Monthly Archives: April 2018

Schnörkellos und wütend

Einem Aussenstehenden zu erklären, warum Sleaford Mods Konzertsäle füllen, ist nicht ganz einfach. Denn nüchtern betrachtet bieten da zwei Herren wenig an gängigem Unterhaltungsmaterial, was sie auch gestern Abend im Case à Chocs in Neuchâtel unter Beweis stellten. Beatproduzent Andrew Fearn platziert auf der Bühne gerne eine Hand in der Hosentasche, derweilen sich die andere an einer Bierdose festhält. Seine einzige musikalische Konzert-Tätigkeit besteht darin, per Knopfdruck den nächsten Song von seinem Laptop abzufeuern. Derweilen bellt Jason Williamson wütende Tiraden in sein Mikrofon, die aber aufgrund seines heavy East-Midland-Akzentes (Sleaford Mods stammen aus Nottingham) kaum verständlich sind. Nein, gängiges Unterhaltungsmaterial ist das nicht, und gerade deswegen ist es grossartig.

Der Elektro-Punk-Lo-Fi-Arbeiterklassen-Rap der Sleaford Mods nahm seinen Anfang vor rund 10 Jahren, als zwei Kerle aufeinandertrafen, welche beide nirgends richtig reinpassen wollten. So beschreibt es Andrew Fearn in A Bunch of Kunst, dem Dokumentarfilm über die Sleaford Mods. (Anschauen!) Mittlerweile haben Sleaford Mods 10 Alben herausgegeben und haben sich mit ihren wütenden, gesellschaftskritischen Schimpftiraden auch ausserhalb des englischen Königreiches eine treue Anhängerschaft erspielt. Auch wenn vielleicht nicht jedes einzelne Wort verständlich sein mag, so fühlt man sich doch angesprochen von den blaffenden Ausführungen des Jason Williamson. Denn hier trägt einer das Herz auf der Zunge, einer der gegen Arbeitslosigkeit und Auswüchse des Kapitalismus wettert und dem die Oberflächlichkeit unserer Konsumgesellschaft keine Befriedigung verschaffen mag. Ehrlich, direkt und fadengrad ist das. Und genau das sind auch die elektronischen Lo-Fi-Beats des Andrew Fearn: funktional, schnörkellos, ein bisschen billig, aber ungemein treibend. Continue reading

Transgendermusical Coco

Die Geschichte der ersten offiziellen Schweizer Transgenderfrau Coco wird zurzeit bei Konzert Theater Bern in einem Musical erzählt. Was auf den ersten Blick so gar nicht zusammen passen will – Musicals sind in unseren Breitengraden ja nicht unbedingt für schwerwiegende Themen bekannt – tue es doch. Das sagt Stückautor Alexander Seibt im Gespräch mit RaBe. Zum ganzen Beitrag gehts hier.

Glotzen

pollerLieber Mann im Zug,

du bist auch einer von denen, gell. Einer von denen, welche während einer Zugfahrt offenbar nur zwei Arten von Zeitvertreib kennen: Menschen anglotzen und Dinge sagen, die so offensichtlich sind, dass man sie höchstens dann aussprechen müsste, wenn Blinde anwesend wären. In deinem Fall war aber niemand mit Sehbehinderung beteiligt, sondern nur deine Begleiterin, von der ich jetzt mal annehme, dass sie mit zwei primatipptopp funktionierenden Augen ausgestattet ist. Erstens war sie nämlich gerade dabei, ein Heftli zu lesen, und zweitens schaute sie dann sehr interessiert von demselbigen auf, als du sie in die Seite knufftest und auf mich zeigtest. «Läck, isch die gross», sagtest du. Die Augen fielen dir fast aus dem Kopf, und zwar während der ganzen Zugfahrt von Zürich nach Bern.

Die ganze Kolumne in Der Bund vom 4. April 2018 gibts hier zu lesen

«The Fall» – Apokalypse in Bern

Weltwirtschaftskrise, Umweltkatastrophen, marodierende Banden und ein Virus, das tausende von Menschen dahinrafft: Der Berner Illustrator Jared Muralt lässt in seinem neuen Comic «The Fall» die Welt im Chaos versinken. Dabei lässt Muralt seine Geschichte in Bern spielen, so tauchen in seinen Zeichnungen viele vertraute Orte und Gebäude auf. Zum ganzen Beitrag bei Radio RaBe gehts hier und hier gehts zur Rezension in Der Bund vom 12.4.2018

«Bärn isch eso»

Die Plattform Bärn isch eso bietet einen etwas andern Blick auf die Hauptstadt. Fernab touristischer Sehenswürdigkeiten beschreiben Berner Autoren, Dichterinnen und Musizierende, wie die Stadt für sie aussieht, klingt und riecht. Dabei werden auch Orte beleuchtet, die sonst vielleicht nicht unbedingt den Weg in einen Reiseführer schaffen würde. Nachdem Frau Feuz vorletztes Jahr auf Bädertour ging, testete sie nun Cocktails in Spunten & Spelunken und besuchte Seemannsbar, Calypso, Fäuder, Brésil Bar, Drachen Bar, Casa Marcello, Rock Café, Main Street Bar und Calypso. Zur Tour geht’s hier.

calypso

Wo Schlagermusik läuft und der Chef seit 18 Jahren eigenhändig Kuchen bäckt, ist die Welt noch in Ordnung: Calypso Bar