Category Archives: Blog / Texte

Peter Schneider auf der Couch

Beim «Bund im Gespräch» zieht Peter Schneider Parallelen zwischen Satire und Psychoanalyse, beantwortet Fragen zu Friedensmärschen und outet sich als Enid-Blyton-Fan.

peter_schneiderTrotz sommerlichem Bade- und Grillwetter war gestern Abend der Saal des Hotels Bellevue bis in die hinteren Reihen gefüllt, alle wollten sie dabei sein, wenn der Psychoanalytiker der Nation sich selber auf die Couch legt.

Hingelegt hat er sich dann doch nicht ganz, Peter Schneider, seines Zeichens landesweit bekannter Satiriker, Kolumnist und eben praktizierender Psychoanalytiker. Höchstens ein bisschen im Sessel fläzen tat er zwischenzeitlich beim «‹Bund› im Gespräch» mit Redaktor Alexander Sury und gewährte dabei doch auch Einblick ins schneidersche (Innen-)Leben.

Nein, als Workaholic würde er sich trotz 70-Stunden-Arbeitswochen nicht bezeichnen, erklärte der 60-Jährige, schliesslich schaue er, dass er pro Nacht acht Stunden Schlaf verbuchen könne. Sechs Espressi würden ihm dann morgens den nötigen Schub verleihen, um sich aus diversen Tageszeitungen sein satirisches Material zusammenzusuchen – seit rund 25 Jahren verfasst Schneider Kolumnen für SRF, die «SonntagsZeitung» und natürlich die jeweils mittwochs erscheinende «Bund»-Rubrik «Leser fragen». Daneben betreibt der studierte Philosoph und Psychologe in Zürich eine Praxis für Psychoanalyse und psychoanalytische Psychotherapie.

Den ganzen Artikel in «Der Bund» hier online lesen.

Das muss mehr Schub!

Sie hatten am Mittwochabend einen schweren Stand, die vier Herren und die Dame von Esmerine bei bee-flat im Progr, denn draussen sass es sich an diesem warmen Frühlingsabend gut unter den lauschigen Bäumen. Und doch fand sich dann auch eine handliche Anzahl Eingefleischter in der Turnhalle ein, um dem dramatischen und schwermüten Kammer-Doom des Quintetts aus Montreal zu lauschen. Um es gleich vorneweg zu nehmen: Mit dem bandeigenen Mischer wird Frau Feuz nicht Freundin. Zumindest nicht in diesem Leben.

Jesus? Nein. Wenn auch musikalisch fast: Multiinstrumentalist Brian Sanderson mit Esmerine.

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Literatur goes Selbstfindung

rigiliedVo Lozärn gäge Wäggis zue ….. » Schriftsteller Christian de Simoni rekonstruiert und konstruiert die Geschichte des Rigiliedes.

1832 fand in Luzern das 6. Eidgenössische Schützenfest statt, mit dabei war ein gewisser Johann Lüthi. Im Anschluss an die Festivitäten unternahm Lüthi eine Schiffreise über den Vierwaldstättersee und bestieg die Rigi. Zurück am heimischen Webstuhl, verarbeitete der Gesangs- und Chorleiter das Erlebte in einem Lied und komponierte eine der heute bekanntesten Schweizer Volksweisen: «Vo Lozärn gäge Wäggis zue».

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Frau Patagônia, ins Büro!

Alle, die bei KulturStattBern mittun, stehen ja selber mit einem Bein im Kulturgrab mitten im kulturellen Geschehen. Allerdings gehen wir mit unseren Outputs, beziehungweise deren Streuung ganz unterschiedlich um. Rockboy Schwab und Chefin Feuz zum Beispiel lassen ja keine Chance aus, KSB schamlos als Distributionskanal für eigenen Unfug zu missbrauchen und lügen dabei gerne auch mal das Blaue vom Himmel herunter. Konfuzius Rihs würde wohl auch lügen wollen, scheitert dann aber an der konzeptuellen Dekonstruktion seiner selbst (auf der Metaebene, versteht sich) und schreibt drum über Schnaps im Denner. Dandy Fischer säuft nach Design- und Kunstvernissagen die stehengelassenen Gläser leer und gleist den Umsturz aller bestehenden Systeme auf, weiss dann aber am nächsten Tag leider nichst mehr davon, weswegen wir auch nie darüber lesen.

Die einzig Vernünftige in diesem Saufhaufen ist unsere Frau K. (eigentlich Krstic, aber das schreib ich nie mehr aus, weil Frau K. mir mit Enthauptung gedroht hat, falls ich ihren Namen noch einmal falsch zu Papier bringe.)  Besagte Frau K. ist die Bescheidenheit in Person, trinkt ausschliesslich Gurkenwasser und erwähnt denn auch nur ganz beiläufig im Kleingedruckten irgendeiner E-Mail, dass sie gerade ihr erstes Video herausgegeben habe. Frau K. ins Büro der Chefin, los hopp! Wir üben jetzt mal blöffen. Und Schnaps saufen.

Eine Schneekanone und viel Gewalt

Das Theater Marie fährt bei seiner Inszenierung von «Liliom» des ungarischen Dramatikers Ferenc Molnár in der grossen Halle der Reitschule viel Material auf, vernachlässigt dabei aber die Figurengestaltung.

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Es ist ein Ungetüm von einem Stoff, den sich das Theater Marie für seine neuste Inszenierung ausgesucht hat, welche zurzeit in der Grossen Halle der Reitschule gezeigt wird. Wenig andere Sozialdramen wurden so oft und in so vielfältiger Form reproduziert wie «Liliom» des ungarischen Dramatikers Ferenc Molnár. 1909 in Budapest uraufgeführt, wurde der Stoff bereits drei Jahre später für deutsche und österreichische Bühnen übersetzt.

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Top Dogs im Zwinger

Das Theater Matte zeigt mit Jordi Galcerans «Die Grönholm-Methode» ein unterhaltsames Stück, in dem ein Bewerbungsgespräch zum Kampf in der Löwengrube verkommt.
Ein Sitzungszimmer mit kahlen Wänden, vier metallene Stühle, ein Tisch, auf dem vier Gläser und eine Karaffe mit Wasser stehen – das Setting des Stücks «Die Grönholm-Methode» auf der Bühne des Theaters Matte ist steril und nüchtern. Was sich allerdings in den rund 90 Minuten Spielzeit ereignet, ist alles andere als geordnet und klar. Nach und nach treffen drei Bewerber und eine Bewerberin in diesem Sitzungszimmer ein, alle sind sie gekommen, weil sie einen lukrativen Managerposten wollen. Das Bewerbungsverfahren wird allerdings auf sehr unkonventionelle Weise geführt, wie die vier bald einmal feststellen müssen. Ein eigentliches Bewerbungsgespräch findet nämlich nicht statt, die Rekrutierten bleiben auf sich alleine gestellt, von der Personalabteilung oder überhaupt der Firma lässt sich niemand blicken.

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Fehr im SURPRISE

surprise«Ich mache gerne die Wohnungstüre zu»

Der Berner Schriftsteller Michael Fehr musste erst scheitern, um auf Umwegen zur Literatur zu finden.

«Ich mag es, wenn alles klar, berechenbar und schön ordentlich aufgeräumt ist», sagt Michael Fehr. «Draussen ist das ja leider nie so, und deswegen mache ich sehr gerne die Wohnungstüre zu. Zumindest dann, wenn ich in der Wohnung drin bin», sagt er und lacht. In der Behausung des 35-jährigen Berner Schriftstellers ist alles an seinem Platz. Allerdings gibt es auch nicht viel, was in Unordnung geraten könnte. Fehr mag es spartanisch. Das lässt sich wohl damit begründen, dass er an juveniler Makuladegeneration, also an einer angeborenen Sehbehinderung leidet, und beinahe blind ist. Zwecks Orientierung ist Ordnung zentral. Die prunklose Kargheit der Wohnung widerspiegelt aber auch den Charakterzug eines Mannes, der sich selber lange mit grosser Strenge und Disziplin begegnet ist.

Das ganze Porträt über Michael Fehr findet sich in der aktuelle Ausgaben 396 von Surprise jetzt beim Strassenhändler deines Vertrauens.

Nicht nur Gekleckse

abendscheinEtwas salopp formuliert könnte man sagen: Hartmut Abenschein hat während zweier Jahre jeden Tag gekleckert. Auf einer selber konzipierten Druckmaschine fabrizierte der 47-jährige Schriftsteller nämlich täglich einen Klappdruck, indem er schwarze Tinte auf eine Endlosrolle Papier goss und den Abschnitt zusammenfaltete. So entstand eine Reihe mit Flecken, die Abenschein «my daily rorschach» taufte.

Während der Produktion sei ihm aufgefallen, dass die Struktur dieser Flecke derjenigen von geschriebener Sprache ähneln würde, sagt Abenschein. Diese strukturelle Analogie veranlasste ihn dazu, in einem zweiten Arbeitsschritt seine Klecksbilder mit Notizen, Phrasen, Beobachtungen und Reflexionen zu paaren, welche sich im Verlauf der Jahre in seiner Schublade angesammelt hatten. Diese Gegenüberstellung von Texten und Klecksen ist nun unter dem Titel «nicht begonnenes fortsetzen» erschienen, wobei das Büchlein so aufgebaut ist, dass sich auf der rechten Buchseite die Tiere, Geister und Flugzeuge, oder was auch immer man in den Faltbildern zu erkennen glaubt, abgedruckt sind, während auf der linken Seite mit Texteinheiten die gleiche Form imitiert wird.

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Ritter des metallenen Ordens

Es war einmal vor langer, langer Zeit ein junger Prinz namens Frederyk. Frederyk lebte im hohen Norden (Basel), wo die Nächte lang und die Gemüter finster sind. Auch Frederyks Gemüt war finster. Sein ganzes Leben hatte er als Gefangener im hohen Turm seiner bösen Schwiegermutter Roche verbringen müssen, weil diese eifersüchtig auf Frederyks goldenes, wallendes Haupthaar war. Roche selber hatte nämlich nur Pilze auf dem Kopf. Dafür leuchteten diese.

Eines Tages ritt ein Trupp fescher Ritter an Frederyks Gefängnis vorbei. «Ja wer seid denn ihr? Seid ihr etwa Grillen?» rief Frederyk aus dem Fenster, denn sein Turm war so hoch, dass die feschen Ritter von oben klein wie Insekten aussahen. «Ich bin euer Zar», schrie Frederyk weiter, er, der aufgrund seiner menschenfernen Erziehung wenig Ahnung von Anstand, geschweige denn von politischen Ämtern hatte, dafür aber für sein Leben gerne schrie. «Nein, wir sind Ritter des metallenen Ordens. Wir sind auf dem Weg zum militärischen Stützpunkt, wo wir am Palmsonntag musizieren wollen. Im Volksmunde werden wir deswegen Palmer genannt», antwortete die Viererschaft. Da ging dem jungen Frederyk das Herz auf. Musizieren! Welch wundersamer Klang dieses Wort schon nur hatte. «Zatokrev aber auch, nehmt mich mit!», schrie er und liess schnell seine wallendes blondes Haupthaar herab. Da erbarmten sich die Ritter dem jungen Frederyk, befreiten ihn aus seinem Turm, nahmen ihn in ihre Gesellschaft auf und nannten ihn fortan liebevoll Zar der Grillen.

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Krimi-Charakterstudie

Das Theater an der Effingerstrasse zeigt mit «Switzerland – der Fall Patricia Highsmith» eine Krimi-Charakterstudie der australischen Dramatikerin Joanna Murray-Smith.

Patricia HighsmithIhre Mutter habe Highsmith-Romane regelrecht «verschlungen», und es habe sie beeindruckt, wie ein Buch, also ein schlichter Gegenstand, einen solchen Einfluss auf einen Menschen haben könne, erzählte die australische Dramatikerin Joanna Murray-Smith in einem Interview. Das Schaffen, aber auch die Biografie der 1921 in Texas geborenen Schriftstellerin Patricia Highsmith (eigentlich Mary Patricia Plangman) faszinierte auch Murray-Smith, weshalb sie der Autorin mit «Switzerland – der Fall Patricia Highsmith» ein rund zweistündiges Bühnenstück gewidmet hat.

Der Titel des Stückes ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass Patricia Highsmith 14 Jahre lang im Tessin lebte und arbeitete. Ihr Haus soll einem Bunker geglichen haben, in dem sich die öffentlichkeitsscheue Autorin verkroch. Dieses Domizil beziehungsweise dessen Wohnzimmer bildet das Setting für Murray-Smiths Stück.

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