Monthly Archives: June 2017

«Sit so guet, s.v.p – Das Musical»

«Das kann doch wohl nicht euer Ernst sein?!» So die Reaktion des gebürtigen deutschen Schauspielers Dennis Schwabenland, als ihm das Partei-Programm der SVP in die Hände fiel. «Dieses Parteiprogramm ist so absurd, das müsste man auf die Bühne bringen», dachte sich Schwabenland. Gesagt getan: mit Matto Kämpf, Raphael Urweider und King Pepe liessen sich geeignete Mitstreiter finden. Herausgekommen ist nun das Stück «sit so guet, svp», in welchem rechte Populisten furchtlos und satirisch aufs Korn genommen werden. Zu sehen in der Dampfzentrale, 22. -30. Juni 2017.

Zu wenig Wut

Die Supergroup Prophets of Rage hat gerade mal vier eigene Songs auf Lager. Und die Intensität ihrer Wut lässt zu wünschen übrig.

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Foto: Travis Shinn

Die Erwartung des Publikums am Festi’neuch («Berner Woche» vom 8. Juni) war gross, schliesslich versprach die Zusammensetzung der Crossover-Truppe Prophets of Rage doch so einiges. Eine Supergroup oder, etwas salopper formuliert, eine Alt-Herren-All-Star-Combo sondergleichen hat sich da nämlich zusammengetan – DJ Lord und Rapper Chuck D (beide von Public Enemy), Rapper B-Real (Cypress Hill), Gitarrengott Tom Morello, Bassist Tim Commerford und Schlagzeuger Brad Wilk (alle von Rage Against the Machine).

Um es gleich zu sagen: Derjenige, welcher von der Rage-Against-the-Machine-Stammformation fehlte, fehlte so richtig: Frontmann Zack de la Rocha. Das Konzept von Prophets of Rage besteht darin, alte Songs von Cypress Hill und Public Enemy vor allem aber von Rage Against the Machine zu spielen – eigene Songs haben die Propheten zurzeit gerade mal vier auf Lager. «Bombtrack», «Killing In the Name of», «Take the Power Back» und all die andern Agitationsnummern, die 1992 beim Erscheinen des Debüts von Rage Against the Machine für Furore in der Crossover-Welt sorgten, haben keinesfalls an Attraktivität oder auch Aktualität verloren.

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Hodenschweissalarm

Draussen warens 23, drinnen gefühlte 200 Grad. Sauna-Zeremonienmeister am Dienstagabend im ausverkauften ISC waren die Mannen von Kvelertak, derjenigen norwegischen Metal-Band, die ab September als Special Guest mit Metallica auf deren Worldwired-Tour unterwegs sein werden. Den sechs Norwegern dürfte ja wohl der Schuss abgegangen sein, als diese Metallica anriefen. Aber item.

Ein richtig gutes Konzertfoti von Tilman Jentzsch.

Jedenfalls platzte das ISC am Dienstagabend aus allen Nähten, es herrschte Hodenschweissalarm, die Jugend vergnügte sich mit Stagediving, derweilen vorne Kvelertak einen Bass, ein Schlagzeug und drei Gitarren malträtierten. Was dabei herauskam, war eine musikalische Wundertüte sondergleichen. Auf lange Instrumentalpassagen, die schon fast progressiv anmuteten, folgten solid stampfende, wenn auch wenig innovative Blues-Rock-Riffs, melodische Rock’n’Roll-Gitarrenthemen mit Ohrwurmpotential wurden von brettharten Black-Metal-Blastbeats abgelöst, derweilen sich Erlend Hjelvik die Seele aus dem Leib schrie. So ein bisschen wie Schwedenrock auf böse klang das zwischenzeitlich, wie wenn Hellacopters mit Iron Maiden ins Bett gegangen wären. Unterhaltsam war das alleweil, wenn sich auch das Mitsingen eher schwierig gestaltete, denn man(n) kreischt norwegisch.

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Peter Schneider auf der Couch

Beim «Bund im Gespräch» zieht Peter Schneider Parallelen zwischen Satire und Psychoanalyse, beantwortet Fragen zu Friedensmärschen und outet sich als Enid-Blyton-Fan.

peter_schneiderTrotz sommerlichem Bade- und Grillwetter war gestern Abend der Saal des Hotels Bellevue bis in die hinteren Reihen gefüllt, alle wollten sie dabei sein, wenn der Psychoanalytiker der Nation sich selber auf die Couch legt.

Hingelegt hat er sich dann doch nicht ganz, Peter Schneider, seines Zeichens landesweit bekannter Satiriker, Kolumnist und eben praktizierender Psychoanalytiker. Höchstens ein bisschen im Sessel fläzen tat er zwischenzeitlich beim «‹Bund› im Gespräch» mit Redaktor Alexander Sury und gewährte dabei doch auch Einblick ins schneidersche (Innen-)Leben.

Nein, als Workaholic würde er sich trotz 70-Stunden-Arbeitswochen nicht bezeichnen, erklärte der 60-Jährige, schliesslich schaue er, dass er pro Nacht acht Stunden Schlaf verbuchen könne. Sechs Espressi würden ihm dann morgens den nötigen Schub verleihen, um sich aus diversen Tageszeitungen sein satirisches Material zusammenzusuchen – seit rund 25 Jahren verfasst Schneider Kolumnen für SRF, die «SonntagsZeitung» und natürlich die jeweils mittwochs erscheinende «Bund»-Rubrik «Leser fragen». Daneben betreibt der studierte Philosoph und Psychologe in Zürich eine Praxis für Psychoanalyse und psychoanalytische Psychotherapie.

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Ultras auf dem Podium

Von Donnerstag bis Samstag steht das Berner Arthouse-Kino Rex ganz im Zeichen des Fussballs. Zum zweiten Mal wird dort nämlich in Zusammenarbeit mit dem YB-Fanlokal Halbzeit, Radio Gelb-Schwarz und dem Blog Zum Runden Leder das Filmfestival «Match Cut» veranstaltet, dieses Jahr unter dem Motto «Ultras, Idole und Hymnen». Gezeigt werden sechs Filme, die sich alle um Fussball drehen, so zum Bespiel Dokumentationen über die Hand Gottes – Diego Armando Maradona – oder die Mutter aller Hymnen «You Never Walk Alone».

Den eigentlichen Festival-Auftakt macht eine Podiumsdiskussion zu Fussball-Fankultur und deren fanatischen Vertretern, eben den Ultras. Gisela Feuz hat sich von YB-Fanarbeiter Lukas Meier und Fankultur-Kenner Pascal Claude erklären lassen, was es mit diesen Ultras genau auf sich hat.

Zukunftsutopie «Oh Boyoma»

Viele Menschen sind etwas fantasielos, wenn es darum geht, ein positives Bild der Zukunft zu zeichnen. Nicht so Elia Redinger. Der 32-jährige Künstler und Musiker wurde einst in Kinshasa geboren und verbrachte dort die ersten sechs Jahre seines Lebens als Kind von Schweizer Entwicklungshelfern. Zurzeit ist Redinger als Hausautor bei Konzert Theater Bern tätig und hat sich für seine neuste Produktion zurück in die Vergangenheit begeben. Zumindest geografisch. «Oh Boyoma» – so der Titel des Stücks – spielt nämlich an einem fiktiven vergessenen Ort im Kongo. Zeitlich allerdings wird in die Zukunft gereist und zwar ins Jahr 2030. Gisela Feuz war bei der Hauptprobe von «Oh Boyoma» dabei.

«Oh Boyoma» wird bis Freitag 16. Juni in der Heiteren Fahne aufgeführt.

Hier gehts zu Frau Feuz’ Besprechung in «Der Bund» vom 6.6.17