Mutter Natur unter dem Scanner

«Einfach mal wieder genau hinschauen, was uns eigentlich umgibt.» Till Könnekers Ansatz für seine Werkserie «Close Encounters» klingt bestechend einfach, tatsächlich aber nimmt er damit Bezug auf eines der Kernmankos unserer Zeit: Wir schauen nicht mehr richtig hin. Könneker hat dies in seinen Bildern umso mehr getan und die Natur im wahrsten Sinne des Wortes gescannt. Dafür hat der 35-Jährige Berner einen Scanner auf den Kopf gestellt, vor dem eigenen Atelier ins Gras gepflanzt und abgelichtet, was da eben war: Samen, Grashalme, Steinchen, Blätter, Äste, Triebe, Sprossen, Regenwürmer. Durch diese Technik sind die Aufnahmen nicht nur bis ins kleinste Detail scharf, so dass sich selbst die Härchen von Pflanzenstängeln erkennen lassen, sondern aufgrund der langen Aufnahmezeit ergibt sich auch eine ganz eigene Fehler-Ästhetik, etwa wenn sich Kollege Regenwurm auf die Flucht begibt, weil er von der Scanner-Platte flachgedrück wird.
till

In Könnekers grossformatige, kaleidskopartige Bilder kann man sich stundenlang versenken, weil sich immer wieder neue Details, Formen und Konstellationen entdecken lassen. Schade bloss, merkt man erst in einer Galerie, wie wohltuend es doch eigentlich wäre, Mutter Natur wieder einmal genau unter die Lupe zu nehmen.

«Close Encounters» wird noch bis am Samstag 24. Oktober in der Soon Galerie gezeigt.

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