Category Archives: Orte

Der Körper starrt zurück

Drangsaliert, geformt, gefeiert: Am 20. Performance-Festival Bone wurde der menschliche Leib zur Projektionsfläche.
bone

Es gehe darum zu ergründen, wie der Körper in der Performance heute auftrete, ob er sich quälen müsse oder feiern lassen dürfe, sagt Sibylle Omlin, die neue künstlerische Leiterin des Bone-Festivals am Eröffnungsabend. Ein Performance-Festival zum Thema Körper sei ja etwa wie ein Musikfestival zum Thema Ton, konstatiert ein Gast im Schlachthaus-Theater. Tatsächlich liegt es in der Sache der Natur, dass der Körper in der Performance-Kunst eine zentrale Rolle spielt. Schliesslich produziert diese Kunstform nicht bleibende, materielle Werke, sondern manifestiert sich in vergänglichen Aktionen. Der Körper dient dabei als Material, Display und Projektionsfläche.

Den ganzen Beitrag in Der Bund vom 4.12. hier lesen.

Einfach Mensch sein

Das alternative Kulturzentrum Reitschule feiert heuer sein 30-jähriges Bestehen. Eine Bestandesaufnahme bei den Jubiläums-Festivitäten zeigt: Auch oder vor allem für diejenige Generation, welche 1987 noch gar nicht auf der Welt war, sind Vorplatz und Reitschule wichtige soziale Begegnungsräume. Nicht nur wegen ihrer Niederschwelligkeit. 

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Open-Air-Jugendzentrum Vorplatz, BIld: Marco Raho

«Wir gehören hier zu den Alten», sagt der 22-jährige Nico. Tatsächlich ist die Mehrheit der geschätzten 500 Leute, welche sich an diesem Freitagabend auf dem Vorplatz der Reitschule eingefunden haben, um die 20 Jahre alt oder jünger. Sie seien regelmässig hier, erklären Nico und seine drei Kumpane aus Bremgarten. Der Vorplatz sei halt einfach der Treffpunkt schlechthin, hier kenne man sich. Sein Vater sei früher oft in der Reitschule gewesen, sagt der 22-jährige Raphael. Er selber esse gerne im Restaurant Sous Le Pont, besuche Konzerte im Rössli oder im Dachstock oder hänge auf dem Vorplatz herum. Toll sei, dass alles so ungezwungen sei. Ihm gefielen auch die solidarischen Aktionen der Reitschule, etwa, wenn Geld für Flüchtlinge gesammelt werde. «Hier ein Parkhaus zu bauen, wäre einfach scheisse», enerviert sich Nico. «Wo würden wir dann über Mittag Pingpong spielen und am Abend Skateboard fahren?»

Die ganze Reportage in Der Bund vom 30.10. gibts hier zu lesen.

Farbenfrohes Leporello

Haben Sie als Kind auch so gerne Faltbilder gemalt? Also diejenigen Bilder, auf denen jemand den Kopf übernahm, dann verdeckt weiterreichte, der nächste malte den Rumpf, reichte wieder weiter, undsoweiterundsofort. Die Reitschule hat zum 30. Geburtstag ein Leporello herausgegeben, welches nach diesem Konzept funktioniert. Bloss auf höherem ästhetischen Niveau, versteht sich. Ganz nach dem kooperativen Prinzip liess man einen Bilderbogen von einer Gestalterin zum nächsten Künstler wandern, alle ergänzten sie das Vorangehende mit einem ganz persönlichen Erlebnis aus «ihrem» Reitschuljahr. So sind dreissig ganz unterschiedliche Bilder zusammengekommen.

Die Jahre 1988/1989: Michael Kiener (links) und Dirk Bonsma (rechts)

Genau wie die Reitschule ist die gestalterische Vielfalt im Leporello gross. Es gibt Collagen, Zeichnungen, Malarbeiten, Siebdrucke, you name it, someone did it und genau wie die Reitschule selber ist einiges fantastisch, anderes nicht auf den ersten Blick verständlich.Alle Künstler*innen sind der Reitschule irgendwie verbunden, waren oder sind dort immer noch selber aktiv. Auskunft über die Urherber*innen der Bilder und deren Bezug zum Kulturzentrum gibt ein beigelegtes Büchlein. Darin enthalten ist auch eine Chronologie, welche kleine, grosse, wichtige und marginale Geschehnisse der letzten 10 Jahre in und um die Reitschule auflistet.

Im Bild zum Jahr 1993 lässt sich übrigens die Information finden, dass sich Leute in der Reitschule eingenistet hätten, welche nur von den Strukturen des Kulturbetriebes profitieren würden, ohne sich um weitergehende kollektive Ansprüche zu kümmern. So musste offenbar auch in der Reitschule immer wieder diskutiert werden, wie viel Vielfalt eine Einheit verträgt. Beim schmucken Leporello muss man das nicht. Da geht nun wirklich alles … und sowieso wenns beim Auspacken dann auch noch lecker nach frischer Druckfarbe riecht.
Für KulturStattBern

Buskers: Schieben und Schleppen

Beim dreitägigen Strassenmusik-Festival Buskers befördern die Bands ihre Ausrüstung bis zu 20 Mal durch Berns Altstadtgassen. Dabei behelfen sie sich allerlei abenteuerlicher Transportmittel.

Was sich am Donnerstagnachmittag um 16 Uhr im Schlachthaus-Theater ereignet, erinnert an Tetris. Rund 150 Künstler und Künstlerinnen aus 22 Nationen haben sich im Saal eingefunden und schwirren mit allerlei Instrumenten und technischen Gerätschaften durch den Raum. Alle treten sie dieses Wochenende im Rahmen der 14. Ausgabe des Strassenmusik-Festivals Buskers in der Berner Altstadt auf, und alle haben sie hier im Schlachthaus einen kleinen Abstellplatz für ihr Equipment zugeteilt bekommen. Dazu wurde der Boden mit Klebeband in 31 unterschiedlich grosse Bereiche eingeteilt.

Den ganzen Beitrag in «Der Bund» hier online lesen

topelement

Moby Dick im Wohlensee

Es ist ein wahres Ungetüm aus der Englischen Literatur, welches sich das Ensemble VORORT für die aktuelle Aufführung unter freiem Himmel vorgenommen hat – ein Ungetüm, das 50 Tonnen wiegt und dessen Kopf alleine schon sieben Meter lang ist: Moby Dick. Der Roman von Hermann Melville aus dem Jahr 1851 erzählt die Geschichte rund um den einbeinigen Kapitän Ahab, welcher den weissen Pottwal Moby Dick durch die sieben Weltmeere verfolgt und in seinem blindwütigen Hass weder sich, sein Schiff noch seine Crew schont. Frau Feuz war bei der Première dabei.

NESSIE GESICHTET!!

Werte  Leser*innen, ich habe in diesem Schottland Video-Aufnahmen machen können, welche die Existenz von Nessie ein für all Mal beweisen!!! Hier exklusiv für Sie:

 

Es erstaunt nicht, dass sich Nessie in Loch Ness bis anhin einwandfrei zu verbergen wusste. Schliesslich ist besagtes Loch mit einer Tiefe von 230 Metern der zweitiefste See der britischen Inseln, wobei der grösste Teil auf mehr als 152 Tiefe liegt und gerade mal 13.6% der Seefläch flacher sind als 30 Meter. Das heisst: Die Ränder sind sausteil, und fallen an gewissen Stellen gar in einem Winkel von 75° ab.

Wer jetzt gerade gedacht hat «ideal bei heissem Wetter für einen Köpfler, da stösst man sich wenigstens nicht die Birne», dem seien folgende Fakten nicht vorenthalten: In tieferen Lagen ist Loch Ness gerade mal fünf Grad warm, an der Oberfläche könnte der See in einem sonnenreichen Sommer (also eigentlich nie) theoretisch 12 Grad erreichen. Wer hier baden geht, ist entweder ein knallharter Hund oder strunzblau – egal zu welcher Liga man gehört, bevor fünf Minuten um sind, ist die Chance gross, dass man den Löffel abgegeben hat. Ausserdem ist Loch Ness aufgrund von Torfpartikeln tiefschwarz und soll über zahlreiche Höhlen und Ausbuchtungen verfügen – dort unten dürfte sich also tatsächlich so einiges tummeln. Aber wer weiss das schon so genau. Bis anhin waren mehr Menschen auf dem Mond als am Grunde von Loch Ness.

Sie mögen tiefe Seen? Dann machen Sie doch einen Ausflug nach Brienz. Der Brienzersee ist mit seinen 260 Metern noch tiefer als Loch Ness, in ähnlich malerischer Umgebung angesiedelt, dabei aber mit aktuellen 20 Grad temperaturmässig schon fast im Bereich Kinderplanschbecken. Und Monster gibt es dort dieses Wochenende am Brienzersee Rockfestival auch zu begutachten.

Postkarte aus Leningrad

Andere gehen ins Museum, Frau Feuz geht in die U-Bahn und zwar im schönen St. Petersburg, oder wie es 1955 noch hiess: Leningrad. In dem Jahr wurde in der zweitgrössten Stadt Russlands die Metro eröffnet. Und was für eine. Denn wenn der Sozialist klotzt, dann klotzt er richtig und das tat er eben auch beim Bau der U-Bahnstationen. Die erste Linie verband die wichtigsten Fernbahnhöfe der Stadt südlich der Newa mit den südwestlichen Industriegebieten, wobei auf opulente, tempelartige Prunk-Architektur mit viel Marmor, Skulpturen, Kronleuchtern, Reliefs und Ähnliches gesetzt wurde. Nicht umsonst wurden die Stationen gemeinhin auch als Kathedralen fürs Volk bezeichnet. Aber schauen sie doch selber und zwar hier.

Beim Bau besagter U-Bahn musste wegen sumpfigem Untergrund übrigens tiefe gebuddelt werden. Rund 70 Meter tief liegt das U-Bahn-System von St.Petersburg und gehört somit zu den tiefsten Anlagen der Welt. Da dauert eine Fahrt auf der Rolltreppe, zum Beispiel aus der 102 Meter tief gelegenen Station Admiralteiskaja an die Erdoberfläche, locker mal ein paar Minuten.

Sie gehen lieber ins Museum als in die U-Bahn? Dann bietet sich im August beste Gelegenheit. An allen vier Samstagen können dank der Aktion «Gratis ins Museum» 19 beteiligte Berner Institutionen unentgeltlich besucht werden.

#BernNotBrooklyn

Das Weyerli ist zwar nicht Coney Island, aber hey, auch an unseren Badestränden ist mächtig was los.

Man fürchtete ja kurz um das Seelenheil der Badi-Jugend und hoffte inbrünstig, dass diese dem Englischen noch nicht mächtig sei, als die beiden Herren Yangboy$ vom Dicksucken und Ähnlichem zu trappen begannen am Weyerli Beizli Fest in Frau Feuz’ Hausbadi. Die Jugend rächte sich dann auf ihre ganz eigene Weise, hielt sich zeitweilig demonstrativ die Ohren zu und fragte zwischen zwei Songs, ob die Herren Yangboy$ denn wirklich nicht besser rappen könnten. Aufmüpfige minderjährige Kunstverächter dürften allerdings nicht das Hauptproblem der zwei Yangboy$ gewesen sein, denn die Bühen, welche da kurzerhand neben die überdimensionierte Hüpfburg gepackt wurde, stand in der prallen Sonne. Nüt da mit chillen und dickdippen im kühlen Nass, sondern hüpfen you must, Bitches.

Posten Sie Ihr Foto/Video auf irgendeiner digitalen sozialen Plattform mit dem Zusatz #BernNotBrooklyn. KulturStattBern wählt unter den Fotos das leckerste aus und veröffentlicht es pünktlich zum Katerfrühstück.

Hinter Clubtüren schauen

Was ist der Unterschied zwischen einem Club und einem Konzertlokal?
Warum muss die Musik in Diskos so laut sein?
Wie viele Türsteher braucht ein Club?
Was ist eine Produktion?

Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibts am 29. April, dann ist nämlich Tag der offenen Clubtür. Berner Clubs öffnen an diesem Samstag tagsüber ihre Pforten und gewähren Neugierigen Einblick. Wenn Sie die Clubs nicht alleine aufsuchen möchten, dann kommen Sie doch mit mir auf eine geführte Clubsafari.

Start: 16 Uhr im Bonsoir (Aarbergergasse 33/35)
Stationen: Bierhübeli, Dead End, ISC, Dachstock der Reitschule

Am 29.4. für einmal auch tagsüber weit geöffnet

Die Tour dauert ca. zwei Stunden, vor Ort geben Clubbetreiber*innen und Angestellte Auskunft über ihre Tätigkeiten und beleuchten unterschiedliche Bereiche von Kulturbetrieben. Die Safari ist gratis und richtet sich explizit auch an ältere Semester und Menschen, die nicht mit der Clubkultur vertraut sind. Nehmen Sie doch diese Gelegenheit war, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und Fragen zu stellen. Ich freu mich auf Sie!

Herzlichst,
Ihre Frau Feuz

P.S. Sie haben jetzt schon eine Frage? Dann schreiben Sie mir doch hier eine E-Mail.

Festival für digitale Kultur

Digitales ist aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken: Digitalradio, digitales Fernsehen, Internet, das World Wide Web, Computerspiele, Youtube … die Liste könnte endlos fortgesetzt werden. Dieser Umstand zeichnet sich auch in der Welt der Kunst ab, wo sich Kunstschaffende Inspiration holen bei Robotik, Computeranimation, Datensätzen oder Algorhythmen. Einige dieser ästhetischen Auseinandersetzungen gibt es zurzeit in Bern zu sehen und zu erleben, findet doch gerade das erste Festival für digitale Kultur statt, wofür Dampfzentrale und Schlachthaustheater zusammengespannt haben. Frau Feuz hat sich mit den Machern von «Digital Playground» unterhalten und bekam dabei gar einen digitalen Orgasmus vorgeführt.