Category Archives: Musik

Beat-Man in Israel

Halle-motherfucking-lujah! Wenn der Berner Musiker Reverend Beat-Man auf der Bühne loslegt, geht es oft alles andere als heilig zu und her. Mit Gitarre und Gesang fabriziert der 51-Jährige eine rohe und laute Variante des Blues, die er selber Blues-Trash nennt. Gerne mimt der selbsternannte Prediger dabei den blasphemischen Rebellen, wozu er weissen Priesterkragen trägt und in seinen Songs religiöse Eiferer aufs Korn nimmt oder auch mal den Teufel durch sich sprechen lässt.
Reverend Beat-Man kann getrost als Ikone des musikalischen Untergrundes bezeichnet werden, verfügt er doch weitweit über eine grosse Fan-Gemeinschaft. Seit rund 30 Jahren tourt er quasi ununterbrochen um die Welt: England, Russland, USA, Argentinien, Australien, Neuseeland … die Liste der Auftrittsorte ist lang. Im Winter 2017 führten die Wege des Reverend Beat-Man nach Israel. Dabei offenbarte sich: So blasphemisch, wie er sich auf der Bühne gibt, ist er nicht, der Reverend. Im Gegenteil. Aber hört selber:

Der Unheilige im gelobten Land – ein Feature von Gisela Feuz (Transkribt Hochdeutsch)

Einen detaillierten schriftlichen Bericht zu Reverend Beat-Mans Konzerttournee in Israel gibts hier.

«Das ist schon Liebe»

Der Basler Benjamin Noti und dessen Gitarre sind in der Berner Musikszene keine Unbekannten. Im Duo Noti Wümié hat er mit Rapper Greis zusammengespannt.

beniEr ist ein viel beschäftigter Mann, der Basler Musiker, Songschreiber und Produzent Benjamin Noti. Als Gitarrero tourt er unter anderem mit Anna Rossinelli und Steff la Cheffe durch die Lande, wobei Noti bei Cheffes aktuellem Album «Härz Schritt Macherin» auch als Songschreiber, Produzent und natürlich Musiker involviert war. Das Gleiche gilt für seine Zusammenarbeit mit Grégoire Vuilleumier alias Rapper Greis, mit dem der 32-jährige Noti das Duo Noti Wümié betreibt.

Das ganze Interview in der Bund (6.7.18) hier lesen.

JungreporterInnen gesucht!

Bildschirmfoto 2018-07-29 um 12.13.38Was macht ein Zeitforscher und wie misst man eigentlich die Zeit? Was bedeutet zeitgemäss und was unzeitig? Als Jungreporter/in für Radio Antenne berichtest du über Themen rund um Zeit und und über musikalische Zeitreisen am Musikfestival Bern, das vom 5.- 9. September unter dem Motto «unzeitig» stattfindet. Du lernst das Radiohandwerk von Profis, bist vor Ort live auf Sendung und gestaltest eigene Radiobeiträge. Für Jugendliche im Alter von ca. 13-16.

Leitung: Gisela Feuz, Kulturredaktorin Radio RaBe, Thomas Meyer, Musikjournalist SRF

Daten: Samstag/Sonntag 18./19. August 2018, 11–17 Uhr, Samstage 25. August / 01. September 2018, 11–17 Uhr, Zwischen 5.-9. September 2018 ein Reporter-Einsatz am Musikfestival Bern nach Absprache

Der Workshop ist kostenlos, Anmeldeschluss 10. August 2018, alle weiteren Infos gibts hier

Open-Air-Aerobic-Club Gurten

kraftklub«Leute, die alles können, gehen mir auf den Sack», grummelt ein Festivalbesucher beim Konzert von Angus & Julia Stone in seinen Bart, als Frau Stone zum Bass greift, nachdem sie vorher schon Gitarre und Trompete bedient und mit tadelloser Singstimme aufgewartet hat. Die australische Multiinstrumentalistin steht am Freitagnachmittag zusammen mit ihrem Bruder Angus und zugehöriger Band auf der Hauptbühne des Gurtenfestivals und bietet Folksongs dar, die durchaus gefallen.

Es ist, also würde sich ein wohlig warmer Retro-Sepia-Filter über die noch spärlich bevölkerte Gurtenwiese legen, sobald Angus & Julia Stone ihr Konzert beginnen. Mal filigran-akustisch, mal neo-noir-rockig wird da mit klassischer Rockbandbesetzung inklusive Geige, Banjo und Bontempi-Orgel agiert und der perfekte Soundtrack für ein Publikum geliefert, das um diese Uhrzeit teilweise noch den Zweitageskater miauen hören dürfte.

Den ganzen Beitrag zum Gurtenfestival von FR & SA in Der Bund vom 16. Juli hier lesen

Gurtenfestival 2018

Über 70’000 Menschen werden nächste Woche auf den Berner Hausberg pilgern, wenn das Gurtenfestival zu seiner 35. Ausgabe lädt. Während auf den verschiedenen Bühnen insgesamt 69 Bands auftreten, sorgt hinter den Kulissen Carlo Bommes dafür, dass alles reibungslos verläuft. Seit 18 Jahren ist Bommes der Gesamtleiter des Gurtenfestivals und zuständig für Infrastruktur und Sicherheit.
Hier gehts zum ganzen Beitrag bei RaBe und hier zum Interview mit Carlo Bommes in Der Bund (5. Juli 2018)

Apokalypsenbuben

«Itz mau Apokalypse» fordern die Kummerbuben auf ihrem neuen Album, wobei bei der gestrigen Taufe in der Dampfzentrale die Temperaturen befürchten liessen, dass der Weltuntergang tatsächlich unmittelbar bevorstehe. Als einem auf den Zuschauerrängen der Schweiss über den Rücken in die Unterhose lief, wähnte man sich zwischenzeitlich wahrhaftig auf dem Patrouillenboot des Captain Benjamin Willard im kambodschanischen Dschungel. Im Gegensatz zu Willards Unterfangen in Francis Ford Coppolas oscargekröntem Monumentalstreifen «Apocalypse Now» steuerten die Kummerbuben ihren Kahn gestern aber ohne Verluste ans Ziel. Dies auch dank einem formidablen Kapitän.

«I really care, do you?» fragt Apokalypsenbube Jäggi auf seinem Shirt

Die Rolle des Kapitäns hatte Dirigent Droujelub Yanakiew inne, denn die Herren Kummerbuben standen ja nicht alleine auf der Bühne, sondern zusammen mit dem rund 80-köpfigen Projektorchesters Variaton, mit dem sie «Itz mau Apokalypse» eingespielt haben (das Mutterschiff hat hier ausführlich berichtet). Die sechs neuen Kummerbuben-Songs wurden gestern Abend mit Sinfonien von Gustav Mahler gepaart, also demjenigen österreichischen Komponisten, der am Übergang von der Spätromantik zur Moderne steht. Es zeigte sich, dass Mahlers musikalische Aufarbeitungen von Themen wie Lebenssinn, Tod, Erlösung und Liebe bestens zum abgründigen und morbiden Pathos der Apokalysobuben passt. Continue reading

Einshoch6: Hip Hop trifft Klassik

Klassische Musik ist nicht unbedingt diejenige Musik, welche man als erstes mit Jugendlichen in Verbindung bringt. Hip Hop schon viel eher. Wenn man nun der Jugend die Klassik näher bringen möchte, warum kombiniert man sie dann nicht einfach mit Hip Hop? Diese Überlegung hat die deutsche Band Einshoch6 angestellt und flugs ein entsprechendes Crossover-Projekt ins Leben gerufen.

Am Freitag 29. Juni sind Einshoch6 im Berner Stadttheater zu Gast und spielen dort zusammen mit dem Berner Symphonieorchester ein Familien-Konzert. Mit dabei beziehungsweise vorne dran steht: KTB-Chefdirigent Kevin John Edusei. Herr Edusei, sagen Sie mal: Wie Wie viele Hip Hop-Platten haben Sie Zuhause in der Plattenkiste stehen? Ganzer Beitrag bei Radio RaBe

Mit Glasknochen um die Welt

Seit sie 2016 den Anruf erhalten habe, in welchem ihr mitgeteilt wurde, dass sie die Gewinnerin des Tiny Desk Contest sei, also des renommierten Wettbewerbs des amerikanischen TV-Senders NRP, sei ihr Leben nicht mehr dasselbe, sagt Sängerin und Violinistin Gaelynn Lea. Weil sie danach immer mehr nationale und auch internationale Konzertanfragen erhielt, gab sie ihren Job auf, verkaufte das Haus und tourt seitdem zusammen mit ihrem Ehemann praktisch ununterbrochen um die Welt.

Gaelynn Leas Musik ist auch aus dem Grund aussergewöhnlich, weil die Indie-Folk-Musikerin ihre Geige nicht auf gängige Weise nützt. Weil sie an der Glasknochenkrankheit leidet, sehr klein ist und im Rollstuhl sitzt, spielt Gaelynn ihre Violine nicht auf der Schulter, sondern wie ein Cello und hält dabei den Bogen wie bei einem Kontrabass.  Zum ganzen Beitrag bei Radio RaBe gehts hier.

Gaelynn Lea tritt am Mittwoch 20. Juni um 19 Uhr zusammen mit dem Tabula Musica Orchester im Zentrum Paul Klee auf. Das Konzert wird im Rahmen der Reihe Zukunftsmusik ausgestrahlt, die schweizweit erste Veranstaltungsreihe für barrierefreie Musik. Sie bringt neue Instrumente, internationale KünstlerInnen und MusikerInnen mit/ohne Beeinträchtigung auf die Bühne.

Ein Gott im Techno-Olymp

Seit 20 Jahren ist Samuel Geiser alias Deetron als DJ und Produzent tätig. Zu seinen House- und Techno-Tracks wird von Südafrika bis Japan und Australien getanzt.

deetron

Gerade eben beschallte er in Lissabon und Barcelona eine tanzwütige Meute, Anfang Jahr legte er in Australien und Südafrika auf, und nach dem Auftritt am Samstag im Dachstock gehts weiter nach Amsterdam und London. Der Berner DJ und Produzent Deetron alias Samuel Geiser ist einer der ganz Grossen in der internationalen House- und Techno-Szene und dabei sympathisch auf dem Teppich geblieben.

Zum ganzen Text in Der Bund vom 17.5.18 gehts hier

Schnörkellos und wütend

Einem Aussenstehenden zu erklären, warum Sleaford Mods Konzertsäle füllen, ist nicht ganz einfach. Denn nüchtern betrachtet bieten da zwei Herren wenig an gängigem Unterhaltungsmaterial, was sie auch gestern Abend im Case à Chocs in Neuchâtel unter Beweis stellten. Beatproduzent Andrew Fearn platziert auf der Bühne gerne eine Hand in der Hosentasche, derweilen sich die andere an einer Bierdose festhält. Seine einzige musikalische Konzert-Tätigkeit besteht darin, per Knopfdruck den nächsten Song von seinem Laptop abzufeuern. Derweilen bellt Jason Williamson wütende Tiraden in sein Mikrofon, die aber aufgrund seines heavy East-Midland-Akzentes (Sleaford Mods stammen aus Nottingham) kaum verständlich sind. Nein, gängiges Unterhaltungsmaterial ist das nicht, und gerade deswegen ist es grossartig.

Der Elektro-Punk-Lo-Fi-Arbeiterklassen-Rap der Sleaford Mods nahm seinen Anfang vor rund 10 Jahren, als zwei Kerle aufeinandertrafen, welche beide nirgends richtig reinpassen wollten. So beschreibt es Andrew Fearn in A Bunch of Kunst, dem Dokumentarfilm über die Sleaford Mods. (Anschauen!) Mittlerweile haben Sleaford Mods 10 Alben herausgegeben und haben sich mit ihren wütenden, gesellschaftskritischen Schimpftiraden auch ausserhalb des englischen Königreiches eine treue Anhängerschaft erspielt. Auch wenn vielleicht nicht jedes einzelne Wort verständlich sein mag, so fühlt man sich doch angesprochen von den blaffenden Ausführungen des Jason Williamson. Denn hier trägt einer das Herz auf der Zunge, einer der gegen Arbeitslosigkeit und Auswüchse des Kapitalismus wettert und dem die Oberflächlichkeit unserer Konsumgesellschaft keine Befriedigung verschaffen mag. Ehrlich, direkt und fadengrad ist das. Und genau das sind auch die elektronischen Lo-Fi-Beats des Andrew Fearn: funktional, schnörkellos, ein bisschen billig, aber ungemein treibend. Continue reading