gender, who cares?!» zum Thema Gleichstellung in der Musikbranche. Lucker ist Geschäftsleiterin des Berliner Unternehmens Musicboard, welches es sich zum Ziel gesetzt hat, neue Impulse für die Pop- und Rockwelt zu setzen, beziehungsweise diese zu unterstützen, wofür der GmbH Landesgelder zur Verfügung stehen. Wenn Katja Lucker über fehlende Frauen und mangelnde Diversität in Line-Ups von grossen Festivals spricht, dann tut sie das mit Bestimmtheit und zeigt auf, dass durch ihre Art von «Erpressung» durchaus eine Verbesserung eingetreten ist. «Früher haben die vorwiegend männlichen Festivalmacher einfach ihre Kumpels angerufen und die auf die Bühne gestellt, heute sind die Line-Ups von Festivals, welche bei uns um Subventionsgelder anfragen, einiges vielfältiger.»

vlnr: Katja Lucker, Philippe Phibe Cornu, Regula Frei, Sandro Bernasconi, Hedy Graber, Moderation: Anne-Sophie Keller

Was im multikulturellen Berlin vorgelebt wird, stecke bei vielen Schweizer Festivals wie zum Beispiel auch dem Gurtenfestival noch in den Kinderschuhen, kritisierte Regula Frei von Helvetiarockt, was Gurten-Papa Phibe Cornu mit seinen Aussagen indirekt bestätigte (Frauenanteil Gurtenfestival 2018: etwas über 20%). Man sei aber auf gutem Wege, die Vielfalt auf den Bühnen zu erhöhen, sagte er. Ihm sei die Problematik von einseitigen, weiss und männlich dominierten Line-Ups lange schlichtweg nicht bewusst gewesen, sagte Sandro Bernasconi vom Open Air Basel. Erst im Gespräch mit weiblichen Bekannten sei er für diese Thematik sensibilisiert worden.
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Hinter Clubtüren schauen

Wollten Sie schon immer wissen, wo sich ihre Kinder und Grosskinder am Wochenende rumtreiben, wie die Notschlafstelle im Dead End aussieht, was ein DJ eigentlich genau macht und warum ein Rockkonzert so laut sein muss? Dann bietet sich am Samstag 3. Februar 2018 beste Gelegenheit dazu, diese Fragen beantwortet zu bekommen, dann ist nämlich Tag der offenen Clubtür.

Nebst vielen anderen Veranstaltungen, welche Buck – Pro Nachtleben Bern an diesem Tag durchführt, gehts auch dieses Jahr wieder mit Frau Feuz auf Club-Safari. Gestartet wird um 15 Uhr im Bonsoir, dann wird Halt gemacht im ISC, Bierhübeli, Dead End und dem Dachstock, abgeschlossen wird die Safari mit einem Rundgang durch die Reitschule. Vor Ort werden Mitarbeiter*innen des jeweiligen Kulturbetriebes kurz ihren Club vorstellen und für Fragen zur Verfügung stehen. Frau Feuz bringt Sie sicher von Ort zu Ort und steuert unterwegs zusätzliche Informationen zur Berner Clublandschaft bei.

Die Safari dauert je nach Fragen 2 bis 3 Stunden, ist gratis und richtet sich explizit auch an ältere Semester und Menschen, die nicht mit der Clubkultur vertraut sind. Nehmen Sie doch diese Gelegenheit wahr, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und Fragen zu stellen, werte Damen und Herren. Ich freue mich auf Sie!

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Am Samstag 3.2.18 stehen Berns Club-Türen sperrangelweit offen

Treffpunkt: Samstag 3. Februar 2018 um 15 Uhr vor dem Bonsoir, Aarbergergasse 33/35. Die Club-Safari findet im Rahmen des Tages der offenen Clubtür statt. Anmeldung erwünscht auf info(ät)buck-bern.ch

«Profis der Strasse»

Wo würden Sie in Bern draussen übernachten? Auf «Sozialen Stadtrundgängen» zeigen Menschen am Rande der Gesellschaft ein anderes Bern und erzählen dabei aus ihrem Leben.

Während bei gängigen Stadtführungen Studenten oder Historikerinnen das interessierte Publikum zu Sehenswürdigkeiten führen und dabei Wissen vermitteln, tun dies bei den Sozialen Stadtrundgängen armutsbetroffene und obdachlose Menschen. Ziel dieser Führungen sei es, hinter die Fassade der heilen Welt zu blicken und weniger privilegierten Menschen eine Stimme zu verleihen, sagt Paola Gallo, Geschäftsführerin von Surprise, also demjenigen Verein, der die Sozialen Stadtrundgänge ins Leben gerufen hat. Ab sofort können in Bern verschiedene Touren gebucht werden (Text rechts), wobei nicht nur die aufgesuchten Örtlichkeiten, sondern auch die biografischen Erzählungen der Tourleiter eine zentrale Rolle spielen.

Zuständig für den Rundgang «Überleben auf der Strasse» ist Roger Meier, ein Experte auf seinem Gebiet, denn der 56-Jährige hat 36 Jahre seines Lebens auf der Strasse gelebt. Erst vor einigen Monaten hat er ein Zimmer im ehemaligen Zieglerspital bezogen.

Den ganzen Beitrag in Der Bund vom 19.1.18 hier online lesen.

Der Körper starrt zurück

Drangsaliert, geformt, gefeiert: Am 20. Performance-Festival Bone wurde der menschliche Leib zur Projektionsfläche.
bone

Es gehe darum zu ergründen, wie der Körper in der Performance heute auftrete, ob er sich quälen müsse oder feiern lassen dürfe, sagt Sibylle Omlin, die neue künstlerische Leiterin des Bone-Festivals am Eröffnungsabend. Ein Performance-Festival zum Thema Körper sei ja etwa wie ein Musikfestival zum Thema Ton, konstatiert ein Gast im Schlachthaus-Theater. Tatsächlich liegt es in der Sache der Natur, dass der Körper in der Performance-Kunst eine zentrale Rolle spielt. Schliesslich produziert diese Kunstform nicht bleibende, materielle Werke, sondern manifestiert sich in vergänglichen Aktionen. Der Körper dient dabei als Material, Display und Projektionsfläche.

Den ganzen Beitrag in Der Bund vom 4.12. hier lesen.

Einfach Mensch sein

Das alternative Kulturzentrum Reitschule feiert heuer sein 30-jähriges Bestehen. Eine Bestandesaufnahme bei den Jubiläums-Festivitäten zeigt: Auch oder vor allem für diejenige Generation, welche 1987 noch gar nicht auf der Welt war, sind Vorplatz und Reitschule wichtige soziale Begegnungsräume. Nicht nur wegen ihrer Niederschwelligkeit. 

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Open-Air-Jugendzentrum Vorplatz, BIld: Marco Raho

«Wir gehören hier zu den Alten», sagt der 22-jährige Nico. Tatsächlich ist die Mehrheit der geschätzten 500 Leute, welche sich an diesem Freitagabend auf dem Vorplatz der Reitschule eingefunden haben, um die 20 Jahre alt oder jünger. Sie seien regelmässig hier, erklären Nico und seine drei Kumpane aus Bremgarten. Der Vorplatz sei halt einfach der Treffpunkt schlechthin, hier kenne man sich. Sein Vater sei früher oft in der Reitschule gewesen, sagt der 22-jährige Raphael. Er selber esse gerne im Restaurant Sous Le Pont, besuche Konzerte im Rössli oder im Dachstock oder hänge auf dem Vorplatz herum. Toll sei, dass alles so ungezwungen sei. Ihm gefielen auch die solidarischen Aktionen der Reitschule, etwa, wenn Geld für Flüchtlinge gesammelt werde. «Hier ein Parkhaus zu bauen, wäre einfach scheisse», enerviert sich Nico. «Wo würden wir dann über Mittag Pingpong spielen und am Abend Skateboard fahren?»

Die ganze Reportage in Der Bund vom 30.10. gibts hier zu lesen.

Farbenfrohes Leporello

Haben Sie als Kind auch so gerne Faltbilder gemalt? Also diejenigen Bilder, auf denen jemand den Kopf übernahm, dann verdeckt weiterreichte, der nächste malte den Rumpf, reichte wieder weiter, undsoweiterundsofort. Die Reitschule hat zum 30. Geburtstag ein Leporello herausgegeben, welches nach diesem Konzept funktioniert. Bloss auf höherem ästhetischen Niveau, versteht sich. Ganz nach dem kooperativen Prinzip liess man einen Bilderbogen von einer Gestalterin zum nächsten Künstler wandern, alle ergänzten sie das Vorangehende mit einem ganz persönlichen Erlebnis aus «ihrem» Reitschuljahr. So sind dreissig ganz unterschiedliche Bilder zusammengekommen.

Die Jahre 1988/1989: Michael Kiener (links) und Dirk Bonsma (rechts)

Genau wie die Reitschule ist die gestalterische Vielfalt im Leporello gross. Es gibt Collagen, Zeichnungen, Malarbeiten, Siebdrucke, you name it, someone did it und genau wie die Reitschule selber ist einiges fantastisch, anderes nicht auf den ersten Blick verständlich.Alle Künstler*innen sind der Reitschule irgendwie verbunden, waren oder sind dort immer noch selber aktiv. Auskunft über die Urherber*innen der Bilder und deren Bezug zum Kulturzentrum gibt ein beigelegtes Büchlein. Darin enthalten ist auch eine Chronologie, welche kleine, grosse, wichtige und marginale Geschehnisse der letzten 10 Jahre in und um die Reitschule auflistet.

Im Bild zum Jahr 1993 lässt sich übrigens die Information finden, dass sich Leute in der Reitschule eingenistet hätten, welche nur von den Strukturen des Kulturbetriebes profitieren würden, ohne sich um weitergehende kollektive Ansprüche zu kümmern. So musste offenbar auch in der Reitschule immer wieder diskutiert werden, wie viel Vielfalt eine Einheit verträgt. Beim schmucken Leporello muss man das nicht. Da geht nun wirklich alles … und sowieso wenns beim Auspacken dann auch noch lecker nach frischer Druckfarbe riecht.
Für KulturStattBern