«Kill your friends»

Mojo, stardust, happy dust, nose candy, joy powder – wenn der Artists & Repertoire-Mitarbeiter eines Londoner Musiklabels Steven Stelfox (Nicholas Hoult) nervös wird, zählt er innerlich alle Synoyme für Koks auf, die er kennt. Das sind so einige, was wiederum einiges über Stelfox aussagt. Dieser interessiert sich nämlich einen Dreck für seine eigentliche Arbeit, das Entdecken und Promoten von Bands, sondern frönt lieber dem puren, deliriösen Hedonismus.

Wir befinden uns im England der 90er-Jahre, also in der Cool-Britannia-Ära am Höhepunkt der Britpop-Welle, als der Musikmarkt noch richtig blühte, Labels 100’000 Pfund Vorschuss für eine Single zahlten und A&R Directors gottgleichen Status hatten. Den beansprucht auch der aalglatte Stelfox für sich, der nicht nur Allmachtsphantasien hegt und ständig randvoll mit irgendwelchen Drogen ist, sondern auch skrupellos seine Freunde umlegt, wenn ihm diese in seine Karrierenplanung reinfunken.

«Kill your friends» (Regie: Gregor Cameron, Buch und Drehbuch: John Niven) ist eine bitterböse und zynische Satire, gespickt mit Ironie und tiefschwarzem Humor, welche die verzerrte Moral der englischen Musikindustrie der 90er Jahre, für die einzig Verkaufszahlen und Airplays zählen, als Sodom und Gomorrha vorführt. John Niven wird es wissen, war er damals doch selber als A&R-Mitarbeiter für das britische Musiklabel London Records tätig (wo er es offenbar verpasste, Muse und Coldplay unter Vertrag zu nehmen), bevor er sich ganz dem Schreiben widmete.

Nicholas Hoult (zuletzt gesehen in «Mad Max: Fury Road») gibt den durchtriebenen, exzessiven und geltungssüchtigen Stelfox wunderbar widerwärtig – Erinnerungen an «American Psycho» werden wach – bleibt dabei aber trotz allem auch ein bisschen farb- und ausdruckslos. Ganz anders Moritz Bleibtreu, der in seinem Gastauftrittt als schmieriger Techno-Produzent Rudi fürwahr einen höchst amüsante Nummer hinlegt. Ausserdem bietet «Kill your friends» einen verdammten Killer-Soundtrack, vielleicht den besten seit «Trainspotting». Blur, The Chemical Brothers, Oasis, Echo And The Bunnymen, Radiohead, The Prodigy, Royal Blood, Sneaker Pimps… alles mit dabei, was das Britannia-Herz begehrt.

«Kill your friends» wird heute Abend und am Donnerstag jeweils 20:30h in der Cinématte gezeigt. Sehr lesenswert ist im Übrigen auch die Filmvorlage, der gleichnamige Roman von John Niven.

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