Mikrokosmos Hotel

Der Club 111 lässt unterschiedlichste Charakter in einem Hotel aufeinanderprallen und montiert geschickt absurd-komische Handlungsstränge zu einem Kaleidoskop an Schicksalen.

kosmos

Bild: Yoshiko Kusano

Menschen unterschiedlichster Couleur treffen in Hotels aufeinander und das ist auch im Hotel Kosmos nicht anders. Der Club 111 hat für sein gleichnamiges Stück kurzerhand das Schlachthaus-Theater in eine Herberge umgewandelt, wobei das Publikum Zeuge einer Nacht in dieser Gaststätte wird, wo sich Schicksale von Hotelgästen und Angestellten kreuzen.

Es ist fürwahr eine illustere Truppe, die sich da zusammengefunden hat. Da wäre zum einen der türkische Rezeptionist und Schürzenjäger (Semih Yavsaner), der «Weiberheld gefangen in den Krallen der Libido», der glaubt, Ausländer könnten nicht schwul sein. Dann ist da die impulsive Stand-up-Komödiantin aus London (Ntando Cele), die findet, alle Südländer sähen gleich aus. Weiter versucht ein «Jugo» (Dominik Gisin) ein zwielichtiges Geschäft über die Bühne zu bringen, der deutsche, steinreiche Chef einer Hotelkette (Michael Rath) füllt die Besitzerin des Cosmos (Meret Matter) ab, weil er ihr das Hotel abschwatzen will, während die Geschäftsführerin mit italienischen Wurzeln (Grazia Pergoletti) den ganzen verrückten Haufen unter Kontrolle zu halten versucht.

Aufwendiger Aufbau
Der Club 111 hat keine Umbaumühen gescheut, um das Schlachthaus-Theater in ein Hotel zu verwandeln. So wurde im Saal die Zuschauertribüne an der Längswand aufgebaut, wodurch für das Ensemble eine breite bespielbare Fläche entstanden ist. Diese dient als Hotel-Lobby und wird geschickt bespielt, gehen Episoden der unterschiedlichen Handlungsstränge hier doch nahtlos ineinander über. Zudem werden auch die Räumlichkeiten in den oberen Stockwerken des Schlachthaus-Theaters miteinbezogen, wo dem Publikum ein intimer Einblick in Hotelzimmer gewährt wird. Während in der Lobby vor allem Klamauk und Slapstick für Unterhaltung sorgen, wird in den Zimmern ein ernsterer Ton angeschlagen: Ein syrischer Flüchtling (Wael Sami Elkholy) versteckt sich im Kleiderschrank seiner Schwester (Rula Badeen), und die saudiarabische Intellektuelle fiebert der Veröffentlichung ihres regimekritischen Artikels entgegen.

Die Krux mit den Stereotypen
Es ist ein Mikrokosmos sondergleichen, dieses Hotel Kosmos, in dem Flüchtlinge, Durchreisende und Suchende aus verschiedensten Ländern und Gesellschaftsschichten aufeinandertreffen. Klar wird: «Den Ausländer» als solches gibt es nicht, denn die Gründe, warum Menschen aus anderen Ländern im Berner Altstadthotel landen, sind mannigfaltig. Alle Figuren werden konstant mit kruden Vorurteilen konfrontiert, bedienen diese selber aber auch, etwa wenn die dunkelhäutige Lady ausschliesslich Kleider in Tigermuster aus dem Koffer packt oder der «Jugo» Trainer trägt und mit Drogen dealt.

Es ist eine unterhaltsame Nacht, die der Club 111 der Zuschauerschaft im «Hotel Cosmos» beschert, zumal alle Handlungsstränge absurd-komisch überspitzt und stereotyp-überladen inszeniert werden. Andererseits liegt hier aber auch eine Krux des Stücks: Stereotypie verunmöglicht das Schaffen vielschichtige Charaktere, und die Tragik, welche einzelnen Geschichten durchaus inne wäre, kommt zwischen Komik und Farce nicht zum Tragen. So werden zwar die Lachmuskeln bedient, eine tiefergehende Reflexion zu dringlichen Themen bleibt aber aus.

«Hotel Kosmos», Schlachthaus-Theater, 10. – 14. November 2015

Der Bund, 9.11.15

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