Zu den Aufbahrungen 1-8

NicIMG_8219hts Geringeres als die richtig grossen Fragen nach Sinn und Inhalt des Lebens werden in der Theaterinstallation «All My Lives» von Heiniger/Forrer verhandelt. Für ihr Unterfangen haben sich die beiden Damen allerdings einen Ort ausgesucht, an dem das Leben nicht mehr blüht, sondern bereits verwelkt ist: Die Aufbahrungsanlage des Krematoriums Bern auf dem Bremgartenfriedhof. In den Räumen, in welchen früher Trauernde durch eine Scheibe hindurch einen letzten Blick auf die sterbliche Hülle eines Verblichenen werfen konnten (die Anlage wird seit rund 20 Jahren nicht mehr genützt), gewähren Sandra Forrer (künstlerische Leitung) und Sibylle Heiniger (Dramaturgie) Einblick in unterschiedliche Lebenswelten. In jedem Raum wird eine Lebensgeschichte ins Zentrum gerückt, wobei diese zum Teil sehr intim und berührend sind.

So erzählt ein Highliner, wie er bei seinen Hochseilakten Ängste und Stress bewältigt, ein älterer Mann berichtet von den beginnenden körperlichen Gebrechen, eine Mitdreissigerin trauert um ein verlorenes Kind, während eine andere Frau beschreibt, wie sie Lebensenergie in der Natur tankt. Dadurch, dass die Zimmer durch eine Glasscheibe zweigeteilt sind, bieten sie beste Voraussetzungen für eine theatrale Installation und werden von Heiniger und Forrer denn auch gekonnt genutzt. So werden die Geschichten durch Gegenstände, filmische Installationen oder Kulissen auf der anderen Seite der Scheibe ergänzt. Als Zuschauerin wird man so für kurze Zeit Teil der Lebensgeschichten, zumal Allzumenschliches geschildert wird, zugleich wird man aber immer auch auf Distanz gehalten, denn schliesslich ist das Leben das Individuellste überhaupt.

Es ist eine berührende Stationen-Installation, welche Forrer und Heiniger im Krematorium aufgebaut haben, die einem unweigerlich auf sich selber und die eigene Endlichkeit zurückwirft. Was macht mein Leben lebenswert? Welche Strategien habe ich entwickelt, um mich durch den Alltag zu wursteln? Was macht mir Angst, was bereitet mir Freude? An was werde ich zurückdenken, wenn ich einmal werde gehen müssen? Und was wartet auf der anderen Seite?

«All My Lives» (Wiederaufnahme) wird noch bis am 18. September gezeigt (jeweils freitags bis sonntags) und zwar im Altbau des Krematoriums auf dem Bremgartenfriedhof.

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