Das düstere Universum des HR Giger

Mitten im pulsierenden Zürich-Oerlikon steht es, dieses Haus von Hansruedi «HR» Giger, dem Schöpfer zahlreicher düsterer Bilder, Visionen, Zeichnungen und Skulpturen. Auf seine ganz eigentümliche Weise ist Gigers Wohnsitz eine Art Oase, wenn auch eine Oase der etwas andern Art. Vom Keller bis unters Dach vollgestopft mit Büchern, Möbeln, Skulpturen, Kunstwerken, Arbeitsmaterialen, Schädeln und sonst allerlei düsterem Krimskrams, vom Sonnenlicht abgeschirmt und ausgestattet mit einer hauseigenen Mini-Geisterbahn bleibt kaum ein Zentimeter frei in diesem dämmrigen und gespenstischen Wohnuniversum. Gigers Haus ist denn auch zentral in Belinda Sallins Dokumentarfilm «Dark Star – HR Gigers Welt», in welchem die Zürcherin ein sensibles Portrait über das Leben und Wirken von HR Giger entwirft. Kurz nach den Dreharbeiten verunglückte dieser in seinem eigenen Haus und schied im April diesen Jahres im Alter von 74 Jahren aus dem Leben.

Schon als kleiner Bub hob sich Hansruedi offenbar von anderen ab bezüglich seinem Umgang mit den eigenen Ängste. Mit sechs Jahren bekam er von seinem Papa, einem Apotheker, einen Totenschädel geschenkt und um zu beweisen, dass er keine Angst vor dem Tod habe, zog er diesen fortan wie einen Spielzeughund an einer Leine auf der Strasse hinter sich her. Giger erklärt in «Dark Star», dass es seine ureigenen Ängste seien, die er in seinen Kunstwerken verarbeite und dass er ihnen damit die Macht nehme. Die Motive, welche sein ganzes Schaffen durchziehen, sind denn auch stets die gleichen: Geburt, Sexualität und Tod. Sein bio-mechanischen Wesen sind unheimlich und doch anziehend, sie symbolisieren das Zusammenspiel von Eros und Thantanos und bewegen sich dabei auf Messers Schneide zwischen surrealem Traum und Traumata.

In Sallins Dokumentation kommen nahe Verwandte und Bekannt von Giger zu Worte, der Meister selber spricht leider eher wenig. Schade, denn wenn er etwas sagt, dann bringt er es auf den Punkt. Etwa wenn Giger das Resultat der Keller-Aufräumaktion seines Managers kommentiert: «Nicht mehr mein Keller. Total spiessig.» Oder wenn er erzählt, wie die Eier, aus welchen die Aliens schlüpften, umgemodelt werden mussten, weil die ursprüngliche Öffnung zu stark an eine Vagina erinnerte. Der Film sollte auch in katholischen Ländern zeigbar sein. Drum habe er aus den «Vaginas» Kreuze gemacht, was ja eigentlich doppelt subversiv sei, erklärt Giger grinsend. (1978 hat Giger einen Oskar erhalten für seine visuellen Effekte in Ridley Scotts «Alien».)

Eine schöne Hommage hat Belinda Sallin mit Dark Star geschaffen, und zwar eine Hommage an einen Mann, der mit seiner düster-bedrohlichen Welt, mit seinen Fantasien und Ängsten einer Vielzahl an Menschen aus der Seele spricht, die von der dunklen Seite des Lebens fasziniert sind.

«Dark Star – HR Gigers Welt» wird am Sonntag 14. Dezember im Kellerkino gezeigt.

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