Category Archives: Film

Die Grossstadt erkunden

Die Berner Musikerin Karin Jampen hat mit «Linea» ein experimentierfreudiges Stück über die Grossstadt produziert.

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Manhatta (1921) directed by Paul Strand, Charles Sheeler

In Ihrem interdisziplinären Stück «Linea» gibt es die beiden Kurzfilme «Manhatta» und «Regen» zu sehen, welche live vertont werden. Die Filme werden dem Genre «City Symphonies» zugeordnet. Was muss man sich unter einer City Symphonie vorstellen?
Die beiden Filme, welche wir zeigen, sind in den 1920er-Jahren entstanden. Der Beginn des 20. Jahrhunderts war eine Zeit des Umbruchs in allen Lebensbereichen: Urbanisierung, Massenindustrie, technischer Fortschritt und wissenschaftliche Erkenntnisse sorgten dafür, dass es damals brodelte. Dieser historische Umbruch prägte auch die Künste massgebend mit. Die Kunst versuchte, dem Zeitgeist nachzufühlen, ihn einzufangen. Die Grossstadt in ihrer Vielschichtigkeit diente dabei als Fundus für neue Techniken, Bilder und auch für neue Klänge und Geräusche. Eine City Symphonie versucht also, das Lebensgefühl einer neuen Urbanität einzufangen und dabei mehrere Sinne anzusprechen.

Das ganze Interview mit Karin Jampen in Der Bund vom 31.5. hier nachlesen

«Das Leben vor dem Tod»

Der Berner Filmemacher Gregor Frei hat über einen Zeitraum von drei Jahren seinen Vater Goffredo, vor allem aber auch dessen Nachbarn Armin mit der Kamera begleitet. Armin hat angekündigt, mit 70 aus dem Leben scheiden zu wollen, eine Ankündigung, mit welcher Nachbar Goffredo seine liebe Mühe bekundet.
In Freis Dokumentarfilm Das Leben vor dem Tod prallen nicht nur Liebe, Freundschaft, Sturheit und zwei Lebensmodelle aufeinander, sondern das filmische Zeugnis wirft auch existentielle Fragen auf: Darf jemand einfach entscheiden zu sterben? Und wie geht man mit einer solchen Ansage um? Zum ganzen Beitrag bei Radio RaBe gehts hier.

Das Leben vor dem Tod feiert am Donnerstag 17.5. Berner Premiere im Kino Rex, im Anschluss gibt es unter der Leitung von Frau Feuz eine Podiumsdiskussion mit Filmemacher Gregor Frei und einem der Protagonisten. Weil ja: Armin hat sein Vorhaben in die Tat umgesetzt.

Montag, 28. Mai zusätzliche Diskussion im Anschluss an die Filmvorführung mit Paul-David Borter (Philosoph und Stv. Leiter Freitodbegleitung bei EXIT), Michael Kreuzer (Care-Team-Mitglied und Dozent) und Regisseur Gregor Frei, Moderation: Frau Feuz

Liebevoll drapierte Hundehaare

Falls Sie jetzt hier eine ausgewogene Filmkritik erwarten: vergessen Sie’s. Frau Feuz ist fan. Fan von Hunden, fan von Stop-Motion-Filmen, fan von liebevoll handgefertigten Puppen, fan von hochgradig stilisierter und detailverliebter Bildsprache. Dass also über den neuen Film des amerikanischen Regisseurs Wes Anderson (Grand Budapest Hotel, Fantastic Mr Fox, Moonrise Kingdom) nichts anderes als eine Lobeshymne herauskommen kann, ist absehbar, denn «Isle of Dogs» verwebt all das Obengenannte.

Die Geschichte von «Isle of Dogs» ist schnell erzählt: In der japanischen Metropole Megasaki bricht eine Hundeseuche aus, Bürgermeister Kobayashi, seines Zeichens Katzennarr, lässt alle Hunde in Quarantäne auf die nahegelegene Trash Island verbannen. Die Müllinsel wird somit zur Exil-Kolonie, überleben kann nur, wer sich einen Teil der essbaren Abfälle sicher kann. Auch Spots, der Hund des 12-jährigen Atari, wird auf Trash Island verbannt. Allerdings ist der Junge keinesfalls gewillt, diesen Verlust hinzunehmen. So crash-landet er eines Tages mit seinem kleinen Flugzeug in den Müllbergen. Ein fünfköpfiges Rudel bestehend aus den «scary alpha dogs» (naja) Rex, King, Duke, Boss und Chief nimmt sich Atari an und hilft ihm bei der Suche nach Spots.

«Isle of Dogs» ist einerseits eine rührende Liebeserklärung an den besten Freund des Menschen, andererseits aber auch soziokritisches Abbild gesellschaftlicher Mechanismen. Einmal mehr gelingt es dem symmetrieverliebten Wes Anderson, Liebe und Trauer, morbide Schönheit und stilisierte Dystopie, Ernsthaftigkeit und lakonischen, knochentrockenen Humor stimmig zu paaren. Das Resultat ist ausnehmend ästhetisch, dramatisch, bizarr, manchmal kitschig, wunderbarst anzuschauen und herzergreifend alles in einem. Eben 100% Wes Anderson. Continue reading

«I’ll Walk Out Into Tomorrow»

Wenn Sie auch schon mal an einer Gotik-Party die Wand angetanzt haben, dann kennen Sie Anne Clark, denn ihr Songs Our Darkness und Sleeper in Metropolis gehören zum Standard-Repertoire jedes anständigen Nachtschatten-DJs. Anne Clark ist aber viel mehr als einfach nur eine Frau, die in den 80er-Jahren einen New-Wave-Hit landete. Die heute 57-jährige Engländern, die sich Rilke und anderen deutschen Poeten verbunden fühlt, kann getrost als Pionierin der Spoken-Word-Kunst bezeichent werden. Filmemacher Claus Withopf hat der Grand Dame des Synthie-New-Waves nun einen Dokumentarfilm gewidmet: «I’ll Walk Out Into Tomorrow» ist ein fesselndes Porträt über einen beeindruckenden Menschen geworden.

Eigentlich habe sie doch immer nur Bücher und Gedichte schreiben wollen, beschreibt Anne Clark ihre Jugend im grimmen Londoner Stadtteil Croydon. In der Working Class-Umgebung sei sie damit aber auf wenig Begeisterung und Verständnis gestossen. Als dann Mitte der 70er-Jahre die Sex Pistols auf der Tapete erschienen und die ganze Punk-Bewegung losgegangen sei, habe sich das für sie wie eine Befreiung angefühlt, erzählt Clark. Der Do-It-Yourself-Charakter der Bewegung sei ihr entgegengekommen, ihr, die schon früh mit ihrem Kassettenrecorder Geräusche aufzeichnete und mit analogen Synthesizern zu experimentieren begann. Ab 1982 gab Clark im Jahresrhythmus Alben heraus, wobei sich das vierte davon, «Pressure Points», sieben Wochen in den Charts hielt. Offenbar hatte die junge Engländerin mit ihrer Mischung aus rhythmisch gesprochenen Weltschmerz-Texten gekoppelt mit elektronischer Musik den Nerv der Zeit getroffen. Continue reading

Rob Lewis dreht «Lunar Tribute»

Er habe sich doch eigentlich eine Auszeit nehmen wollen und dann sei er im Naturhistorischen Museum in New York über dieses Bild gestolpert, sagt Rob Lewis. Der in Bern beheimatete Lewis ist selber Fotograf und hat zuletzt mit seinen Porträts von demenzkranken Menschen für Aufsehen gesorgt. Nun hat der 37-Jährige innerhalb kürzester Zeit den Film «Lunar Tribut» aus dem Boden gestampft. Im Zentrum des Films: Das Bild einer Fotografie, die seit über 40 Jahren auf dem Mond liegt. Und das kam so:

1972 landete Apollo 16 auf dem Mond, mit an Bord war ein Herr namens Charles «Charlie» Duke. Besagter Charlie Duke hatte zwei kleine Söhne und ein schlechtes Gewissen, weil er berufshalber nur wenig Zeit für seine Buben hatte. Deswegen habe er sich überlegt, wie er seine Familie in irgendeiner Form involvieren und auf den Mond mitnehmen könnte, sagt Duke. So kam es, dass er ein Familienporträt auf dem Mond platzierte, das mangels Feuchtigkeit und Erosion heute immer noch dort oben liegt.

Den ganzen Beitrag bei KulturStattBern hier nachlesen

Berner Kurzfilmnacht

Am Freitag 23. März startet die 16. Ausgabe der Kurzfilmnacht. In den Kinos Cinematte und Bubenberg gibt es insgesamt 21 Kurzfilme unterschiedlichster Natur zu sehen. Als lokale Premiere wird bei der Berner Ausgabe der Kurzfilmnacht  «Fast alles» gezeigt, ein 23-minütiges Drama, in welchem Lisa Gertsch das Thema Frühdemenz verhandelt. Feinfühlig und mit viel Liebe zu ihren Figuren erzählt die 26-jährigen Berner Filmemacherin die Geschichte von  Paul (Michael Neuenschwander), der mit erst 47 Jahren an Frühdemenz erkrankt ist. Seine Frau Leandra (Oriane Schrage)  sollte ihn ins Heim bringen, doch Paul kann sie überzeugen ans Meer zu fahren.  Den ganzen Beitrag bei Radio RaBe gibts hier

 

Kinderfilmclub Zauberlaterne

Die Zauberlaterne ist ein Filmclub, der sich nicht über mangelndes Publikum beklagen kann. 6-12 Jahre jung sind die Zauberlaternen-Cineast*innen, welche sich 9 Mal im Jahr im Berner Kino ABC zu Vorführungen treffen. Gezeigt werden Filme unterschiedlichster Machart, womit das Interesse des jungen Publikums für filmisches Schaffen gefördert werden soll. Zum ganzen Beitrag bei Radio RaBe gehts hier.

Liebes YB, …..

Frau Feuz schreibt ab sofort für Der Bund regelmässig bei der Kolumne Der Poller mit. Ihren Einstand hat sie mit einem heiklen Thema gegeben: einem offenen Brief an YB, in dem es um schwule Liebe im Profifussball geht.

Liebes YB,
pollerdu bist nach der Winterpause fulminant gestartet und wirst dieses Jahr Meister, gell. Das ist toll! Toll ist auch, dass man dich zudem bald im Kino wird bewundern können. Marcel Gisler hat ja mit «Mario» einen Film gedreht, in dem du eine zentrale Rolle spielst. Unter anderem erhält die Zuschauerschaft darin Einblick in die heiligen Katakomben des Stade de Suisse, wo wir den fiktiven Spielern beim Umziehen und Duschen zugucken dürfen. Also ich persönlich bin ja der Meinung, dass es keinesfalls verkehrt sein kann, so ganz ungeniert auf durchtrainierte nackte Männerhintern gucken zu dürfen. Bestimmt wird mir da ein grosser Teil der weiblichen Leserschaft zustimmen. Und auch ein Teil der männlichen.

Den ganzen Poller in Der Bund vom 7.2.18 hier online lesen

Schwule Liebe im Profifussball ist nach wie vor ein Tabuthema – ein Tabuthema, das Regisseur Marcel Gisler in seinem neuen Spielfilm «Mario» aufgreift. Gisler Mut wurde belohnt: «Mario» ist in vier Kategorien für den Schweizer Filmpreis nominiert. Zum ganzen Beitrag bei Radio RaBe gehts hier.

Der Film über Filmmusik

Sind Ihnen die Namen John Williams, Thomas Newmann oder Steve Jablonsky ein Begriff? Nicht? Dann aber doch sicherlich Hans Zimmer oder Ennio Morricone?! Wie auch immer, wenn Sie die richtig grossen Filmkisten à la «E.T.», «Spiel mir das Lied vom Tod», «Star Wars», «Der Weisse Hai» oder «Jurassic Park» mögen, dann haben sie es garantiert schon mit einem dieser Herren zu tun bekommen. Die Erwähnten produzier(t)en nämlich allesamt Filmmusik, sind also zuständig für diejenige Komponente eines Filmes, die unabdingbar ist, wenn in punkto Emotionen mit grosser Kelle angerührt werden soll. Der Geschichte der Filmkmusik, hat Regisseur Matt Schrader nun einen eigenen Dokumentarfilm gewidmet: «Score – A Film Music Documentary»

«The Score» lässt nicht nur eine Vielzahl der aktuellen Hollywood-Komponisten zu Wort kommen, sondern blickt auch zurück auf die Anfänge der Filmmusik. Während in der Stummfilmzeit Klavierspiel in erster Line dazu eingesetzt wurde, das Rattern des Projektors zu übertönen, wurde im Jahre 1933 mit dem Soundtrack von «King Kong» offenbar ein Meilenstein in der Filmmusik gelegt.

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