Category Archives: Ausstellungen

Szenischer Stadtrundgang

Was verbindest du mit Zuhause? wie möchtest du wohnen? Im Hotel, unter freiem Himmel oder in der selbstverwalteten Wohnbaugenossenschaft? Der neue Stadtrundgang «Nirgendwo mehr als hier» von StattLand führt durchs Berner Lorrainequartier und bietet einen spannenden Einblick in unterschiedliche Vorstellungen und Sehnsüchte von Menschen in Bezug auf «Zuhause sein». Zum ganzen Beitrag bei Radio RaBe gehts hier.

«Flucht» – die Ausstellung

Seit dem 2. Weltkrieg war die Zahl der Vertriebenen nie mehr so hoch: 65 Millionen Menschen befinden sich zurzeit auf der Flucht. Diesen Menschen will das Bernische Historische Museum mit der aktuellen Ausstellung «Flucht» ein Gesicht geben. Anstelle abstrakter Zahlen rückt die Ausstellung konkrete Schicksale ins Zentrum. Herzstück von «Flucht» ist die Videoinstallation eines Mannes, der selber vor rund 20 Jahren aus Syrien geflüchtet ist und mittlerweile zu den bekanntesten Schweizer Filmemachern zählt: Mano Khalil.


Zum ganzen Beitrag bei Radio RaBe gehts hier

«Touchdown»

«Touchdown» berichtet nicht nur über Menschen mit Downsyndrom, sondern wurde auch von solchen mitkonzipiert. Einerseits zeigt die Ausstellung im Zentrum Paul Klee Arbeiten von internationalen und nationalen Kunstschaffenden, andererseits werden auch gesellschaftliche und wissenschaftliche Aspekte zum Leben mit Downsyndrom aufgegriffen. Somit leistet «Touchdown» einen wichtigen Beitrag zur Debatte über gesellschaftliche Teilhabe und Vielfalt. Zum ganzen Beitrag auf Radio RaBe gehts hier.

1968 Schweiz

1986 ist nicht einfach eine Jahrzahl, sondern ein Symbol, welches für vieles steht. Für Proteste gegen den Vietnamkrieg, für Frauenbewegung, für Strassenschlachten um mehr Freiräume, für internationale Solidarität. Die 68er lehnen sich auf gegen die Enge einer bürgerlichen Nachkriegsschweiz, eine Schweiz, die von Wirtschaftswachstum und Fortschrittsglaube geprägt ist, eine Schweiz, in der traditionelle Werte und Normen hochgehalten werden sollen. So ist das Zusammenleben ohne Trauschein verboten, homosexuelle Menschen werden polizeilich registriert, Männer mit langen Haaren in Restaurants nicht bedient und Frauen haben keine politische Rechte. Diese spiessbürgerliche Enge ist vielen unerträglich und so lehnt sich eine mehrheitlich junge Generation gegen autoritäre Strukturen und Hierarchien auf, experimentiert mit neuen Wohnformen, Kleidern, freier Liebe und protestiert für mehr Mitspracherecht und Solidarität. Das Bernische Historische Museum rückt in der Ausstellung 1968 Schweiz diese Ära des Umbruchs und des gesellschaftlichen Wandels ins Zentrum. Mehr zur Ausstellung inklusive Bildern gibts hier.

Für Radio Rabe

Der Kunstkrimi Gurlitt

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«Leonie» von Otto Dix (1923)

Als Zollfahnder im September vor 7 Jahren einen Mann namens Cornelius Gurlitt einer Routinekontrolle unterzogen, wussten sie nicht, was sie damit auslösen würden: Ein Ereignis, welches die Kunstwelt auf den Kopf stellen sollte. Weil der Verdacht der Steuerhinterziehung bestand, wurde die Wohnung des Cornelius Gurlitt in München durchsucht, dabei wurden rund 1500 Kunstwerke gefunden und beschlagnahmt.
Vier Jahr später stirbt Cornelius Gurlitt 81-jährig in München. Am darauf folgenden Tag erfährt die Stiftung Kunstmuseum Bern, dass sie von Gurlitt als Alleinerbin eingesetzt worden war und seine gesamte Kunstsammlung erben soll. Letzte Woche wurde nun die erste Ausstellung eröffnet, in welcher Bilder aus dem Gurlitt-Fund gezeigt werden. «Bestandesaufnahme Gurlitt: Entartete Kunst – beschlagnahmt und verkauft» zeigt rund 160 Werke, welche der sogenannten entarteten Kunst zugerechnet werden. Dabei wird klar: Vieles in Bezug auf die Vergangenheit der Bilder bleibt unklar.

Für Radio Rabe

Farbenfrohes Leporello

Haben Sie als Kind auch so gerne Faltbilder gemalt? Also diejenigen Bilder, auf denen jemand den Kopf übernahm, dann verdeckt weiterreichte, der nächste malte den Rumpf, reichte wieder weiter, undsoweiterundsofort. Die Reitschule hat zum 30. Geburtstag ein Leporello herausgegeben, welches nach diesem Konzept funktioniert. Bloss auf höherem ästhetischen Niveau, versteht sich. Ganz nach dem kooperativen Prinzip liess man einen Bilderbogen von einer Gestalterin zum nächsten Künstler wandern, alle ergänzten sie das Vorangehende mit einem ganz persönlichen Erlebnis aus «ihrem» Reitschuljahr. So sind dreissig ganz unterschiedliche Bilder zusammengekommen.

Die Jahre 1988/1989: Michael Kiener (links) und Dirk Bonsma (rechts)

Genau wie die Reitschule ist die gestalterische Vielfalt im Leporello gross. Es gibt Collagen, Zeichnungen, Malarbeiten, Siebdrucke, you name it, someone did it und genau wie die Reitschule selber ist einiges fantastisch, anderes nicht auf den ersten Blick verständlich.Alle Künstler*innen sind der Reitschule irgendwie verbunden, waren oder sind dort immer noch selber aktiv. Auskunft über die Urherber*innen der Bilder und deren Bezug zum Kulturzentrum gibt ein beigelegtes Büchlein. Darin enthalten ist auch eine Chronologie, welche kleine, grosse, wichtige und marginale Geschehnisse der letzten 10 Jahre in und um die Reitschule auflistet.

Im Bild zum Jahr 1993 lässt sich übrigens die Information finden, dass sich Leute in der Reitschule eingenistet hätten, welche nur von den Strukturen des Kulturbetriebes profitieren würden, ohne sich um weitergehende kollektive Ansprüche zu kümmern. So musste offenbar auch in der Reitschule immer wieder diskutiert werden, wie viel Vielfalt eine Einheit verträgt. Beim schmucken Leporello muss man das nicht. Da geht nun wirklich alles … und sowieso wenns beim Auspacken dann auch noch lecker nach frischer Druckfarbe riecht.
Für KulturStattBern

Kunst aus Meeresmüll

2030 wird mehr Plastik im Meer schwimmen als Biomasse. Welche Auswirkungen dies auf die Menschen haben wird, lässt sich nicht genau beziffern. Fakt ist, dass schon jetzt zuhauf Meerestiere gefunden wird, deren Mägen voll mit Plastikteilchen sind. Via Nahrungskette landen Mikro-Kunststoffteilchen dann auch in unseren Mägen. Gesund sein kann das nicht.

Auf die Plastikmenge in den Weltmeeren will der Berner Künstler Harald Reichenbach aufmerksam machen, das Mutterschiff hat hier ausführlich über sein Projekt berichtet. Mit seinem 14,5 Meter langen und 4,3 Meter breiten Einmaster kreuzt Harry einmal rund um die Weltkugel, wo immer er Halt macht, wird an den Stränden Müll gesammelt und zu Kunst verarbeitet. Der Erlös aus dem Verkauf der G-Cubes, also den gepressten, 10x10x10x cm grossen Harz-Würfeln, kommt Projekten zu Gute, welche nachhaltiges Müllmanagement betreiben. Darüber hinaus bindet Harry, wo auch immer er anlegt, die lokale Bevölkerung in sein Kunstprojekt mit ein und produziert zum Beispiel mit Schülern G-Cubes. Losgesegelt ist Harald Reichenbach am 20. September in Marseille, mittlerweile ist er offfenbar auf den Kanarischen Inseln angelangt, wo auch die lokale Presse auf ihn aufmerksam geworden ist.

Harry Reichenbachs Reise kann hier mitverfolgt werden.
Für KulturStattBern

Postkarte aus Leningrad

Andere gehen ins Museum, Frau Feuz geht in die U-Bahn und zwar im schönen St. Petersburg, oder wie es 1955 noch hiess: Leningrad. In dem Jahr wurde in der zweitgrössten Stadt Russlands die Metro eröffnet. Und was für eine. Denn wenn der Sozialist klotzt, dann klotzt er richtig und das tat er eben auch beim Bau der U-Bahnstationen. Die erste Linie verband die wichtigsten Fernbahnhöfe der Stadt südlich der Newa mit den südwestlichen Industriegebieten, wobei auf opulente, tempelartige Prunk-Architektur mit viel Marmor, Skulpturen, Kronleuchtern, Reliefs und Ähnliches gesetzt wurde. Nicht umsonst wurden die Stationen gemeinhin auch als Kathedralen fürs Volk bezeichnet. Aber schauen sie doch selber und zwar hier.

Beim Bau besagter U-Bahn musste wegen sumpfigem Untergrund übrigens tiefe gebuddelt werden. Rund 70 Meter tief liegt das U-Bahn-System von St.Petersburg und gehört somit zu den tiefsten Anlagen der Welt. Da dauert eine Fahrt auf der Rolltreppe, zum Beispiel aus der 102 Meter tief gelegenen Station Admiralteiskaja an die Erdoberfläche, locker mal ein paar Minuten.

Sie gehen lieber ins Museum als in die U-Bahn? Dann bietet sich im August beste Gelegenheit. An allen vier Samstagen können dank der Aktion «Gratis ins Museum» 19 beteiligte Berner Institutionen unentgeltlich besucht werden.

«Die Revolution ist tot ….»

Die Oktoberrevolution sorgte in Russland für einen radikalen Umbruch in der Gesellschaft. Dieser Umbruch manifestierte sich denn auch in der Kunst, wobei sich zwei komplett unterschiedliche Strömungen herauskristallisierten: hier die gegenstandslose Kunst der Russischen Avantgarde, dort die bildstarke Propaganda des sozialistischen Realismus.
Zum 100. Geburtstag widmen das Berner Kunstmuseum und das Zentrum Paul Klee der russischen Revolution gemeinsam eine Ausstellung: «Die Revolution ist tot. Lang lebe die Revolution!» – Ein Beitrag von Gisela Feuz.

Carlo Lüthis Bilder

IMG_9767Er ist braungebrannt, meistens etwas verpeilt, aber stets unaufdringlich und höflich, wenn er Leute um Geld anhaut. Der 41-jährige Carlo Lüthi lebt seit Jahren als Obdachloser in Bern und dreht täglich seine Runden in der Altstadt und Lorraine. Viele kennen den Mann mit leicht gebeugter Haltung und den immens grossen blauen Augen – was den meisten aber nicht bekannt sein dürfte: Carlo Lüthi ist nicht nur ein Stadtoriginal, sondern auch ein begnadeter Zeichner. Auf diese Tatsache ist auch Gerhard Goebel gestossen, der nun eine Ausstellung und Versteigerung mit den Bildern von Carlo Lüthi in die Wege geleitet hat.

CARLO LÜTHI «SEHNSÜCHTE», Vernissage und Versteigerung, Mittwoch 5. April 2017, 19Uhr Café Kairo

Mehr Beispiele zu Carlo Lüthis Bilder gibt es hier.