Wunderbarer Clash of Culture

Da haben sich zwei gefunden: Das Musikfestival Bern, welches gestern Abend im Berner Münster eröffnet wurde und in dessen Rahmen die nächsten 10 Tage institutionelle Klangkörper aber auch experimentierfreudige KlangkünstlerInnen ihr Schaffen vorführen. Und da wäre zum anderen das Mad Scientist Festival, welches Naturwissenschaft und Kunst zu verknüpfen trachtet. Beides sind interdisziplinäre Grenzgänger-Projekte, die gestern Abend im Bonsoir aufeinander trafen und dem Nachtclub einen Mix bescherten, den dieser so wohl noch nie erlebt haben dürfte.

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Kuhglocken-Garderobe und Klang-Künstler TokTek

Wie Kuhglocken und fiebrige Klangcollage zusammenfanden, können Sie hier nachlesen:

In Anlehnung an den Teilchenbeschleuniger Cern haben Anne-Sophie Raemy und Ivan Mitrovic das Bonsi in eine grosse Imaginationsmaschine namens «Collider» verwandelt, in der während zwei Wochen Wissenschaftshistoriker, Philosophen und Theologen über ihre Arbeit und Ideen berichten, während Experimentierfreudige im wissenschaftlichen Spielsalon Experimente durchführen können (mehr dazu die nächsten Tage auf diesem Kanal). Zudem wird ein Late-Night-Konzertprogramm geboten, in dem verschiedenste Musiker in einer Art Konzertlabor mit eigenen Klängen und Aufnahmen des Musikfestivals experimentieren.

Das Konzertlabor, welches sich der Holländer TokTek gestern Abend eingerichtet hatte, passte einwandfrei in die Mad-Scientist-Idee eines wissenschaftlichen Spielsalons. Auf seiner Spielstätte hatte TokTek nämlich Quitschente, Cola-Dose, Klebeband, Drehkuh (wobei sich diese als Drehschaf entpuppte), Plattenspieler, Laptop und irgendetwas, das aussah wie ein Steuerknüppel aus einem Star-Wars-Raumschiff, versammelt, womit der zwirblige Holländer fiebrige, fragmentarische Klangcollagen generierte.

Derweilen schlug die Dame oben an der Kasse die Hände über dem Kopf zusammen, als eine Formation von 18 kernigen Mannen, jeder im Besitz einer grossen Kuhglocke, das Bonsoir enterte. Dabei war das Entsetzen keinesfalls auf die Herren zurückzuführen, die in ihren hellblauen Edelweisshemden ja adretteste Figur machten, sondern vielmehr auf die Tongewaltigkeit deren Instrumente. Die Befürchtungen, dass ToTeks Klang-Performance gestört werden könnte, erfüllten sich aber nicht, denn für die Herren Treichler war es eine Selbstverständlichkeit, dass sie ihre Instrumente auf stumm schalteten, an der Glocken-Garderobe abgaben und sich unter die Freunde experimenteller Klangkunst mischten. Was für ein wunderbarer Clash of Culture!

Mad Scientist Festival heute Abend im Naturhistorischen Museum Bern, «Collider» bis 13. September im Bonsoir. Musikfestival Bern bis 13. September an unterschiedlichen Spielstätten.

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