Monthly Archives: November 2017

«Alice» oder der paradoxe Genderdiskurs

Wenn der Künstler mit der Rapperin und der Theaterfrau, dann kommt ein multimediales Stück Musiktheater dabei heraus. So geschehen im Fall von Fabian Chiquet, Steff La Cheffe und Annalena Fröhlich. Das erste Gemeinschaftswerk der Dreierschaft heisst Alice, ist in Zusammenarbeit mit Terre des Femmes entstanden und lotet die heutige Situation der Frau und Genderstereotypen aus. Als Ausgangslage diente die absurd-skurrile Welt von Lewis Carrolls «Alice im Wunderland» aus dem Jahre 1865. Hier gehts zum ganzen Beitrag bei Rabe  und hier zum Beitrag in Der Bund vom 23. November 2017.

Neue Musik im Kindergarten

Unsere Umgebung klingt – wir hören es nur manchmal nicht mehr. Genaues Hinhören kann darum enorm bereichernd sein und wenn dann noch genüsslich mit Klängen und Geräuschen experimentiert werden darf, ist das nicht nur gut für die Fantasie, sondern auch für Kreativität und Spontaneität. Diese Ansicht vertritt auch Tönstör. Tönstör ist ein experimentelles Vermittlungsprojekt, welches Klang in die Schulstuben und Kindergärten bringt. Jenseits von Notendruck lernen Kinder spielerisch neue Ausdrucksformen kennen, und kommen so auch unbewusst mit dem Genre «Neue Musik» in Berührung. Unser Kulturredaktorin Gisela hat dem Kindergarten Winterhalde einen Besuch abgestattet.

Für Radio Rabe

«Et la gagnante est …»

Freitag und Samstag wurde in Bern eine Lanze für die Schweizer Musik gebrochen:
Bands aus allen Landesteilen kamen in der Hauptstadt zusammen, um ihr Schaffen zu präsentieren, und zwar nicht nur einem musikinteressierten Publikum, sondern auch Vertretern internationaler Festivals. Das Konzert-Ungetüm heisst Swiss Live Talents, ist Vernetzungs-, Auftritts- und Sprungbrettplattform, fand dieses Jahr bereits zum dritten Mal statt und wurde von Patron François Moreillon ins Leben gerufen.

Gleich zwei Awards nahm KT Gorique mit nach Hause, also eine junge Dame aus dem Wallis, welche als erste Frau und jüngste Teilnehmende überhaupt 2012 bei den Weltmeisterschaften im Freeestyle-Rap gewann. Congratulation KT!

Mehr zu Swiss Live Talents und den anderen Awards-Gewinnern gibts hier zu lesen.

KT

Bern Elektronisch

Nach Zürich und Basel hat nun auch Bern eine: eine School of Sound, also ein Schule für elektronisch versierte Musiker und Musikerinnen. Gestern Abend wurde im Progr zur Eröffnung geladen, das Interesse war gross, der Raum drohte aus allen Nähten zu platzen. Zum Auftakt gabs eine Podiumsdiskussion mit Biru (Round Table Kights, Bonsoir), Jessiquoi, DJ Link (Chlyklass, TukkeiMusic) und Poto Wegener (Swissperform), Gegenstand der Diskussion: Elektronische Musik in Bern.

Zum ganzen Beitrag gehts hier.

sos

1968 Schweiz

1986 ist nicht einfach eine Jahrzahl, sondern ein Symbol, welches für vieles steht. Für Proteste gegen den Vietnamkrieg, für Frauenbewegung, für Strassenschlachten um mehr Freiräume, für internationale Solidarität. Die 68er lehnen sich auf gegen die Enge einer bürgerlichen Nachkriegsschweiz, eine Schweiz, die von Wirtschaftswachstum und Fortschrittsglaube geprägt ist, eine Schweiz, in der traditionelle Werte und Normen hochgehalten werden sollen. So ist das Zusammenleben ohne Trauschein verboten, homosexuelle Menschen werden polizeilich registriert, Männer mit langen Haaren in Restaurants nicht bedient und Frauen haben keine politische Rechte. Diese spiessbürgerliche Enge ist vielen unerträglich und so lehnt sich eine mehrheitlich junge Generation gegen autoritäre Strukturen und Hierarchien auf, experimentiert mit neuen Wohnformen, Kleidern, freier Liebe und protestiert für mehr Mitspracherecht und Solidarität. Das Bernische Historische Museum rückt in der Ausstellung 1968 Schweiz diese Ära des Umbruchs und des gesellschaftlichen Wandels ins Zentrum. Mehr zur Ausstellung inklusive Bildern gibts hier.

Für Radio Rabe

Der Kunstkrimi Gurlitt

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«Leonie» von Otto Dix (1923)

Als Zollfahnder im September vor 7 Jahren einen Mann namens Cornelius Gurlitt einer Routinekontrolle unterzogen, wussten sie nicht, was sie damit auslösen würden: Ein Ereignis, welches die Kunstwelt auf den Kopf stellen sollte. Weil der Verdacht der Steuerhinterziehung bestand, wurde die Wohnung des Cornelius Gurlitt in München durchsucht, dabei wurden rund 1500 Kunstwerke gefunden und beschlagnahmt.
Vier Jahr später stirbt Cornelius Gurlitt 81-jährig in München. Am darauf folgenden Tag erfährt die Stiftung Kunstmuseum Bern, dass sie von Gurlitt als Alleinerbin eingesetzt worden war und seine gesamte Kunstsammlung erben soll. Letzte Woche wurde nun die erste Ausstellung eröffnet, in welcher Bilder aus dem Gurlitt-Fund gezeigt werden. «Bestandesaufnahme Gurlitt: Entartete Kunst – beschlagnahmt und verkauft» zeigt rund 160 Werke, welche der sogenannten entarteten Kunst zugerechnet werden. Dabei wird klar: Vieles in Bezug auf die Vergangenheit der Bilder bleibt unklar.

Für Radio Rabe

Einfach Mensch sein

Das alternative Kulturzentrum Reitschule feiert heuer sein 30-jähriges Bestehen. Eine Bestandesaufnahme bei den Jubiläums-Festivitäten zeigt: Auch oder vor allem für diejenige Generation, welche 1987 noch gar nicht auf der Welt war, sind Vorplatz und Reitschule wichtige soziale Begegnungsräume. Nicht nur wegen ihrer Niederschwelligkeit. 

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Open-Air-Jugendzentrum Vorplatz, BIld: Marco Raho

«Wir gehören hier zu den Alten», sagt der 22-jährige Nico. Tatsächlich ist die Mehrheit der geschätzten 500 Leute, welche sich an diesem Freitagabend auf dem Vorplatz der Reitschule eingefunden haben, um die 20 Jahre alt oder jünger. Sie seien regelmässig hier, erklären Nico und seine drei Kumpane aus Bremgarten. Der Vorplatz sei halt einfach der Treffpunkt schlechthin, hier kenne man sich. Sein Vater sei früher oft in der Reitschule gewesen, sagt der 22-jährige Raphael. Er selber esse gerne im Restaurant Sous Le Pont, besuche Konzerte im Rössli oder im Dachstock oder hänge auf dem Vorplatz herum. Toll sei, dass alles so ungezwungen sei. Ihm gefielen auch die solidarischen Aktionen der Reitschule, etwa, wenn Geld für Flüchtlinge gesammelt werde. «Hier ein Parkhaus zu bauen, wäre einfach scheisse», enerviert sich Nico. «Wo würden wir dann über Mittag Pingpong spielen und am Abend Skateboard fahren?»

Die ganze Reportage in Der Bund vom 30.10. gibts hier zu lesen.

Farbenfrohes Leporello

Haben Sie als Kind auch so gerne Faltbilder gemalt? Also diejenigen Bilder, auf denen jemand den Kopf übernahm, dann verdeckt weiterreichte, der nächste malte den Rumpf, reichte wieder weiter, undsoweiterundsofort. Die Reitschule hat zum 30. Geburtstag ein Leporello herausgegeben, welches nach diesem Konzept funktioniert. Bloss auf höherem ästhetischen Niveau, versteht sich. Ganz nach dem kooperativen Prinzip liess man einen Bilderbogen von einer Gestalterin zum nächsten Künstler wandern, alle ergänzten sie das Vorangehende mit einem ganz persönlichen Erlebnis aus «ihrem» Reitschuljahr. So sind dreissig ganz unterschiedliche Bilder zusammengekommen.

Die Jahre 1988/1989: Michael Kiener (links) und Dirk Bonsma (rechts)

Genau wie die Reitschule ist die gestalterische Vielfalt im Leporello gross. Es gibt Collagen, Zeichnungen, Malarbeiten, Siebdrucke, you name it, someone did it und genau wie die Reitschule selber ist einiges fantastisch, anderes nicht auf den ersten Blick verständlich.Alle Künstler*innen sind der Reitschule irgendwie verbunden, waren oder sind dort immer noch selber aktiv. Auskunft über die Urherber*innen der Bilder und deren Bezug zum Kulturzentrum gibt ein beigelegtes Büchlein. Darin enthalten ist auch eine Chronologie, welche kleine, grosse, wichtige und marginale Geschehnisse der letzten 10 Jahre in und um die Reitschule auflistet.

Im Bild zum Jahr 1993 lässt sich übrigens die Information finden, dass sich Leute in der Reitschule eingenistet hätten, welche nur von den Strukturen des Kulturbetriebes profitieren würden, ohne sich um weitergehende kollektive Ansprüche zu kümmern. So musste offenbar auch in der Reitschule immer wieder diskutiert werden, wie viel Vielfalt eine Einheit verträgt. Beim schmucken Leporello muss man das nicht. Da geht nun wirklich alles … und sowieso wenns beim Auspacken dann auch noch lecker nach frischer Druckfarbe riecht.
Für KulturStattBern