Category Archives: Film

Ultras auf dem Podium

Von Donnerstag bis Samstag steht das Berner Arthouse-Kino Rex ganz im Zeichen des Fussballs. Zum zweiten Mal wird dort nämlich in Zusammenarbeit mit dem YB-Fanlokal Halbzeit, Radio Gelb-Schwarz und dem Blog Zum Runden Leder das Filmfestival «Match Cut» veranstaltet, dieses Jahr unter dem Motto «Ultras, Idole und Hymnen». Gezeigt werden sechs Filme, die sich alle um Fussball drehen, so zum Bespiel Dokumentationen über die Hand Gottes – Diego Armando Maradona – oder die Mutter aller Hymnen «You Never Walk Alone».

Den eigentlichen Festival-Auftakt macht eine Podiumsdiskussion zu Fussball-Fankultur und deren fanatischen Vertretern, eben den Ultras. Gisela Feuz hat sich von YB-Fanarbeiter Lukas Meier und Fankultur-Kenner Pascal Claude erklären lassen, was es mit diesen Ultras genau auf sich hat.

Albtraum auf der Alp

Einmal ein paar Monate auf der Alp, eine Auszeit nehmen, umgeben von gigantischen Bergkulissen, viel frischer Luft, ehrliche Arbeit, die man den Händen verrichtet, Milch frisch ab Kuh, ein Leben im Einklang mit der Natur. Ungefähr das ist die verklärte Vorstellung viele StädterInnen über das Leben auf einer Alp.
Dass das Leben abseits der Zivilisation aber kein Zuckerschlecken ist, sondern vielmehr enorm schwerere körperliche Arbeit mit vielen Entbehrungen beinhaltet und dass sich der Traum der Alp gar in einen wahren Albtraum verwandeln kann, das zeigt der neue Film «Alptraum» von Manuel Lobmaier.

«Ma vie de Courgette»

Vor neun Monaten war er beim Filmfestival von Cannes nicht etwa ein Schauspieler aus Fleisch und Blut der Star, sondern ein kleiner Junge mit überdimensionalem Kopf aus Knetmasse. Courgette, so der Name des Jungen, ist die Hauptfigur im 66-minütigen Animationsfilm des Wallisers Claude Barras, der Zurzeit ein gefragter Interviewpartner ist. Seit der Premiere in Cannes wurde «Ma Vie de Courgette» nämlich mit über 20 Preisen ausgezeichnet und ist nun als erster Schweizer Animationsfilm überhaupt für einen Oscar nominiert. Der Courgette-Papa Claude Barras über sozialkritische Themen in Hollywood und grosse Puppenköpfe:

«Tony, you rock»

Während andere in seinem Alter sich auf die Pensionierung und das süsse Nichtstun freuen, denkt Anthony Thomas mitnichten ans Aufhören. Der Beruf des gebürtigen Amerikaners: Gitarrist und Sänger der Basler Garagerock-Truppe The Lombego Surfers. Seit rund 30 Jahren malträtiert der 63-jährige Tony bei den Lombegos die Gitarre und schreit sich dazu die Seele aus dem Leib. Mattias Willi hat der Legende nun den 40-minütigen Dokumentarfilm «Tony, you rock» gewidmet, in welchem besagter Tony in charmantem Baseldeutsch-Englisch über seine musikalischen Anfänge, die veränderte Attitüde der heutigen Kids und den Punk-Spirit sinniert.

Nebst Anthony Thomas selber kommen auch langjährige Wegbegleiter zu Wort wie etwa Künstler Dirk Bonsma, Schlagzeuger Olivier Joliat und Teilzeit-Lombego Bassist Luc Montini. Sie alle zeichnen das gleiche Bild: Ein authentischer und umgänglicher Mann ist er, dieser Tony, der die Gitarre lieber zu laut als zu leise spielt und die musikalische Schlichtheit der 60er-Jahre beibehalten hat.
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Mit Seidl auf Safari

Er hat es wieder getan. Der österreichische Filmemacher Ulrich Seidl hat sich einmal mehr an die Fersen von Landsleuten geheftet und begleitet diese wie bereits in einem Teil seiner Trilogie «Liebe, Glaube, Hoffnung» nach Afrika. Allerdings stehen dieses Mal nicht liebesbedürftige Damen im Zentrum, sondern Jäger und Jägerinnen. «Safari» heisst Seidels neuster Streich und wie es der Titel bereits ankündigt, stehen Touristen im Zentrum, die nach Südafrika reisen, um dort für viel Geld Grosswild erlegen zu dürfen. Ein Gnu: 615 Euro, ein Wasserbock: 1400 Euro pro Abschuss – das Töten wilder Tiere als käufliche Ware.

Es ist ein Markenzeichen des 64-jährigen Regisseurs Seidl, dass in seinen stilisierten Dokumentation nicht immer ganz klar ist, wer jetzt hier tatsächlich authentisch agiert und wer Schauspieler ist. Diese Komponente fällt in «Safari» weg, oder spielt zumindest eine weniger grosse Rolle. Die vierköpfige Familie, welche da mit Gewehren im Anschlag durch die afrikanische Steppe pirscht, scheint echt zu sein. Tiere kommen im Film erst spät ins Bild (mal abgesehen von ausgestopften Varianten), wodurch denn auch diese seltsame Distanziertheit und Sterilität von Grosswildjagd hervorgehoben wird. «Das Stück» (so bezeichnen Jäger ein Tier) wird aus grosser Distanz ins Visier genommen, nach dem Erlegen – «Waidmannsheil!» – hübsch fürs Foto drapiert und dann den Einheimischen zum Ausnehmen überlassen.

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Die Gang der Filmmasochisten

Was sind «richtig schön schlechte Filme»? Die Kultmoviegang feiert ihr zweijähriges Bestehen und zeigt mit «The Room» ein cineastisches Erlebnis der komplett anderen Art.

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Ronny Kupferschmid und die Mutter aller Trash-Filme: Plan 9 from outer Space

«Wir machen dieses Wochenende einen Filmmarathon. Das heisst, wir schauen bei mir zu Hause 36 Stunden lang richtig schön schlechte Filme.» Willkommen in der Welt von Ronny Kupferschmid, seines Zeichens Cineast mit Vorliebe für filmische Erzeugnisse zweifelhafter Qualität. Er sei ein Kind der Neunzigerjahre und habe schon damals eine Unmenge schlechter Filme auf VHS-Kassetten geschaut. Die Liebe zum Schund sei geblieben, weswegen der 39-jährige mit Gleichgesinnten die Kultmoviegang ins Leben gerufen hat, ein Kollektiv von Filmliebhabern mit Affinität zu Trash- und B-Movies.

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Radiobericht über die Kultmoviegang im KultuRadar auf Radio Bern RaBe

Fuckin’ biblical, man!

Wie ein Ferrari sei ihre Band gewesen: Das schnellste und heisseste Geschoss überhaupt. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass man mit so was irgendwann frontal in eine Wand brettere, sei eben gross, sagt Noel Gallagher. Er wird’s wissen, denn in die Wand gebrettert ist er mit seinen Oasis tatsächlich. Und zwar mit Vollgas. Der englische Filmemacher Mat Whitecross («Amy», «The Road to Guantanamo», «Sex & Drugs & Rock & Roll») legt mit «Supersonic» eine Dokumentation vor, welche den kometenhaften Aufstieg der Rüpel-Truppe aus Manchester zeigt. Durch Zufall waren die beiden Brüder Noel und Liam Gallagher, Tony McCarroll, Paul «Guigsy» McGuigan und Paul «Bonehead» Arthurs 1993 in Glasgow von Allan McGee entdeckt worden – drei Jahre später spielten sie vor 250’000 (!) Leuten in Knebworth, wobei 4% der britischen Bevölkerung, also 2.6 Millionen Menschen, sich für Tickets beworben hatten. Damit beginnt und endet «Supersonic», der wenig ruhmhafte Abstieg und die definitive Auflösung der Band vor sieben Jahren sind in Whitecross’ Film kein Thema. Macht nichts. Wie katastrophal selbstzerstörerisch das Ferarri-Modell Oasis war, wird auch so klar.

«Supersonic» ist eine kurzweilige Dokumentation, die viele frühe, grobkörnige Konzert- oder Top-of-the-Pops-Aufnahmen und On-The-Road-Bilder beinhaltet. Abwechslungsweise kommen die Bandmitglieder zu Worte, wobei Noel und Liam am meisten zum Zuge kommen. Der Bruderzwist der beiden Brüder Gallagher, die sich auch mal mit einem Cricket-Schläger auf den Kopf hauen, ist omnipräsent, wird von den beiden Streithälsen aber wohltuend selbstironisch kommentiert.

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