«Wenn jemand einschläft, wäre das ein Kompliment»

«Trip ohne Drogen» nennt Schlagzeuger Simon Baumann sein ­Konzert, bei dem die Gäste ­­­auf Matten liegen. (Turnhalle Progr, Sonntag, 22. Dezember)

Herr Baumann, was hat es mit dem Namen Osomo auf sich?
Osomo ist eine Ableitung aus meinem Vor- und Nachnamen. Als ich dieses Projekt angegangen bin, habe ich mir Fragen gestellt: Wer bin ich? Was würde ich als Schlagzeuger auf einer Bühne tun wollen, wenn ich dort ganz alleine wäre? Was interessiert mich als Soloformation, was will ich erforschen? Es ist also ein sehr persönliches Projekt.

Und, was möchten Sie erforschen?
Mich interessiert die Frage, wie man Leute via Musik überhaupt noch erreichen kann in der heutigen Zeit, die von Digitalisierung, gesellschaftlichem Wandel und von Umwälzungen in der Musiklandschaft geprägt ist. Viele von uns sind doch eh schon bedient mit ständigen Inputs von allen Seiten. Vielleicht braucht es bei all der Reizüberflutung also nicht einfach ein nächstes Konzert in traditioneller Form. Kein weiteres Entertainment-Produkt, das konsumiert wird, sondern etwas, bei dem die Menschen einfach mit sich selber in Verbindung treten können. Eine Mischung aus Musik und Kur. Das versuche ich mit Osomo auszuloten.

Zum ganzen Interview (Der Bund 19.12.19) mit Simon Baumann alias Osomos gehts hier

Zwei Mormonen in Uganda

Das Kult-Musical «The Book of Mormon» besticht auch in Zürich mit schwarzem Humor und intelligenter Gesellschaftskritik.

Voller Elan üben sie in der Eröffnungsnummer das Klingeln an Türen, die properen jungen Herren in weissen Kurzarmhemden und schwarzen Krawatten. Schliesslich soll es bald auf Mission in die weite Welt hinaus gehen, und das will geübt werden im Trainingszentrum in Salt Lake City, Utah. Unter den angehenden Missionaren ist auch Elder Price, ein Streber, der sich zu Höherem berufen sieht und sehnlichst wünscht, nach Orlando, Florida, entsandt zu werden.

Stattdessen muss er nach Uganda, wobei ihm zu allem Überfluss auch noch der tollpatschige Elder Cunningham an die Seite gestellt wird. Als die beiden bleichen Helden mit Rollköfferchen und «Star Wars»-Rucksack am Ziel ankommen, stellt Elder Price erschüttert fest: «Afrika ist ja überhaupt rein gar nicht wie in Lion King!»

Zur ganzen Besprechung von «The Book of Mormon» (Tages-Anzeiger 12.12.19) gehts hier

Stattdessen muss er nach Uganda, wobei ihm zu allem Überfluss auch noch der tollpatschige Elder Cunningham an die Seite gestellt wird. Als die beiden bleichen Helden mit Rollköfferchen und «Star Wars»-Rucksack am Ziel ankommen, stellt Elder Price erschüttert fest: «Afrika ist ja überhaupt rein gar nicht wie in Lion King!»

«Ich vermisse die kollektive Ekstase»

Simon Reynolds ist der Pophistoriker schlechthin und warnte einst vor der Nostalgiesucht. Nun sorgt er für Aufruhr in der Welt der elektronsichen Musik – und tappt dabei selber in die Retrofalle.

Simon Reynolds, Musikjournalist, im Cafe für dich Zuerich, 14.11.2019

Herrje, Herr Reynolds, wie sehen Sie denn aus?!
Ich habe mich in Hamburg übel erkältet. Und die Tour durch diverse Bars nach der Lesung hat mir dann noch den Rest gegeben. Es gibt einfach viel zu viele Versuchungen in diesem Hamburg.

In irgendeiner der Hamburger Bars schallte bestimmt ein Heuler aus vergangenen Jahrzehnten aus den Boxen. Sind wir immer noch so nostalgisch unterwegs, wie Sie einst in Ihrem Buch «Retromania» schrieben?
Jein. Einerseits orientieren sich nach wie vor viele Musiker und Musikerinnen an alten Stilen und Klängen. Ausserdem tun sich ständig alte Bands wieder zusammen, um ihre alten Hits zu spielen. Für Festivals und Bands sind solche Wiedervereinigungen finanziell interessant, weil deren Fans ja mittlerweile älter geworden sind und saftige Eintrittspreise zahlen können. Streaming-Dienste wie Youtube oder Spotify ermöglichen zudem, dass man ständig zwischen verschiedenen musikalischen Epochen hin- und herdriften kann. Retro ist also immer noch ein Thema. Gleichzeitig empfinde ich diese Orientierung am Alten aber nicht mehr als ganz so erdrückend, weil wieder mehr Neues passiert, natürlich vor allem in der Welt der digitalen Musik.

Hier gibts das ganze Interview mit Simon Reynolds (Der Bund / Tages-Anzeiger 18.11.19)

Das Ende ist selten vernünftig

Chlöisu Friedlis legendäres Album «Wohäre geisch?» erscheint 37 Jahre nach der Erstveröffentlichung erneut. Es zeigt, wie aktuell die Poesie des Berners geblieben ist.

«I ga ga sünnele, tralalalala.» Nein, vor Nonsens schreckte er nicht zurück. Und wenn es seiner Meinung nach nichts mehr zu sagen gab, klappte er einfach den Klavierdeckel zu, egal wie unfertig ein Song dem Publikum erscheinen mochte. Die Rede ist von Werner ­Niklaus Friedli, genannt Chlöisu, seines Zeichens virtuoser Blues- und Jazz-Pianist und vielleicht der verkannteste Berner Musiker überhaupt.

Hier gehts zum ganzen Text zur neuen Vinyl-Ausgabe von «Wohäre geisch» in Der Bund (26.8.19) und hier zum Beitrag inklusive Interview mit Produzent Urs Hostettler für Radio RaBe

Gurtenfestival 2019

In der 36. Ausgabe des Gurtenfestivals setzt das Organisatorenteam nebst grossen Namen auch auf Experimentelles und Unbekannteres. Gut so.

AnnenMayKantereit lassen nicht nur Mädchenherzen schneller schlagen

Eine solide Grundausbildung lohne sich eben immer noch, hält Ansager Simon Stalder fest, als er die erste Band auf der Hauptbühne ankündigt. Die Eröffnung der 36. Ausgabe des Gurtenfestivals übernimmt die belgische Rapperin Coely, wobei diese ihre Grundausbildung in einem Gospelchor absolviert hatte, bevor sie im zarten Alter von 17 Jahren in einem Jugendzentrum entdeckt und unter Vertrag genommen wurde. Seitdem stand die Rapperin mit kongolesischen Wurzeln im Vorprogramm von Sprechgesangsgrössen wie Kanye West, Kendrick Lamar oder Snoop Dogg auf der Bühne.

Die ganze Besprechung der ersten beiden Tage Gurtenfestival in Der Bund (19.7.19) gibst hier