Category Archives: Literatur

«Aperöle und Flugsimulatörle»

Ben Vatter präsentiert im La Cappella sein erstes Soloprogramm «Gvätterle» und erntet dafür zu Recht euphorischen Beifall.

ben_vatterZehn Prozent der Ausdrücke habe sie nicht verstanden, obwohl sie doch auch schon seit 12 Jahren in Bern zu Hause sei, liess eine gebürtige Bündnerin im La Capella verlauten. Aber klingen täten selbst diese Ausdrücke toll. Liebhaber des Berner Dialekts kamen im Kulturlokal im Breitenrain tatsächlich voll auf ihre Kosten, denn auf der Bühne präsentierte Ben Vatter sein erstes Soloprogramm: «Gvätterle».

Wie auch in seinen Kolumnen, die Vatter seit 2013 regelmässig für den «Bund» verfasst, stand im ersten Teil seines Programmes das Berndeutsch mit all seinen Facetten im Zentrum. Gleich zu Beginn des Abends ernannte sich Vatter selber zum «Bärndütsch-Psychopapst» und beleuchtete den Umgang der Berner und Bernerinnen mit ihrem Idiom.

Die ganze Besprechung in Der Bund vom 30.11.17 gibts hier.

Ein Toter im Botanischen Garten

freiDer letzte Fall, in welchem Schriftstellerin Regine Frei Senior Robert Hofer zum Einsatz kommen liess, liegt zwei Jahre zurück. «Finale im Nebel» hiess der Krimi, in welchem ein Toter am Zibelemärit und ein Senior mit Gedächtnislücken für Verwirrung sorgten. Frei zeigte darin eindrücklich die Verunsicherung, welche eine Krankheit wie Demenz bei Betroffenen und in deren Umfeld auslösen kann. Für ihren neusten Krimi-Streich «Gute Nachbarn» hat sich Frei ein weit weniger dramatisches Oberthema vorgenommen: Nachbarschaft.

Die ganze Rezension in Der Bund vom 16.10. gibst hier zu lesen.

Spoken Word Pionier Jurczok 1001

Er ist Dichter, Sänger und MC in einem und wenn er Musik produziert, wird er selber zum Einmannorchester. Die Rede ist Jurczok 1001. Der 43-jährige Zürcher Roland Jurczok gilt als Pionier der Spoken Word Szene und auch wenn er in Mundart dichtet und sing, so ist er doch alles andere als ein Heimatdichter – vielmehr äussert er sich in seinen Texten und Songs gerne gesellschaftskritisch zu Weltgeschehnen und Zeitgeist.  Am Sonntag 24. September ist Jurczok 1001 im Schlachthaus Theater zu Gast. Den ganzen Beitrag gibt’s hier.

«Anderberg»

Andreas Schwab mimt in seinem ersten fiktiven Roman «Anderberg» den Psychiater und dekonstruiert den Grössenwahn der Belle Epoque.

anderbergAls sich eine seiner Patientinnen kurz vor seiner Pensionierung von einer Felswand gestürzt und so ihr Leben verloren habe, sei dies Anlass für ihn gewesen, die Biografie dieser Patientin zu rekonstruieren – so die Angabe des Erzählers, des Psychiaters Andres Schwab, im Roman «Anderberg».

Dass diese fiktive Figur den gleichen Namen trägt wie der 46-jährige Autor selber, Letzterer aber nicht Psychiater, sondern Historiker und Gemeindepolitiker ist, passt bestens zu diesem Roman, in welchem vieles anders scheint, als es dann tatsächlich ist. Bei seiner Recherche stösst der fiktive Andres Schwab auf die Geschichte des Vaters von Golda Fürst – so der Name der verblichenen Patientin –, welcher zusammen mit seinem Geschäftspartner Albrecht Haering beschlossen hatte, in Anderberg das spektakulärste Hotel zu bauen, welches die Schweizer Alpenlandschaft je gesehen hatte.

Die ganze Rezension in «Der Bund»  gibts hier zu lesen.

Literatur goes Selbstfindung

rigiliedVo Lozärn gäge Wäggis zue ….. » Schriftsteller Christian de Simoni rekonstruiert und konstruiert die Geschichte des Rigiliedes.

1832 fand in Luzern das 6. Eidgenössische Schützenfest statt, mit dabei war ein gewisser Johann Lüthi. Im Anschluss an die Festivitäten unternahm Lüthi eine Schiffreise über den Vierwaldstättersee und bestieg die Rigi. Zurück am heimischen Webstuhl, verarbeitete der Gesangs- und Chorleiter das Erlebte in einem Lied und komponierte eine der heute bekanntesten Schweizer Volksweisen: «Vo Lozärn gäge Wäggis zue».

Den ganzen Beitrag gibts hier zu lesen.

Die Reportage lebt!

Der Ausdruck «Reportage» leitet sich aus dem lateinischen Verb «reportare» (wörtlich: «zurücktragen») ab und meint «berichten» oder «melden». Mit Reportage wird auch eine bestimmte journalistische Textsorte bezeichnet, zu deren Eigenschaften es gehört, dass sie nicht ausschliesslich am Schreibtisch entsteht, sondern dass der Reporter oder die Reporterin vor Ort Recherche betreibt und die gesammelten Eindrücke zusammen mit Fakten und Hintergründen in eine spannende Geschichte verpackt.

Die journalistische Sonderform «Reportage» ist auch Thema bei der diesjährigen Ausgabe des Berner Lesefests Aprillen. Nebst Beiträgen von Lyriker*innen und Dramatiker*innen ist am Samstag eine der bekanntesten Schweizer Reporterinnen bei Aprillen zu Gast: Margrit Sprecher. Und ausserdem wird Daniel Puntas, Chefredaktor des Magazins Reportagen, die ganze Woche vor Ort sein und Einblick in sein Schaffen gewähren.

Mitra Devis «Henkersmahlzeit»

Bücher hätten einen schweren Stand, es werde nicht mehr gelesen, die Jugend würde sich ja höchstens noch mit Gratiszeitungen oder mit sozialen Medien beschäftigen – so ein gängiger Vorwurf. Steht es wirklich so schlecht um den Patienten Buch? Autorin Mitra Devi sieht das anders und mag nicht ins allgemeine Klagen einstimmen. Die 53-jährige Zürcherin hat über ein Dutzend Bücher verfasst, darunter eine Krimiserie und schwarzhumorige Short Stoires und legt nun mit «Henkersmahl» ihren dritten Lyrikband vor. Lyrik? Warum denn ausgerechnet Gedichte, Mitra Devi?

Mitra Devi tauft «Henkersmahl» am 26. April an der «More than Mode Party» im X-Tra Zürich

Fehr im SURPRISE

surprise«Ich mache gerne die Wohnungstüre zu»

Der Berner Schriftsteller Michael Fehr musste erst scheitern, um auf Umwegen zur Literatur zu finden.

«Ich mag es, wenn alles klar, berechenbar und schön ordentlich aufgeräumt ist», sagt Michael Fehr. «Draussen ist das ja leider nie so, und deswegen mache ich sehr gerne die Wohnungstüre zu. Zumindest dann, wenn ich in der Wohnung drin bin», sagt er und lacht. In der Behausung des 35-jährigen Berner Schriftstellers ist alles an seinem Platz. Allerdings gibt es auch nicht viel, was in Unordnung geraten könnte. Fehr mag es spartanisch. Das lässt sich wohl damit begründen, dass er an juveniler Makuladegeneration, also an einer angeborenen Sehbehinderung leidet, und beinahe blind ist. Zwecks Orientierung ist Ordnung zentral. Die prunklose Kargheit der Wohnung widerspiegelt aber auch den Charakterzug eines Mannes, der sich selber lange mit grosser Strenge und Disziplin begegnet ist.

Das ganze Porträt über Michael Fehr findet sich in der aktuelle Ausgaben 396 von Surprise jetzt beim Strassenhändler deines Vertrauens.

Michael Fehr im Porträt

Er wird als Ausnahmeautor bezeichnet, der die Grenzen des gängigen Literaturbegriffs sprengt. Vom Kanton Bern wurde er bereits zweimal mit dem Literaturpreis ausgezeichnet, darüber hinaus räumte er beim renommierten Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb den 2. Preis ab. Die Rede ist vom Berner Autor Michael Fehr, einem Schriftsteller der nicht schreibt, sondern spricht, denn Michael Fehr ist fast blind. Am Freitag erscheint Fehrs viertes Buch «Glanz und Schatten». Frau Feuz hat den Berner Autor für Radio RaBe porträtiert.

Nicht nur Gekleckse

abendscheinEtwas salopp formuliert könnte man sagen: Hartmut Abenschein hat während zweier Jahre jeden Tag gekleckert. Auf einer selber konzipierten Druckmaschine fabrizierte der 47-jährige Schriftsteller nämlich täglich einen Klappdruck, indem er schwarze Tinte auf eine Endlosrolle Papier goss und den Abschnitt zusammenfaltete. So entstand eine Reihe mit Flecken, die Abenschein «my daily rorschach» taufte.

Während der Produktion sei ihm aufgefallen, dass die Struktur dieser Flecke derjenigen von geschriebener Sprache ähneln würde, sagt Abenschein. Diese strukturelle Analogie veranlasste ihn dazu, in einem zweiten Arbeitsschritt seine Klecksbilder mit Notizen, Phrasen, Beobachtungen und Reflexionen zu paaren, welche sich im Verlauf der Jahre in seiner Schublade angesammelt hatten. Diese Gegenüberstellung von Texten und Klecksen ist nun unter dem Titel «nicht begonnenes fortsetzen» erschienen, wobei das Büchlein so aufgebaut ist, dass sich auf der rechten Buchseite die Tiere, Geister und Flugzeuge, oder was auch immer man in den Faltbildern zu erkennen glaubt, abgedruckt sind, während auf der linken Seite mit Texteinheiten die gleiche Form imitiert wird.

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