Category Archives: Blog / Texte

Ritter des metallenen Ordens

Es war einmal vor langer, langer Zeit ein junger Prinz namens Frederyk. Frederyk lebte im hohen Norden (Basel), wo die Nächte lang und die Gemüter finster sind. Auch Frederyks Gemüt war finster. Sein ganzes Leben hatte er als Gefangener im hohen Turm seiner bösen Schwiegermutter Roche verbringen müssen, weil diese eifersüchtig auf Frederyks goldenes, wallendes Haupthaar war. Roche selber hatte nämlich nur Pilze auf dem Kopf. Dafür leuchteten diese.

Eines Tages ritt ein Trupp fescher Ritter an Frederyks Gefängnis vorbei. «Ja wer seid denn ihr? Seid ihr etwa Grillen?» rief Frederyk aus dem Fenster, denn sein Turm war so hoch, dass die feschen Ritter von oben klein wie Insekten aussahen. «Ich bin euer Zar», schrie Frederyk weiter, er, der aufgrund seiner menschenfernen Erziehung wenig Ahnung von Anstand, geschweige denn von politischen Ämtern hatte, dafür aber für sein Leben gerne schrie. «Nein, wir sind Ritter des metallenen Ordens. Wir sind auf dem Weg zum militärischen Stützpunkt, wo wir am Palmsonntag musizieren wollen. Im Volksmunde werden wir deswegen Palmer genannt», antwortete die Viererschaft. Da ging dem jungen Frederyk das Herz auf. Musizieren! Welch wundersamer Klang dieses Wort schon nur hatte. «Zatokrev aber auch, nehmt mich mit!», schrie er und liess schnell seine wallendes blondes Haupthaar herab. Da erbarmten sich die Ritter dem jungen Frederyk, befreiten ihn aus seinem Turm, nahmen ihn in ihre Gesellschaft auf und nannten ihn fortan liebevoll Zar der Grillen.

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Krimi-Charakterstudie

Das Theater an der Effingerstrasse zeigt mit «Switzerland – der Fall Patricia Highsmith» eine Krimi-Charakterstudie der australischen Dramatikerin Joanna Murray-Smith.

Patricia HighsmithIhre Mutter habe Highsmith-Romane regelrecht «verschlungen», und es habe sie beeindruckt, wie ein Buch, also ein schlichter Gegenstand, einen solchen Einfluss auf einen Menschen haben könne, erzählte die australische Dramatikerin Joanna Murray-Smith in einem Interview. Das Schaffen, aber auch die Biografie der 1921 in Texas geborenen Schriftstellerin Patricia Highsmith (eigentlich Mary Patricia Plangman) faszinierte auch Murray-Smith, weshalb sie der Autorin mit «Switzerland – der Fall Patricia Highsmith» ein rund zweistündiges Bühnenstück gewidmet hat.

Der Titel des Stückes ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass Patricia Highsmith 14 Jahre lang im Tessin lebte und arbeitete. Ihr Haus soll einem Bunker geglichen haben, in dem sich die öffentlichkeitsscheue Autorin verkroch. Dieses Domizil beziehungsweise dessen Wohnzimmer bildet das Setting für Murray-Smiths Stück.

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Baze: Bruchstücke

bazeDen Namen Baze bringen die meisten mit Mundart Hip Hop in Verbindung. Nein, ein Hip Hop-Album habe er diesmal nicht gemacht, sagt der 36-Jährige über seine neue Platte «Bruchstücke», welche heute herausgekommen ist. Vielmehr hat sich Baze mit einer Band zusammengetan, die einen organisch-warmen, sphärischen und hypnotischen Soundteppich liefert über den Baze seine Geschichten erzählt. Dabei offenbart er sich einmal mehr als genauer Beobachter der menschlichen Psyche.
Hier gehts zum Interview auf Radio Bern RaBe und hier zur Kurzbesprechung bei KulturStattBern.

Nicht verzagen, Pepe fragen

Er hoffe auf die Zukunft des Radios, sagte Ruedi Häusermann kürzlich im Interview, weil es dasjenige Medium sei, welches die Vorstellungskraft am meisten schärfe. Vielleicht dreht sich ja deswegen im neuen Stück der Kapelle Eidg. Moos alles ums Radio, beziehungsweise um den fiktiven Sender RadioMoos, wobei die drei Angestellten Ruedi Häusermann, Herwig Ursin und Jan Ratschko vom Jinge über die musikalischen Inhalte, bis hin zum Hörspiel gestern Abend im Schlachthaustheater alles selber vor Ort produziert hätten. Ja, hätten. Konjunktiv. Wegen Krankheit fiel die Vorstellung von Kapelle Eidg. Moos kurzfristig aus.

Einer der drei Radioangestellten sass dann aber trotzdem auf der Bühne, denn: Ausfall? Nicht verzagen, King Pepe fragen. Berns Kreuzung aus Buster Keaton und Rocko Schamoni sprang kurzerhand mit seiner Gitarre ein, um den Sendeausfall von RadioMoos zu überbrücken, und zwar mit Herwig The Engine alias Herwig Ursin an seiner Seite, der Mini-Schlagzeug, Trompete und Keyboard alles gleichzeitig bediente.

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Jahresrückblick vom Zeichentisch

Eine scharfe Beobachtungsgabe und ein Interesse an Menschen und Klischees ist unabdingbar, will man ein erfolgreicher Karikaturist werden. Das macht die diesjährige Ausgabe von «Gezeichnet» einmal mehr klar, also diejenige Ausstellung im Museum für Kommunikation, welche alljährlich die besten Schweizer Pressezeichnungen zeigt. Von rund 50 Karikaturisten (wovon gerade mal sechs weiblich sind) werden dieses Jahr insgesamt 200 Werke gezeigt, welche die wichtigsten Debatten und Ereignisse des vergangenen Jahres aufgreifen.

Tom Künzlis alias TOMZ Kommentar zur Föhnwelle der amerikanischen Nation

Sarkastisch, bitterbös und teilweise grotesk oder zumindest humorvoll überzeichnet wird da mit scharfer Feder den nationalen und internationalen Grössen aus Politik und Gesellschaft zu Leibe gerückt.

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Die Flamenco-Pianistin

isora_castillaDie preisgekrönte Pianistin Isora Castilla ist gebürtige Spanierin, hat eine Vorliebe für spanische und zeitgenössische Musik und unterrichtet am Konservatorium in Bern. Derzeit schreibt die 37-jährige Castilla an der Universität Bern ihre Dissertation über den deutschen Komponisten Antonio Robledo, der eine Vielzahl an Stücken für die Tanzkompanie Flamencos en route geschrieben hat. Mit dieser tritt Castilla vom 21. bis 30. Dezember in der Dampfzentrale auf, gezeigt wird das Tanzpoem «àMiró», welches dem spanischen Maler Joan Miró gewidmet ist. «Viele meinen, es gebe nur einen ‹richtigen› Flamenco.»

Ein Klavier ist ja nun nicht das erste Instrument, das man mit Flamenco in Verbindung bringen würde. Warum diese Kombination?
Sie haben recht, eigentlich nimmt man das Klavier nicht als traditionelles Flamenco-Instrument wahr, denn normalerweise wird dieser Tanz ja mit Gitarre, Perkussion und Gesang begleitet. Allerdings ist ein Klavier in dieser Musik auch nichts Fremdes.

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Butoh: voll frontal surreal

«Das macht mir Angst», sagte der kleine Bub auf der benachbarten Sitzgelegenheit. Es ist fürwahr Düster-Seltsames, was die Butoh Tanzkompanie rund um Tänzerin und Musikerin Zoë Binetti im Tramdepot im Burgernziel momentan zeigt. Zum zweiten Mal hat die Crew ein Sinnestheater entwickelt; zu den Rauhnächten, also der dunkelsten Zeit des Jahres, soll tief in die eigene Innenwelt getaucht werden. «Eine Odysee in eine andere Welt» wird einem an der Kasse versprochen, wobei diese Welt vorerst eine polarkalte ist, findet der Start des Sinnestheaters doch draussen statt. Wie froh ist man da um das wärmende Feuer. Mit verbundenen Augen wird man im Anschluss in diese andere Welt geleitet, eine überladene, kaleidoskopartige Brockenstuben-Welt, die im schummrigen Licht surreal anmutet.

Um es vorwegzunehmen: Nach einer Stunde wusste Frau Feuz nicht genau, was sie da gerade gesehen hatte. Aber die Eindrücke waren stark. Grotesk überzeichnete Figuren in raschelnden Papier-Kleidern waren da über die Bühne gestakst, gewankt und gezuckt, ein Paar, welches durch eine lange Haarwurst am Kopf verbunden war, hatte sich aus hängenden Stoff-Kokons geschält, um eine Choreographie aus Anziehung und Abstossung zu tanzen und eine Dame im weissen Sommerkleid hatte mit erotisch aufgeladener Hingabe einen roten Ballon bezirzt, trug dabei allerdings ein Lächeln im Gesicht, das an Jack Nicholson in «Shining» erinnerte.

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Eine gerechtere Welt

bildschirmfoto-2016-12-14-um-11-26-13Im Integrationsprojekt «Time for Change» treffen Menschen aus über 15 Nationen aufeinander und nähern sich künstlerisch dem Thema Ungerechtigkeit.

Er habe einen türkischen Popsong in seiner Muttersprache Kurdisch, in Arabisch, Deutsch und Englisch gesungen und dabei auch noch neue Freunde gefunden, sagt Achmed und strahlt. Der 22-jährige Syrer hat an einem der drei Workshops von «Time for Change» teilgenommen, ein Projekt, welches Schauspieler Dennis Schwabenland zusammen mit 14 weiteren Kulturschaffenden ins Leben gerufen hat. Ziel dieser Workshops sei es, Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammenzubringen und so einen Austausch zu ermöglichen, erklärt Schwabenland, der die künstlerische Leitung hat.

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«Je lauter und blöder desto besser»

Die Garagen-Trash-Punk-Mannschaft The Monsters feiert ihr 30-jähriges Bestehen und veröffentlicht ihr achtes Album «M», das mit viel Sinn fürs Unperfekte besticht.

Die Familie mit den zwei Kindern, welche kürzlich bei ihm im Laden aufgekreuzt sei, habe rechtsumkehrt gemacht und sein Verkaufslokal ziemlich zackig wieder verlassen, als er die neue Platte seiner Band aufgelegt habe. «Wie wenn dich einer würgt und dir dazu volle Pulle ins Gesicht schreit, etwa so klingt sie», sagt Beat Zeller alias Beat-Man, seines Zeichens Kopf des Plattenlabels Voodoo Rhythm und Frontmann der lautesten und trashigsten Berner Gitarren-Männerriege: The Monsters. 30 Bühnenjahre haben die Herren Monsters auf dem Buckel, leiser oder besser sind sie nicht geworden. Im Gegenteil.

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Audio-Feature: Auf Besuch im Übungsraum bei The Monsters

Norwegisches Nachtschattengewächs

Der ehemalige Madrugada-Frontmann Sivert Høyem kommt mit seinem sechsten Soloalbum «Lioness» auf Besuch, das weicher und leichter klingt als seine Vorgänger. Aber nur ein wenig.
sivert

Seine Stimme wurde auch schon als Norwegens wichtigstes Exportgut bezeichnet, ist der Bariton des Sivert Høyem doch von bestechender Samtigkeit, betörend kraftvoll und dunkel. Der 40-jährige Norweger machte sich ab 1999 als Frontmann der alternativen Rock-Kombo Madrugada einen Namen, welche der elegischen, bluesbasierten Variante der Stormgitarrenmusik zugetan war. Das tragische Ableben von Gitarrero Robert Burås – vermutete Todesursache Suizid – bedeutete auch das Ende für Madrugada: 2008 kam das letzte Studioalbum heraus, und im November des gleichen Jahres spielte die Band ihr letztes Konzert. Seitdem ist Sivert Høyem als Solokünstler unterwegs und hat im Februar sein sechstes Album, «Lioness», herausgegeben.

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