Category Archives: Auf die Ohren

Hodenschweissalarm

Draussen warens 23, drinnen gefühlte 200 Grad. Sauna-Zeremonienmeister am Dienstagabend im ausverkauften ISC waren die Mannen von Kvelertak, derjenigen norwegischen Metal-Band, die ab September als Special Guest mit Metallica auf deren Worldwired-Tour unterwegs sein werden. Den sechs Norwegern dürfte ja wohl der Schuss abgegangen sein, als diese Metallica anriefen. Aber item.

Ein richtig gutes Konzertfoti von Tilman Jentzsch.

Jedenfalls platzte das ISC am Dienstagabend aus allen Nähten, es herrschte Hodenschweissalarm, die Jugend vergnügte sich mit Stagediving, derweilen vorne Kvelertak einen Bass, ein Schlagzeug und drei Gitarren malträtierten. Was dabei herauskam, war eine musikalische Wundertüte sondergleichen. Auf lange Instrumentalpassagen, die schon fast progressiv anmuteten, folgten solid stampfende, wenn auch wenig innovative Blues-Rock-Riffs, melodische Rock’n’Roll-Gitarrenthemen mit Ohrwurmpotential wurden von brettharten Black-Metal-Blastbeats abgelöst, derweilen sich Erlend Hjelvik die Seele aus dem Leib schrie. So ein bisschen wie Schwedenrock auf böse klang das zwischenzeitlich, wie wenn Hellacopters mit Iron Maiden ins Bett gegangen wären. Unterhaltsam war das alleweil, wenn sich auch das Mitsingen eher schwierig gestaltete, denn man(n) kreischt norwegisch.

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Bizarre Musikgenres Teil 25: Gospel Black Metal

Die Welt der Musikgenres ist eine vielfältige, bunte und manchmal unfreiwillig komische. In dieser Serie sollen Genres zum Zuge kommen, von denen Sie bis anhin vielleicht (zu recht) noch nie gehört haben. Heute: Gospel Black Metal.

Zurückgerufen hat er dann doch nicht. Aber irgendwie kann man es ihm auch nicht verübeln, diesem Manuel Gangneux, denn der 28-jährige Basler geht mit seinem Unterfangen Zeal & Ardor gerade durch die Decke. Und zwar mit Lichtgeschwindigkeit. Noch bevor der Sohn eines Wallisers und einer Amerikanerin auch nur ein Konzert gespielt, geschweige denn eine Platte herausgegeben hatte, wurde er von der internationalen Presse gefeiert, als wäre er der Retter der Musik. Ist er ja irgendwie auch, weil er nämlich demonstriert hat, dass noch nicht alle musikalischen Pfade ausgetrampelt sind. Gagneux kombiniert bei Zeal & Ardor zwei Genres, welche weiter nicht auseinanderliegen können: Black Metal und Gospel. Wie das klingt? Fantastisch.

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«Kunst im Knast»

Die Heilsarmee ist die einzige Freikirche, welche in der Schweiz Menschen in Justizvollzugsanstalten besuchen darf. Eine dieser Besucherinnen ist Hedy Brenner. Die 62-jährige ist einerseits Offizierin in der Heilsarmee, andererseits aber auch Vorstandtsmitglied eines Vereins, welcher das künstlerische Schaffen von Gefangenen sichtbar machen will. Das passiert zurzeit im Berner Heilsarmeemuseum, wo rund 25 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen ausgestellt sind, welche alle hinter Gefängnismauern entstanden sind. Die Ausstellung heisst «Kunst im Knast» und genau in dieser Ausstellung hat sich Frau Feuz mit Hedy Brenner getroffen. Kurz zuvor hatte sich diese allerdings noch hinter dicken Gefängnismauern befunden.

Bilder der Ausstellung finden sich hier.

Ritter des metallenen Ordens

Es war einmal vor langer, langer Zeit ein junger Prinz namens Frederyk. Frederyk lebte im hohen Norden (Basel), wo die Nächte lang und die Gemüter finster sind. Auch Frederyks Gemüt war finster. Sein ganzes Leben hatte er als Gefangener im hohen Turm seiner bösen Schwiegermutter Roche verbringen müssen, weil diese eifersüchtig auf Frederyks goldenes, wallendes Haupthaar war. Roche selber hatte nämlich nur Pilze auf dem Kopf. Dafür leuchteten diese.

Eines Tages ritt ein Trupp fescher Ritter an Frederyks Gefängnis vorbei. «Ja wer seid denn ihr? Seid ihr etwa Grillen?» rief Frederyk aus dem Fenster, denn sein Turm war so hoch, dass die feschen Ritter von oben klein wie Insekten aussahen. «Ich bin euer Zar», schrie Frederyk weiter, er, der aufgrund seiner menschenfernen Erziehung wenig Ahnung von Anstand, geschweige denn von politischen Ämtern hatte, dafür aber für sein Leben gerne schrie. «Nein, wir sind Ritter des metallenen Ordens. Wir sind auf dem Weg zum militärischen Stützpunkt, wo wir am Palmsonntag musizieren wollen. Im Volksmunde werden wir deswegen Palmer genannt», antwortete die Viererschaft. Da ging dem jungen Frederyk das Herz auf. Musizieren! Welch wundersamer Klang dieses Wort schon nur hatte. «Zatokrev aber auch, nehmt mich mit!», schrie er und liess schnell seine wallendes blondes Haupthaar herab. Da erbarmten sich die Ritter dem jungen Frederyk, befreiten ihn aus seinem Turm, nahmen ihn in ihre Gesellschaft auf und nannten ihn fortan liebevoll Zar der Grillen.

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Knöppel, ehr Wichser!

Primitiv und ordinär finden die einen – grösstsmögliche Unterhaltung sagen die anderen. Bereits seit den 90er-Jahren treibt Daniel Mittag genannt Midi sein Unwesen im Schweizer Musikzirkus. In den Anfängen tingelte der heute 44-jährige als Jack Stoiker durch die Lande, wobei er wegen seinen skurrilen Live-Shows, seinem fehlenden Gesangstalent und wegen seinen abenteuerlichen Reimkünsten zur Kultfigur wurde. In breitestem Sankt-Galler-Dialekt erzählte dieser Jack Stoiker Geschichten aus dem Alltag, wobei er ganz offensichtlich eine Vorliebe für pubertären Humor hegte.
Mittlerweile hat Midi eine Punkband namens Knöppel ins Leben gerufen, welche letzten Oktober ihr erstes Album veröffentlicht hat. Ein Konzeptalbum, ähem.

Wo ist Gaudenz?

Kommendes Wochenende kommen Hörfetischisten auf ihre Kosten: Im Kino Rex wird beim 7. sonOhr Festival Ohrensex Audiokunst geboten. Form und Inhalte der Wettbewerbsbeiträge sind vielfältig. Es gibt Features, Dokumentationen, Reportagen und Klangcollagen in Deutsch, Französisch und Italienisch zu hören, die sich unter anderem um Kühe am Schönheitswettbewerb, den schweren Umgang mit Demenz oder die vermeindliche Mutation von Getreidekörnen drehen. Ausserdem wird mit «Nosferatu reloaded» ein Live-Hörspiel fabriziert und bei den Hörgames «Blowback – Der Auftrag» und «Polder – become a story» kann das Publikum gar selber mittun.

Der Blick ins Programm verrät, dass dieses Jahr einer fehlt. Ein Kurzhörspielmacher, der sonst bei sonOhr immer dabei ist. Einer, der in schönster Do-it-yourself-Manier vom Texten übers Komponieren und Pegeln alles selber übernimmt und dann auch noch gleich alle Rollen einspricht und zwar in unterschiedlichen Dialekten. Einer, dessen Beiträge humortechnisch, nun ja, vielleicht nicht jedermanns Sache sind, der aber andererseits gerade wegen seiner kindlichen Experimentierfreude und dem niederschwelligen «Gott, du bisch ä blöde Siech»-Humor über eine eingefleischte, weltumfassende Fangemeinde verfügt (Matto Kämpf und Frau Feuz). Gaudenz Trüeb, wo bist du? Dir ist doch hoffentlich nichts zugestossen, oder?! Und gell, nächstes Jahr kommt wieder was von dir? Einfach bitte nicht über Raclette. Sonst kann man das dann auch nicht mehr essen.

Das sonOhr Festival findet vom 17. – 19. Februar im Kino Rex statt, mehr zu Gaudenz Trüeb können Sie hier in Erfahrung bringen.

«Bauer sucht Power»

IMG_0283Das Jahr ist zwar noch jung, aber die Gewinner im Wettbewerb um den schönsten Flyer sind bereits bekannt. Welcher Wettbewerb? Na jeder, der da im 2017 noch kommen mag. Ich mein: dieses ausgeklügelte Arrangement, diese sinnliche und harmonische Ästhetik der Bildkomposition. Meisterhaft. Fürwahr.

Seit 15 bis 17 Jahren (man ist sich bezüglich der Dauer des Bestehens bandintern nicht ganz einig) «verpiggern» die Herren vom Biggerclub Heuler aus der Rock-, New Wave- und Punkgeschichte. Gefunden hätten sie sich damals per Annonce in der Tierwelt, sagt Sänger Thomas «Hoschi» Hostettler. Auf «Bauer sucht Power» hätten sich die Herren Schütz (Bass), Abt (Gitarre) und Hertig (Schlagzeug) gemeldet und seitdem fährt die illustere Männerriege mit dem Traktor von Landgasthof zu Landgasthof und beschallt alles, was bei one, two, three, four nicht auf den Bäumen ist.

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«Je lauter und blöder desto besser»

Die Garagen-Trash-Punk-Mannschaft The Monsters feiert ihr 30-jähriges Bestehen und veröffentlicht ihr achtes Album «M», das mit viel Sinn fürs Unperfekte besticht.

Die Familie mit den zwei Kindern, welche kürzlich bei ihm im Laden aufgekreuzt sei, habe rechtsumkehrt gemacht und sein Verkaufslokal ziemlich zackig wieder verlassen, als er die neue Platte seiner Band aufgelegt habe. «Wie wenn dich einer würgt und dir dazu volle Pulle ins Gesicht schreit, etwa so klingt sie», sagt Beat Zeller alias Beat-Man, seines Zeichens Kopf des Plattenlabels Voodoo Rhythm und Frontmann der lautesten und trashigsten Berner Gitarren-Männerriege: The Monsters. 30 Bühnenjahre haben die Herren Monsters auf dem Buckel, leiser oder besser sind sie nicht geworden. Im Gegenteil.

Der ganze Beitrag in «Der Bund» hier lesen: online / pdf

Audio-Feature: Auf Besuch im Übungsraum bei The Monsters

«Hey Wichsers»

«Hey Wichsers» ist ein denkbar schlechter Titel für einen Blog und wird Frau Feuz ganz bestimmt Scherereien mit dem Volkskommissariat für innere Angelegenheiten einhandeln. Aber andererseits ist es uns Kultur-Schreiberlingen ja auch ein Anliegen, Sie, werte Leserschaft, bezüglich Meisterwerke der Hochkultur auf dem Laufenden zu halten und dazu gehört eben auch ein soeben herausgekommenes musikalische Erzeugnis mit dem klingenden Titel «Hey Wichsers». Gibt es einen besseren Namen für eine Garagen-Punkrockplatte? Mal eben schnell im Wortfächer «Flüech & Schlämperlige» Alternativen nachgeschlagen. Anbieten würde sich allenfalls «Hey Mürggle», «Hey Tuble», «Hey Gigle», «Hey Süchle» oder «Hey Möffe». Alles gut und recht, hat aber nicht die gleiche Tiefe, Dringlichkeit und Prägnanz, da gehen Sie mit mir einige, werte Leserschaft, nicht?

Mit «Hey Wichsers» meldet sich der St. Galler Kultbarde Jack Stoiker zurück. Der macht jetzt nämlich unter dem Namen Knöppel Garagen-Punkrock nach dem Motto: weniger Riffs, mehr laut. Zotig, derb und hintergründig-komisch werden hier in breitestem St.Galler-Deutsch die relevanten Themen des Weltgeschehens abgehandelt wie etwa König Fussball, Shopping, Arztbesuch («Hend weg vo mim Sack») oder prekläre Machtverhältnisse am Arbeitsplatz («Scheff»). Ein astreines Konzeptalbum hat der Herr Stoiker da mit seinem Männertrio gebastelt, wobei das Konzept darin besteht, dass in jedem Song mindestens einmal das Wort «Wichser» vorkommen muss. Sie finden das primitiv und ordinär? Kindisch und unreif? JA UND?! Genau das richtige für einen Montag, oder etwa nicht?! Bob Dylan war gestern, the future is Knöppel, ihr Wichsers!

«Hey Wichsers» ist seit drei Tagen im Handel erhältlich, Knöppel werden ihr Meisterwerk am 18.11. im Helsinki taufen und irgendwann Anfang nächstes Jahr nach Bern kommen. Mehr zum Wortfächer «Flüech & Schlämperlige», mit dem es sich wunderbarst Berndeutsch fluchen lässt, gibt’s hier.