Category Archives: Film

Extremsituation Casting

Castings gehören zur täglichen Arbeit von Schauspielenden – und trotzdem können sie eine Tortur sein. Der «Extremsituation» Casting hat der deutsche Regisseur Nicolas Wackerbarth nun einen Film namens «Casting» gewidmet. Darin sucht Regisseurin Vera die Idealbesetzung für ihr Remake von Fassbinders «Die bitteren Tränen der Petra von Kant». Doch kurz vor dem ersten Drehtag und nach zahlreichen Castings hat sie die Hauptrolle immer noch nicht gefunden. Produzent und Team sind kurz vor dem Verzweifeln.

lardi_castingWackerbarths «Casting» wirft einen schonungslosen Blick in die Abgründe menschlicher Beziehungen, die gesteuert sind durch Macht, Leidenschaft und Verzweiflung. Ganz nebenbei fördert Wackerbarth auch bittere Wahrheiten über Kräfteverhältnisse und Abhängigkeiten in der deutschen Fernsehbranche zu Tage.

Mit dabei in «Casting» ist auch die gebürtige Bünderin Ursina Lardi. Ursina Lardi lebt seit langer Zeit in Berlin, hat in zahlreichen Theater-, Fernseh- und Kinofilmen mitgewirkt und taucht auch immer mal wieder am Sonntagabend in einem Tatort auf. Castings könnten tatsächlich eine sehr unangenehme Sache sein, erzählt Ursina Lardi im Telefoninterview.

Shnit en miniature

Während es in der Heiliggeistkirche bei der offiziellen Eröffnung des Kurzfilmfestival Shnit wohl eher förmlich zu und her gegangen sein dürfte, kamen in der Aula des Progr die jungen Wilden zum Zuge. Oder besser gesagt: Die jungen Wilden und Frau Feuz. Letztere war nämlich kurzfristig aufgeboten worden, die Slam Movie Night zu moderieren, weil dem vorgesehenen Host die Stimme abhanden gekommen war.

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#ladiespower

Die Slam Movie Night fand gestern bereits zum 10. Mal im Rahmen des Shnit statt. Grundsätzlich ist so eine Nacht eine äusserst unterhaltsame Angelegenheit, die aus zwei Teilen besteht: Im ersten Block gibts heiteres Filmeraten, wozu kurze Clips gezeigt werden, in welchen ein Team auf unorthodoxe und unkonventionelle Art und Weise eine Szene aus bekannteren oder auch unbekannteren Filme nachspielt. Im zweiten Teil traten gestern Abend insgesamt acht Kurzfilme um Ru(h)m und Ehre an. Das Publikum kann mit Buhrufen oder Klatschen dafür sorgen, dass ein Film frühzeitig abgebrochen wird oder in die Finalrunde gelangt. Im Zweifelsfall entschied die mehr oder weniger kompetente Jury bestehend aus Mister Jonny Bunko von Boys on Pills, Jessica Zuber von den KSB-Sisters-in-Crime Bärner Meitschi und einer Publikumsvertreterin. Insgesamt fünf Filme schafften es gestern ins Finale.

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«Kinder der Nacht» am Shnit

shnit15 Jahre ist es her, seit in der Reitschule ein paar eingefleischte Filmfans zusammenkamen, um ein Festival für den kurzen Film zu lancieren: die Geburtsstunde des Kurzfilmfestival Shnit. Was einst klein und lokal begann, wird heute weltweit in acht verschiedenen Ländern ausgetragen, nebst der Schweiz auch in Thailand, Argentinien, China, Ägypten, Südafrika, Russland und Costa Rica.

Das Shnit ist eine wichtige Veranstaltung für junge Regisseure und Regisseurinnen, weil diese bei einem solchen Festival ihre ersten Werke einer breiten Öffentlichkeit vorführen können. Einer dieser Jungregisseure ist Kim Allamand. Der 29-jährige Luzerner zeigt bei Shnit sein Bachelorfilm Kinder der Nacht, ein eindrückliches Kurzdrama rund ums Thema Suizid bei Jugendlichen. Zu hören gibts den Beitrag hier.

«Lasst die Alten sterben»

Ein wichtiger Teil des Erwachsenwerdens ist die eigene Identitätsfindung. Das heisst: Teenager müssen rebelliert. Was aber, wenn die Eltern so cool und liberal sind, dass nicht wirklich gegen sie rebelliert werden kann? Dieser Frage geht der Berner Filmemacher Juri Steinhart in seinem ersten Spielfilm nach. «Lasst die Alten sterben» heisst Steinharts Debut und ist einerseits eine Zustandsanalyse der Generation Zuckerwatte – also derjenigen Generation, die alles hat und ein Leben in kitschig-süsser Harmonie lebt. Andererseits ist «Lasst die Alten sterben» aber auch eine Hommage an die Punkbewegung der 80er-Jahre.

Der Film läuft ab Mittwoch 11. Oktober im Kino Rex, Bern.

Punk-u-mentary «A Fat Wreck»

Wenn sich ein Unternehmen 25 Jahre lang erfolgreich über Wasser halten kann, dann ist das schon eine Leistung. Wenn dieses Unternehmen dann noch ein kleines unabhängiges Musik-Label ist, das in erster Linie Punk-Platten herausbringt, dann ist das schon fast unglaublich. Genau das hat Fat Wreck Chords geschafft, letztes Jahr konnten das US-Label 25 Kerzen auf der Geburtstagstorte ausblasen. Treibende Kraft hinter Fat Wreck Chords ist der Frontmann der Melodic-Punkband NOFX Mike Burkett genannt Fat Mike. Ihm und seinem Label hat Filmemacher Shaun Colon nun eine Dokumentation gewidmet, «A Fat Wreck» heisst die Punkumentary, welche am Samstag 7. Oktober als CH-Première im Planetspade gezeigt wird. Das ganze Interview mit Mike Burkett gibts hier zu sehen und zu hören.

Berührend und beschämend

Die Pygmäen in Zentralafrika, die Aborigines in Australien, die Tuareg in den Wüsten Nordafrikas, die Guarani in den Regenwäldern des Amazonas oder die Inuit im Polargebiet: Rund vier Prozent der Weltbevölkerung gehören einer sogenannten indigenen Ethnie an, also einer Gemeinschaft, die seit langer Zeit in einem Land lebt, dort aber nicht die nationale Regierung kontrolliert. Bis 2007 erfuhren Indigene keine besondere Unterstützung auf internationaler Ebene, erst mit der UNO-Deklaration über die Rechte indigener Völker änderte sich dies. Diese Deklaration feierte diese Woche ihren 10 Geburtstag.

Auch das Volk der Samen in Lappland gehört zu einer Minderheit, deren Alltag lange Zeit von Diskriminierung und Ausgrenzung geprägt war. Diese Woche lief in der Schwedischen Filmreihe in der Cinématte mit «Sami – A Tale from the North» ein berührender Film, der schonungslos aufzeigt, wie die kleine indigene Gemeinde, deren Siedlungsraum sich im hohen Norden von Norwegen bis Russland erstreckt, tagtäglich mit Vorurteilen, Erniedrigung und Rassismus zu kämpfen hatte.

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Heimatfilm-Parodie «Heidiland»

Ein Heimatfilm der etwas anderen Sorte – das macht denn auch gleich der Untertitel klar: «Heidiland – they fucked with the wrong Heidi». Das Heidiland, welches dem Berner Regisseur Johannes Hartmann für sein Spielfilm-Debut vorschwebt, hat so gar nichts mit trauter Welt und Swissness zu tun. Im Gegenteil. Ein blutiger Horrorfilm solls werden. Statt Water-Boarding gibts in Hartmanns Heimatfilm-Parodie Fondue-Boarding und statt einem freundlichen und netten Heidilein, agiert eine veritable Heidi-Kampfmaschine.
Für seinen Film konnte Johannes Hartmann zwei bekannten Produzenten an Bord holen, zum einen Tero Kaukomaa, also der Macher von Iron Sky, andererseits Valentin Greutert, der mit One Way Trip einen Horrorfilm in 3D gedreht hat. Letztes Wochenende wurde im dritten UG eines Fabrikgebäudes auf der Warmbächlibrache ein Teaser für «Heidland» gedreht. Frau Feuz hat dem Filmset einen Besuch abgestattet.

«Blut.» «Und sonst so?» «Noch mehr Blut.» Daniel Steffen gibt Auskunft über die Special Effects in «Heidiland». Oder auch nicht.

NESSIE GESICHTET!!

Werte  Leser*innen, ich habe in diesem Schottland Video-Aufnahmen machen können, welche die Existenz von Nessie ein für all Mal beweisen!!! Hier exklusiv für Sie:

 

Es erstaunt nicht, dass sich Nessie in Loch Ness bis anhin einwandfrei zu verbergen wusste. Schliesslich ist besagtes Loch mit einer Tiefe von 230 Metern der zweitiefste See der britischen Inseln, wobei der grösste Teil auf mehr als 152 Tiefe liegt und gerade mal 13.6% der Seefläch flacher sind als 30 Meter. Das heisst: Die Ränder sind sausteil, und fallen an gewissen Stellen gar in einem Winkel von 75° ab.

Wer jetzt gerade gedacht hat «ideal bei heissem Wetter für einen Köpfler, da stösst man sich wenigstens nicht die Birne», dem seien folgende Fakten nicht vorenthalten: In tieferen Lagen ist Loch Ness gerade mal fünf Grad warm, an der Oberfläche könnte der See in einem sonnenreichen Sommer (also eigentlich nie) theoretisch 12 Grad erreichen. Wer hier baden geht, ist entweder ein knallharter Hund oder strunzblau – egal zu welcher Liga man gehört, bevor fünf Minuten um sind, ist die Chance gross, dass man den Löffel abgegeben hat. Ausserdem ist Loch Ness aufgrund von Torfpartikeln tiefschwarz und soll über zahlreiche Höhlen und Ausbuchtungen verfügen – dort unten dürfte sich also tatsächlich so einiges tummeln. Aber wer weiss das schon so genau. Bis anhin waren mehr Menschen auf dem Mond als am Grunde von Loch Ness.

Sie mögen tiefe Seen? Dann machen Sie doch einen Ausflug nach Brienz. Der Brienzersee ist mit seinen 260 Metern noch tiefer als Loch Ness, in ähnlich malerischer Umgebung angesiedelt, dabei aber mit aktuellen 20 Grad temperaturmässig schon fast im Bereich Kinderplanschbecken. Und Monster gibt es dort dieses Wochenende am Brienzersee Rockfestival auch zu begutachten.

Fantastische Nerd-Veranstaltung

Man muss schon ein ausgesprochener Nerd relativ fest an Filmen interessiert sein, um sich nachmittags bei diesem Wetter in einen Kinosaal zu setzen. In Neuchâtel tun dies die Tage ziemlich viele Leute, dort geht nämlich das NIFFF, das internationale Fantastic Film Festival, über die Leinwand. Nebst dem japanischen Helden Takashi Miike, der seinen 101 Film vorstellte (das Mutterschiff hat hier berichtet), sind zahlreiche andere Lieberhaber*innen von Übersinnlichem, Unerklärlichem und Fantastischem aus aller Welt nach Neuchâtel gereist. Erfreulich: Die Schweizer*innen brauchen sich mit ihren Erzeugnissen keinesfalls zu verstecken. Im Gegenteil. Der Kurzfilmblock macht klar: Hier wird mit viel Ideenreichtum, stilistischer Vielfalt und auch Humor zur Sache gegangen.

Richtig lustig ist zum Beispiel «Schutzplan Vollmond» von Elias Jutzet, welcher die Verbrüderung zweier Werwölfe über den Röstgraben hinweg zeigt. Oder auch Sophie Wietlisbachs filmische Postkarte «Swiss Made», die in drei Minuten den Alpentourismus aufs Korn nimmt.
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Ultras auf dem Podium

Von Donnerstag bis Samstag steht das Berner Arthouse-Kino Rex ganz im Zeichen des Fussballs. Zum zweiten Mal wird dort nämlich in Zusammenarbeit mit dem YB-Fanlokal Halbzeit, Radio Gelb-Schwarz und dem Blog Zum Runden Leder das Filmfestival «Match Cut» veranstaltet, dieses Jahr unter dem Motto «Ultras, Idole und Hymnen». Gezeigt werden sechs Filme, die sich alle um Fussball drehen, so zum Bespiel Dokumentationen über die Hand Gottes – Diego Armando Maradona – oder die Mutter aller Hymnen «You Never Walk Alone».

Den eigentlichen Festival-Auftakt macht eine Podiumsdiskussion zu Fussball-Fankultur und deren fanatischen Vertretern, eben den Ultras. Gisela Feuz hat sich von YB-Fanarbeiter Lukas Meier und Fankultur-Kenner Pascal Claude erklären lassen, was es mit diesen Ultras genau auf sich hat.