Flaneur und Aktmodell

Er war kein Held, der für seine Sache kämpfte, sondern ein Frei- und Feingeist, der mit Leichtigkeit durchs Leben flanierte und stets neugierig auf und offen für dasjenige war, was da noch kommen möge. Getauft worden war er auf den Namen Alfred Jonathan Steffen, aber «Bob» passte besser zu diesem Mann mit Jahrgang 1928, welcher in der Berner Künstler-Szene lange Zeit bekannt war wie ein bunter Hund und in den 40er-Jahren für das weltweit einzige Schwulenmagazin «Der Kreis» posierte. Im Kornhausforum ist seit gestern die Ausstellung «Bob le Flaneur» zu sehen, welche das Leben des Weltenbummlers und Paradiesvogels genauer beleuchtet und somit auch ein unerzähltes Stück Berner Geschichte aufrollt.

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Bob Steffen Aktfotografie für die Zeitschrift Der Kreis. Bild: Verein Bob le Flaneur

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Im Bern der konservativ und bürgerlich geprägten 50er- und 60er-Jahre gab es nur wenige Orte, wo sich die kreativen und wilden Nonkonformisten treffen konnten: Das Café de Commerce, der Falken und das Quick. Homosexualität war zwar 1942 im Strafgesetzbuch entkriminalisiert worden, gesellschaftlich war sie aber nachwievor tabuisiert und «Auffällige» wurden bis in die 1980er-Jahre fichiert. Zu ihnen gehörte auch der gerüchte- und legendenumwobene Bob Steffen, der sich früh seiner Andersartigkeit bewusst war, sich selber lustvoll inszenierte und gerne auch nackig in Szene setzte. Begleitet von seinem Freund, dem Fotografen Werner Bandi, flanierte der Beau durch Ascona, Paris, Kairo, Athen oder New York, liess sich an Bord eines Luxusdampfers ablichten und flirtete gerne und ungeniert mit Männern und Frauen.

Anhand von zahlreichen Fotografien, Interviews mit Bekannten und Verwandten und Einblicken in sein berufliches Schaffen porträtiert «Bob Le Flaneur» einen Mann, welcher der Enge der Schweiz immer wieder entfloh, aber stets auch nach Bern zurückfand. Ihm haftete eine Aura von Verruchtem und Verbotenem an, diesem Lebemann, der als Dekorateur prachtvolle Schaufenster kreierte, als Privatmann opulente Maskenbälle organisierte, zum Zelten eine Chaise Lounge mitschleppte, mit Meret Oppenheimer in die Ferien fuhr und Ingrid Bergmann, Bette Davis und Burt Lancaster gekannt haben will. 2012 ist er im Alter von 84 von uns gegangen, neugierig darauf, was ihm der Tod bringen würde. Schade. Denn auch heute noch sind Grenzgänger und Nonkonformisten vom Schlage eines Bob Steffen eine Bereicherung für jede Gesellschaft.

«Bob Le Flaneur» (Projektleitung Veronika Minder und Efa Mühlethaler, Szenografie Heidy-Jo Wenger) ist noch bis am 20. Dezember im Kornhausforum zu sehen. Im Begleitprogramm «Hunting for Bob» werden Stadtrundgänge und Salongespräche angeboten und im Kino Rex ab dem 3. Dezember schöne Matrosen gezeigt.

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