Performance-Art: Bone 17

BONE 17 - Bone PerformanceDas Berner Performance Art Festival Bone ist zum Treffpunkt der nationalen und internationalen Performance-Szene geworden. Heuer geht das Festival der Aktionskunst vom 2. – 7.12. bereits zum 17. Mal über die Bühne, wobei als Spielstätte das Schlachthaustheater, die Stadtgalerie, das Kunstmuseum Bern, das Fenster zur Gegenwart im Progr, die Galerie DuflonRacz und viel öffentlicher Raum miteinbezogen wird. Seit 2011 steht das Bone unter der Leitung des langjährigen Performance- und Installations-Artisten Valerian Maly. Der 55-jährige ist Kunstpreisträger der Stadt Bern und bekannt für seine «InstallActions», die Installation und Aktion verbinden.

Herr Maly, die Disziplin der Performance Art zu definieren ist ja nun nicht ganz einfach.

Ich würde zur Erklärung gerne einen Vergleich mit dem Theater ziehen. Im Unterschied zum Theater ist eine Performance meist bild- und nicht sprachbetont. Ein Performer bleibt in der Regel nicht am Text, sondern schafft Spannungen und Zustände, entwirft Bilder, oder noch genauer: Bilder hinter Bildern.

Performance ist zudem die Kunst der Handlung und nicht der Darstellung, es wird also nicht etwas erzählt, sondern eine situationsbezogene, vergängliche künstlerische Leistung erbracht – vom Autoren, dem Performer selber. Im Theater werde ich als Zuschauer überwältigt, bei einer Performance kann ich gedanklich mitmachen und Freiräume in meiner Vorstellung mit einem Bild besetzen, das mir der Performer anbietet.

wie erkennt ein Laie eine gute Performance?

Das ist wie bei Briefmarkensammlern. Kennt man die Materie, weiss man sofort, worauf geachtet werden muss. Das heisst, Performances wollen erst kennenlernen werden. Dabei gilt es, unvoreingenommen zu sein und sich überraschen zu lassen. Eine Performance ist dann gut, wenn sie beim Betrachter Fragen auslöst, vielleicht weil er etwas sieht, das er nicht einordnen kann. Das muss aber nicht zwingend Schockierendes sein.

Als thematischer Bone-Schwerpunkt wurde dieses Jahr New York gewählt. Warum gerade der Big Apple?

New York war und ist für die neuere Kunst-, Musik- und Theatergeschichte enorm prägend. Merkwürdigerweise ist der Big Apple aber kein Zentrum für Performance-Art, sondern diese formiert sich eher am Rande, oder in anderen Städten wie San Francisco, Los Angeles und Chicago. Was aber für New York bezeichnend ist, ist die Kultur der permanenten Überschreitung, also das Überlappen und Ineinandergreifen aller Kunstsparten, was ja wiederum auch zum Wesen der Performance-Kunst gehört. So haben wir zum Beispiel mit John Giorno einen Universalkünstler zu Gast, der sich im Umfeld von Andy Warhol bewegte und dank seiner LP-Reihe mit Anrufbeantworter-Gedichten als Begründer der Audio-Art gilt.
Nebst Performern und Performerinnen, die aus New York selber stammen, haben wir aber auch Schweizer Künstler eingeladen, die einen Bezug zu New York haben. So tritt der Bonaparte-Mastermind Tobias Jundt auf, welcher kürzlich im Rahmen eines Stipendiums durch die New Yorker Clubs getingelt ist. Jundt gehört strenggenommen nicht zur Performance-Art-Szene, sondern vielmehr ins Pop-Business. Aber andererseits verwendet er bei seinen Auftritten regelmässig Elemente aus der Performance-Kunst und man weiss auch nie, wo seine Darbietungen genau hinführen.

Wie schätzen Sie denn die Schweizer Performance-Szene ein und wie hat sich diese im Laufe der Jahre verändert?

Die Schweizer Szene ist sehr aktiv. Klar doch, die Performance-Art ist hier immer noch eine Off-Szene. Aber trotzdem waren wir innerhalb Europa verhältnismässig früh dran und haben uns relativ beständig entwickelt, wobei kaum eine andere Stadt in der Schweiz eine derart kontinuierliche Geschichte aufweisen kann wie Bern. Auffallend ist, dass zur Zeit die Performance-Art vor allem in der Hand von Frauen liegt. Vielleicht liegt es daran, dass Performance eine relativ junge Kunstform ist, in der es noch keinen männerdominierten Kanon gibt. Zudem hat der Kunstmarkt die Performance entdeckt und einen regelrechten Hype losgetreten, der nicht gänzlich unproblematisch ist. MoMa und Art Basel machen Performance plötzlich marktkonform, wobei aber die Kunst der Handlung, also das Wesen der Performance, auf der Strecke bleibt.

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