Brummer und Engelsstimmen

Der Kinder- und Jugendchor des Berner Münsters erfreut sich regen Zuwachses. Das liegt auch an den kreativen Arbeitsmethoden des Chorleiter-Ehepaars, wie ein Probenbesuch zeigt.

Foto: Enrique Muñoz García

Die 20 kleinen Löwen sind gerade aus tiefem Schlaf aufgewacht. Sie gähnen ausgiebig, strecken und recken sich, pusten Sand aus dem Fell und versuchen sich dann in gefährlichem Löwengebrüll. Diese Szene spielt sich nicht etwa in einer BBC-Tierdokumentation ab, sondern im Kirchgemeindehaus der Französischen Kirche in Bern. Die Wildkätzchen sind die jüngsten Mitglieder des Berner Münster Kinder- und Jugendchors (BMKJC), alle zwischen sechs und neun Jahren alt, und wärmen mit den Löwenübungen spielerisch Körper und Stimme auf. Die Kinder sind offensichtlich mit Elan und Freude bei der Sache.

Die ganze Reportage gibt’s hier zu lesen.

Bilanz zum Ghost Festival

Welle der Solidarität und 1.2 Mio für Schweizer Musikschaffende dank dem Ghost Festival – wir freuen uns sehr! Das Interview dazu gibts im Tages-Anzeiger.

War das zu verkopft? Inhaltslos? Oder eben genau richtig? Das Konzept des Ghost Festival war auf jeden Fall mutig: Musikfans sollten Tickets für einen Event kaufen, bei dem nichts passieren würde, wo es nichts zu sehen und hören gab. Doch die Idee ging auf: 34’500 Menschen haben letztlich die Solidaritätsaktion unterstützt.

Am Montag konnten die Verantwortlichen hinter dem Festival eine erste Bilanz ziehen und vermelden: 1,2 Millionen Franken wurden allein über den Ticketverkauf eingenommen – der Verkauf von Merchandise läuft noch bis am 14. März. Doch was passiert jetzt genau mit dem ganzen Geld? Und wie profitieren die Künstlerinnen und Künstler davon? Gisela Feuz, Medienkoordinatorin des Festivals, beantwortet die offenen Fragen.

Das ganze Interview zum Ghost Festival (Tages-Anzeiger 4.3.21) gibts hier.

Alles Liebe zum 50. ISC!

Der ISC Club feiert seinen 50. Geburtstag mit einem Festival im Freien. Aus der anrüchigen Studentenbude ist eine der Topadressen im Berner Nachtleben geworden. Doch der Club blickt in eine ungewisse Zukunft.

Beim Betreten des ISC Clubs liegt dieser eigentümliche, unverkennbare Geruch in der Luft: eine Mischung aus Putzmittel und Bier, wobei das Ganze mit einer erdigen Note angereichert ist. Es ist keinesfalls ein übler Geruch, sondern einer, der sehr viele gute Erinnerungen wach werden lässt. Dazu mehr später.

Die erdige Note im ISC-Parfüm mag daher rühren, dass sich der Club in Räumlichkeiten befindet, die am Fusse des Bierhübelis ins Erdreich hineingebaut wurden. Als der ISC 1970 an seinem jetzigen Standort eröffnet wurde, kostete der Eintritt für studentische Mitglieder einen, für Gäste zwei Franken. Zur Verfügung standen ein Rechaud zum Kaffeekochen und ein Automat, an welchem alkoholfreie Getränke bezogen werden konnten.

Den ganzen Text (Der Bund, 10.9.20) gibst hier zu lesen.

«Wenn jemand einschläft, wäre das ein Kompliment»

«Trip ohne Drogen» nennt Schlagzeuger Simon Baumann sein ­Konzert, bei dem die Gäste ­­­auf Matten liegen. (Turnhalle Progr, Sonntag, 22. Dezember)

Herr Baumann, was hat es mit dem Namen Osomo auf sich?
Osomo ist eine Ableitung aus meinem Vor- und Nachnamen. Als ich dieses Projekt angegangen bin, habe ich mir Fragen gestellt: Wer bin ich? Was würde ich als Schlagzeuger auf einer Bühne tun wollen, wenn ich dort ganz alleine wäre? Was interessiert mich als Soloformation, was will ich erforschen? Es ist also ein sehr persönliches Projekt.

Und, was möchten Sie erforschen?
Mich interessiert die Frage, wie man Leute via Musik überhaupt noch erreichen kann in der heutigen Zeit, die von Digitalisierung, gesellschaftlichem Wandel und von Umwälzungen in der Musiklandschaft geprägt ist. Viele von uns sind doch eh schon bedient mit ständigen Inputs von allen Seiten. Vielleicht braucht es bei all der Reizüberflutung also nicht einfach ein nächstes Konzert in traditioneller Form. Kein weiteres Entertainment-Produkt, das konsumiert wird, sondern etwas, bei dem die Menschen einfach mit sich selber in Verbindung treten können. Eine Mischung aus Musik und Kur. Das versuche ich mit Osomo auszuloten.

Zum ganzen Interview (Der Bund 19.12.19) mit Simon Baumann alias Osomos gehts hier

Liebe Züri West

Ihr werdet wohl kaum damit gerechnet haben, als ihr anno 1984 in irgendeinem popeligen Übungsraum eure ersten gemeinsamen Akkorde schrummeltet, dass ihr 35 Jahre später Gast bei eurer eigenen Tribut-Nacht sein würdet, gellet. Ich nehme an, dass euch der letzte Freitag im ausverkauften Dachstock der Reitschule ein Wechselbad der Gefühle beschert hat. Ein bisschen stolz seid ihr ja hoffentlich schon gewesen – welche Band wäre das nicht, wenn sich rund 30 Musiker und Musikerinnen zusammentun, um einem Tribut zu zollen?

Die ganze Kolumne in der Bund (19.3.) gibts hier zu lesen

Open-Air-Aerobic-Club Gurten

kraftklub«Leute, die alles können, gehen mir auf den Sack», grummelt ein Festivalbesucher beim Konzert von Angus & Julia Stone in seinen Bart, als Frau Stone zum Bass greift, nachdem sie vorher schon Gitarre und Trompete bedient und mit tadelloser Singstimme aufgewartet hat. Die australische Multiinstrumentalistin steht am Freitagnachmittag zusammen mit ihrem Bruder Angus und zugehöriger Band auf der Hauptbühne des Gurtenfestivals und bietet Folksongs dar, die durchaus gefallen.

Es ist, also würde sich ein wohlig warmer Retro-Sepia-Filter über die noch spärlich bevölkerte Gurtenwiese legen, sobald Angus & Julia Stone ihr Konzert beginnen. Mal filigran-akustisch, mal neo-noir-rockig wird da mit klassischer Rockbandbesetzung inklusive Geige, Banjo und Bontempi-Orgel agiert und der perfekte Soundtrack für ein Publikum geliefert, das um diese Uhrzeit teilweise noch den Zweitageskater miauen hören dürfte.

Den ganzen Beitrag zum Gurtenfestival von FR & SA in Der Bund vom 16. Juli hier lesen

Apokalypsenbuben

«Itz mau Apokalypse» fordern die Kummerbuben auf ihrem neuen Album, wobei bei der gestrigen Taufe in der Dampfzentrale die Temperaturen befürchten liessen, dass der Weltuntergang tatsächlich unmittelbar bevorstehe. Als einem auf den Zuschauerrängen der Schweiss über den Rücken in die Unterhose lief, wähnte man sich zwischenzeitlich wahrhaftig auf dem Patrouillenboot des Captain Benjamin Willard im kambodschanischen Dschungel. Im Gegensatz zu Willards Unterfangen in Francis Ford Coppolas oscargekröntem Monumentalstreifen «Apocalypse Now» steuerten die Kummerbuben ihren Kahn gestern aber ohne Verluste ans Ziel. Dies auch dank einem formidablen Kapitän.

«I really care, do you?» fragt Apokalypsenbube Jäggi auf seinem Shirt

Die Rolle des Kapitäns hatte Dirigent Droujelub Yanakiew inne, denn die Herren Kummerbuben standen ja nicht alleine auf der Bühne, sondern zusammen mit dem rund 80-köpfigen Projektorchesters Variaton, mit dem sie «Itz mau Apokalypse» eingespielt haben (das Mutterschiff hat hier ausführlich berichtet). Die sechs neuen Kummerbuben-Songs wurden gestern Abend mit Sinfonien von Gustav Mahler gepaart, also demjenigen österreichischen Komponisten, der am Übergang von der Spätromantik zur Moderne steht. Es zeigte sich, dass Mahlers musikalische Aufarbeitungen von Themen wie Lebenssinn, Tod, Erlösung und Liebe bestens zum abgründigen und morbiden Pathos der Apokalysobuben passt. Continue reading

Die Grossstadt erkunden

Die Berner Musikerin Karin Jampen hat mit «Linea» ein experimentierfreudiges Stück über die Grossstadt produziert.

Bildschirmfoto 2018-06-02 um 09.08.37

Manhatta (1921) directed by Paul Strand, Charles Sheeler

In Ihrem interdisziplinären Stück «Linea» gibt es die beiden Kurzfilme «Manhatta» und «Regen» zu sehen, welche live vertont werden. Die Filme werden dem Genre «City Symphonies» zugeordnet. Was muss man sich unter einer City Symphonie vorstellen?
Die beiden Filme, welche wir zeigen, sind in den 1920er-Jahren entstanden. Der Beginn des 20. Jahrhunderts war eine Zeit des Umbruchs in allen Lebensbereichen: Urbanisierung, Massenindustrie, technischer Fortschritt und wissenschaftliche Erkenntnisse sorgten dafür, dass es damals brodelte. Dieser historische Umbruch prägte auch die Künste massgebend mit. Die Kunst versuchte, dem Zeitgeist nachzufühlen, ihn einzufangen. Die Grossstadt in ihrer Vielschichtigkeit diente dabei als Fundus für neue Techniken, Bilder und auch für neue Klänge und Geräusche. Eine City Symphonie versucht also, das Lebensgefühl einer neuen Urbanität einzufangen und dabei mehrere Sinne anzusprechen.

Das ganze Interview mit Karin Jampen in Der Bund vom 31.5. hier nachlesen