Monthly Archives: November 2017

«Aute, gang mau hei»

Die Geschichte rund um den Waisenbuben Krabat, der sich auf schwarze Magie einlässt, gehört zu den bekanntesten Werken des deutschen Kinderbuchautors Otfried Preussler. Als Weihnachtsmärchen auf die Bühne des Berner Stadttheaters gebracht wird «Krabat» von der freien Gruppe Vorort, Premiere ist am Mi, 6. 12.17. Zuständig für die musikalische Untermalung bei Krabat sind die Kummerbuben. Frontmann Simon Jäggi gibt Auskunft.

3N9A0634Simon Jäggi, was war beim Projekt «Krabat» zuerst, die Musik oder das Spiel?
Die Musik. Wir haben bereits Anfang Jahr mit dem Komponieren und Texten begonnen, im Sommer haben wir dann eine Intensivphase eingelegt und innerhalb einer Woche elf Songs aufgenommen.

Geht man als Musiker anders an Songs heran, die für Theaterzwecke verwendet werden?
Der Kompositionsprozess war eigentlich sehr dankbar, weil klar war, was gefragt ist. Jonathan Loosli, der Regisseur der Gruppe Vorort, hat uns die Themen vorgegeben, zu welchen er sich Songs wünschte. Innerhalb dieser Vorgaben waren wir dann sehr frei. Themen wie schwarze Magie, Zauber, Liebe und Tod passen ohnehin in unsere Musikwelt, wir mussten uns also nicht neu erfinden. Das war sehr wohltuend, weil wir uns gerade in einer Umbruchphase befinden und nicht so recht wissen, wo es uns musikalisch hintreiben wird. Wir haben grundsätzlich Bock darauf, neue Dinge auszuprobieren, in einer solchen Phase scheitert man auch oft. Dass wir in «Krabat» machen konnten, was wir können, war eine Wohltat.

Das ganze Interview mit Simon Jäggi im Bund vom 30.11.17 gibts hier zu lesen.

«Aperöle und Flugsimulatörle»

Ben Vatter präsentiert im La Cappella sein erstes Soloprogramm «Gvätterle» und erntet dafür zu Recht euphorischen Beifall.

ben_vatterZehn Prozent der Ausdrücke habe sie nicht verstanden, obwohl sie doch auch schon seit 12 Jahren in Bern zu Hause sei, liess eine gebürtige Bündnerin im La Capella verlauten. Aber klingen täten selbst diese Ausdrücke toll. Liebhaber des Berner Dialekts kamen im Kulturlokal im Breitenrain tatsächlich voll auf ihre Kosten, denn auf der Bühne präsentierte Ben Vatter sein erstes Soloprogramm: «Gvätterle».

Wie auch in seinen Kolumnen, die Vatter seit 2013 regelmässig für den «Bund» verfasst, stand im ersten Teil seines Programmes das Berndeutsch mit all seinen Facetten im Zentrum. Gleich zu Beginn des Abends ernannte sich Vatter selber zum «Bärndütsch-Psychopapst» und beleuchtete den Umgang der Berner und Bernerinnen mit ihrem Idiom.

Die ganze Besprechung in Der Bund vom 30.11.17 gibts hier.

Ultimate MC Battle

Einmal pro Jahr wird Bern zum Battle-Mekka schlechthin, seit 15 Jahren wird hier nämlich jeweils im Dezember die Ultimate MC Battle durchgeführt. Das ganze Jahr über liefen in der ganzen Schweiz Vorausscheidungen, bei der Freestyle-Battle kommt nun am Freitag 1.12. im Dachstock die Crème de la Crème der MC-Szene zusammen, um sich hier verbal so richtig Saures zu geben. Der aktuelle Titelverteidiger Saimon Disko und Jurymitglied MQ von der Chaostruppe geben Auskunft darüber, wie man ordentlich disst und was Tabu ist bei Freestyle-Battles.

«Alice» oder der paradoxe Genderdiskurs

Wenn der Künstler mit der Rapperin und der Theaterfrau, dann kommt ein multimediales Stück Musiktheater dabei heraus. So geschehen im Fall von Fabian Chiquet, Steff La Cheffe und Annalena Fröhlich. Das erste Gemeinschaftswerk der Dreierschaft heisst Alice, ist in Zusammenarbeit mit Terre des Femmes entstanden und lotet die heutige Situation der Frau und Genderstereotypen aus. Als Ausgangslage diente die absurd-skurrile Welt von Lewis Carrolls «Alice im Wunderland» aus dem Jahre 1865. Hier gehts zum ganzen Beitrag bei Rabe  und hier zum Beitrag in Der Bund vom 23. November 2017.

Neue Musik im Kindergarten

Unsere Umgebung klingt – wir hören es nur manchmal nicht mehr. Genaues Hinhören kann darum enorm bereichernd sein und wenn dann noch genüsslich mit Klängen und Geräuschen experimentiert werden darf, ist das nicht nur gut für die Fantasie, sondern auch für Kreativität und Spontaneität. Diese Ansicht vertritt auch Tönstör. Tönstör ist ein experimentelles Vermittlungsprojekt, welches Klang in die Schulstuben und Kindergärten bringt. Jenseits von Notendruck lernen Kinder spielerisch neue Ausdrucksformen kennen, und kommen so auch unbewusst mit dem Genre «Neue Musik» in Berührung. Unser Kulturredaktorin Gisela hat dem Kindergarten Winterhalde einen Besuch abgestattet.

Für Radio Rabe

«Et la gagnante est …»

Freitag und Samstag wurde in Bern eine Lanze für die Schweizer Musik gebrochen:
Bands aus allen Landesteilen kamen in der Hauptstadt zusammen, um ihr Schaffen zu präsentieren, und zwar nicht nur einem musikinteressierten Publikum, sondern auch Vertretern internationaler Festivals. Das Konzert-Ungetüm heisst Swiss Live Talents, ist Vernetzungs-, Auftritts- und Sprungbrettplattform, fand dieses Jahr bereits zum dritten Mal statt und wurde von Patron François Moreillon ins Leben gerufen.

Gleich zwei Awards nahm KT Gorique mit nach Hause, also eine junge Dame aus dem Wallis, welche als erste Frau und jüngste Teilnehmende überhaupt 2012 bei den Weltmeisterschaften im Freeestyle-Rap gewann. Congratulation KT!

Mehr zu Swiss Live Talents und den anderen Awards-Gewinnern gibts hier zu lesen.

KT

Bern Elektronisch

Nach Zürich und Basel hat nun auch Bern eine: eine School of Sound, also ein Schule für elektronisch versierte Musiker und Musikerinnen. Gestern Abend wurde im Progr zur Eröffnung geladen, das Interesse war gross, der Raum drohte aus allen Nähten zu platzen. Zum Auftakt gabs eine Podiumsdiskussion mit Biru (Round Table Kights, Bonsoir), Jessiquoi, DJ Link (Chlyklass, TukkeiMusic) und Poto Wegener (Swissperform), Gegenstand der Diskussion: Elektronische Musik in Bern.

Zum ganzen Beitrag gehts hier.

sos

1968 Schweiz

1986 ist nicht einfach eine Jahrzahl, sondern ein Symbol, welches für vieles steht. Für Proteste gegen den Vietnamkrieg, für Frauenbewegung, für Strassenschlachten um mehr Freiräume, für internationale Solidarität. Die 68er lehnen sich auf gegen die Enge einer bürgerlichen Nachkriegsschweiz, eine Schweiz, die von Wirtschaftswachstum und Fortschrittsglaube geprägt ist, eine Schweiz, in der traditionelle Werte und Normen hochgehalten werden sollen. So ist das Zusammenleben ohne Trauschein verboten, homosexuelle Menschen werden polizeilich registriert, Männer mit langen Haaren in Restaurants nicht bedient und Frauen haben keine politische Rechte. Diese spiessbürgerliche Enge ist vielen unerträglich und so lehnt sich eine mehrheitlich junge Generation gegen autoritäre Strukturen und Hierarchien auf, experimentiert mit neuen Wohnformen, Kleidern, freier Liebe und protestiert für mehr Mitspracherecht und Solidarität. Das Bernische Historische Museum rückt in der Ausstellung 1968 Schweiz diese Ära des Umbruchs und des gesellschaftlichen Wandels ins Zentrum. Mehr zur Ausstellung inklusive Bildern gibts hier.

Für Radio Rabe

Der Kunstkrimi Gurlitt

dix_leonie

«Leonie» von Otto Dix (1923)

Als Zollfahnder im September vor 7 Jahren einen Mann namens Cornelius Gurlitt einer Routinekontrolle unterzogen, wussten sie nicht, was sie damit auslösen würden: Ein Ereignis, welches die Kunstwelt auf den Kopf stellen sollte. Weil der Verdacht der Steuerhinterziehung bestand, wurde die Wohnung des Cornelius Gurlitt in München durchsucht, dabei wurden rund 1500 Kunstwerke gefunden und beschlagnahmt.
Vier Jahr später stirbt Cornelius Gurlitt 81-jährig in München. Am darauf folgenden Tag erfährt die Stiftung Kunstmuseum Bern, dass sie von Gurlitt als Alleinerbin eingesetzt worden war und seine gesamte Kunstsammlung erben soll. Letzte Woche wurde nun die erste Ausstellung eröffnet, in welcher Bilder aus dem Gurlitt-Fund gezeigt werden. «Bestandesaufnahme Gurlitt: Entartete Kunst – beschlagnahmt und verkauft» zeigt rund 160 Werke, welche der sogenannten entarteten Kunst zugerechnet werden. Dabei wird klar: Vieles in Bezug auf die Vergangenheit der Bilder bleibt unklar.

Für Radio Rabe