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Open-Air-Aerobic-Club Gurten

kraftklub«Leute, die alles können, gehen mir auf den Sack», grummelt ein Festivalbesucher beim Konzert von Angus & Julia Stone in seinen Bart, als Frau Stone zum Bass greift, nachdem sie vorher schon Gitarre und Trompete bedient und mit tadelloser Singstimme aufgewartet hat. Die australische Multiinstrumentalistin steht am Freitagnachmittag zusammen mit ihrem Bruder Angus und zugehöriger Band auf der Hauptbühne des Gurtenfestivals und bietet Folksongs dar, die durchaus gefallen.

Es ist, also würde sich ein wohlig warmer Retro-Sepia-Filter über die noch spärlich bevölkerte Gurtenwiese legen, sobald Angus & Julia Stone ihr Konzert beginnen. Mal filigran-akustisch, mal neo-noir-rockig wird da mit klassischer Rockbandbesetzung inklusive Geige, Banjo und Bontempi-Orgel agiert und der perfekte Soundtrack für ein Publikum geliefert, das um diese Uhrzeit teilweise noch den Zweitageskater miauen hören dürfte.

Den ganzen Beitrag zum Gurtenfestival von FR & SA in Der Bund vom 16. Juli hier online lesen

Sci-Fi-Welten bauen

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Bild: Kyle De Silva (Pinterest)

Eigentlich habe sie nach dem Praktikum ja die Uni besuchen wollen. Als Weta Workshop ihr aber noch während des Praktikums einen Job angeboten habe, habe sie keine Sekunden gezögert, sagt Rebekah Tisch. Auch heute noch, 15 Jahre später, bezeichnet Tisch ihren Beruf als Traumjob. Das neuseeländische Unternehmen Weta Workshop hat sich auf Spezialeffekte für Filme spezialisiert und hat zum Beispiel einen Grossteil der physischen Objekte entwickelt, welche in Peter Jacksons «Herr der Ringe» zu sehen sind. Das Kreieren von Charakteren mache ihr persölich am meisten Spass, sagte Tisch, weil dabei künstlerisches Handwerk mit Soziologie, Ethnologie, Anthropologie gekoppelt werde. Bei der 18. Ausgabe des NIFFF, dem Fantastic Film Festival in Neuchâtel, gab die 33-jährige Einblick in ihr Schaffen.

Rebekah Tisch, sie betreiben bei ihrer Arbeit «World Building», Sie bauen also neue Welten für fantastische Filme. Ist es einfach, sich eine neue Welt auszudenken?
Beim World Building designen wir von Grund auf komplett neue Welten. Dabei starten wir mit dem grösseren Rahmen, kreieren ein Universum oder Planeten, dann zoomen wir rein, entwerfen Kontinente, Städte, Gebäude und gehen so immer weiter ins Detail. Eine komplett neue Welt zu kreieren ist eine ziemliche Herausforderung, weil wir uns dabei von unserer eigenen etablierten Gesellschaft gedanklich loslösen müssen. Unsere Welt funktioniert ja nach einem bestimmten Regelwerk. So definieren zum Beispiel physikalische Gesetze, was in unserer Welt passieren kann oder könnte. Von diesem Regelwerk müssen wir uns lösen und ein neues, eigenständiges designen. Das ist etwa gleich schwierig, wie wenn man sich eine neue Farbe vorstellen müsste.

Das ganze Interview mit Rebekah Tisch hier bei Radio RaBe lesen

Gurtenfestival 2018

Über 70’000 Menschen werden nächste Woche auf den Berner Hausberg pilgern, wenn das Gurtenfestival zu seiner 35. Ausgabe lädt. Während auf den verschiedenen Bühnen insgesamt 69 Bands auftreten, sorgt hinter den Kulissen Carlo Bommes dafür, dass alles reibungslos verläuft. Seit 18 Jahren ist Bommes der Gesamtleiter des Gurtenfestivals und zuständig für Infrastruktur und Sicherheit.
Hier gehts zum ganzen Beitrag bei RaBe und hier zum Interview mit Carlo Bommes in Der Bund (5. Juli 2018)

Apokalypsenbuben

«Itz mau Apokalypse» fordern die Kummerbuben auf ihrem neuen Album, wobei bei der gestrigen Taufe in der Dampfzentrale die Temperaturen befürchten liessen, dass der Weltuntergang tatsächlich unmittelbar bevorstehe. Als einem auf den Zuschauerrängen der Schweiss über den Rücken in die Unterhose lief, wähnte man sich zwischenzeitlich wahrhaftig auf dem Patrouillenboot des Captain Benjamin Willard im kambodschanischen Dschungel. Im Gegensatz zu Willards Unterfangen in Francis Ford Coppolas oscargekröntem Monumentalstreifen «Apocalypse Now» steuerten die Kummerbuben ihren Kahn gestern aber ohne Verluste ans Ziel. Dies auch dank einem formidablen Kapitän.

«I really care, do you?» fragt Apokalypsenbube Jäggi auf seinem Shirt

Die Rolle des Kapitäns hatte Dirigent Droujelub Yanakiew inne, denn die Herren Kummerbuben standen ja nicht alleine auf der Bühne, sondern zusammen mit dem rund 80-köpfigen Projektorchesters Variaton, mit dem sie «Itz mau Apokalypse» eingespielt haben (das Mutterschiff hat hier ausführlich berichtet). Die sechs neuen Kummerbuben-Songs wurden gestern Abend mit Sinfonien von Gustav Mahler gepaart, also demjenigen österreichischen Komponisten, der am Übergang von der Spätromantik zur Moderne steht. Es zeigte sich, dass Mahlers musikalische Aufarbeitungen von Themen wie Lebenssinn, Tod, Erlösung und Liebe bestens zum abgründigen und morbiden Pathos der Apokalysobuben passt. Continue reading

Warum Public Viewing wichtig ist

Liebe WM-Nichtmöger,

pollerNirgends könne man mehr hin, überall werde man von diesem elenden Fussball-Seich belästigt, bemerkte kürzlich eine Dame aus dem Bekanntenkreis etwas säuerlich. «‹Nirgends› und ‹überall› gehören in die Kategorie der Pfui-Wörter, weil sie verallgemeinernd und drum selten adäquat sind», hörte Frau Feuz die Deutschlehrerin aus sich heraus dozieren. «Ausserdem gibt es diverse Orte, wo kein Fussball läuft. Zu Hause im Bett zum Beispiel.» – «Also da jubeln auch alle, wenn er drin ist», wandte ein anwesender Zeitgenosse ein, was der Ernsthaftigkeit des Gesprächs nicht gerade zuträglich war.

Hier gehts zur ganzen Poller-Kolumne in Der Bund vom 26.Juni 2018

Einshoch6: Hip Hop trifft Klassik

Klassische Musik ist nicht unbedingt diejenige Musik, welche man als erstes mit Jugendlichen in Verbindung bringt. Hip Hop schon viel eher. Wenn man nun der Jugend die Klassik näher bringen möchte, warum kombiniert man sie dann nicht einfach mit Hip Hop? Diese Überlegung hat die deutsche Band Einshoch6 angestellt und flugs ein entsprechendes Crossover-Projekt ins Leben gerufen.

Am Freitag 29. Juni sind Einshoch6 im Berner Stadttheater zu Gast und spielen dort zusammen mit dem Berner Symphonieorchester ein Familien-Konzert. Mit dabei beziehungsweise vorne dran steht: KTB-Chefdirigent Kevin John Edusei. Herr Edusei, sagen Sie mal: Wie Wie viele Hip Hop-Platten haben Sie Zuhause in der Plattenkiste stehen? Ganzer Beitrag bei Radio RaBe

INSP-Award Nomination

International Network of Street Papers vergibt jedes Jahr einen Award for Best Cultural Feature an einen Text, der in einem der weltweiten Strassenmagazine veröffentlicht wurde. Mein Porträt über Slavcho Slavov und dessen 10-jährige Odysee mit Hund und Katz quer durch Europa für Surprise #408 hat es unter die 10 Finalisten geschafft. Die Gewinner werden im August beim jährlichen internationalen Kongress der Strassenzeitungen in Glasgow bekanntgegeben. Ihr drückt mir die Daumen, ja?!

Bern 4.7.2017 Slavcho Slavov mit Hund Lourd und Katze Matz im Bahnhof Bern  © Annette Boutellier

Bern 4.7.2017 Slavcho Slavov mit Hund Lourd und Katze Matz im Bahnhof Bern © Annette Boutellier

«Quando Ero Cloclo»

Eigentlich sei er das ganze Leben lang auf der Flucht gewesen, meistens vor der Realität, manchmal auch vor der Polizei. Das sagt der Filmemacher Stefano Knuchel in «Quando ero Cloclo» über seinen Vater. Der gebürtige Tessiner Knuchel erzählt darin seine Familiengeschichte und die hätte ein Schriftsteller mit Vorliebe für Gaunerfiguren nicht besser entwerfen können.

Knuchel nimmt uns mit ins Tessin der 1960er-Jahre, wo Vater und Mutter nicht nur ein Hotel betreiben, sondern auch gleich den eigenen Nachclub, in dem auch mal osteuropäische Stripperinnen mit Bär auftreten. Erzähler Knuchel schlüpft dabei in die Rolle des fünfjährigen Buben, der sich für den Bären mehr interessiert als für die Stripperin und der die rauschenden Feste, die seine Eltern veranstalten, mit grossen Augen bestaunt. Als grosses Abenteuer empfindet er auch die folgenden Jahre der Odyssee. In 20 Jahren zieht die Familie etwa 50 Mal um, was damit zu tun hat, dass der Papa gerne Dinge verhökert, die er nicht besitzt und lieber das Weite sucht, anstatt Miete zu bezahlen. Die Reise führt unter anderem ins Wallis und nach Frankreich, wo der kleine Stefano aus Einsamkeit und aus Mangel an Freunden ganz in die Welt der Musik abtaucht und, sehr zur Freude der Mama, als Claude Francois-Imitator «Cloclo» auftritt. Continue reading

Mit Glasknochen um die Welt

Seit sie 2016 den Anruf erhalten habe, in welchem ihr mitgeteilt wurde, dass sie die Gewinnerin des Tiny Desk Contest sei, also des renommierten Wettbewerbs des amerikanischen TV-Senders NRP, sei ihr Leben nicht mehr dasselbe, sagt Sängerin und Violinistin Gaelynn Lea. Weil sie danach immer mehr nationale und auch internationale Konzertanfragen erhielt, gab sie ihren Job auf, verkaufte das Haus und tourt seitdem zusammen mit ihrem Ehemann praktisch ununterbrochen um die Welt.

Gaelynn Leas Musik ist auch aus dem Grund aussergewöhnlich, weil die Indie-Folk-Musikerin ihre Geige nicht auf gängige Weise nützt. Weil sie an der Glasknochenkrankheit leidet, sehr klein ist und im Rollstuhl sitzt, spielt Gaelynn ihre Violine nicht auf der Schulter, sondern wie ein Cello und hält dabei den Bogen wie bei einem Kontrabass.  Zum ganzen Beitrag bei Radio RaBe gehts hier.

Gaelynn Lea tritt am Mittwoch 20. Juni um 19 Uhr zusammen mit dem Tabula Musica Orchester im Zentrum Paul Klee auf. Das Konzert wird im Rahmen der Reihe Zukunftsmusik ausgestrahlt, die schweizweit erste Veranstaltungsreihe für barrierefreie Musik. Sie bringt neue Instrumente, internationale KünstlerInnen und MusikerInnen mit/ohne Beeinträchtigung auf die Bühne.

Walter Studer, Fotograf

1918 erblickte in Adelboden ein Mann das Licht der Welt, dessen Leben fortan von der Fotografie geprägt sein sollte: Walter Studer. Schon Walters Vater verwandelte Zuhause das kleine Badezimmer regelmässig in eine Dunkelkammer, Walter selber absolvierte in Spiez eine dreijährige Fotografielehre, betätigte sich dann in verschiedenen Kurorten als Sportfotograf und als Fotoreporter, bevor er in Bern seinen eigenes Geschäft eröffnete. Dieses lief gut, Walter Studer erhielt Fotoaufträge von Presse, Industrie und Wirtschaft – entsprechend vielfältig war denn auch sein Schaffen.

In diesem Jahr hätte Walter Studer seinen 100. Geburtstag feiern können, grund genug für das Berner Kornhausforum, dem umtriebigen Fotografen eine Sonderausstellung zu widmen. Gezeigt werden über 200 schwarz-weiss Fotografien, die in 15 thematische Kapitel gegliedert wurden. Zum ganzen Beitrag bei Radio Rabe gibts hier.