Melody of Noise – alles klingt

Einen Film für die Ohren hat sie gemacht, die Schweizer Filmregisseurin Gitta Gsell, denn in «Melody of Noise» heftet sich die 63-jährige gebürtige Zürcherin an die Fersen von Klangsuchern und -tüftlern. Oder anders ausgedrückt: «Melody of Noise» gewährt Einblick in das Schaffen und die Leidenschaften einer wundervollen Ansammlung von Nerds.

Die Grenze zwischen Lärm und Musik werde ja eigentlich nur dadurch definiert, ob man das Dargebotene gerade hören wolle oder nicht, sagt Jazz-Musiker Bruno Spoerri, der auch als Vorreiter der experimentellen elektronischen Musikszene der Schweiz gehandelt wird. Alles sei klanglich verwertbar. Erst kürzlich sei er über diese «wunderschöne Melodie» gestolpert, welche ein rostiges Gartentöri in einem Bieler Bed & Breakfast von sich gegeben habe. Nun ja. «Wunderschön» ist vielleicht nicht das erste Adjektiv, das einem bei einem schrillen Quitschgeräusch in den Sinn kommt. Aber Spoerris Enthusiasmus ist bezaubernd.

Der Berner Schlagzeuger Julian Sartorius bläst derweilen in ein ähnliches Horn: «Ich habe noch nichts gefunden, was nicht klingt». «Melody of Noise» begleitet den begnadeten Trommler auf Streifzügen durch pittoreske Alpenlandschaften und stillgelegte Industrieanlagen und zeigt, wie Sartorius selbst Gras, Moos und Steinen unterschiedliche Klänge zu entlocken vermag.

Dass der Ostschweizer Stefan Heuss gerne die absonderlichsten Haushaltsgeräte zusammenbastelt, weiss man ja spätestens seit seinen Auftritten bei Giacobbo/Müller. In «Melody of Noise» wird eine weitere Leidenschaft von Heuss offenbart, heckt dieser doch gerne die unmöglichsten Klanginstallationen aus. Es ist eine Freude ihm dabei zuzuschauen, wie er eine elektrische Gitarre über einen Kochtopf spannt, Popkorn von unten an die Saiten ploppen lässt und dazu strahlt wie ein kleiner Bub.

«Melody of Noise» vermag es, in unserer doch so visuell dominierten Gesellschaft das Gehör bzw. das Hören ins Zentrum zu rücken und zeigt, dass selbst in den gewöhnlichsten Gegenständen ein Klang schlummert. Nach diesem Film hört man plötzlich seiner elektrischen Zahnbürste ganz anders zu, glauben Sie mir. Dabei kommt aber trotzdem auch die Bildsprache nicht zur kurz. Man merkt, dass Gitta Gsell sich intensiv mit Fotografie und Kunst beschäftigt hat, denn wie Natur und stillgelegte Industriebauten in ihrem Dokumentarfilm in Szene gesetzt werden, verrät den Blick für ästhetische Bildkompositionen.

In «Melody of Noise» kommen nebst den Genannten auch Andres Bosshard, Bubble Beatz, Peter Roth, Saadet Türköz, Marco Repetto, Franz Treichler, Big Zis und das Gemüseorchester zu Wort. Gitta Gsells Dokumentarfilm läuft vom 10. bis 16. März im Kino Rex. Bei der Premiere sind die Regisseurin, Stefan Heuss und weitere Gäste vor Ort.