Category Archives: Theater

«Sit so guet, s.v.p – Das Musical»

«Das kann doch wohl nicht euer Ernst sein?!» So die Reaktion des gebürtigen deutschen Schauspielers Dennis Schwabenland, als ihm das Partei-Programm der SVP in die Hände fiel. «Dieses Parteiprogramm ist so absurd, das müsste man auf die Bühne bringen», dachte sich Schwabenland. Gesagt getan: mit Matto Kämpf, Raphael Urweider und King Pepe liessen sich geeignete Mitstreiter finden. Herausgekommen ist nun das Stück «sit so guet, svp», in welchem rechte Populisten furchtlos und satirisch aufs Korn genommen werden. Zu sehen in der Dampfzentrale, 22. -30. Juni 2017.

Zukunftsutopie «Oh Boyoma»

Viele Menschen sind etwas fantasielos, wenn es darum geht, ein positives Bild der Zukunft zu zeichnen. Nicht so Elia Redinger. Der 32-jährige Künstler und Musiker wurde einst in Kinshasa geboren und verbrachte dort die ersten sechs Jahre seines Lebens als Kind von Schweizer Entwicklungshelfern. Zurzeit ist Redinger als Hausautor bei Konzert Theater Bern tätig und hat sich für seine neuste Produktion zurück in die Vergangenheit begeben. Zumindest geografisch. «Oh Boyoma» – so der Titel des Stücks – spielt nämlich an einem fiktiven vergessenen Ort im Kongo. Zeitlich allerdings wird in die Zukunft gereist und zwar ins Jahr 2030. Gisela Feuz war bei der Hauptprobe von «Oh Boyoma» dabei.

«Oh Boyoma» wird bis Freitag 16. Juni in der Heiteren Fahne aufgeführt.

Hier gehts zu Frau Feuz’ Besprechung in «Der Bund» vom 6.6.17

«Träges Herz»

Seit Sommer 2015 erlebt Europa eine Flüchtlingskrise ungeahnten Ausmasses. Vor allem an den Grenzen Europas aber auch an neuralgischen Punkten innerhalb Europas herrscht Ausnahmezustand und Rechtlosigkeit. Ab Dienstag wird im Schlachthaustheater ein Stück aufgeführt, bei welchem die Flüchtlingskrise eine zentrale Rolle einnimmt, allerdings wird nicht das Elend der Menschen ins Rampenlicht gezerrt, sondern vielmehr gefragt, wer denn die ganzen Freiwilligen sind, die vor Ort Hilfe leisten. Ausgehend von einem Fall im eigenen Familienkreis hat Schauspieler und Regisseur Lorenz Nufer zusammen mit Autorin Renata Burckhardt das Stück «Träges Herz» erarbeitet.

«50 Grades of Shame»

Die Informations- und Bilderflut der Performance «50 Grades of Shame» des deutschen Kollektivs She She Pop in der Dampfzentrale überfordert. Die Botschaft aber tröstet.

sheshepop

«Wahrscheinlich irgendwas mit der Technik», wurde gestern Abend in der Dampfzentrale gemutmasst, als sich der Start von «50 Grades of Shame» der Performance-Gruppe She She Pop hinauszögerte. Und tatsächlich: Zuerst habe eine Projektion gestreikt und dann sei auch noch eine Kamera ausgestiegen, erklärte Aua-Leiterin Nicolette Kretz die 30-minütige Verspätung.

Technische Gerätschaften sind bei She She Pop unabdingbar, denn wie in früheren Performances (siehe «Bund» vom 11. Mai) des in Berlin ansässigen Kollektivs sind auch bei «50 Grades of Shame» Videoprojektionen ein zentrales Element. Auf zwei grossen Tafeln werden Überblendungen gezeigt, die sich aus Bildern mehrerer Live-Kameras zusammensetzen, wobei die Kameras quer über die ganze Bühne verteilt sind.

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Vagimmel & Mönis: Genderpuff

Die kommenden Tage wird das Schlachthaustheater in ein Puff verwandelt, genauer in ein Genderpuff. So heisst nämlich das Stück, welches 16 Mitglieder des Jugendclubs dort aufführen. Dabei geht es nicht nur um die Geschichte der Mütter, Grossmütter und Urgrossmütter, sondern um die Hinterfragung von Geschlechterrollen im Allgemeinen und um die Frage, von wo diese eigentlich stammen und warum jede/r Che Guevara, aber niemand Olympe de Gouges kennt. Dazu wird das Schlachthaustheater in ein Museum mit verschiedenen Stationen verwandelt.

Die verlorene Ehre der K.B.

100 Jahre alt wäre er dieses Jahr geworden, der deutsche Schriftsteller Heinrich Böll. Böll gehört zu den bekanntesten Literaten der Nachkriegszeit und wurde in den 70er-Jahren mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. In seinen Romanen, Kurzgeschichten, Hörspielen und zahlreichen politischen Essays setzte er sich kritisch mit dem zeitgenössisches Geschehen auseinander. So auch in seiner Erzählung «Die verlorene Ehre der Katharina Blum», in welcher Böll das Vorgehen von sensationsgeilen Boulevard-Zeitungen anprangert.
Zu Bölls 100. Geburtstag inszeniert Alexander Kratzer im Theater an der Effingerstrasse genau diese verlorene Ehre der Katharina Blum und zwar in einer eigenen, neuen Theaterfassung bei der auch Drum’n’Bass zum Zuge kommt.

Eine Schneekanone und viel Gewalt

Das Theater Marie fährt bei seiner Inszenierung von «Liliom» des ungarischen Dramatikers Ferenc Molnár in der grossen Halle der Reitschule viel Material auf, vernachlässigt dabei aber die Figurengestaltung.

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Es ist ein Ungetüm von einem Stoff, den sich das Theater Marie für seine neuste Inszenierung ausgesucht hat, welche zurzeit in der Grossen Halle der Reitschule gezeigt wird. Wenig andere Sozialdramen wurden so oft und in so vielfältiger Form reproduziert wie «Liliom» des ungarischen Dramatikers Ferenc Molnár. 1909 in Budapest uraufgeführt, wurde der Stoff bereits drei Jahre später für deutsche und österreichische Bühnen übersetzt.

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Top Dogs im Zwinger

Das Theater Matte zeigt mit Jordi Galcerans «Die Grönholm-Methode» ein unterhaltsames Stück, in dem ein Bewerbungsgespräch zum Kampf in der Löwengrube verkommt.
Ein Sitzungszimmer mit kahlen Wänden, vier metallene Stühle, ein Tisch, auf dem vier Gläser und eine Karaffe mit Wasser stehen – das Setting des Stücks «Die Grönholm-Methode» auf der Bühne des Theaters Matte ist steril und nüchtern. Was sich allerdings in den rund 90 Minuten Spielzeit ereignet, ist alles andere als geordnet und klar. Nach und nach treffen drei Bewerber und eine Bewerberin in diesem Sitzungszimmer ein, alle sind sie gekommen, weil sie einen lukrativen Managerposten wollen. Das Bewerbungsverfahren wird allerdings auf sehr unkonventionelle Weise geführt, wie die vier bald einmal feststellen müssen. Ein eigentliches Bewerbungsgespräch findet nämlich nicht statt, die Rekrutierten bleiben auf sich alleine gestellt, von der Personalabteilung oder überhaupt der Firma lässt sich niemand blicken.

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Festival für digitale Kultur

Digitales ist aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken: Digitalradio, digitales Fernsehen, Internet, das World Wide Web, Computerspiele, Youtube … die Liste könnte endlos fortgesetzt werden. Dieser Umstand zeichnet sich auch in der Welt der Kunst ab, wo sich Kunstschaffende Inspiration holen bei Robotik, Computeranimation, Datensätzen oder Algorhythmen. Einige dieser ästhetischen Auseinandersetzungen gibt es zurzeit in Bern zu sehen und zu erleben, findet doch gerade das erste Festival für digitale Kultur statt, wofür Dampfzentrale und Schlachthaustheater zusammengespannt haben. Frau Feuz hat sich mit den Machern von «Digital Playground» unterhalten und bekam dabei gar einen digitalen Orgasmus vorgeführt.

Ein unglaublich lustiger Seich

Blöffer Flyer 2017-2Möchten sie mal wieder so richtig von Herzen lachen? Dann schauen Sie diese Tage bei Summerhalders in der guten Stube bzw. in der Heiteren Fahne vorbei, denn «Dr Blöffer» ist dort zu Gast. In diesem Schwank in zwei Akten, welcher der Feder des Malers, Musikers und Geschichtenerzählers Timmermahn entsprungen ist, wird dermassen genüsslich geunsinnt, mit Plattitüden und klingenden Mundart-Ausdrücken um sich geworfen, gestritten, geblöfft und kalauert, dass es eine wahre Freude ist.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Der stotzrammlige Möchtegern-Macho Blöffer (Dominique Jann), der gerne Dächlikappe auf der Rübe und Fuchsschwanz am Gürtel trägt, verstaucht sich einen Finger. Die Verarztung übernimmt einerseits seine Frau Muriel (Marie Omlin), andererseits das Ehepaar Summerhalder (Jonathan Loosli und Sonja Riesen), wobei Ursula Stäubli als Sohn Walterli den besten Schulaufsatz ever vorliest. Giulin Stäubli schlüpft derweilen in diverse Rollen, kassiert als Ostschweizer Ledermann ein paar zünftige Chläpf a Gring oder verleibt sich als Pfarrer Mosima eine ordentliche Ladung Schädelspalter-Schnaps ein.

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