Lieber Øscår Elch

Du bist ja kürzlich unter Beschuss geraten, weil du in deiner Pop-up-Bar Heizstrahler aufgehängt hast, du Hirsch du. Dir sei nicht bewusst gewesen, dass man das nicht dürfte, hast du verlauten lassen. Ist ja auch nicht einfach, sich als Paarhufer aus dem hohen Norden durch den Schweizer Gesetzesdschungel zu elchnen. Schon klar. Merke dir einfach Folgendes: Heizpilze und -strahler sind pfui, Gløgg ist hui. Montiert man nämlich genug von diesem schwedischen Glühwein, den du verkaufst, in sich hinein, brauchts keine externe Wärmequelle mehr. Und ausserdem spricht man plötzlich auch fliessend Schwedisch. Was sagst du lieber Øscår Elch? Beides ein Trugschluss? Pah. Spielverderber.

Die ganze Poller-Kolumne (Der Bund 3.12.19) gibts hier zu lesen

«Freund von Zucht und Ordnung»

Weder geizt Lisa Eckhart mit schwarzem Humor noch mit politischen Unkorrektheiten. Die 27-jährige Österreicherin gewann 2016 als zweite Frau die österreichische Poetry-Slam-Meisterschaft und hat dieses Jahr nebst dem deutschen Kabarett- und Kleinkunstpreis auch den Salzburger Stier verliehen bekommen. Vor zwei Wochen hatte Lisa Eckhart einen Kurzauftritt in der SRF-Late Night Show «Deville» – nun ist sie mit ihrem zweiten abendfüllenden Kabarett-Programm «Die Vorteile des Lasters» in Bern zu Besuch.

Lisa Eckhart und die Laster (Bild:Franziska Schrödinger)

Frau Eckhart, ich habe irgendwo gelesen, dass Sie Ihre eigene Bühnenpräsenz mit der von Klaus Kinski vergleichen und …
Moment, das stimmt so nicht. Ich habe einmal gesagt, dass ich die Figur Kinski für ihre Flamboyanz bewundere. Einen Vergleich fänd ich anmassend. Da müsste ich zuerst noch einiges zulegen an cholerischer Attitüde, die mir nicht so eigen ist.

Eine gewisse Strenge legen Sie aber schon auch an den Tag bei Ihren Auftritten.
Ja. Ich bin ein grosser Freund von Zucht und Ordnung. Ich verstehe zum Beispiel den Bühnengraben auch metaphorisch. Das hiesst, dass ich nicht versuche, mich mit dem Publikum zu verbrüdern, weil ich diesem die Freude nicht nehmen möchte, zu einer Figur hochschauen zu dürfen. Bin ich selber in der Zuschauersituation, möchte ich das auch so haben. Ich will nicht jemanden vor mir haben, der versucht, sich mit mir auf Augenhöhe zu unterhalten, sondern die Person soll mich in dem Moment befehligen. Ich glaube, es ist für alle Beteiligte lustvoller, wenn Ordnung herrscht und eine Front gezogen wird.

Hier gehts zum ganzen Interview mit Lisa Eckhart (Der Bund 28.11.19) und hier zum Radio-Interview mit der Dame (RaBe 2.12.19)

«Ich vermisse die kollektive Ekstase»

Simon Reynolds ist der Pophistoriker schlechthin und warnte einst vor der Nostalgiesucht. Nun sorgt er für Aufruhr in der Welt der elektronsichen Musik – und tappt dabei selber in die Retrofalle.

Simon Reynolds, Musikjournalist, im Cafe für dich Zuerich, 14.11.2019

Herrje, Herr Reynolds, wie sehen Sie denn aus?!
Ich habe mich in Hamburg übel erkältet. Und die Tour durch diverse Bars nach der Lesung hat mir dann noch den Rest gegeben. Es gibt einfach viel zu viele Versuchungen in diesem Hamburg.

In irgendeiner der Hamburger Bars schallte bestimmt ein Heuler aus vergangenen Jahrzehnten aus den Boxen. Sind wir immer noch so nostalgisch unterwegs, wie Sie einst in Ihrem Buch «Retromania» schrieben?
Jein. Einerseits orientieren sich nach wie vor viele Musiker und Musikerinnen an alten Stilen und Klängen. Ausserdem tun sich ständig alte Bands wieder zusammen, um ihre alten Hits zu spielen. Für Festivals und Bands sind solche Wiedervereinigungen finanziell interessant, weil deren Fans ja mittlerweile älter geworden sind und saftige Eintrittspreise zahlen können. Streaming-Dienste wie Youtube oder Spotify ermöglichen zudem, dass man ständig zwischen verschiedenen musikalischen Epochen hin- und herdriften kann. Retro ist also immer noch ein Thema. Gleichzeitig empfinde ich diese Orientierung am Alten aber nicht mehr als ganz so erdrückend, weil wieder mehr Neues passiert, natürlich vor allem in der Welt der digitalen Musik.

Hier gibts das ganze Interview mit Simon Reynolds (Der Bund / Tages-Anzeiger 18.11.19)

«Kampfchüe Mänhättän»

Schriftsteller Rolf Hermann gibt mit «Eine Kuh namens Manhattan» 67 kurze Texte im Walliser Dialekt heraus. Wunderbar knorrige Figuren bevölkern seine Welt.

Weil die Walliser Kampfkuh namens Manhattan einmal mehr überlegen den kantonalen Ringkuhkampf gewonnen hat, braucht sie eine neue «Üssaforderig». Kurzerhand kapert die resolute Kuhdame in Aproz ein Mountainbike und radelt damit zum Bahnhof von Leuk, wo sie den Intercity besteigt. Willkommen in der Welt von Rolf Hermann.

Die ganze Besprechung zu «Eine Kuh namens Manhattan» (Der Bund 15.11.19) gibst hier und hier liest Rolf Hermann exklusiv bei Radio RaBe