Augenweide & Eselpisse

Es war gestern Abend im Rössli eine Freude, den Herren Blind Butcher beim Verrichten ihres Handwerks zu lauschen, zumal es ja durchaus erstaunlich ist, was das Luzerner Duo aus gerade mal zwei Instrumenten (ok, und einem Drum Pad) rausholt. Gitarrist Christian Aregger und Schlagzeuger Roland Bucher sind halt einfach auch tami gute Musiker, die ihre Instrumente einwandfrei und mit äusserster Präzision zu bedienen wissen. Musikalisch fabrizieren Blind Butcher eine schwer einordenbare Mischung aus Hi-Speed-Country, Sludge-Techno und Elektro-Rock und legen einen Druck und Zug an den Tag, dass es eine wahre Freude ist. Das sind im Übrigen auch die Outfits der Herren. Der Gitarrist hatte sich gestern in einen hautengen Einteiler gezwängt, der mit seinem dunkelroten Schimmer an eine Weihnachtsbaumkugel erinnerte – wobei man aufgrund von Herrn Areggers Posture wohl eher von einer Weihnachtsbaumstabheuschrecke sprechen müsste. Der Herr Schlagzeuger trug derweilen ein neckisches Glitzerjäcken und Leggins, die bei längerfristiger Betrachtung garantiert Augenkrebs verursachen.

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Nach Blind Butcher hätte man dann eigentlich getrost nach Hause gehen können, denn was die Herren von The Computers im Rössli anstellten, war, mit Verlaub, unter aller Kanone.

Gemeinerweise versucht das Punkrock-Quintett aus Exeter alles richtig zu machen und scheiterte genau deswegen. Ein arg überambitionierter Sänger warf sich in einstudierte Posen und gerne auch mal ins Publikum. Das tat er aber dermassen fordernd und gekünstelt, dass man sich betreten fremdschämte. Das Problem von The Computers war gestern Abend, dass sie schlichtweg den Ort und das Publikum verkannten. Und zwar so richtig. An einem Dienstagabend im Rössli mit der Stadionrock-Kelle anrühren und Mitsing-Spielchen betreiben wollen, muss zwangsläufig in die Hosen gehen.

Auch musikalisch vermochten The Computers nicht zu überzeugen. Zu kitschig die Melodie-Bögen, zu absehbar die Song-Struktur, zu abgeschliffen die Hardcore-Zwischenteile und zu quengelig die Stimme. Und dass der Herr Frontmann dann auch noch töipelig wurde und die Reserviertheit des Publikums folgendermassen kommentierte: «I don’t know what you guys normally listen to, but we are from Great Britain» war der Sympathie dann auch nicht exakt zuträglich. Da wandte man sich lieber der neuen Rössli-Drink-Kreation zu: Rivella mit Suze. Trägt den wohlklingenden Namen Eselpisse und funktioniert einwandfrei. Aber das ist eine andere Geschichte.

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