Merke: Nazi-Punks sind doof

Waren Sie schon einmal in einer Situation, in der Sie der Teufel geritten hat, werte KSB-Leserschaft, und Sie etwas taten, was man so richtig nicht tut? Zum Beispiel im Kreise von Veganern mit der Hausschlachtung des Familien-Kaninchens geblöfft? Mit einem Migros-Wägeli einen Rollstuhlfahrer zu einem Rennen herausgefordert? Oder in einer Ansammlung von Neonazis lautstark den Dead Kennedys Song «Nazi Punks Fuck Off» zum besten gegeben? Letzteres tut die fiktionale Punk-Combo «The Ain’t Rights» im Thriller «Green Room» des US-Amerikanischen Regisseurs Jeremy Saulnier. Sie ahnen es, gellen Sie. Es endet nicht gut.

Weil «The Ain’t Rights» dringend Geld benötigen und ihr Booker eine Pfeife ist, nimmt das Punk-Quartett ein Angebot in einer Bar irgendwo in den Wäldern von Oregon an, obwohl dort in erster Linie Freunde Adolfs verkehren. Trotz dem «Nazi Punks Fuck Off»-Auftakt – dem definitiv lustigsten Moment im Film – und den darauf folgenden Anfeindungen der rechtsradikalen Amöbenhirnis bringen «The Ain’t Rights» ihr Konzert unbeschadet zu Ende. Beim Einladen des Equipments merkt eines der Bandmitglieder, dass ein Telefon im Backstage vergessen ging, stiefelt zu besagtem Raum und platzt dort in eine Szene rein, in welcher ein Mädchen mit einem langen Messer im Kopf eine zentrale Rolle spielt. Das Mädel ist sehr fest tot und die anwesenden Neonazis sind sehr fest nicht erfreut darüber, dass jemand ihren soeben begangenen Mord mitbekommen hat.

Es kommt zum Gerangel, die vier Band-Mitglieder werden zu unfreiwilligen Geiselnehmern und verbarrikadieren sich mit einer unregistrierten Waffe und ihrer Geisel im Green Room. Diese Geisel – ein Kleiderschrank mit Bart, vielen Tattoos und falscher Gesinnung – wäre eigentlich die Lebensversicherung der vier schmächtigen Punks. Ja, «wäre». Sie können sich selber zusammenreimen, was der Konjunktiv hier soll. Ein Teppichmesser spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle.

Was folgt ist ein tami spannendes Ausbruchsdrama, das seine Blut-, Schock- und Böärk-Effekte effizient einzusetzen weiss und das sämtliche Fingernägel in den Keratinhimmel befördert. Auch wenn «Green Room» dann doch ein bisschen arg amerikanisch daherkommt gegen Schluss, empfiehlt sich der Streifen schon nur deswegen, weil es ziemlich amüsant ist, dass Star-Trek-Kapitän Patrick Stewart den bösen Neonazi-Chef gibt.

Merke: 1. Telefon nie in einem Backstage-Raum vergessen. 2. Nazi-Punks sind doof.

«Green Room» läuft Donnerstag 9. bis Mittwoch 15. Juni im Kellerkino.

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