Category Archives: Blog / Texte

Liebe Züri West

Ihr werdet wohl kaum damit gerechnet haben, als ihr anno 1984 in irgendeinem popeligen Übungsraum eure ersten gemeinsamen Akkorde schrummeltet, dass ihr 35 Jahre später Gast bei eurer eigenen Tribut-Nacht sein würdet, gellet. Ich nehme an, dass euch der letzte Freitag im ausverkauften Dachstock der Reitschule ein Wechselbad der Gefühle beschert hat. Ein bisschen stolz seid ihr ja hoffentlich schon gewesen – welche Band wäre das nicht, wenn sich rund 30 Musiker und Musikerinnen zusammentun, um einem Tribut zu zollen?

Die ganze Kolumne in der Bund (19.3.) gibts hier zu lesen

Schniedel-Recherche

pollerLieber Mike Skinner,
Vögel hätten keine Penisse, damit sie keine Weibchen vergewaltigen könnten, sagtest du. Das war eine etwas seltsame Bemerkung, die man so nicht erwartet hätte vom Protagonisten eines Hip-Hop-Konzerts. Aber weil es die letzte Show deiner Tournee war und es in der Natur der Sache liegt, dass solche Abschlusskonzerte etwas emotional ausfallen und darum schon vorher gerne zwei, drei, vier gezecht werden, liess die Ratio Nachsicht walten.

Die ganze Kolumne in Der Bund (26.2.19) gibts hier zu lesen

«Mit Gott stimmt etwas nicht»

Das Theater an der Effingerstrasse zeigt mit «Gott der Allmächtige» eine vergnügliche Satire, in der ein grantiger und manchmal allzumenschlicher himmlischer Vater Rede und Antwort steht.

gott

Gabriel & Gott alias Aaron Frederik Defant & Uwe Schönbeck (Bild: Severin Nowacki)

In der Wüste habe er die Form eines brennenden Dornbusches angenommen, heute Abend sei er in den Schauspieler Uwe Schönbeck gefahren, sagt derselbe auf der Bühne des Theaters an der Effingerstrasse. Während rund 90 Minuten leiht Schönbeck im Stück «Gott der Allmächtige» dem Himmelsvater seinen Körper und lässt diesen durch sich sprechen. Der Grund: Seine Zehn Gebote würden ihm langsam, aber sicher zum Hals raushängen, sagt Gott, darum sei es an der Zeit, neue zu verkünden.

Die ganze Besprechung von «Gott der Allmächtige» in Der Bund (19.2.19) gibts hier zu lesen

 

Monopoly

pollerLieber Gastgebern,

«Monopoly müsste man mal wieder spielen», liessest du kürzlich in einer geselligen Runde verlauten, in die Frau Feuz aus Versehen geraten war. Ich muss gestehen, dass du mir ausnehmend unsympathisch warst, lieber Gastgeber. Dein Wein, den ich dir zur Strafe wegtrank, war allerdings ganz fantastisch. Du bist dann in den Hades deines Hauses hinabgestiegen und kramtest dort tatsächlich eine dieser grossen Kartonschachteln hervor, deren Inhalt weltweit bestimmt schon für Mord und Totschlag gesorgt hat. So ganz unter uns, liebe Leserschaft: Sind Sie nicht auch der Meinung, dass wenn in «geselligen Runden» plötzlich Brettspiele auf dem Tisch stehen, die Runde so gesellig wahrscheinlich doch nicht ist? Sonst könnte man sich ja gepflegt unterhalten. Oder zumindest in aller Ruhe betrinken.

Die ganze Kolumne in Der Bund (6.2.19) gibts hier zu lesen

«Verdiene ich diese Narben?!»

Vom 30.1. bis 2.2.19 geht in Bern das erste queer-feministische Pornographie-Festival Schamlos (!) über die Bühne. Mit dabei bei «Schamlos» ist auch die indische Theaterschaffende, Schriftstellerin und Aktivistin Living Smile Vidya. In ihrer Heimat ist die 36-Jährige ein wichtiges Sprachrohr für die Anliegen von Transpersonen. Diese hätten in der indischen Gesellschaft nachwievor einen schweren Stand, sagt  Vidya, daran habe auch die Gesetzesrevision der «Transgender Persons Protection Bill» im letzten Dezember nichts geändert. «Wer in Indien einer Kuh etwas zu Leide tut, wird härter bestraft, als jemand, der eine Transperson vergewaltigt.»

Zum Artikel über Lving Smile Vidya in Der Bund (31.1.19) gehts hier der Beitrag für Radio RaBe (30.1.19) findet sich hier.

Chronist der Nacht

Schon als Kind hat Nicola Schmid seine Playmobil-Figuren abgelichtet, heute fängt der 28-Jährige vorzugsweise das Lebensgefühl der Szene im Perimeter Bollwerk, Schützenmatte und Reitschule ein. Die ausdrucksstarken Fotografien des gelernten Polymechanikers, der heute in der Gastronomie tätig ist, sind ab 24. Januar in der Ausstellung Berner Nachtgeschichten 00.00 – 12.00 im Kornhausforum zu sehen.

Die Ausstellung mit Ihren Fotografien trägt den Titel «Berner Nachtgeschichten 00.00 – 12.00». Welche Geschichten erzählen Sie?
Die Ausstellung zeigt Bilder, welche alle zwischen Mitternacht und Mittag entstanden sind. Entsprechend erzählen meine Bilder Geschichten von Feierabend, Nachtarbeit und Partys. In erster Linie stehen aber die Menschen im Vordergrund.

Was ist für Sie als Fotograf am nächtlichen Zeitraum spannend?
Zum einen ein technischer Aspekt. Momentan fotografiere ich vorzugsweise mit Blitz, wobei ich den Film gerne pushe, also höher belichte als vorgegeben. Dadurch werden Schatten verwischt und Kontraste erhöht. Somit stehen vor allem Gesichter im Fokus, und die Hintergründe verschwimmen. Zum anderen ist die Nacht halt auch mein Metier, weil ich selber meistens nachts unterwegs bin und arbeite, sei es an der Bar im Dachstock der Reitschule oder an kulturellen Veranstaltungen. Ich habe dann einfach oft Lust zu fotografieren, zumal die Nacht ein Setting für spannende Momente liefert.

Zum ganzen Interview mit Nicola Schmid in Der Bund (24.1.) gehts hier.

Liebes Afrika

pollerWir zwei… Was sagst du? Ich soll dich nicht einfach «Afrika» nennen? Du hast recht, exgüsi. Schliesslich sagt man ja auch nicht einfach «Frau», sondern Frau Feuz. Liebes Tansania, wir zwei haben uns ja die letzten Wochen ein bisschen kennen gelernt, weil ich dir einen Besuch abgestattet habe. Ich muss gestehen, dass meine Vorstellung von dir im Vorfeld dieser Reise, nun ja: Wikipedia-rudimentär war. Ungebildet sagst du? Du hast ja recht. Noch schlimmer ist allerdings, dass ich mit solchem Halbwissen wahrscheinlich noch zu den besser informierten Zeitgenossinnen in unseren Breitengraden gehöre. Wir haben hier in diesem Europa ja nicht wirklich eine Ahnung von dir. Wir reden von «Afrika», obwohl sich dein Kontinent aus 54 anerkannten Staaten zusammensetzt. «Krieg, Hunger, Aids, Löwen, Giraffen, Elefanten» – so würde ein Durchschnittsschweizer wohl antworten, fragte man ihn nach dir. Vielleicht würde er dann auch noch den 80er-Jahre-Heuler «Africa» von Toto zu summen beginnen, und damit hätte es sich wohl schon. Du bist entsetzt? Zu Recht.

Die ganze Poller-Kolumne in Der Bund (16.1.19) gibts hier zu lesen

Passend zum Thema: Der Theaterschaffende Mbene Mwambene spricht über sein Stück «The Whispers» und die Rolle, welche die westliche Welt für einen jungen modernen Mann aus Afrika vorgesehen hat. Zum ganzen Beitrag bei Radio RaBe gehts hier.

Mehr Hund!

Liebe Sirona,

«Jösses, ist das ein Herziger! Gell du, ja du du du, so ein Herziger aber auch! Hooooi, hoooi du! Och herrjeh, du du duuu, bist du aber ein Herziger, jööööö, gell, so ein Herziger, hooooi, hooooi!»
poller
Diese Art von Äusserungen musst du beim Gassigehen ab und zu über dich ergehen lassen, gell Sirona. Als distinguierte Hundedame im besten Alter weisst du die Vollbekloppten-Sprache, zu welcher wir Menschen neigen, wenn wir mit deinesgleichen sprechen, aber mit Würde zu ertragen. Frau Feuz nimmt sich da übrigens keinesfalls aus, sondern marschiert ganz vorne mit im Vollbekloppten-Sprach-Umzug. Blicke ich in braune Hundeaugen, hör ich mich plötzlich eine halbe Oktave höher sprechen und Dinge sagen wie: «Gömer use, he, gömer use? Use? Ja, wottsch use, he? Chumm, mir gö use! Gö mer use?! Use, he?! Use! He? Chumm, iz gömer use!» Ich sags ja: vollbekloppt. Aber item.

Die ganze Kolumen in Der Bund (12.12.18) gibts hier zu lesen

«Guru sein wäre schon sehr o.k.»

Sakral, verdrögt, bombastisch und unberechenbar: Das Ostschweizer Duo Lord Kesseli and the Drums versammelt auf seinem zweiten Album «Melodies of Immortality» Musik, die nicht ganz von dieser Welt ist.
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«Guru sein wäre schon sehr o.k.», sagt Dominik Kesseli in breitem Ostschweizer-Dialekt. Der 38-Jährige hätte optisch denn auch durchaus Potenzial zum Vorsteher irgendeiner obskuren Sekte: Kajal-umrandete Augen, langes Haupthaar, das schon vollere Tage gesehen hat, Bart, weisse wallende Gewänder und Kette mit kultischem Anhänger. So präsentiert sich Dominik Kesseli, wenn er zusammen mit Michael Gallusser auf der Bühne als Lord Kesseli and the Drums agiert. Dass das Duo zudem bei seinen Konzerten gerne exzessiv mit Weihrauch und Räucherstäbchen hantiert, potenziert die verschrobene Exzentrik noch. «Die Leute in St. Gallen haben teilweise das Gefühl, ich sei total durchgeknallt», sagt Kesseli und lacht.

Der ganze Beitrag in Der Bund (29.11.18) gibts hier zu lesen.

Mascha Santschi

pollerLiebe Mascha Santschi,

Herzliche Gratulation zu Ihrem neuen Amt als UBI-Präsidentin! Ab nächstem Jahr schauen Sie also dem SRF auf die Finger, gut so. Vielleicht werden Sie es in Ihrer neuen Funktion auch in Bälde mit Klagen gegen Roboter zu tun bekommen. Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua hat letzte Woche ja die erste künstliche Intelligenz vorgestellt, welche einen Job als Nachrichtensprecher übernimmt. Zhang 2.0 heisst das Wesen, das sich zwar noch etwas steif, aber im Grossen und Ganzen doch erschreckend echt präsentiert bei seinem ersten Auftritt. Die SRF-Gilde zeigt sich skeptisch, was den neuen Digitalkollegen betrifft, und betont, dass man ja nicht einfach nur News ablese, sondern auch selber journalistisch tätig sei.

Die ganze Kolumne in Der Bund (20.11.18) gibts hier zu lesen