Asoziale Fasnachtströten

Frau Feuz versucht sich in Heimfasnacht und zettelt eine Fehde an.

Frau Feuz: ALAAAAAAAFFFFFFF!!
Nachbar (durchs Loch in der Küchendecke): Feuz, was zum Teufel ist denn bei dir unten los?
Frau Feuz: Ich feiere Fasnacht.
Nachbar: Du bist Fasnächtlerin???
Frau Feuz: Nein, nicht wirklich. Aber in Luzern haben sie Staatstrauer ausgerufen und in
Basel stehen sie kurz vor dem kollektiven Selbstmord. Da kann man sich doch auch mal
bisschen solidarisch zeigen, nicht?! ALAAAAAAFFFFFFFF!
Nachbar: Du weisst aber schon, dass man «Alaaf» in Köln rumschreit und nicht in der
Schweiz, oder?!
Frau Feuz: Ach, Alaaf, Ahoi, Urknall, Karneval, Fasnacht, Fasching, fünfte Jahreszeit, ist doch alles Hans was Heiri, MORGESTRAAAAAAICH, VORWÄRTS, MARSCH!! Ich mach jetzt eine Cortège von der Küche ins Wohnzimmer, dort löte ich drei Liter Kafi Zwetschgenlutz und werfe Konfetti durch die Gegend.Dann weiberfasnachte ich mit Pauken und Trompeten ins Gästezimmer mit Zwischenstopp im Entree beim Holdrio Stand, dann sühudiumzuge ich Richtung Schlafzimmer, dort flötle ich bisschen am Piccolo rum und zum Endstreich schunkle ich wieder zurück in die Küche.

Die ganze Poller-Kolumne (Der Bund 17.2.21) gibts hier zu lesen

Danke, Ihr Feuzität!

Frau Feuz bedankt sich beim prominenten Namensvetter für die erhebenden Zeitungsüberschriften.

Nachbar (NB) durchs Loch in der Küchendecke: Feuz, was machst du?
Frau Feuz (FF): Psst, Ruhe! Ich schreib dem Feuz einen Brief.
NB: Deinem Chef?
FF: Nein, dem anderen. Dem Skifahrer.
NB: Und warum?
FF: Ich will mich bedanken.
NB: Ach ja? Ich habe gemeint, dass es dich nervt, wenn immer alle fragen, ob du mit ihm verwandt seist.
FF: Ja schon. Aber gleichzeitig les ich derzeit dank ihm so nette Dinge über mich in der Zeitung. «Feuz – die Krönung des Genies» oder «Feuz im Reigen der Allergrössten». Und hier, schau mal: «Feuz und das Monster», das wärst dann wohl du, hihi.
NB: Pfff. Du weisst aber schon, dass mit diesen Überschriften nicht wirklich du gemeint bist, oder?
FF: Ach, papperlapapp. Da muss man jetzt auch mal ein bisschen grosszügig sein. Feuz ist Feuz. Der Name klingt halt einfach auch schon toll. «Feuzzzzz», da steckt Dynamik drin, Energie, Schneid, Verwegenheit, Courage…
NB: Für mich klingt das eher nach rotem Filzhut.
FF: Bullshit, wie der Zürcher sagt. Aus dir spricht der pure Neid. Das prallt an mir ab wie eine Schneeflocke am Käsedress. «Feuz trotzt allen Widrigkeiten», «Vor Feuz verneigt sich sogar der Herminator», das find ich richtig gut. Könntest du dich künftig bitte auch vor mir verneigen? Und mich mit «Ihre Majestät» ansprechen? Oder noch besser: «Ihre Feuzität»?

Die ganze Poller Kolumne in Der Bund (28.1.21) gibst hier zu lesen.

«Fellatio Navidad»

Frau Feuz erzählt die Weihnachtsgeschichte neu – mit hehren Absichten!

Nachbar (durchs Loch in der Küchendecke): Feuz, was machst du?
Frau Feuz: Knöpfe annähen. Jedes Mal, wenn ich tief einatme, sprengts mir die vom Pyjama. Hab mich etwas auseinandergelebt im Homeoffice. Mein Speckdrum erweitert, quasi.
NB: Deine Sprüche waren also auch schon besser. Sag mal, kannst du mir einen Skihelm ausleihen? Ich will in die Berge fahren.
FF: Wieso kommst du auf die Idee, dass ich einen Skihelm habe?
NB: Na weil du Feuz heisst.
FF: BLOSS WEIL ICH GLEICH HEISSE WIE DIESER SKIFAHRER, HEISST DAS NOCH LANGE NICHT, DASS ICH AUCH SKI FAHRE, ODER?!
NB: Warum denn gleich so empfindlich?
FF: Weil mich derzeit wieder jeder Tubel fragt, ob ich mit dem Feuz verwandt sei. Item. Sonst so? Bist du schon in Weihnachtsstimmung?
NB: Nicht wirklich. Schwierig unter diesen Umständen. Dabei mag ich es doch eigentlich feierlich und festlich, seufz.
FF: Herrje, Nachbar. Soll ich dir die Weihnachtsgeschichte erzählen?
NB: Würdest du das wirklich für mich tun? Hach Feuz, ich bin gerührt!
FF: Klaro, mach ich gern. Mach es dir gemütlich. Here we go, wie der Zürcher sagt.

Die ganze Poller-Kolumne (Der Bund 19.12.20) Gibst hier zu lesen

Der Bundesrat, diese Tiefkühltruhe

Von Begrüssungsblumen, Neid und Toilettenmangel: Die Ausstellung «Frauen ins Bundeshaus!» im Bernischen Historischen Museum lässt die ersten eidgenössischen Politikerinnen zu Wort kommen. Eine veritable Gefühls-Achterbahn.

Warten mussten sie beide, wenn auch ungleich lange: die eine aufgrund von Corona einen Monat, die anderen aufgrund von Ignoranz über ein Jahrhundert. Gemeint ist einerseits die Ausstellung «Frauen ins Bundeshaus! 50 Jahre Frauenstimmrecht», die bereits Mitte November hätte eröffnet werden sollen. Zum anderen sind Schweizer Politikerinnen gemeint, die erst 123 Jahre nach Annahme der helvetischen Bundesverfassung ein Amt auf eidgenössischer Ebene bekleiden durften. Die Geschichten dieser Frauen dienen nun quasi als Museums-Exponate. Zum runden Geburtstag des Frauenstimmrechts hat das Bernische Historische Museum nämlich zusammen mit dem interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung der Universität Bern (IZFG) eine Ausstellung aufgegleist, die fast gänzlich ohne Objekte auskommt. Dafür werden auf Bildschirmen insgesamt 12 Politikerinnen unterschiedlicher Couleur ins Rampenlicht gerückt.

Den ganzen Artikel (Der Bund 16.12.20) zur Ausstellung «Frauen ins Bundeshaus! 50 Jahre Frauenstimmrecht» im Bernischen Historischen Museum gibts hier zu lesen.

Tote Briefkästen und ein Koffertelefon

Der neue Rundgang «Unter Verschluss – ein Berner Politkrimi» von StattLand führt in die 1990er-Jahre und beleuchtet anschaulich und unterhaltsam die Machenschaften rund um die ominöse Widerstandsgruppe P-26.

Und dann kreuzen sich plötzlich zwei Zeitebenen, als Bundesrat Ignazio Cassis an der Gruppe von Rundgangteilnehmenden vorbeimarschiert, die sich ihrerseits im Jahr 1991 befinden und auf dem Weg sind, um mit Bundesrat Villiger ein Gruppenfoto zu schiessen. Aber der Reihe nach.

Seit 30 Jahren führt der Verein StattLand thematische und szenische Stadtrundgänge durch, welche einen Einblick in Kultur, Geschichte, Gesellschaft und Politik der Stadt Bern vermitteln. Für den neusten Rundgang «Unter Verschluss – Ein Berner Politkrimi» versammelt sich das Publikum auf der Kleinen Schanze. Die eisige Kälte kriecht an diesem Mittwochabend in alle Knochen, und das Bundeshaus präsentiert sich mystisch vernebelt.

Den ganzen Beitrag zum neuen StattLand-Rundgang «Unter Verschluss – ein Berner Politkrimi» (der Bund 27.11.20) gibst hier zu lesen

Homeoffice am Arschlekkeri

Nachbar (durchs Loch in der Küchendecke): Feuz, kann ich dich was fragen?
Frau Feuz: Nein!
Nachbar: Was ist denn mir dir los? Schlechte Laune?
Frau Feuz: Druck. Ich muss morgen eine Kolumne abgeben und habe erst drei Wörter geschrieben.
NB: Und die wären?
FF: «Giraffe im Schützengraben.»
NB: ???
FF: Job verfehlt halt. So wie ich.
NB: Ach komm schon, Feuz. Du packst das. Hast du doch früher auch immer.
FF: Nichts ist mehr wie früher. Nicht mal mehr auf die finnische Inspiration ist Verlass.
NB: ???
FF: Früher ist man im Fall von Einfallslosigkeit für ein paar Tage nach Helsinki gedüst. Dort konnte man an irgendeinem heruntergekommenen Bartresen problemlos drei Stunden lang in eine Wodkaflasche starren, ohne auch nur ein Wort wechseln zu müssen. Nein, das ist nicht tragisch, sondern kontemplativ. Schweigen, saufen, zwischendurch in die Sauna oder einen Gummistiefel durch die Gegend werfen. Die reinste Erholung! Epiphanien à gogo hatte ich da. Aber jetzt sollen die Finnen ja plötzlich nicht mehr wortkarg sein, sondern reden wie Bücher. Und anstatt mit stoischer Verzweiflung, Schnaps und Heavy Metal den Abgründen dieses Undings, das sich Leben nennt, nur so häbchläb trotzen zu können, sollen sie nun das glücklichste Volk der Welt sein?! Ja Himmelherrgott, macht denn hier eigentlich jeder einfach, was er will?!

Die ganze Poller-Kolumne (Der Bund 20.11.20) gibts hier zu lesen

Trummer – so geht Versöhnung

Der Berner Musiker Christoph Trummer veröffentlicht das entwaffnend ehrliche und berührende CD-Buch «Familienalbum», in dem er der Frage nachgeht, welche Spuren Eltern im Leben ihrer Kinder hinterlassen.

Im Lockdown wurden sie teilweise arg auf die Probe gestellt: Familien. Dass das Verhältnis mit der Verwandtschaft nicht immer ganz einfach ist, zeigt sich nicht nur in Pandemie-Zeiten, sondern auch sonst, etwa wenn bei Zusammenkünften nicht eitel Freude und Liebe zelebriert wird, sondern sich die Sippschaft ob einer Lappalie in die Haare gerät.

In die Haare geraten sind sich auch der Berner Musiker Christoph Trummer und dessen Vater des Öfteren. Allerdings liegen diese Konfrontationen rund 20 Jahre zurück, denn Trummer hat beide Elternteile früh verloren. 1998 verweigerte das Herz des damals 47-jährigen Papas seinen Dienst, nur drei Jahre später folgte ihm die 49-jährige Mama aufgrund von Komplikationen einer Krebserkrankung. Trummer selber war gerade mal 22-jähriger Musikant und frischgebackener Lehrer, als ihn die zweite ungute Nachricht aus dem Heimatdorf Frutigen ereilte.

Anspielungen auf seine Familiengeschichte tauchten immer mal wieder in einzelnen Songs der insgesamt neun Alben des «Songwriterkönigs von Bern» auf, wie Trummer in dieser Zeitung auch schon genannt wurde. Nun sei die Zeit reif, «diese Geschichte einmal gründlich zu erzählen», schreibt er im Vorwort seines neusten Streichs «Familienalbum».

Die ganze Besprechung von Trummers Familienalbum (Der Bund 5.11.20) gibst hier

«Was der Igel weiss»

In seinem Debütroman «Was der Igel weiss» erzählt der Berner Peter Zimmermann atmosphärisch dicht von zwei Teenagern im Spannungsfeld zwischen politischem Aktivismus und Ohnmacht.

Wenn nach 25 Jahren urplötzlich der ehemals beste Schulfreund vor der Türe steht, sollte dies eigentlich Grund zur Freude sein. Im Fall von Tom ist es das aber nicht. Als ihn der Anruf von Patrick erreicht, beginnt Toms Stimme zu zittern – und als eine Viertelstunde später die Türklingel in Toms Wohnung in der Berner Lorraine schrillt, zuckt er arg zusammen. Das folgende Gespräch, das im Kebap-Imbiss um die Ecke bei Aare-Bier und unter Young-Boys-Klebern geführt wird, klingt alltäglich; allerdings schwingt ein seltsam beklemmender Unterton mit. Und dann ist da auch noch Patricks myoelektrische Handprothese, die bei jeder Bewegung leise surrt.

Die ganze Besprechnung zu «Was der Igel weiss» (Der Bund 2.11.20) gibst hier zu lesen.