Category Archives: Musik

Ein Gott im Techno-Olymp

Seit 20 Jahren ist Samuel Geiser alias Deetron als DJ und Produzent tätig. Zu seinen House- und Techno-Tracks wird von Südafrika bis Japan und Australien getanzt.

deetron

Gerade eben beschallte er in Lissabon und Barcelona eine tanzwütige Meute, Anfang Jahr legte er in Australien und Südafrika auf, und nach dem Auftritt am Samstag im Dachstock gehts weiter nach Amsterdam und London. Der Berner DJ und Produzent Deetron alias Samuel Geiser ist einer der ganz Grossen in der internationalen House- und Techno-Szene und dabei sympathisch auf dem Teppich geblieben.

Zum ganzen Text in Der Bund vom 17.5.18 gehts hier

Schnörkellos und wütend

Einem Aussenstehenden zu erklären, warum Sleaford Mods Konzertsäle füllen, ist nicht ganz einfach. Denn nüchtern betrachtet bieten da zwei Herren wenig an gängigem Unterhaltungsmaterial, was sie auch gestern Abend im Case à Chocs in Neuchâtel unter Beweis stellten. Beatproduzent Andrew Fearn platziert auf der Bühne gerne eine Hand in der Hosentasche, derweilen sich die andere an einer Bierdose festhält. Seine einzige musikalische Konzert-Tätigkeit besteht darin, per Knopfdruck den nächsten Song von seinem Laptop abzufeuern. Derweilen bellt Jason Williamson wütende Tiraden in sein Mikrofon, die aber aufgrund seines heavy East-Midland-Akzentes (Sleaford Mods stammen aus Nottingham) kaum verständlich sind. Nein, gängiges Unterhaltungsmaterial ist das nicht, und gerade deswegen ist es grossartig.

Der Elektro-Punk-Lo-Fi-Arbeiterklassen-Rap der Sleaford Mods nahm seinen Anfang vor rund 10 Jahren, als zwei Kerle aufeinandertrafen, welche beide nirgends richtig reinpassen wollten. So beschreibt es Andrew Fearn in A Bunch of Kunst, dem Dokumentarfilm über die Sleaford Mods. (Anschauen!) Mittlerweile haben Sleaford Mods 10 Alben herausgegeben und haben sich mit ihren wütenden, gesellschaftskritischen Schimpftiraden auch ausserhalb des englischen Königreiches eine treue Anhängerschaft erspielt. Auch wenn vielleicht nicht jedes einzelne Wort verständlich sein mag, so fühlt man sich doch angesprochen von den blaffenden Ausführungen des Jason Williamson. Denn hier trägt einer das Herz auf der Zunge, einer der gegen Arbeitslosigkeit und Auswüchse des Kapitalismus wettert und dem die Oberflächlichkeit unserer Konsumgesellschaft keine Befriedigung verschaffen mag. Ehrlich, direkt und fadengrad ist das. Und genau das sind auch die elektronischen Lo-Fi-Beats des Andrew Fearn: funktional, schnörkellos, ein bisschen billig, aber ungemein treibend. Continue reading

Lasst uns das System von innen aufmischen

«Ein überwiegend weisses, männliches Line-Up fördern wir nicht.» Katja Lucker fand letzten Samstag klare Worte auf dem M4Music-Podium «Gender, who cares?!» zum Thema Gleichstellung in der Musikbranche. Lucker ist Geschäftsleiterin des Berliner Unternehmens Musicboard, welches es sich zum Ziel gesetzt hat, neue Impulse für die Pop- und Rockwelt zu setzen, beziehungsweise diese zu unterstützen, wofür der GmbH Landesgelder zur Verfügung stehen. Wenn Katja Lucker über fehlende Frauen und mangelnde Diversität in Line-Ups von grossen Festivals spricht, dann tut sie das mit Bestimmtheit und zeigt auf, dass durch ihre Art von «Erpressung» durchaus eine Verbesserung eingetreten ist. «Früher haben die vorwiegend männlichen Festivalmacher einfach ihre Kumpels angerufen und die auf die Bühne gestellt, heute sind die Line-Ups von Festivals, welche bei uns um Subventionsgelder anfragen, einiges vielfältiger.»

vlnr: Katja Lucker, Philippe Phibe Cornu, Regula Frei, Sandro Bernasconi, Hedy Graber, Moderation: Anne-Sophie Keller

Was im multikulturellen Berlin vorgelebt wird, stecke bei vielen Schweizer Festivals wie zum Beispiel auch dem Gurtenfestival noch in den Kinderschuhen, kritisierte Regula Frei von Helvetiarockt, was Gurten-Papa Phibe Cornu mit seinen Aussagen indirekt bestätigte (Frauenanteil Gurtenfestival 2018: etwas über 20%). Man sei aber auf gutem Wege, die Vielfalt auf den Bühnen zu erhöhen, sagte er. Ihm sei die Problematik von einseitigen, weiss und männlich dominierten Line-Ups lange schlichtweg nicht bewusst gewesen, sagte Sandro Bernasconi vom Open Air Basel. Erst im Gespräch mit weiblichen Bekannten sei er für diese Thematik sensibilisiert worden.
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Vinyl Videos

Und wenn man denkt, analog geht nichts mehr, kommt von irgendwo der Beat-Man her. Beziehungsweise Gregor Samsa aus Hamburg. Oder beide zusammen. Lassen Sie mich erklären. Kürzlich fand sich folgenden Nachricht in Frau Feuz’ elektronischem Briefkasten:

Hi,
ich veröffentliche am 11. Mai 2018 ein neues Album (in der Band: Mario Batkovic, Julian Sartorius, Resli Burri und Nicole Izobel Garcia), zur Zeit habe ich sieben Videos in Arbeit, wovon eines ein analoges Vinyl-Video ist ist. Kein Witz! Ich habe das Glück, eines von vier Versuchskaninchen zu sein. Ein anderes ist Motörhead.
Beat-Man

Dass der Berner Blues-Trash-König Beat-Man ein neues Band-Projekt am Start hat, verwundert wenig. Der Mann ist mit einem Tatendrang gesegnet, der jeden Hyperaktiven vor Neid erblassen lässt. Das neue muskalische Unterfangen nennt sich «Reverend Beat-Man and the New Wave» und eine erste Kostprobe offenbart: Der Meister der unheiligen Schreipredigten schreit nicht mehr, sondern singt. Was hingegen definitiv erstaunt in obiger Nachricht ist: «Vinyl-Video» und «Motörhead». Da kommt nun Gregor Samsa ins Spiel, der Chef von Sounds of Subterrania, ein Label, das in Hamburg beheimatet ist und heuer sein 20-jähriges Bestehen feiert.

Den ganzen Beitrag zu Vinyl Videos bei KulturStattBern hier nachlesen

Nicht experimentell, aber existenziell

Chain & The Gang paaren philosophische Zeitgeistkritik mit kompromisslosem Garage Rock.

Soeben hätten sie mit ihrem sechsten Album «Experimental Music» ein Werk herausgegeben, welches als Superklassiker in die Geschichte eingehen werde, lassen Chain & The Gang in ihrem Pressetext verlauten. Dass die Ansage der Formation aus Washington DC nicht gänzlich ernst gemeint sein kann, wird dann allerdings schnell einmal klar. So teilen die Damen und Herren mit, dass sie mit «Experimental Music» sämtliche Fragen beantworten würden, welche zum Beispiel John Cage, Yoko Ono oder Lamonte Young gestellt hätten. Somit bestehe in der Zukunft ja wohl kein Bedürfnis mehr für Experimente in der Musik.

chain

Zum ganzen Beitrag in Der Bund vom 6.2.18 gehts hier

Mambo Kurt: 20 Jahr Heimorgelgott

Er hat Fanclubs in Tokyo und Rio de Janeiro und steht beim Metal-Festival Wacken vor 45’000 Leuten auf der Bühne und das obwohl er ein Instrument bedient, dass im ersten Moment so gar nicht nach Rock’n’Roll aussieht: eine Heimorgel. Bei RaBe spricht der «Terminator der Alleinunterhalter» Mambo Kurt über seine Heimorgel, Groupies, Lampenfieber und darüber, dass die Welt eine bessere wäre, wenn sie nur aus Metalfans bestehen würde. Zum ganzen Beitrag gehts hier.

Am Donnerstag 18.1.18 ist Mambo Kurt mit seiner 20 Jahre-Geburtstagsshow im ISC zu Gast.

Breakdown of Sanity sagen Tschüss!

Es ist genau 10 Jahre her, dass sich die fünf Herren von Breakdown of Sanity zusammengetan haben. Seitdem ist ihr Unterfangen kontinuierlich grösser geworden, mittlerweile rufen Clubs und Festivals aus den USA, Kanada, Griechenland, Deutschland, Frankreich ja aus aller Welt an, und wollen die Berner Metalcorer buchen. Breakdown of Sanity haben das erreicht, wovon viele andere Berner Bands nur träumen: Ausverkaufte Shows im In- und Ausland vor 10’000 Leuten gehören zur Tagesordnung.
Paradoxwerweise ist der Erfolg einer der Gründe, warum die fünf Herren nun ihre Instrumente an den Nagel hängen. Am 29. Dezember wird im Berner Bierhübeli das letzte Konzert gespielt – die Show ist seit Wochen restlos ausverkauft. Bei RaBe geben die beiden Gitarristen Christoph Gygax und Oliver Stingel Auskunft darüber, warum Breakdown of Sanity am Zenit ihres Schaffens aufhören wollen und blicken zurück auf 10 Jahre Bandabenteuer.

Für Radio RaBe

Lieber Trauffer, wegen deinem Geissepeter…

Am 6. Dezember veröffentlichte ich bei KulturStattBern einen offenen Brief an den Musiker Trauffer,  und zwar wegen dessen Video zum Song Geissepeter. Der Brief verbreitete sich viral in den sozialen Netzwerken und es gingen zahlreiche Rückmeldungen bei mir ein (und zwar nicht nur von Frauen), die sich für den Brief und die Art und Weise, wie er verfasst worden war, bedankten. Bloss eine Antwort ist bis heute ausgeblieben: die von Trauffer selber. Schade.

Lieber Trauffer,
ich bin zufälligerweise letztes Wochenende auf dein neues Video «Geissepeter» gestossen. Ich finde es, nun ja, suboptimal. Wie ich dann herausgefunden habe, hat sich auch Teleclub-Moderatorin Gülsha Adilji darüber geärgert und dies lautstark kund getan. Dass sie daraufhin in den Kommentarspalten übelst rassistisch und sexistisch beleidigt wurde, ist nicht okay. Das siehst du bestimmt auch so. Und dass ein bekannter SVP-Politiker sich dahingehend äusserte, dass die Meinung dieser «veganen nicht autofahrenden linken Journalistin» ja wohl keinen interessiere, ist schlichtweg grotesk, weil komplett zusammenhangslos. Aber item, dafür kannst du ja nichts.

Ich habe dich bis anhin immer in Schutz genommen, wenn irgendwo der Vorwurf laut wurde, der Trauffer sei erzkonservativ und reaktionär und seine Musik des Teufels. Ersteres kann ich nicht beurteilen, weil ich mich nie detailliert mit deinen Songtexten auseinandergesetzt habe und wir uns nie lange genug unterhalten hätten, um diesen Sachverhalt zu klären. Letzteres ist Geschmackssache. Fakt ist: Du bist ein beliebter Musiker, der er versteht, eingängige Popnummern zu schreiben, die einen grossen Teil der Schweizer Bevölkerung toll finden. Das mag ich dir von Herzen gönnen.

Den ganzen Brief bei KulturStattBern hier lesen.

 

Milena Patagônia

Nicht entdeckt werden, sondern selber machen! Gesagt getan und so erscheint heute MP EP, ein Mini-Album mit insgesamt sieben Songs von Milena Patagônia. Hinter dem Pseudonym steckt die 31-jährige Musikerin und Journalistin Milena Krstic, eine leidenschaftliche Geräuschesammlerin, die sich ebenso leidenschaftlich für die Sache der Frau einsetzt.

Mehr zu Milena Patagônia und ihrem Video bei Radio RaBe gibts hier.

«Aute, gang mau hei»

Die Geschichte rund um den Waisenbuben Krabat, der sich auf schwarze Magie einlässt, gehört zu den bekanntesten Werken des deutschen Kinderbuchautors Otfried Preussler. Als Weihnachtsmärchen auf die Bühne des Berner Stadttheaters gebracht wird «Krabat» von der freien Gruppe Vorort, Premiere ist am Mi, 6. 12.17. Zuständig für die musikalische Untermalung bei Krabat sind die Kummerbuben. Frontmann Simon Jäggi gibt Auskunft.

3N9A0634Simon Jäggi, was war beim Projekt «Krabat» zuerst, die Musik oder das Spiel?
Die Musik. Wir haben bereits Anfang Jahr mit dem Komponieren und Texten begonnen, im Sommer haben wir dann eine Intensivphase eingelegt und innerhalb einer Woche elf Songs aufgenommen.

Geht man als Musiker anders an Songs heran, die für Theaterzwecke verwendet werden?
Der Kompositionsprozess war eigentlich sehr dankbar, weil klar war, was gefragt ist. Jonathan Loosli, der Regisseur der Gruppe Vorort, hat uns die Themen vorgegeben, zu welchen er sich Songs wünschte. Innerhalb dieser Vorgaben waren wir dann sehr frei. Themen wie schwarze Magie, Zauber, Liebe und Tod passen ohnehin in unsere Musikwelt, wir mussten uns also nicht neu erfinden. Das war sehr wohltuend, weil wir uns gerade in einer Umbruchphase befinden und nicht so recht wissen, wo es uns musikalisch hintreiben wird. Wir haben grundsätzlich Bock darauf, neue Dinge auszuprobieren, in einer solchen Phase scheitert man auch oft. Dass wir in «Krabat» machen konnten, was wir können, war eine Wohltat.

Das ganze Interview mit Simon Jäggi im Bund vom 30.11.17 gibts hier zu lesen.