Category Archives: Theater

Glitzernde Unterschiede

Die inklusive Theatergruppe Muniambärg hat sich vom Prometheus-Mythos inspirieren lassen und plädiert für die Vielfalt des menschlichen Daseins.

Bildschirmfoto 2018-06-02 um 09.22.54Kein Theaterstück, sondern ein «kreativer Akt der Superlative» werde heute Abend gezeigt, verspricht Schauspieler André Roth gleich zu Beginn des Abends im Tojo der Reitschule. Und tatsächlich wird im neuen Stück «Die Auserwählten oder der neue Mensch» der Gruppe Muniambärg so einiges kreiert.

Bei Muniambärg gehen Laienschauspieler mit und ohne Behinderung zu Werke; dieses Jahr sind es deren neun, die da zuerst leicht und weiss bekleidet auf Yoga-Matten liegen. Auf einer Leinwand wird derweilen die Vorgeschichte per Videoeinspielung erzählt. Für ihr Stück liessen sich die beiden Regisseurinnen Sybille Heiniger und Patricia Nocon von einem der ältesten und bekanntesten literarischen Stoffe inspirieren: vom Prometheus-Mythos, wie er bei Aischylos nachzulesen ist.

Den ganzen Beitrag in Der Bund vom 2. Juni hier nachlesen

Das Geld auf der Anklagebank

Schuldig oder nicht schuldig? Diese Frage musste sich gestern Abend die Zuschauerschaft am Ende einer vierstündigen Gerichtsverhandlung im Tojo Theater stellen. Auf der Anklagebank sass: Das Geld.

Der gebürtige Genfer Christophe Meierhans verhandelt in seiner Produktion Trials of Money die Frage nach der Verantwortung von Geld in unserer heutigen Gesellschaft. Weil Geld ja nun aber nicht eine Person aus Fleisch und Blut ist, wird es in Trials of Money als Semi Human Person bezeichnet und anhand von existierenden Gesetzen auf seine Schuldigkeit hin geprüft. Vorgeworfen werden dem Geld vier Vergehen: Betrug, Erpressung, unterlassene Hilfestellung und Anstachelung zu Hass. Im schmucken Wolken-Bühnenbild werden nacheinander neun Personen in den Zeugenstand gerufen, welche zuerst von der Richterin und aber vor allem auch vom Publikum befragt werden.

Die Zeugen und Zeuginnen: Zwei Banker, ein Obdachloser, Melinda Gates (Bill & Melinda Gates foundation), weiter werden eine Vertreterin des indigenen Stammes der Algonqin, ein Verfechter von Kryptowährungen, ein Ökonome und ein ehemaliges Kibbutz-Mitglied in den Zeugenstand gerufen. Und dann ist da auch noch der Kriminologe und forensische Psychiater, welcher der Menschheit in Bezug auf das Geld ein Stockholm Syndrom attestiert. Continue reading

Akte Bern: Von Fichen und Facebook

1989 erschütterte der sogenannte Fichenskandal die Schweiz. Dabei wurde aufgedeckt, dass die Schweizer Bevölkerung über Jahrzehnte hinweg bespitzelt worden war – insgesamt waren etwa 900’000 solcher «Staatschutz-Fichen» angelegt worden. Während der Aufschrei damals noch gross war, geben wir heute auf Facebook und Co freiwllig und sehr detailliert Auskunft über unser tägliches Leben.
Unser Verhältnis zum Überwachtwerden habe sich komplett verkehrt, sagt Kulturjournalist Tobi Müller. In seinem Stück «Die Akte Bern – ein Theaterbericht von Fichen bis Facebook», welches bei Konzert Theater Bern gezeigt wird,  ergründet Müller diese Verkehrung. Zum ganzen Beitrag bei Radio RaBe gehts hier.

Transgendermusical Coco

Die Geschichte der ersten offiziellen Schweizer Transgenderfrau Coco wird zurzeit bei Konzert Theater Bern in einem Musical erzählt. Was auf den ersten Blick so gar nicht zusammen passen will – Musicals sind in unseren Breitengraden ja nicht unbedingt für schwerwiegende Themen bekannt – tue es doch. Das sagt Stückautor Alexander Seibt im Gespräch mit RaBe. Zum ganzen Beitrag gehts hier.

Matto Kämpf: Die Schwestern Karamasoff

Das neue Bühnenstück des Berner Schriftstellers Matto Kämpf basiert auf Dostojewskis Roman «Die Brüder Karamasoff», wobei Kämpf nicht nur die Geschehnisse nach Bern verlegt, sondern auch das männliche Personal mit Frauen ausgetauscht hat. Sein Stück «Die Schwestern Karamasoff» ist ein vierteiliges Kammerspiel, welches im Schlachthaus Theater gezeigt wird. Er und Dostojewski, das sei eine alte Liebe, sagt Kämpf.
Den ganzen Beitrag bei RaBe gibts hier.

Zähes Verhör

Mit mehr als 50 Stücken gehört Nick Rongjun Yu zu den produktivsten und erfolgreichsten Dramatikern der chinesischen Theaterszene. Nun hat eines seiner Stücke den Weg nach Bern ins Theater Matte gefunden, hier nämlich wird das klaustrophobische Kammerspiel «Hinter der Lüge» als Schweizer Erstaufführung in einer Dialektfassung gezeigt.

Foto: Ben Zurbriggen

Die ganze Besprechung in Der Bund vom 19.2.18 gibts hier

Szenischer Stadtrundgang

Was verbindest du mit Zuhause? wie möchtest du wohnen? Im Hotel, unter freiem Himmel oder in der selbstverwalteten Wohnbaugenossenschaft? Der neue Stadtrundgang «Nirgendwo mehr als hier» von StattLand führt durchs Berner Lorrainequartier und bietet einen spannenden Einblick in unterschiedliche Vorstellungen und Sehnsüchte von Menschen in Bezug auf «Zuhause sein». Zum ganzen Beitrag bei Radio RaBe gehts hier.

Unplush tanzt «Flipper»

In den 1960er-Jahren steckte der Tierschutz noch in den Kinderschuhen. Dies erfuhr auch Flipper am eigenen Leibe, beziehungsweise die Delfin-Dame Cathy, welche Flipper in der gleichnamigen Serie spielte. Sobald alle Episoden abgedreht worden waren, wurde Cathy ausrangiert und in einen Vergnügungspark in einen viel zu kleinen Wassercontainer abgeschoben. Dort, so die Spekulation ihres ehemaligen Trainers Richard O’Barry, habe sie sich das Leben genommen.

40 Jahre nach dem Ableben von Cathy hat sich nun die Tanzperformance-Gruppe Unplush dieser Thematik angenommen und zeigt am kommenden Wochenende in der Dampfzentrale das Stück «Flipper». Regisseurin und Choreografin Marina Zurbach spricht über die neuste Unplush-Produktion.

Den ganzen Beitrag inklusive Interview mit Richard O’Barry auf Radio RaBe gibts hier.

Schwarze Magie im grossen Haus

Die Theatergruppe Vorort bringt zusammen mit den Fernwehfolkern Kummerbuben einen Klassiker der Kinderbuchliteratur auf die Bühne des Stadttheaters: «Krabat».

krabat

Märchenhaft finsterer Müllermeister (Bild: Philipp Zinniker)

Die Frage, ob «Krabat» als Stoff für ein Weihnachtsmärchen überhaupt geeignet sei, dürfte sich im Vorfeld der gestrigen Premiere so manch besorgter Elternteil gestellt haben. Die Geschichte rund um den Waisenknaben Krabat gehört zu den bekanntesten Werken des deutschen Kinderbuchautors Otfried Preussler und verhandelt Themen wie schwarze Magie und Tod.

Die Aufführung im Grossen Haus des Berner Stadttheaters beginnt damit, dass sich die beiden Freunde Krabat (Luka Dimic) und Lobosch (Sebastian Schulze) gerade auf Betteltour befinden. Da wird Krabat von einer unsichtbaren Stimme zur Mühle im Koselbruch gelockt. Dort trifft er auf einen hinkenden und einäugigen Meister (herrlich verschlagen: Dominique Jann), der ihm einen Pakt vorschlägt. So wird Krabat fortan nicht nur in die Kunst des Müllerns, sondern auch in jene der schwarzen Magie eingeweiht.

Den ganzen Artikel im Bund vom 7.12.17 hier lesen.

«Aute, gang mau hei»

Die Geschichte rund um den Waisenbuben Krabat, der sich auf schwarze Magie einlässt, gehört zu den bekanntesten Werken des deutschen Kinderbuchautors Otfried Preussler. Als Weihnachtsmärchen auf die Bühne des Berner Stadttheaters gebracht wird «Krabat» von der freien Gruppe Vorort, Premiere ist am Mi, 6. 12.17. Zuständig für die musikalische Untermalung bei Krabat sind die Kummerbuben. Frontmann Simon Jäggi gibt Auskunft.

3N9A0634Simon Jäggi, was war beim Projekt «Krabat» zuerst, die Musik oder das Spiel?
Die Musik. Wir haben bereits Anfang Jahr mit dem Komponieren und Texten begonnen, im Sommer haben wir dann eine Intensivphase eingelegt und innerhalb einer Woche elf Songs aufgenommen.

Geht man als Musiker anders an Songs heran, die für Theaterzwecke verwendet werden?
Der Kompositionsprozess war eigentlich sehr dankbar, weil klar war, was gefragt ist. Jonathan Loosli, der Regisseur der Gruppe Vorort, hat uns die Themen vorgegeben, zu welchen er sich Songs wünschte. Innerhalb dieser Vorgaben waren wir dann sehr frei. Themen wie schwarze Magie, Zauber, Liebe und Tod passen ohnehin in unsere Musikwelt, wir mussten uns also nicht neu erfinden. Das war sehr wohltuend, weil wir uns gerade in einer Umbruchphase befinden und nicht so recht wissen, wo es uns musikalisch hintreiben wird. Wir haben grundsätzlich Bock darauf, neue Dinge auszuprobieren, in einer solchen Phase scheitert man auch oft. Dass wir in «Krabat» machen konnten, was wir können, war eine Wohltat.

Das ganze Interview mit Simon Jäggi im Bund vom 30.11.17 gibts hier zu lesen.