Todsichere Erfolgsrezepte – oder auch nicht

erfolgUmwerfend komisch und allzu menschlich: Grazia Pergoletti und Lea Schmocker mimen in ihrem ersten gemeinsamen Stück «Wegen grossen Erfolgs» Seminar-Expertinnen mit düsterer Olympiade-Vergangenheit.

Schritt für Schritt, beziehungsweise Sprosse für Sprosse die Erfolgsleiter hinaufklettern und so zum Gewinnertyp werden. Nichts Geringeres als das versprechen die beiden Leiterinnen Rita und Cynthia den Besuchern ihres Erfolgsseminars. «Wegen grossen Erfolges» ist die erste gemeinsame Theater-Produktion der beiden gebürtigen Baslerinnen Grazia Pergoletti und Lea Schmocker, die sich als Musikanten und weiteren Schauspieler Moritz Achermann mit an Bord geholt haben. Das Stück rund um die beiden vermeintlichen Erfolgs-Expertinnen ist, um es gleich vorwegzunehmen, köstlich amüsant.

Schmocker und Pergoletti nehmen als Rita und Cynthia in ihrem Seminar den Mechanismus des Erfolges unter die Lupe, wobei sie genüsslich aus den Vollen der Ratgeberliteratur schöpfen und «todsichere Erfolgsrezepte» ad absurdum führen. Da werden abstruse Methoden mit nichtssagenden Abkürzungen wie ANG, ETF, PIM, EPA oder Sinaloa kreiert, deren Inhalte meist komplett banaler oder gar grotesker Natur sind. Brust- und Bauchatmung wird geübt, indische Schöpfungsgeschichte zitiert, die Bedrohung des Ichs thematisiert und anhand eines kurzen Stücks im Stück erläutert, warum es eben «Adlertyp» Roald Amundsen war, der 1911 den Südpol als erster erreichte und nicht «Ententyp» Robert Falcon Scott. Dazu werden auf einer sehr seminartypischen Leinwand mehr oder weniger geistreiche Zitate von Grössen aus der Sportwelt eingeblendet, die sich allesamt um das Thema Erfolg oder um das Ausbleiben desselbigen drehen. «Mein Problem ist, dass ich immer sehr selbstkritisch bin, auch mir selbst gegenüber.» erklärt da etwa der deutsche Fussballer Andreas Möller.
Im kunterbunten Lehrgang der beiden Damen soll aber auch die andere, die Schattenseite des Erfolgs, der «Mindfuck» ein Thema sein. Nach und nach beginnt dabei die Fassade der Expertinnen zu bröckeln, bis klar wird, dass Rita und Cynthia in ihren Leben bei weitem nicht nur auf der Erfolgswelle geschwommen sind, sondern auch das Leid der Zweitplatzierten kennen. Nur so viel sei verraten: Bei den olympischen Spielen in Seoul 1988 wären beinahe zwei Schweizerinnen auf dem obersten Podest-Treppchen gestanden, und zwar in der Disziplin Paar-Synchronschwimmen, wenn da nicht ein fünfte Bein gewesen wäre.
Schmocker und Pergoletti geben ihre jeweiligen Figuren klamaukig, gehen aber liebevoll mit ihnen ins Gericht. Die beiden Theater-Frauen zeigen nicht nur, welche absurden Folgen der ganze Erfolgswahn mit sich bringt, sondern eben auch, was ihm zu Grunde liegt, sprich: die Wünsche und Sehnsüchte, welche einschlägige Ratgeberliteratur und entsprechende Seminare zum florierenden Geschäft machen. «Wegen Grossen Erfolgs» kann somit einerseits als humoristischer Abgesang auf die Leistungsgesellschaft verstanden werden, andererseits verdeutlicht das Stück aber auch die Menschlichkeit von Erfolgsfantasien. Würden wir nicht alle gerne einmal im Rampenlicht oder ganz oben auf dem Treppchen stehen? Ein Orchester dirigieren, ein dickes Auto fahren, schöner als schwedische Top-Models sein, charmant und gewinnend durchs Leben gehen und mit Verve und Durchsetzungskraft ein grosses Unternehmen führen? Eben.

7. und 8.11. im Schlachthaustheater, 20.30 Uhr.

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