Category Archives: Theater

Ein Monster gewassert

Die Theatergruppe VORORT setzt mit «Moby Dick» am malerischen Wohlensee ein Ungetüm aus der Weltliteratur in Szene. Und brauch dazu viel Kabel und einen Sarg mit Finne.

moby_dickEin kühler Wind bläst über den Wohlensee und vertreibt die letzten Regenwolken, die grünblaue Aare fliesst gemächlich dahin und mitten drin im malerischen Landschaftsbild thront die Wohleibrücke. Die stattliche Bogenbrücke, welche die beiden Gemeinden Frauenkappelen und Wohlen verbindet, war 1920 von den Bernischen Kraftwerken erbaut worden, als für das nahe gelegene Wasserkraftwerk Mühleberg die Aare gestaut wurde. Unter der Brücke tummelt sich die Tage zwischen quakenden Enten und grazilen Schwänen ein ungewohntes Gebilde im Schilf. «Angefangen hat es mit der Skizze eines kleinen Flosses, aber Renato rührt gerne mit der grossen Kelle an und drum haben wir letzten Freitag dieses 5.5 Tonnen schwere Monster gewasser.» sagt Regisseur Mathis Künzler und lacht. Mit Renato ist Renato Grob gemeint, seines Zeichens Erfinder, Kulissen- und Requisitenbauer und Schöpfer des überdimensionalen Metall-Flosses.

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Space-Rock Oper «Interstellar Riot»

938 wurde Orson Welles Hörspiel «War of the Worlds» vom amerikanischen Radiosender CBS ausgestrahlt und sorgte mit der Berichterstattung über einen vermeintlichen Angriff von Ausserirdischen ziemlich für Furore. Weil das Hörspiel täuschend echt wie eine Reportage klang, riefen nämlich im Verlaufe der Ausstrahlung viele beunruhigte Hörer bei CBS an, um sich zu erkundigen, ob denn nun wirklich die Marsianer angreifen würden.
Marsianer werden diese Woche auch beim NIFF, dem Fantastischen Filmfestival in Neuchâtel, eine wichtige Rolle spielen. Die Westschweizer Rockgruppe The Rambling Wheels führt zur Eröffnung des Festivals am 30. Juni ihre Space Oper «Interstellar Riot» auf. Und die fusst – wie könnte es anders sein – auf Orson Welles Hörspiel.

Musical-Schabernack

Genosse Erdmann vom KulturStattBern-Mutterschiff hat mit seiner Kritik nicht gänzlich unrecht, wenn er festhält, dass im Musical «Sit so guet, s.v.p» etwas gar offensichtlich mit Klischees operiert werde. Ist aber wurscht (wahlweise auch schüblig, landjäger, cervelat oder merguez) denn beste Unterhaltung bietet «Sit so guet, s.v.p» alleweil, zumal das Musical aus der Feder von Dennis Schwabenland, Raphael Urweider und Matto Kämpf vor absurden Einfällen, Wortwitz und Anspielungen strotzt. Hier 14 Gründe, warum man sich den manchmal bitterbösen, manchmal vergnüglich kindischen Musical-Schabernack in der Dampfzentrale anschauen sollte:

  1. Weil Penis-Witze gemacht werden.
  2.  Weil das neue Maskottchen der S.V.P. Ein Walfisch ist, der bei der Huldigung von St. Christopher stets auf die Nase fällt.
  3. Weil die neue Hauptstadt «Downtown Ballenberg» heisst.
  4. Weil Matto Kämpf die ganze Pause über ein Tannenkostüm tragen muss.
  5. Und beide sind sie scharf auf die Wurst: Ibrahim al Merguezi (Wael Sami Elkholy) und Cecilia de Buurenworst (Ntando Cele) buhlen um Roger de Cevelat (mitte, Diego Valsecchi)

  6. Weil keiner so schön zeitlupe-werbe-kitschig über die Bühne hüpft, wie Cecilia de Buurenworst (Ntando Cele) und Heidi de Cervelat von Schüblin (Anna-Katharina Müller).
  7. Weil Roger de Cervelat (Diego Valsecchi) und Ibrahim al Merguezi (Wael Sami Elkholy) nicht nur richtig gut singen, sondern auch ein unsäglich komisches schwules Diktatoren-Paar abgeben.

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«Sit so guet, s.v.p – Das Musical»

«Das kann doch wohl nicht euer Ernst sein?!» So die Reaktion des gebürtigen deutschen Schauspielers Dennis Schwabenland, als ihm das Partei-Programm der SVP in die Hände fiel. «Dieses Parteiprogramm ist so absurd, das müsste man auf die Bühne bringen», dachte sich Schwabenland. Gesagt getan: mit Matto Kämpf, Raphael Urweider und King Pepe liessen sich geeignete Mitstreiter finden. Herausgekommen ist nun das Stück «sit so guet, svp», in welchem rechte Populisten furchtlos und satirisch aufs Korn genommen werden. Zu sehen in der Dampfzentrale, 22. -30. Juni 2017.

Zukunftsutopie «Oh Boyoma»

Viele Menschen sind etwas fantasielos, wenn es darum geht, ein positives Bild der Zukunft zu zeichnen. Nicht so Elia Redinger. Der 32-jährige Künstler und Musiker wurde einst in Kinshasa geboren und verbrachte dort die ersten sechs Jahre seines Lebens als Kind von Schweizer Entwicklungshelfern. Zurzeit ist Redinger als Hausautor bei Konzert Theater Bern tätig und hat sich für seine neuste Produktion zurück in die Vergangenheit begeben. Zumindest geografisch. «Oh Boyoma» – so der Titel des Stücks – spielt nämlich an einem fiktiven vergessenen Ort im Kongo. Zeitlich allerdings wird in die Zukunft gereist und zwar ins Jahr 2030. Gisela Feuz war bei der Hauptprobe von «Oh Boyoma» dabei.

«Oh Boyoma» wird bis Freitag 16. Juni in der Heiteren Fahne aufgeführt.

Hier gehts zu Frau Feuz’ Besprechung in «Der Bund» vom 6.6.17

«Träges Herz»

Seit Sommer 2015 erlebt Europa eine Flüchtlingskrise ungeahnten Ausmasses. Vor allem an den Grenzen Europas aber auch an neuralgischen Punkten innerhalb Europas herrscht Ausnahmezustand und Rechtlosigkeit. Ab Dienstag wird im Schlachthaustheater ein Stück aufgeführt, bei welchem die Flüchtlingskrise eine zentrale Rolle einnimmt, allerdings wird nicht das Elend der Menschen ins Rampenlicht gezerrt, sondern vielmehr gefragt, wer denn die ganzen Freiwilligen sind, die vor Ort Hilfe leisten. Ausgehend von einem Fall im eigenen Familienkreis hat Schauspieler und Regisseur Lorenz Nufer zusammen mit Autorin Renata Burckhardt das Stück «Träges Herz» erarbeitet.

«50 Grades of Shame»

Die Informations- und Bilderflut der Performance «50 Grades of Shame» des deutschen Kollektivs She She Pop in der Dampfzentrale überfordert. Die Botschaft aber tröstet.

sheshepop

«Wahrscheinlich irgendwas mit der Technik», wurde gestern Abend in der Dampfzentrale gemutmasst, als sich der Start von «50 Grades of Shame» der Performance-Gruppe She She Pop hinauszögerte. Und tatsächlich: Zuerst habe eine Projektion gestreikt und dann sei auch noch eine Kamera ausgestiegen, erklärte Aua-Leiterin Nicolette Kretz die 30-minütige Verspätung.

Technische Gerätschaften sind bei She She Pop unabdingbar, denn wie in früheren Performances (siehe «Bund» vom 11. Mai) des in Berlin ansässigen Kollektivs sind auch bei «50 Grades of Shame» Videoprojektionen ein zentrales Element. Auf zwei grossen Tafeln werden Überblendungen gezeigt, die sich aus Bildern mehrerer Live-Kameras zusammensetzen, wobei die Kameras quer über die ganze Bühne verteilt sind.

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Vagimmel & Mönis: Genderpuff

Die kommenden Tage wird das Schlachthaustheater in ein Puff verwandelt, genauer in ein Genderpuff. So heisst nämlich das Stück, welches 16 Mitglieder des Jugendclubs dort aufführen. Dabei geht es nicht nur um die Geschichte der Mütter, Grossmütter und Urgrossmütter, sondern um die Hinterfragung von Geschlechterrollen im Allgemeinen und um die Frage, von wo diese eigentlich stammen und warum jede/r Che Guevara, aber niemand Olympe de Gouges kennt. Dazu wird das Schlachthaustheater in ein Museum mit verschiedenen Stationen verwandelt.

Die verlorene Ehre der K.B.

100 Jahre alt wäre er dieses Jahr geworden, der deutsche Schriftsteller Heinrich Böll. Böll gehört zu den bekanntesten Literaten der Nachkriegszeit und wurde in den 70er-Jahren mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. In seinen Romanen, Kurzgeschichten, Hörspielen und zahlreichen politischen Essays setzte er sich kritisch mit dem zeitgenössisches Geschehen auseinander. So auch in seiner Erzählung «Die verlorene Ehre der Katharina Blum», in welcher Böll das Vorgehen von sensationsgeilen Boulevard-Zeitungen anprangert.
Zu Bölls 100. Geburtstag inszeniert Alexander Kratzer im Theater an der Effingerstrasse genau diese verlorene Ehre der Katharina Blum und zwar in einer eigenen, neuen Theaterfassung bei der auch Drum’n’Bass zum Zuge kommt.

Eine Schneekanone und viel Gewalt

Das Theater Marie fährt bei seiner Inszenierung von «Liliom» des ungarischen Dramatikers Ferenc Molnár in der grossen Halle der Reitschule viel Material auf, vernachlässigt dabei aber die Figurengestaltung.

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Es ist ein Ungetüm von einem Stoff, den sich das Theater Marie für seine neuste Inszenierung ausgesucht hat, welche zurzeit in der Grossen Halle der Reitschule gezeigt wird. Wenig andere Sozialdramen wurden so oft und in so vielfältiger Form reproduziert wie «Liliom» des ungarischen Dramatikers Ferenc Molnár. 1909 in Budapest uraufgeführt, wurde der Stoff bereits drei Jahre später für deutsche und österreichische Bühnen übersetzt.

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