Category Archives: Blog / Texte

«High-Level-Wellness»

Das Performance-Kollektiv Latinlover zerpflückt im Schlachthaus Theater die Blüten der Wellness-Industrie. Das Resultat reicht von wohltuend bis ermüdend.
wellness

Entwässerung, Hot-Stone-Massage, Wassertank-Schweben: Die Liste an Wellness-Angeboten, welche nicht nur das körperliche, sondern auch das seelische Befinden verbessern sollen, ist lang. Man kommt nicht umhin, so die Suggestion auf allerlei Kanälen, sich in unserer Zeit auch mal eine Auszeit zu genehmigen, herunterzufahren und seinem Körper Achtsamkeit zu schenken. Dass die Wellness-Industrie dabei allerlei wundersame Blüten treibt, zeigt zurzeit das Performance-Kollektiv Latinlover im Schlachthaustheater mit seiner ersten abendfüllenden Produktion «The 2017 Wellness Report».

Die ganze Besprechung in «Der Bund» gibts hier online zu lesen

Der schlechte Weg: Via Mala

Das Theater an der Effingerstrasse bringt mit «Via Mala» von John Knittel ein gewaltiges Familiendrama auf die Bühne. Der moralische Konflikt der Vorlage bleibt seltsam blutleer.
via mala

In jungen Jahren lebte Schriftsteller John Knittel (1891–1970) einige Zeit in London und am Genfersee und unternahm Reisen nach Ägypten, Algerien und Tunesien, bevor er sich 1939 in Graubünden niederliess. Hier spielt denn auch Knittels Roman «Via Mala», sein wohl berühmtestes Werk, welches sich mehr als drei Millionen Mal verkaufte, mehrfach verfilmt (zuletzt 1985 mit Mario Adorf in der Hauptrolle) und fürs Theater adaptiert wurde. Vor drei Jahren zeigte das Freilichtmuseum Ballenberg eine Mundart-Fassung von «Via Mala», am Samstag lud das Theater an der Effingerstrasse nun zur Premiere des Stückes in Hochdeutsch.

Die ganze Rezension in «Der Bund» hier online lesen

Odysee mit Hund und Kater

surprise

Zehn Jahre hat Slavcho Slavov auf Europas Strassen verbracht. Seine stängigen Begleiter: Hund Lourd und Kater Matz. Heute lebt das Trio in Bern, wo Slavo nach langer Reise endlich ein Zuhause gefunden hat. Der gebürtige Bulgare hat seine Erlebnisse zu Papier gebracht, herausgekommen ist das Buch «Meine Odysee mit Lourd und Matz», welches Slavo gemeinsam mit seiner Kunst in der Berner Spitalgasse verkauft. Frau Feuz hat den tierliebenden Mann porträtiert, zu finden ist der Text in der aktuellen Ausgabe Nr. 408 von Surprise.

 

Groombridge: Eigenwillig geklotzt

Fragil bis psychedelisch entrückt: Die Burgdorfer Band Groombridge legt mit «Specht» ein wuchtiges Rock-Album vor.

Eingemietet hat man sich mitten im lauschigen Burgdorf in einer alten Leinenweberei. Um zum Bandraum zu gelangen, muss eine schmale Brücke überquert werden, darunter rauscht und gurgelt idyllisch der Dorfbach. Drinnen herrscht aufgeräumtes Geräte- und Instrumentenwirrwarr, überschaut wird die Angelegenheit von einem Darth-Vader-Helm, auf dem ein Abziehbild der lokalen Fussballmannschaft prangt.

Aufgeräumt sind auch die vier Herren Groombridge – ein fünfter wird sich später noch dazugesellen und die Band komplementieren. Anlass des Treffens: der neuste musikalische Wurf der Mannschaft beziehungsweise die fünfte Platte namens «Specht», die so gar nicht nach beschaulichem Emmental klingt.

Den ganzen Text in «Der Bund» hier online lesen

KSB-Heimatkunst, 3013 Bern

«KSB-Heimatkunst» ist eine lose Serie des hausinternen KSB-Architekturbüros. Ältere Beiträge gibts hier.

«…. Bauaufgabe dieser Grössenordnung …. Komplexität …. Ansprüche ….. qualifiziert», so liess sich der Präsident der Berner Sektion des schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins, Christopher Berger, kürzlich im Mutterschiff zitieren. Sie merkens, werte Leserschaft, odr? Herr Berger hat KSB gemeint. Weil wenn wir etwas können, dann ja wohl komplex, kompetent und qualitativ hochwertig. Ästhetisch? Unser zweite Vorname, aber Hallo! Deswegen hat sich das hausinterne KSB-Architekturbüro in mehrwöchige Klausur begeben und wird  bei einer allfälligen Ausschreibung den unten abgebildeten Vorschlag für die neue Klimaanlage im Kunstmuseum einreichen. Wir rechnen fest mit dem Zuschlag.

Wer das hier doof findet (und ergo keine Ahnung von Architektur hat) und lieber unter dem Deckmantel Kunst nackige Damen guckt, der ist bei der aktuellen Ausstellung «Van Gogh bis Cézanne, Bonnard bis Matisse» im Berner Kunstmuseum bestens aufgehoben.

Buskers: Schieben und Schleppen

Beim dreitägigen Strassenmusik-Festival Buskers befördern die Bands ihre Ausrüstung bis zu 20 Mal durch Berns Altstadtgassen. Dabei behelfen sie sich allerlei abenteuerlicher Transportmittel.

Was sich am Donnerstagnachmittag um 16 Uhr im Schlachthaus-Theater ereignet, erinnert an Tetris. Rund 150 Künstler und Künstlerinnen aus 22 Nationen haben sich im Saal eingefunden und schwirren mit allerlei Instrumenten und technischen Gerätschaften durch den Raum. Alle treten sie dieses Wochenende im Rahmen der 14. Ausgabe des Strassenmusik-Festivals Buskers in der Berner Altstadt auf, und alle haben sie hier im Schlachthaus einen kleinen Abstellplatz für ihr Equipment zugeteilt bekommen. Dazu wurde der Boden mit Klebeband in 31 unterschiedlich grosse Bereiche eingeteilt.

Den ganzen Beitrag in «Der Bund» hier online lesen

topelement

NESSIE GESICHTET!!

Werte  Leser*innen, ich habe in diesem Schottland Video-Aufnahmen machen können, welche die Existenz von Nessie ein für all Mal beweisen!!! Hier exklusiv für Sie:

 

Es erstaunt nicht, dass sich Nessie in Loch Ness bis anhin einwandfrei zu verbergen wusste. Schliesslich ist besagtes Loch mit einer Tiefe von 230 Metern der zweitiefste See der britischen Inseln, wobei der grösste Teil auf mehr als 152 Tiefe liegt und gerade mal 13.6% der Seefläch flacher sind als 30 Meter. Das heisst: Die Ränder sind sausteil, und fallen an gewissen Stellen gar in einem Winkel von 75° ab.

Wer jetzt gerade gedacht hat «ideal bei heissem Wetter für einen Köpfler, da stösst man sich wenigstens nicht die Birne», dem seien folgende Fakten nicht vorenthalten: In tieferen Lagen ist Loch Ness gerade mal fünf Grad warm, an der Oberfläche könnte der See in einem sonnenreichen Sommer (also eigentlich nie) theoretisch 12 Grad erreichen. Wer hier baden geht, ist entweder ein knallharter Hund oder strunzblau – egal zu welcher Liga man gehört, bevor fünf Minuten um sind, ist die Chance gross, dass man den Löffel abgegeben hat. Ausserdem ist Loch Ness aufgrund von Torfpartikeln tiefschwarz und soll über zahlreiche Höhlen und Ausbuchtungen verfügen – dort unten dürfte sich also tatsächlich so einiges tummeln. Aber wer weiss das schon so genau. Bis anhin waren mehr Menschen auf dem Mond als am Grunde von Loch Ness.

Sie mögen tiefe Seen? Dann machen Sie doch einen Ausflug nach Brienz. Der Brienzersee ist mit seinen 260 Metern noch tiefer als Loch Ness, in ähnlich malerischer Umgebung angesiedelt, dabei aber mit aktuellen 20 Grad temperaturmässig schon fast im Bereich Kinderplanschbecken. Und Monster gibt es dort dieses Wochenende am Brienzersee Rockfestival auch zu begutachten.

Bizarres Musikgenre Teil 26

Die Welt der Musikgenres ist eine vielfältige, bunte und manchmal unfreiwillig komische. In dieser Serie sollen Genres zum Zuge kommen, von denen Sie bis anhin vielleicht (zu recht) noch nie gehört haben. Heute: Vokaloiden Pop.

Sie ist seit über 10 Jahren im Showbusiness, hat 2014 die Welttournee von Lady Gaga eröffnet, sass bei David Lettermann auf dem Sofa und hat Werbeartikel im Wert von ca 1 Milliarde Dollar verkauft. Und trotzdem gibt es die Göre strenggenommen nicht wirklich. Jedenfalls nicht in einer Variante aus Fleisch und Blut. Die Rede ist von Hatsune Miku, einem ewig 16-jährigen Mädchen mit langen türkisfarbenen Haaren, gekleidet in Schuluniform mit kurzem Rock und langer Krawatte.

Die Figur der Hatsune Miku wurde einst als Maskottchen für eine Software entworfen, mit welcher künstliche Gesangsstimmen erzeugt werden können. Der dazugehörige Software-Synthesizer Vocaloid2 wurde 2007 erstmal vorgestellt und gewann rasch an Popularität, so dass bis heute von Usern auf der ganzen Welt über 100’000 Songs mit der Stimme von Hatsune Miku entwickelt wurden. Dabei stehen verschiedene Variationen zur Verfügung, so etwa «enthält viele Seufzer, süss, flüsternd / ausgeglichen, leicht melancholisch / lebhaft, kräftig und hell / steif und angespannt». Aufgrund der enormen Beliebtheit der Stimmensoftware entwickelte sich die Figur Hatsune Miku bald einmal zum eigenständigen Produkt, welches als Hologramm nun Konzerte gibt. Der Name des Mädels lässt sich übrigens in etwa als «Erster Klang der Zukunft» übersetzen (Hatsu «Erster», Ne «Klang», Miku «Zukunft»). Graust Ihnen eigentlich manchmal auch vor dieser sogenannten Zukunft, werte Leserschaft?

Fantastische Nerd-Veranstaltung

Man muss schon ein ausgesprochener Nerd relativ fest an Filmen interessiert sein, um sich nachmittags bei diesem Wetter in einen Kinosaal zu setzen. In Neuchâtel tun dies die Tage ziemlich viele Leute, dort geht nämlich das NIFFF, das internationale Fantastic Film Festival, über die Leinwand. Nebst dem japanischen Helden Takashi Miike, der seinen 101 Film vorstellte (das Mutterschiff hat hier berichtet), sind zahlreiche andere Lieberhaber*innen von Übersinnlichem, Unerklärlichem und Fantastischem aus aller Welt nach Neuchâtel gereist. Erfreulich: Die Schweizer*innen brauchen sich mit ihren Erzeugnissen keinesfalls zu verstecken. Im Gegenteil. Der Kurzfilmblock macht klar: Hier wird mit viel Ideenreichtum, stilistischer Vielfalt und auch Humor zur Sache gegangen.

Richtig lustig ist zum Beispiel «Schutzplan Vollmond» von Elias Jutzet, welcher die Verbrüderung zweier Werwölfe über den Röstgraben hinweg zeigt. Oder auch Sophie Wietlisbachs filmische Postkarte «Swiss Made», die in drei Minuten den Alpentourismus aufs Korn nimmt.
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