«Alf, a-ha und Amaretto»

Christoph-Simon_small«Freunde sind Menschen, die einem helfen, ohne dass man ihnen drohen muss.» Christoph Simon lotet in seinem ersten Kabaret-Programm Schönheit und Konfliktpotential von Freundschaften aus und zeigt sich dabei souverän.

Er ist kein Mann der grossen Gesten und lauten Worte, dieser Christoph Simon. Der Berner Schriftsteller, der bis anhin sieben Bücher veröffentlicht hat und als letztjähriger Schweizer Meister im Poetry Slam amtiert, hat nun auch sein erstes abendfüllendes Kabarett-Programm auf die Beine gestellt. Dabei dient ein Stuhl als einziges Requisit und der schlanke, grossgewachsene Simon gibt im schlichten Anzug weder den gellenden Clown, noch reiht er Pointe an Pointe. Ganz im Gegenteil verhandelt Simon in «Wahre Freunde» in sympathisch unaufgeregter Art und Weise die Widersprüchlichkeit von Freundschaften.

Da wäre zum einen sein alter WG-Kollege Max, der für seinen Freund einen abstrusen Schlachtplan ausheckt, wie dieser seine Ex-Freundin zurückgewinnen kann, wobei Max’ Motivation keine komplett uneigennützige zu sein scheint. Oder da wäre Jugendfreund Serge, mit dem in den «freudlosen 80er Jahren» im Konfirmationslager Voodoo-Puppen gebastelt wurden, was mit der Fesselung der beiden Helden an eine Tanne endete. Und da ist auch der todkranke Amir, der dem Jungschriftsteller als einziger Geld leiht, nicht etwa, weil er an dessen Talent glaubt, sondern weil er es sowieso selber nicht mehr wird brauchen können.

Es sind zum einen die Figuren, die Simon kreiert, welche sein Stück äusserst vergnüglich machen. Der Kabarettist geht liebevoll mit ihren Schwächen ins Gericht und führt sie nicht vor, sondern verweist auf das Tragikomische und Absurde, das menschliches (Zusammen-)Sein mit sich bringt. Dabei macht der 43-Jährige auch vor seinem eigenen, angeblich risikobehafteten Sozialleben keinen Halt, sondern erzählt von Liebesdesastern, männlichen Testosteron-Therapien mit Rindfleisch und Clint-Eastwood-Filmen, mokiert sich über die 80er-Jahre, in denen Alf, a-ha und Amaretto Trumpf waren und entführt als abgebrannter Jungpoet schon mal die 90-jährige Nachbarin zwecks Lösegelderpressung.

Schriftsteller Simon war bis anhin ja vor allem bei Anlässen zugegen, bei denen traditionellerweise abgelesen wird und galt entsprechend mit seinen oft frei vorgetragenen Texten als Sonderfall. Nun hat er mit seinem Kabarett-Programm in ein Format gewechselt, in dem Ablesen kein Thema mehr ist, Netzt und doppelter Boden also wegfallen. Diesen Wechsel hat Simon mit Bravour vollzogen, von sichtbarer Nervosität vor ausverkauften La-Capella-Rängen keine Spur. Zudem funktionieren seine Mundart-Texte auch in kabarettistischem Rahmen einwandfrei, was nicht zuletzt auf Simons Liebe zum Detail und seinen sorgfältigen Umgang mit Klang und Rhythmus von Sprache zurückzuführen ist.

Zusatzvorstellungen von Christoph Simons «Wahre Freunde» Im La Capella am Di 31.3. und So 31.5.

Abgedruckt in Der Bund am 21.2.15

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