Monthly Archives: May 2018

«Die Tanzwelt bereichern»

Seit 20 Jahren bringt der Verein Beweggrund Menschen mit und ohne Behinderung im Tanz zusammen. Die Rahmenbedingungen hätten sich verbessert, viel zu tun gebe es trotzdem noch.

beweggrund

Als wir vor 20 Jahren begannen, waren wir Exoten.» Susanne Schneider ist Mitbegründerin des Vereins Beweggrund, der sich seit 1998 für den inklusiven Tanz einsetzt. Ziel von Beweggrund ist es, ein selbstverständliches Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung in kulturellen Projekten zu schaffen. «Menschen mit Behinderungen gehören einfach zu unserer Gesellschaft und sind auch als Künstler wesentliche Stimmen», sagt Susanne Schneider.

Die 52-Jährige hat selber Tanz studiert und den Hochleistungsdruck, der in dieser Szene herrscht, am eigenen Leib erfahren. «Das Bein muss möglichst nahe zum Ohr.» Als sie dann in England bei einer Aufführung der Candoco Dance Company einen Tänzer ohne Beine gesehen habe, sei es ihr wie Schuppen von den Augen gefallen, dass es doch noch viel mehr Ausdrucksmöglichkeiten gebe. «Menschen, die aus dem Rahmen fallen, bereichern die Tanzwelt», sagt Schneider.

Zum ganzen Text in Der Bund vom 24.5.18 gehts hier

Das Geld auf der Anklagebank

Schuldig oder nicht schuldig? Diese Frage musste sich gestern Abend die Zuschauerschaft am Ende einer vierstündigen Gerichtsverhandlung im Tojo Theater stellen. Auf der Anklagebank sass: Das Geld.

Der gebürtige Genfer Christophe Meierhans verhandelt in seiner Produktion Trials of Money die Frage nach der Verantwortung von Geld in unserer heutigen Gesellschaft. Weil Geld ja nun aber nicht eine Person aus Fleisch und Blut ist, wird es in Trials of Money als Semi Human Person bezeichnet und anhand von existierenden Gesetzen auf seine Schuldigkeit hin geprüft. Vorgeworfen werden dem Geld vier Vergehen: Betrug, Erpressung, unterlassene Hilfestellung und Anstachelung zu Hass. Im schmucken Wolken-Bühnenbild werden nacheinander neun Personen in den Zeugenstand gerufen, welche zuerst von der Richterin und aber vor allem auch vom Publikum befragt werden.

Die Zeugen und Zeuginnen: Zwei Banker, ein Obdachloser, Melinda Gates (Bill & Melinda Gates foundation), weiter werden eine Vertreterin des indigenen Stammes der Algonqin, ein Verfechter von Kryptowährungen, ein Ökonome und ein ehemaliges Kibbutz-Mitglied in den Zeugenstand gerufen. Und dann ist da auch noch der Kriminologe und forensische Psychiater, welcher der Menschheit in Bezug auf das Geld ein Stockholm Syndrom attestiert. Continue reading

Ein Gott im Techno-Olymp

Seit 20 Jahren ist Samuel Geiser alias Deetron als DJ und Produzent tätig. Zu seinen House- und Techno-Tracks wird von Südafrika bis Japan und Australien getanzt.

deetron

Gerade eben beschallte er in Lissabon und Barcelona eine tanzwütige Meute, Anfang Jahr legte er in Australien und Südafrika auf, und nach dem Auftritt am Samstag im Dachstock gehts weiter nach Amsterdam und London. Der Berner DJ und Produzent Deetron alias Samuel Geiser ist einer der ganz Grossen in der internationalen House- und Techno-Szene und dabei sympathisch auf dem Teppich geblieben.

Zum ganzen Text in Der Bund vom 17.5.18 gehts hier

Fleischbremse Feuz

pollerLieber Herr Ampelprogrammierer,

Wir kennen uns nicht persönlich und doch irgendwie, denn ich habe täglich mit Ihrem Werk zu tun. Frau Feuz betreibt nämlich das, was in einschlägigen Fussballforen gerne als Randsportart bezeichnet wird. Radfahren. Genauer: Radquer, auch Querfeldein oder Cyclocross genannt. Querfeldein gibt es ja seit über hundert Jahren. Nein, erfunden wurde es nicht von Albert Zweifel, sondern von den Franzosen. Vor Beginn der Strassenfahrer-Saison trainierten die französischen «Gümeler» jeweils ihre Kondition auf steinigen, unwegsamen Wegen. Eines Tages wurde dann eine solche Strecke abgesteckt, um darauf ein Rennen zu fahren: die Geburtsstunde des Querfeldein. Seit Frau Feuz in einem Magazin für männliche Hausrinder mit Pigmentstörung (Red Bull) gelesen hat, dass Querfeldein der Sport für Helden sei und man sich dabei Übernamen wie «Der Kannibale im Schlamm» (Erik de Vlaeminck) zulegen könne, ist sie Feuer und Flamme.

Die ganze Kolumne in Der Bund  vom 16.5.18 hier online lesen

«Das Leben vor dem Tod»

Der Berner Filmemacher Gregor Frei hat über einen Zeitraum von drei Jahren seinen Vater Goffredo, vor allem aber auch dessen Nachbarn Armin mit der Kamera begleitet. Armin hat angekündigt, mit 70 aus dem Leben scheiden zu wollen, eine Ankündigung, mit welcher Nachbar Goffredo seine liebe Mühe bekundet.
In Freis Dokumentarfilm Das Leben vor dem Tod prallen nicht nur Liebe, Freundschaft, Sturheit und zwei Lebensmodelle aufeinander, sondern das filmische Zeugnis wirft auch existentielle Fragen auf: Darf jemand einfach entscheiden zu sterben? Und wie geht man mit einer solchen Ansage um? Zum ganzen Beitrag bei Radio RaBe gehts hier.

Das Leben vor dem Tod feiert am Donnerstag 17.5. Berner Premiere im Kino Rex, im Anschluss gibt es unter der Leitung von Frau Feuz eine Podiumsdiskussion mit Filmemacher Gregor Frei und einem der Protagonisten. Weil ja: Armin hat sein Vorhaben in die Tat umgesetzt.

Montag, 28. Mai zusätzliche Diskussion im Anschluss an die Filmvorführung mit Paul-David Borter (Philosoph und Stv. Leiter Freitodbegleitung bei EXIT), Michael Kreuzer (Care-Team-Mitglied und Dozent) und Regisseur Gregor Frei, Moderation: Frau Feuz

Pogo im Kindergarten

Die Kombination von Punk und Erziehung ist keine gängige, denn zu einer ordentlichen Punkmentalität gehört ja auch eine antiautoritäre Haltung. Einer der beides unter einen Hut gebracht hat, ist Dominic Deville. Der 42-Jährige ist heute in erster Linie wegen seiner Late Night Show Deville beim Schweizer Fernsehen bekannt.  Was viele nicht wissen: Deville ist eigentlich diplomierter Kindergärtner und, wie er es selber nennt, «gescheiterter Punkrocker».
Seit neustem ist der Tausendsassa  nun auch noch Buchautor. Soeben ist «Punkrock im Kindergarten» erschienen, eine unterhaltsame Ansammlung von Anekdoten aus der Zeit, in welcher Deville an den Wochenenden in Punklöchern den Bierhahn auf ex trank, um am Montag in aller Hergottsfrüh pünktlich im Kindergarten wieder auf der Matte zu stehen. In süffig ironischem Ton erzählt Deville von diesem Spagat und zieht Parallelen zwischen der Punk- und Kindergartenwelt. Hier gehts zum ganzen Beitrag bei Radio RaBe

Liebevoll drapierte Hundehaare

Falls Sie jetzt hier eine ausgewogene Filmkritik erwarten: vergessen Sie’s. Frau Feuz ist fan. Fan von Hunden, fan von Stop-Motion-Filmen, fan von liebevoll handgefertigten Puppen, fan von hochgradig stilisierter und detailverliebter Bildsprache. Dass also über den neuen Film des amerikanischen Regisseurs Wes Anderson (Grand Budapest Hotel, Fantastic Mr Fox, Moonrise Kingdom) nichts anderes als eine Lobeshymne herauskommen kann, ist absehbar, denn «Isle of Dogs» verwebt all das Obengenannte.

Die Geschichte von «Isle of Dogs» ist schnell erzählt: In der japanischen Metropole Megasaki bricht eine Hundeseuche aus, Bürgermeister Kobayashi, seines Zeichens Katzennarr, lässt alle Hunde in Quarantäne auf die nahegelegene Trash Island verbannen. Die Müllinsel wird somit zur Exil-Kolonie, überleben kann nur, wer sich einen Teil der essbaren Abfälle sicher kann. Auch Spots, der Hund des 12-jährigen Atari, wird auf Trash Island verbannt. Allerdings ist der Junge keinesfalls gewillt, diesen Verlust hinzunehmen. So crash-landet er eines Tages mit seinem kleinen Flugzeug in den Müllbergen. Ein fünfköpfiges Rudel bestehend aus den «scary alpha dogs» (naja) Rex, King, Duke, Boss und Chief nimmt sich Atari an und hilft ihm bei der Suche nach Spots.

«Isle of Dogs» ist einerseits eine rührende Liebeserklärung an den besten Freund des Menschen, andererseits aber auch soziokritisches Abbild gesellschaftlicher Mechanismen. Einmal mehr gelingt es dem symmetrieverliebten Wes Anderson, Liebe und Trauer, morbide Schönheit und stilisierte Dystopie, Ernsthaftigkeit und lakonischen, knochentrockenen Humor stimmig zu paaren. Das Resultat ist ausnehmend ästhetisch, dramatisch, bizarr, manchmal kitschig, wunderbarst anzuschauen und herzergreifend alles in einem. Eben 100% Wes Anderson. Continue reading

«I’ll Walk Out Into Tomorrow»

Wenn Sie auch schon mal an einer Gotik-Party die Wand angetanzt haben, dann kennen Sie Anne Clark, denn ihr Songs Our Darkness und Sleeper in Metropolis gehören zum Standard-Repertoire jedes anständigen Nachtschatten-DJs. Anne Clark ist aber viel mehr als einfach nur eine Frau, die in den 80er-Jahren einen New-Wave-Hit landete. Die heute 57-jährige Engländern, die sich Rilke und anderen deutschen Poeten verbunden fühlt, kann getrost als Pionierin der Spoken-Word-Kunst bezeichent werden. Filmemacher Claus Withopf hat der Grand Dame des Synthie-New-Waves nun einen Dokumentarfilm gewidmet: «I’ll Walk Out Into Tomorrow» ist ein fesselndes Porträt über einen beeindruckenden Menschen geworden.

Eigentlich habe sie doch immer nur Bücher und Gedichte schreiben wollen, beschreibt Anne Clark ihre Jugend im grimmen Londoner Stadtteil Croydon. In der Working Class-Umgebung sei sie damit aber auf wenig Begeisterung und Verständnis gestossen. Als dann Mitte der 70er-Jahre die Sex Pistols auf der Tapete erschienen und die ganze Punk-Bewegung losgegangen sei, habe sich das für sie wie eine Befreiung angefühlt, erzählt Clark. Der Do-It-Yourself-Charakter der Bewegung sei ihr entgegengekommen, ihr, die schon früh mit ihrem Kassettenrecorder Geräusche aufzeichnete und mit analogen Synthesizern zu experimentieren begann. Ab 1982 gab Clark im Jahresrhythmus Alben heraus, wobei sich das vierte davon, «Pressure Points», sieben Wochen in den Charts hielt. Offenbar hatte die junge Engländerin mit ihrer Mischung aus rhythmisch gesprochenen Weltschmerz-Texten gekoppelt mit elektronischer Musik den Nerv der Zeit getroffen. Continue reading

Re/public – digitale Räume

Das Internet ist Handelsplatz, Spielplatz, Schule und Kampfarena alles in einem. Diese Vielfältigkeit wird in der aktuellen Ausstellung Re/public verhandelt, welche am Mittwoch im Polit-Forum Käfigturm eröffnet wurde. Mit insgesamt 10 Arbeiten von Künstlern und Künstlerinnen aus alle Welt soll unter anderem hinterfragt werden, welche Regeln im neuen digitalen Raum gelten, wo Grauzonen liegen und wie dort Meinungsmache oder Manipulation betrieben wird. Zum ganzen Beitrag bei Radio RaBe gehts hier.

Akte Bern: Von Fichen und Facebook

1989 erschütterte der sogenannte Fichenskandal die Schweiz. Dabei wurde aufgedeckt, dass die Schweizer Bevölkerung über Jahrzehnte hinweg bespitzelt worden war – insgesamt waren etwa 900’000 solcher «Staatschutz-Fichen» angelegt worden. Während der Aufschrei damals noch gross war, geben wir heute auf Facebook und Co freiwllig und sehr detailliert Auskunft über unser tägliches Leben.
Unser Verhältnis zum Überwachtwerden habe sich komplett verkehrt, sagt Kulturjournalist Tobi Müller. In seinem Stück «Die Akte Bern – ein Theaterbericht von Fichen bis Facebook», welches bei Konzert Theater Bern gezeigt wird,  ergründet Müller diese Verkehrung. Zum ganzen Beitrag bei Radio RaBe gehts hier.