Category Archives: Literatur

Literatur goes Selbstfindung

rigiliedVo Lozärn gäge Wäggis zue ….. » Schriftsteller Christian de Simoni rekonstruiert und konstruiert die Geschichte des Rigiliedes.

1832 fand in Luzern das 6. Eidgenössische Schützenfest statt, mit dabei war ein gewisser Johann Lüthi. Im Anschluss an die Festivitäten unternahm Lüthi eine Schiffreise über den Vierwaldstättersee und bestieg die Rigi. Zurück am heimischen Webstuhl, verarbeitete der Gesangs- und Chorleiter das Erlebte in einem Lied und komponierte eine der heute bekanntesten Schweizer Volksweisen: «Vo Lozärn gäge Wäggis zue».

Den ganzen Beitrag gibts hier zu lesen.

Die Reportage lebt!

Der Ausdruck «Reportage» leitet sich aus dem lateinischen Verb «reportare» (wörtlich: «zurücktragen») ab und meint «berichten» oder «melden». Mit Reportage wird auch eine bestimmte journalistische Textsorte bezeichnet, zu deren Eigenschaften es gehört, dass sie nicht ausschliesslich am Schreibtisch entsteht, sondern dass der Reporter oder die Reporterin vor Ort Recherche betreibt und die gesammelten Eindrücke zusammen mit Fakten und Hintergründen in eine spannende Geschichte verpackt.

Die journalistische Sonderform «Reportage» ist auch Thema bei der diesjährigen Ausgabe des Berner Lesefests Aprillen. Nebst Beiträgen von Lyriker*innen und Dramatiker*innen ist am Samstag eine der bekanntesten Schweizer Reporterinnen bei Aprillen zu Gast: Margrit Sprecher. Und ausserdem wird Daniel Puntas, Chefredaktor des Magazins Reportagen, die ganze Woche vor Ort sein und Einblick in sein Schaffen gewähren.

Mitra Devis «Henkersmahlzeit»

Bücher hätten einen schweren Stand, es werde nicht mehr gelesen, die Jugend würde sich ja höchstens noch mit Gratiszeitungen oder mit sozialen Medien beschäftigen – so ein gängiger Vorwurf. Steht es wirklich so schlecht um den Patienten Buch? Autorin Mitra Devi sieht das anders und mag nicht ins allgemeine Klagen einstimmen. Die 53-jährige Zürcherin hat über ein Dutzend Bücher verfasst, darunter eine Krimiserie und schwarzhumorige Short Stoires und legt nun mit «Henkersmahl» ihren dritten Lyrikband vor. Lyrik? Warum denn ausgerechnet Gedichte, Mitra Devi?

Mitra Devi tauft «Henkersmahl» am 26. April an der «More than Mode Party» im X-Tra Zürich

Fehr im SURPRISE

surprise«Ich mache gerne die Wohnungstüre zu»

Der Berner Schriftsteller Michael Fehr musste erst scheitern, um auf Umwegen zur Literatur zu finden.

«Ich mag es, wenn alles klar, berechenbar und schön ordentlich aufgeräumt ist», sagt Michael Fehr. «Draussen ist das ja leider nie so, und deswegen mache ich sehr gerne die Wohnungstüre zu. Zumindest dann, wenn ich in der Wohnung drin bin», sagt er und lacht. In der Behausung des 35-jährigen Berner Schriftstellers ist alles an seinem Platz. Allerdings gibt es auch nicht viel, was in Unordnung geraten könnte. Fehr mag es spartanisch. Das lässt sich wohl damit begründen, dass er an juveniler Makuladegeneration, also an einer angeborenen Sehbehinderung leidet, und beinahe blind ist. Zwecks Orientierung ist Ordnung zentral. Die prunklose Kargheit der Wohnung widerspiegelt aber auch den Charakterzug eines Mannes, der sich selber lange mit grosser Strenge und Disziplin begegnet ist.

Das ganze Porträt über Michael Fehr findet sich in der aktuelle Ausgaben 396 von Surprise jetzt beim Strassenhändler deines Vertrauens.

Michael Fehr im Porträt

Er wird als Ausnahmeautor bezeichnet, der die Grenzen des gängigen Literaturbegriffs sprengt. Vom Kanton Bern wurde er bereits zweimal mit dem Literaturpreis ausgezeichnet, darüber hinaus räumte er beim renommierten Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb den 2. Preis ab. Die Rede ist vom Berner Autor Michael Fehr, einem Schriftsteller der nicht schreibt, sondern spricht, denn Michael Fehr ist fast blind. Am Freitag erscheint Fehrs viertes Buch «Glanz und Schatten». Frau Feuz hat den Berner Autor für Radio RaBe porträtiert.

Nicht nur Gekleckse

abendscheinEtwas salopp formuliert könnte man sagen: Hartmut Abenschein hat während zweier Jahre jeden Tag gekleckert. Auf einer selber konzipierten Druckmaschine fabrizierte der 47-jährige Schriftsteller nämlich täglich einen Klappdruck, indem er schwarze Tinte auf eine Endlosrolle Papier goss und den Abschnitt zusammenfaltete. So entstand eine Reihe mit Flecken, die Abenschein «my daily rorschach» taufte.

Während der Produktion sei ihm aufgefallen, dass die Struktur dieser Flecke derjenigen von geschriebener Sprache ähneln würde, sagt Abenschein. Diese strukturelle Analogie veranlasste ihn dazu, in einem zweiten Arbeitsschritt seine Klecksbilder mit Notizen, Phrasen, Beobachtungen und Reflexionen zu paaren, welche sich im Verlauf der Jahre in seiner Schublade angesammelt hatten. Diese Gegenüberstellung von Texten und Klecksen ist nun unter dem Titel «nicht begonnenes fortsetzen» erschienen, wobei das Büchlein so aufgebaut ist, dass sich auf der rechten Buchseite die Tiere, Geister und Flugzeuge, oder was auch immer man in den Faltbildern zu erkennen glaubt, abgedruckt sind, während auf der linken Seite mit Texteinheiten die gleiche Form imitiert wird.

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Spoken Word Remixed

Die Berner Autorin Ariane von Graffenried und der Walliser Schrifsteller Rolf Hermann sind beides Vertreter der Spoken Word Szene – eine Szene, die in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist. Soeben sind ihre beiden neuen Bücher «Das Leben ist ein Steilhang» beziehungsweise «Babylon Park» erschienen.
Frau Feuz hat Ariane von Graffenried und Rolf Hermann zum Radiointerview gebeten, wo die beiden etwas taten, was normalerweise nur DJs tun: Sie remixten gegenseitig ihre Texte.

Gimma der Autor

Der Bündern Gimma, eigentlich Gian-Marco Schmid, legte vor 15 Jahren mit seinem Mundart-Rap einen komentenhaften Hitparaden-Aufstieg hin und sorgte auch neben der Bühne oftmals für Schlagzeilen. Als Bad Boy des Mundartrap war er berühmt-berüchtigt für seine Exzesse und sein rüpelhaftes Auftreten, liess er auf dem roten Teppich doch auch gerne mal die Hosen runter.
Heute arbeitet der 37-jährige Gian-Marco Schmid als Werbetexter in Chur und ist auch als Schriftsteller tätig. Vor zwei Jahren veröffentlichte er seine Autobiografie «Hinter dera Maska isches dunkel» – ein mutiger Bericht über eine schwere Kindheit mit einer alkoholkranken Mutter, eine Kindheit die von frühen Drogenexzessen, sexuellen Übergriffen, einer Psychose und mehreren Selbstmordversuchen überschattet war.
Gerade mal ein Jahr später veröffentlichte Gimma dann den Roman «40» und knüpft darin nahtlos an sein Debut an. Geschildert wird das Leben eines Hip-Hop-Stars auf der Überholspur, der polytoxikomanischen Exzessen nicht abgeneigt ist und der sehr bewusst den Drogenwahnsinn dem langweiligen Alltag vorzieht.

Hier geht’s zum Interview in «Der Bund» (16.2.17)

Es lebe der Fehler!

scheitern

Der holländische Werber, Kreativkopf und Künstler Erik Kessels zeigt in seinem Fotoband «Fast pefrekt» anhand von rund 100 Bildern, warum wir hemmungslos scheitern dürfen und einen Blick für Nichtperfektes entwicklen sollen.

Können Sie sich daran erinnern, wann Sie zum letzten Mal so richtig etwas in den Sand gesetzt haben? Wie haben Sie sich dabei gefühlt? Peinlich berührt? Sollten Sie nicht, sagt Erik Kessels, seines Zeichens Gründer und Kreativdirektor der Werbeagentur KesslersKramer und Verfasser von «Fast pefrekt». In irgendeiner Form hätten wir schliesslich alle schon mal etwas vermasselt, hält Kessels lakonisch in seinem 168-seitigen Fotobüchlein fest. Und gerade weil niemand vor Fehler gewappnet sei, sei es doch an der Zeit, Irrtümer nicht mehr als etwas Peinliches zu betrachten, sondern als Bausteine, aus welchen Neues und Aufregendes entstehen könne.

Der ganze Text zu Erich Kessels Fotobuch findet sich in der Ausgabe No1/2017 von bref.