Category Archives: Blog / Texte

Bizarres Musikgenre Teil 26

Die Welt der Musikgenres ist eine vielfältige, bunte und manchmal unfreiwillig komische. In dieser Serie sollen Genres zum Zuge kommen, von denen Sie bis anhin vielleicht (zu recht) noch nie gehört haben. Heute: Vokaloiden Pop.

Sie ist seit über 10 Jahren im Showbusiness, hat 2014 die Welttournee von Lady Gaga eröffnet, sass bei David Lettermann auf dem Sofa und hat Werbeartikel im Wert von ca 1 Milliarde Dollar verkauft. Und trotzdem gibt es die Göre strenggenommen nicht wirklich. Jedenfalls nicht in einer Variante aus Fleisch und Blut. Die Rede ist von Hatsune Miku, einem ewig 16-jährigen Mädchen mit langen türkisfarbenen Haaren, gekleidet in Schuluniform mit kurzem Rock und langer Krawatte.

Die Figur der Hatsune Miku wurde einst als Maskottchen für eine Software entworfen, mit welcher künstliche Gesangsstimmen erzeugt werden können. Der dazugehörige Software-Synthesizer Vocaloid2 wurde 2007 erstmal vorgestellt und gewann rasch an Popularität, so dass bis heute von Usern auf der ganzen Welt über 100’000 Songs mit der Stimme von Hatsune Miku entwickelt wurden. Dabei stehen verschiedene Variationen zur Verfügung, so etwa «enthält viele Seufzer, süss, flüsternd / ausgeglichen, leicht melancholisch / lebhaft, kräftig und hell / steif und angespannt». Aufgrund der enormen Beliebtheit der Stimmensoftware entwickelte sich die Figur Hatsune Miku bald einmal zum eigenständigen Produkt, welches als Hologramm nun Konzerte gibt. Der Name des Mädels lässt sich übrigens in etwa als «Erster Klang der Zukunft» übersetzen (Hatsu «Erster», Ne «Klang», Miku «Zukunft»). Graust Ihnen eigentlich manchmal auch vor dieser sogenannten Zukunft, werte Leserschaft?

Fantastische Nerd-Veranstaltung

Man muss schon ein ausgesprochener Nerd relativ fest an Filmen interessiert sein, um sich nachmittags bei diesem Wetter in einen Kinosaal zu setzen. In Neuchâtel tun dies die Tage ziemlich viele Leute, dort geht nämlich das NIFFF, das internationale Fantastic Film Festival, über die Leinwand. Nebst dem japanischen Helden Takashi Miike, der seinen 101 Film vorstellte (das Mutterschiff hat hier berichtet), sind zahlreiche andere Lieberhaber*innen von Übersinnlichem, Unerklärlichem und Fantastischem aus aller Welt nach Neuchâtel gereist. Erfreulich: Die Schweizer*innen brauchen sich mit ihren Erzeugnissen keinesfalls zu verstecken. Im Gegenteil. Der Kurzfilmblock macht klar: Hier wird mit viel Ideenreichtum, stilistischer Vielfalt und auch Humor zur Sache gegangen.

Richtig lustig ist zum Beispiel «Schutzplan Vollmond» von Elias Jutzet, welcher die Verbrüderung zweier Werwölfe über den Röstgraben hinweg zeigt. Oder auch Sophie Wietlisbachs filmische Postkarte «Swiss Made», die in drei Minuten den Alpentourismus aufs Korn nimmt.
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«Anderberg»

Andreas Schwab mimt in seinem ersten fiktiven Roman «Anderberg» den Psychiater und dekonstruiert den Grössenwahn der Belle Epoque.

anderbergAls sich eine seiner Patientinnen kurz vor seiner Pensionierung von einer Felswand gestürzt und so ihr Leben verloren habe, sei dies Anlass für ihn gewesen, die Biografie dieser Patientin zu rekonstruieren – so die Angabe des Erzählers, des Psychiaters Andres Schwab, im Roman «Anderberg».

Dass diese fiktive Figur den gleichen Namen trägt wie der 46-jährige Autor selber, Letzterer aber nicht Psychiater, sondern Historiker und Gemeindepolitiker ist, passt bestens zu diesem Roman, in welchem vieles anders scheint, als es dann tatsächlich ist. Bei seiner Recherche stösst der fiktive Andres Schwab auf die Geschichte des Vaters von Golda Fürst – so der Name der verblichenen Patientin –, welcher zusammen mit seinem Geschäftspartner Albrecht Haering beschlossen hatte, in Anderberg das spektakulärste Hotel zu bauen, welches die Schweizer Alpenlandschaft je gesehen hatte.

Die ganze Rezension in «Der Bund»  gibts hier zu lesen.

Gugus Gurte – Goldener Kaktus

Oben auf dem Berg geht’s dieses Jahr in Runde 34 – unten am Fuss doch immerhin auch schon in die fünfte Ausgabe. Vom 12. bis am 15. Juli findet in der Heiteren Fahne nämlich einmal mehr die Benefiz-Veranstaltung GugusGurte statt, wobei sich das Programm durchaus sehen lassen kann, welches das ehrenamtlich ackernde Kollektiv zum fünften Geburtstag auf die Beine gestellt hat. Mit dabei sind unter anderem Melker, Geplantes Nichtstun, Nikosh, Volca Massaker Orchester, Miss Tigre, Mister Milano, Capital Soul Sinners, Wassily, a=f/m, Kummerbuben u.v.a.

Übrigens sind Gurtenfestival und Heitere Fahne dieses Jahr noch enger verknüpft, als sie das aus geografischen Gründen eh schon sind. Der Erlös aus den Depotspenden der Mehrwegbecher soll dieses Jahr nämlich in die Kasse der Heiteren Fahne fliessen. Erwartet werden dürfen zwischen 15’000 – 20’000 Stutz. Und was macht die Heitere Fahne damit? Verschenken. Und das obwohl das Nonprofit-Projekt, in welchem 80 Prozent der Arbeit ehrenamtlich erledigt wird, das Geld doch eigentlich selber bitternötig hätte.

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Bloggen für KSB – deine Chance!

Du findest es unfair/ärgerlich/langweilig/diskriminierend/hochnäsig/engstirnig/respektlos, dass KulturStattBern immer von den gleichen Orten in und um Bern herum berichtet? Du fragst dich, weshalb deine liebste Band noch nie bei uns im Blog gelandet ist? Du wohnst in der Agglo und dort gibt es einen kulturellen (Un)ort, den du gerne prominent bei uns vertreten haben möchtest?

«Mal was anderes» Artwork by KR$-T1C inspiriert von The G.

Na dann. Lad uns ein auf eine Gurkenschorle und zeig uns den Ort, oder schreib gleich selbst einen Bericht. Wenn dir das zu viel unentlöhnter Aufwand ist, dann kannst du auch einfach ein Foto schicken plus ein, zwei erklärende oder auch (zusätzlich) verwirrende Sätze.

Musical-Schabernack

Genosse Erdmann vom KulturStattBern-Mutterschiff hat mit seiner Kritik nicht gänzlich unrecht, wenn er festhält, dass im Musical «Sit so guet, s.v.p» etwas gar offensichtlich mit Klischees operiert werde. Ist aber wurscht (wahlweise auch schüblig, landjäger, cervelat oder merguez) denn beste Unterhaltung bietet «Sit so guet, s.v.p» alleweil, zumal das Musical aus der Feder von Dennis Schwabenland, Raphael Urweider und Matto Kämpf vor absurden Einfällen, Wortwitz und Anspielungen strotzt. Hier 14 Gründe, warum man sich den manchmal bitterbösen, manchmal vergnüglich kindischen Musical-Schabernack in der Dampfzentrale anschauen sollte:

  1. Weil Penis-Witze gemacht werden.
  2.  Weil das neue Maskottchen der S.V.P. Ein Walfisch ist, der bei der Huldigung von St. Christopher stets auf die Nase fällt.
  3. Weil die neue Hauptstadt «Downtown Ballenberg» heisst.
  4. Weil Matto Kämpf die ganze Pause über ein Tannenkostüm tragen muss.
  5. Und beide sind sie scharf auf die Wurst: Ibrahim al Merguezi (Wael Sami Elkholy) und Cecilia de Buurenworst (Ntando Cele) buhlen um Roger de Cevelat (mitte, Diego Valsecchi)

  6. Weil keiner so schön zeitlupe-werbe-kitschig über die Bühne hüpft, wie Cecilia de Buurenworst (Ntando Cele) und Heidi de Cervelat von Schüblin (Anna-Katharina Müller).
  7. Weil Roger de Cervelat (Diego Valsecchi) und Ibrahim al Merguezi (Wael Sami Elkholy) nicht nur richtig gut singen, sondern auch ein unsäglich komisches schwules Diktatoren-Paar abgeben.

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Der Saitendrescher

Von brasilianischer Pop-Musik zu Thrash-Metal: Andereas Kissers musikalischer Werdegang ist alles andere als normal.

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Die Legende besagt, dass Andreas Kisser als Bub bei einem Bingospiel eine Gitarre gewann und bald einmal die Akkorde brasilianischer Pop-Musik beherrschte. Kisser war 1968 als Sohn eines deutschen Maschinenbauingenieurs und einer slowenischen Deutschlehrerin im brasilianischen São Bernardo do Campo geboren worden. Als 15-Jähriger wohnte er in São Paulo einem Konzert der amerikanischen Hard-Rock-Band Kiss bei und verschrieb sich fortan selber der harten Stromgitarrenmusik. Im zarten Alter von 19 Jahren trat Kisser der brasilianischen Band Sepultura bei, um dort in die Saiten zu langen. Und in die Saiten langen muss man bei Sepulturas Thrash-Metal ordentlich, zeichnet sich dieses Genre doch durch eine schnelle, extreme Spielart aus (engl. «to thrash», dreschen, verprügeln).

Das ganze Kurzproträt gibts hier zu lesen

Zu wenig Wut

Die Supergroup Prophets of Rage hat gerade mal vier eigene Songs auf Lager. Und die Intensität ihrer Wut lässt zu wünschen übrig.

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Foto: Travis Shinn

Die Erwartung des Publikums am Festi’neuch («Berner Woche» vom 8. Juni) war gross, schliesslich versprach die Zusammensetzung der Crossover-Truppe Prophets of Rage doch so einiges. Eine Supergroup oder, etwas salopper formuliert, eine Alt-Herren-All-Star-Combo sondergleichen hat sich da nämlich zusammengetan – DJ Lord und Rapper Chuck D (beide von Public Enemy), Rapper B-Real (Cypress Hill), Gitarrengott Tom Morello, Bassist Tim Commerford und Schlagzeuger Brad Wilk (alle von Rage Against the Machine).

Um es gleich zu sagen: Derjenige, welcher von der Rage-Against-the-Machine-Stammformation fehlte, fehlte so richtig: Frontmann Zack de la Rocha. Das Konzept von Prophets of Rage besteht darin, alte Songs von Cypress Hill und Public Enemy vor allem aber von Rage Against the Machine zu spielen – eigene Songs haben die Propheten zurzeit gerade mal vier auf Lager. «Bombtrack», «Killing In the Name of», «Take the Power Back» und all die andern Agitationsnummern, die 1992 beim Erscheinen des Debüts von Rage Against the Machine für Furore in der Crossover-Welt sorgten, haben keinesfalls an Attraktivität oder auch Aktualität verloren.

Den ganzen Beitrag in «Der Bund» hier online lesen

Hodenschweissalarm

Draussen warens 23, drinnen gefühlte 200 Grad. Sauna-Zeremonienmeister am Dienstagabend im ausverkauften ISC waren die Mannen von Kvelertak, derjenigen norwegischen Metal-Band, die ab September als Special Guest mit Metallica auf deren Worldwired-Tour unterwegs sein werden. Den sechs Norwegern dürfte ja wohl der Schuss abgegangen sein, als diese Metallica anriefen. Aber item.

Ein richtig gutes Konzertfoti von Tilman Jentzsch.

Jedenfalls platzte das ISC am Dienstagabend aus allen Nähten, es herrschte Hodenschweissalarm, die Jugend vergnügte sich mit Stagediving, derweilen vorne Kvelertak einen Bass, ein Schlagzeug und drei Gitarren malträtierten. Was dabei herauskam, war eine musikalische Wundertüte sondergleichen. Auf lange Instrumentalpassagen, die schon fast progressiv anmuteten, folgten solid stampfende, wenn auch wenig innovative Blues-Rock-Riffs, melodische Rock’n’Roll-Gitarrenthemen mit Ohrwurmpotential wurden von brettharten Black-Metal-Blastbeats abgelöst, derweilen sich Erlend Hjelvik die Seele aus dem Leib schrie. So ein bisschen wie Schwedenrock auf böse klang das zwischenzeitlich, wie wenn Hellacopters mit Iron Maiden ins Bett gegangen wären. Unterhaltsam war das alleweil, wenn sich auch das Mitsingen eher schwierig gestaltete, denn man(n) kreischt norwegisch.

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Peter Schneider auf der Couch

Beim «Bund im Gespräch» zieht Peter Schneider Parallelen zwischen Satire und Psychoanalyse, beantwortet Fragen zu Friedensmärschen und outet sich als Enid-Blyton-Fan.

peter_schneiderTrotz sommerlichem Bade- und Grillwetter war gestern Abend der Saal des Hotels Bellevue bis in die hinteren Reihen gefüllt, alle wollten sie dabei sein, wenn der Psychoanalytiker der Nation sich selber auf die Couch legt.

Hingelegt hat er sich dann doch nicht ganz, Peter Schneider, seines Zeichens landesweit bekannter Satiriker, Kolumnist und eben praktizierender Psychoanalytiker. Höchstens ein bisschen im Sessel fläzen tat er zwischenzeitlich beim «‹Bund› im Gespräch» mit Redaktor Alexander Sury und gewährte dabei doch auch Einblick ins schneidersche (Innen-)Leben.

Nein, als Workaholic würde er sich trotz 70-Stunden-Arbeitswochen nicht bezeichnen, erklärte der 60-Jährige, schliesslich schaue er, dass er pro Nacht acht Stunden Schlaf verbuchen könne. Sechs Espressi würden ihm dann morgens den nötigen Schub verleihen, um sich aus diversen Tageszeitungen sein satirisches Material zusammenzusuchen – seit rund 25 Jahren verfasst Schneider Kolumnen für SRF, die «SonntagsZeitung» und natürlich die jeweils mittwochs erscheinende «Bund»-Rubrik «Leser fragen». Daneben betreibt der studierte Philosoph und Psychologe in Zürich eine Praxis für Psychoanalyse und psychoanalytische Psychotherapie.

Den ganzen Artikel in «Der Bund» hier online lesen.