Category Archives: Theater

Spass und zwar JETZT!

Wer schon einmal an einem regnerischen und kalten Tag an einem leeren Vergnügungspark vorbeigekommen ist, der weiss, wie skurril und beelendend eine solche Szenerie sein kann. Keiner da und trotzdem blinken und flimmern alle Lämpchen und machen klar, dass es hier um Spass geht. Und zwar JETZT.

Diese aufgezwungene «falsche» Spassigkeit, sei für sie durchaus ein Sinnbild für unsere Gesellschaft, sagt Annalena Fröhlich, eine Gesellschaft, in der einem befohlen werde, Dinge zu tun, die sich eigentlich nicht befehlen liessen. Relax! Have fun! Sei glücklich! Zusammen mit ihrem Ensemble deRothils hat die 33-jährige multidisziplinäre Künstlerin «Park» erarbeitet, ein Stück, welches sich der Vergnügungssucht oder besser gesagt deren Schattenseiten, der Volksverblödung, annimmt. Im Park von deRothfils wird nämlich hinter die glitzernde Fassade geschaut, dem Publikum wird ein ganz und gar unglamouröser Backstage-Bereich mit Ballonfetzen, kaltem Neonlicht, abgewetztem Sofa und Kaffeemaschine geboten. Hören tut die Zuschauerschaft allerdings die Kakophonie der Spassgesellschaft, die sich nebenan im Park vergnügt.

«Park» ist kein neues Stück, sondern wurde im Januar 2016 in der Dampfzentrale uraufgeführt. Dank einem Stückentwicklungsbeitrag des Kantons Bern hat die Truppe aber die Möglichkeit bekommen, ihre multidisziplinäre Choreografie noch volle zwei Wochen feinzuschleifen. Es sei relativ selten der Fall, dass man diese Chance erhalte, sagt Annalena Fröhlich. In ihrem Fall habe es dazu geführt, dass «Park» nun radikaler und straffer daherkomme. Schön, wenn in einer Welt, die auf Moment getrimmt ist, etwas eine zweite Chance erhält und Zeit auf Details und Ausarbeitung verwendet werden kann, nicht?

«Park» von und mit deRothfils wird von Donnerstag 19. bis Sonntag 22.10. im Tojo der Reitschule gezeigt.

Für KulturStattBern und Radio Rabe

«High-Level-Wellness»

Das Performance-Kollektiv Latinlover zerpflückt im Schlachthaus Theater die Blüten der Wellness-Industrie. Das Resultat reicht von wohltuend bis ermüdend.
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Entwässerung, Hot-Stone-Massage, Wassertank-Schweben: Die Liste an Wellness-Angeboten, welche nicht nur das körperliche, sondern auch das seelische Befinden verbessern sollen, ist lang. Man kommt nicht umhin, so die Suggestion auf allerlei Kanälen, sich in unserer Zeit auch mal eine Auszeit zu genehmigen, herunterzufahren und seinem Körper Achtsamkeit zu schenken. Dass die Wellness-Industrie dabei allerlei wundersame Blüten treibt, zeigt zurzeit das Performance-Kollektiv Latinlover im Schlachthaustheater mit seiner ersten abendfüllenden Produktion «The 2017 Wellness Report».

Die ganze Besprechung in «Der Bund» gibts hier online zu lesen

Der schlechte Weg: Via Mala

Das Theater an der Effingerstrasse bringt mit «Via Mala» von John Knittel ein gewaltiges Familiendrama auf die Bühne. Der moralische Konflikt der Vorlage bleibt seltsam blutleer.
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In jungen Jahren lebte Schriftsteller John Knittel (1891–1970) einige Zeit in London und am Genfersee und unternahm Reisen nach Ägypten, Algerien und Tunesien, bevor er sich 1939 in Graubünden niederliess. Hier spielt denn auch Knittels Roman «Via Mala», sein wohl berühmtestes Werk, welches sich mehr als drei Millionen Mal verkaufte, mehrfach verfilmt (zuletzt 1985 mit Mario Adorf in der Hauptrolle) und fürs Theater adaptiert wurde. Vor drei Jahren zeigte das Freilichtmuseum Ballenberg eine Mundart-Fassung von «Via Mala», am Samstag lud das Theater an der Effingerstrasse nun zur Premiere des Stückes in Hochdeutsch.

Die ganze Rezension in «Der Bund» hier online lesen

Too Late Show im Stadttheater!!!

Berns abgefahrene Late Night Show ist zurück. Und wie! Auf der grossen Bühne des Stadttheaters wird in der Too Late Show satirisch, absurd und mit bissigem Humor das aktuelle Geschehen aus Berner Sicht zerpflückt. Nichts bleibt auf dem Teppich, kein Eisen ist zu heiss, kein Witz zu platt, kein Stargast zu klein. Showmaster Dominik Gysin führt durch die Show, stets im Wortgefecht mit seinen Sidekicks, dem famosen Lyriker Raphael Urweider, dem unsäglichen Matto Kämpf sowie der Stimme der Vernunft (ahahaa) , Frau Feuz. Gäste: Franz Hohler, Lisa Catena, Raymond Fein und Surprise Guests

 Too Late Show, 15. Dezember, Stadttheater Bern, Ticket hier sichern!!

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Krabat und die Kummerbuben

Die Gruppe Vorort wird dieses Jahr im Berner Stadttheater den Krabat als Weihnachtsmärchen zeigen, also Otfried Preusslers Geschichte rund um den Müllersburschen, der sich auf einen zwielichtigen Müller und schwarze Magie einlässt. Mit dabei: die Berner Rumpelrocker Kummerbuben, welche für die musikalische Untermalung sorgen. Mehr zum Produktionsprozess der Songs gibts hier. Und so schlagen sich die Bubis im Krabat-Quiz:

Moby Dick im Wohlensee

Es ist ein wahres Ungetüm aus der Englischen Literatur, welches sich das Ensemble VORORT für die aktuelle Aufführung unter freiem Himmel vorgenommen hat – ein Ungetüm, das 50 Tonnen wiegt und dessen Kopf alleine schon sieben Meter lang ist: Moby Dick. Der Roman von Hermann Melville aus dem Jahr 1851 erzählt die Geschichte rund um den einbeinigen Kapitän Ahab, welcher den weissen Pottwal Moby Dick durch die sieben Weltmeere verfolgt und in seinem blindwütigen Hass weder sich, sein Schiff noch seine Crew schont. Frau Feuz war bei der Première dabei.

Ein Monster gewassert

Die Theatergruppe VORORT setzt mit «Moby Dick» am malerischen Wohlensee ein Ungetüm aus der Weltliteratur in Szene. Und brauch dazu viel Kabel und einen Sarg mit Finne.

moby_dickEin kühler Wind bläst über den Wohlensee und vertreibt die letzten Regenwolken, die grünblaue Aare fliesst gemächlich dahin und mitten drin im malerischen Landschaftsbild thront die Wohleibrücke. Die stattliche Bogenbrücke, welche die beiden Gemeinden Frauenkappelen und Wohlen verbindet, war 1920 von den Bernischen Kraftwerken erbaut worden, als für das nahe gelegene Wasserkraftwerk Mühleberg die Aare gestaut wurde. Unter der Brücke tummelt sich die Tage zwischen quakenden Enten und grazilen Schwänen ein ungewohntes Gebilde im Schilf. «Angefangen hat es mit der Skizze eines kleinen Flosses, aber Renato rührt gerne mit der grossen Kelle an und drum haben wir letzten Freitag dieses 5.5 Tonnen schwere Monster gewasser.» sagt Regisseur Mathis Künzler und lacht. Mit Renato ist Renato Grob gemeint, seines Zeichens Erfinder, Kulissen- und Requisitenbauer und Schöpfer des überdimensionalen Metall-Flosses.

Den ganzen Beitrag hier lesen

Space-Rock Oper «Interstellar Riot»

938 wurde Orson Welles Hörspiel «War of the Worlds» vom amerikanischen Radiosender CBS ausgestrahlt und sorgte mit der Berichterstattung über einen vermeintlichen Angriff von Ausserirdischen ziemlich für Furore. Weil das Hörspiel täuschend echt wie eine Reportage klang, riefen nämlich im Verlaufe der Ausstrahlung viele beunruhigte Hörer bei CBS an, um sich zu erkundigen, ob denn nun wirklich die Marsianer angreifen würden.
Marsianer werden diese Woche auch beim NIFF, dem Fantastischen Filmfestival in Neuchâtel, eine wichtige Rolle spielen. Die Westschweizer Rockgruppe The Rambling Wheels führt zur Eröffnung des Festivals am 30. Juni ihre Space Oper «Interstellar Riot» auf. Und die fusst – wie könnte es anders sein – auf Orson Welles Hörspiel.

Musical-Schabernack

Genosse Erdmann vom KulturStattBern-Mutterschiff hat mit seiner Kritik nicht gänzlich unrecht, wenn er festhält, dass im Musical «Sit so guet, s.v.p» etwas gar offensichtlich mit Klischees operiert werde. Ist aber wurscht (wahlweise auch schüblig, landjäger, cervelat oder merguez) denn beste Unterhaltung bietet «Sit so guet, s.v.p» alleweil, zumal das Musical aus der Feder von Dennis Schwabenland, Raphael Urweider und Matto Kämpf vor absurden Einfällen, Wortwitz und Anspielungen strotzt. Hier 14 Gründe, warum man sich den manchmal bitterbösen, manchmal vergnüglich kindischen Musical-Schabernack in der Dampfzentrale anschauen sollte:

  1. Weil Penis-Witze gemacht werden.
  2.  Weil das neue Maskottchen der S.V.P. Ein Walfisch ist, der bei der Huldigung von St. Christopher stets auf die Nase fällt.
  3. Weil die neue Hauptstadt «Downtown Ballenberg» heisst.
  4. Weil Matto Kämpf die ganze Pause über ein Tannenkostüm tragen muss.
  5. Und beide sind sie scharf auf die Wurst: Ibrahim al Merguezi (Wael Sami Elkholy) und Cecilia de Buurenworst (Ntando Cele) buhlen um Roger de Cevelat (mitte, Diego Valsecchi)

  6. Weil keiner so schön zeitlupe-werbe-kitschig über die Bühne hüpft, wie Cecilia de Buurenworst (Ntando Cele) und Heidi de Cervelat von Schüblin (Anna-Katharina Müller).
  7. Weil Roger de Cervelat (Diego Valsecchi) und Ibrahim al Merguezi (Wael Sami Elkholy) nicht nur richtig gut singen, sondern auch ein unsäglich komisches schwules Diktatoren-Paar abgeben.

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«Sit so guet, s.v.p – Das Musical»

«Das kann doch wohl nicht euer Ernst sein?!» So die Reaktion des gebürtigen deutschen Schauspielers Dennis Schwabenland, als ihm das Partei-Programm der SVP in die Hände fiel. «Dieses Parteiprogramm ist so absurd, das müsste man auf die Bühne bringen», dachte sich Schwabenland. Gesagt getan: mit Matto Kämpf, Raphael Urweider und King Pepe liessen sich geeignete Mitstreiter finden. Herausgekommen ist nun das Stück «sit so guet, svp», in welchem rechte Populisten furchtlos und satirisch aufs Korn genommen werden. Zu sehen in der Dampfzentrale, 22. -30. Juni 2017.