«Marvin Gaye ist ein Gott»

Ein reines Spassding sei es gewesen, dann habe sich der «Cheib» im Netz selbständig gemacht und nun habe tatsächlich Universal Music angerufen. «Ich werde Millioooooonen verdienen!! Besuch mich in meiner Hacienda auf Ibiza, Baby!!», so die nicht ganz ernst gemeinte E-Mail-Ankündigung des Berner Musikers und Produzenten Simon Baumann. Dass er kaum Geldberge mit seinem Remix des Marvin-Gaye-Klassikers «Sunny» scheffeln dürfte, ist ihm sehr wohl bewusst. Aber darum geht es Baumann auch gar nicht. «Es ist extrem ok, dass ich bei diesem Universal-Deal wahrscheinlich derjenige bin, der am wenigsten verdient. Marvin Gaye ist ein Gott für mich und ich fände es falsch, wenn ich mit einem seiner Songs Kohle machen würde. Das schöne ist aber, dass ‘Sunny’ nun wieder mehr gespielt wird.»

Baumon 37

Baumann hoch hinaus. Foto: Tom Etter

Entstanden ist der Sunny-Remix vor zwei Jahren, als Baumann regelmässig als Teil des DJ-Duos Mercury quer durch die europäischen Clubs tingelte. Am Schluss der house- und technolastigen Sets habe er immer gerne eine Nummer eines komplett anderen Genres aus dem Plattenkoffer geklaubt und so sei er überhaupt erst auf die Idee gekommen, einen Klassiker zu pimpen. Der Marvin-Gaye-Remix fand seinen Weg ins Netz, wo er auf verschiedenen Plattformen über drei Millionen mal gespielt wurde. Eines Tages ploppte dann eine Nachricht in Baumanns elektronischen Briefkasten, Absender waren die Produzenten der Kult-Serie «Breaking Bad», welche seinen Remix für ihre neue Serie «Ray Donovan» gebrauchen wollten. Aus rechtlichen Gründen produzierte Baumann dann aber «nur» den Song-Teppich, worüber die Schauspieler selber sangen. In der Serie wurde also eine Cover-Version verwendet, auf welche dann aber wiederum die Leute bei Universal Music America aufmerksam wurden. Für das grösste Label der Welt war es dann offenbar kein Problem mehr, die Rechte an Marvin Gayes Stimme zu bekommen und so findet sich nun Baumanns bzw. Baumons originaler Remix auf dem Sampler «Remix the Classics, Vol. 1» wieder.

Er ist ein Tausendsassa, dieser Baumann, der sich nicht nur in der elektronischen Szene tummelt, sondern auch in Bandformationen mittut. Seine musikalische Karriere begann einst in der Jugendmusik Bern-Bümpliz, wo er doch eigentlich viel lieber Trompete gespielt hätte, vom Leiter aber zum Waldhorn verdonnert wurde. Zwei Jahre lang habe er sich seinem Horn-Schicksal gefügt, aber die grosse Liebe sei es nie geworden. Viel lieber sei er jeweils mit den Schlagzeugern rumgelungert und so kam es, dass Baumann mit 15 sein Waldhorn an den Nagel hängte und fortan mit Schlagzeugstöcken fuhrwerkte. Ausser seiner Jugendmusik-Ausbildung habe er eigentlich keine professionelle musikalische Ausbildung, erklärt der Autodidakt grinsend. Das hindert ihn aber nicht daran, bei einer gefühlten Trillion Projekten mitzutun. Auswahl gefälligst? Schlagzeuger bei Stefan Eicher, Hank Shizzoe, Don Li, Kutti MC, One Shot Orchestra, Baze, Perkussionist bei Konzert Theater Bern und Opernhaus Zürich, Remixer und Produzent für Mercury, Bonaparte und True und lebende Jukebox bei Baumon & Favre. Bei so viel Engagement und Talent wird’s bestimmt auch bald mit der Hacienda auf Ibiza klappen, Baby.

Simon Baumann spielt morgen Sonntag um 17h im Orbital Garden in der Reihe Artists Favourites diejenigen Songs, die zu seinen liebsten gehören und sein Schaffen geprägt haben. Momentan sei er noch bei 18 Stunden Material – am Sonntag sollten es dann noch 40 Minuten sein. Weiter in der Artists-Favourites-Reihe: 13.12. Simon Ho.

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