Monthly Archives: December 2016

Jahresrückblick vom Zeichentisch

Eine scharfe Beobachtungsgabe und ein Interesse an Menschen und Klischees ist unabdingbar, will man ein erfolgreicher Karikaturist werden. Das macht die diesjährige Ausgabe von «Gezeichnet» einmal mehr klar, also diejenige Ausstellung im Museum für Kommunikation, welche alljährlich die besten Schweizer Pressezeichnungen zeigt. Von rund 50 Karikaturisten (wovon gerade mal sechs weiblich sind) werden dieses Jahr insgesamt 200 Werke gezeigt, welche die wichtigsten Debatten und Ereignisse des vergangenen Jahres aufgreifen.

Tom Künzlis alias TOMZ Kommentar zur Föhnwelle der amerikanischen Nation

Sarkastisch, bitterbös und teilweise grotesk oder zumindest humorvoll überzeichnet wird da mit scharfer Feder den nationalen und internationalen Grössen aus Politik und Gesellschaft zu Leibe gerückt.

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Die Flamenco-Pianistin

isora_castillaDie preisgekrönte Pianistin Isora Castilla ist gebürtige Spanierin, hat eine Vorliebe für spanische und zeitgenössische Musik und unterrichtet am Konservatorium in Bern. Derzeit schreibt die 37-jährige Castilla an der Universität Bern ihre Dissertation über den deutschen Komponisten Antonio Robledo, der eine Vielzahl an Stücken für die Tanzkompanie Flamencos en route geschrieben hat. Mit dieser tritt Castilla vom 21. bis 30. Dezember in der Dampfzentrale auf, gezeigt wird das Tanzpoem «àMiró», welches dem spanischen Maler Joan Miró gewidmet ist. «Viele meinen, es gebe nur einen ‹richtigen› Flamenco.»

Ein Klavier ist ja nun nicht das erste Instrument, das man mit Flamenco in Verbindung bringen würde. Warum diese Kombination?
Sie haben recht, eigentlich nimmt man das Klavier nicht als traditionelles Flamenco-Instrument wahr, denn normalerweise wird dieser Tanz ja mit Gitarre, Perkussion und Gesang begleitet. Allerdings ist ein Klavier in dieser Musik auch nichts Fremdes.

Das ganze Interview mit Isora Castilla online lesen.

«Saufen für die Obdachlosen»

Viele halten das Dead End, also das dreistöckige Haus beim Henkerbrünnli, für eine zwielichtige Spelunke, in die man einkehrt, wenn alles andere bereits geschlossen hat. Weniger bekannt ist, dass das Dead End auch eine Notschlafstelle und eine Gassenküche beherbergt und somit eine wichtige soziale Funktion in der Stadt Bern übernimmt.

Im Feature «Saufen für die Obdachlosen» kommen BetreiberInnen des Dead Ends zu Wort sowie Menschen, welche sich in der Gassenküche verköstigen oder im Sleeper übernachten. Und natürlich dürfen auch die zum Teil nicht mehr ganz so artikulationsstarken Partyraketen der frühen Morgenstunden nicht fehlen.


«Saufen für die Obdachlosen» ist ein Feature von Gisela Feuz, die Aufnahmen entstanden alle im Sommer 2016.

Butoh: voll frontal surreal

«Das macht mir Angst», sagte der kleine Bub auf der benachbarten Sitzgelegenheit. Es ist fürwahr Düster-Seltsames, was die Butoh Tanzkompanie rund um Tänzerin und Musikerin Zoë Binetti im Tramdepot im Burgernziel momentan zeigt. Zum zweiten Mal hat die Crew ein Sinnestheater entwickelt; zu den Rauhnächten, also der dunkelsten Zeit des Jahres, soll tief in die eigene Innenwelt getaucht werden. «Eine Odysee in eine andere Welt» wird einem an der Kasse versprochen, wobei diese Welt vorerst eine polarkalte ist, findet der Start des Sinnestheaters doch draussen statt. Wie froh ist man da um das wärmende Feuer. Mit verbundenen Augen wird man im Anschluss in diese andere Welt geleitet, eine überladene, kaleidoskopartige Brockenstuben-Welt, die im schummrigen Licht surreal anmutet.

Um es vorwegzunehmen: Nach einer Stunde wusste Frau Feuz nicht genau, was sie da gerade gesehen hatte. Aber die Eindrücke waren stark. Grotesk überzeichnete Figuren in raschelnden Papier-Kleidern waren da über die Bühne gestakst, gewankt und gezuckt, ein Paar, welches durch eine lange Haarwurst am Kopf verbunden war, hatte sich aus hängenden Stoff-Kokons geschält, um eine Choreographie aus Anziehung und Abstossung zu tanzen und eine Dame im weissen Sommerkleid hatte mit erotisch aufgeladener Hingabe einen roten Ballon bezirzt, trug dabei allerdings ein Lächeln im Gesicht, das an Jack Nicholson in «Shining» erinnerte.

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Katholische Unholde

Was schätzen Sie? Wie viele RIGs misst die Seetemperatur im neuen Video von Unhold? Sie wissen nicht was RIG bedeutet? Das ist denk die Wassertemperatureinheit «Rümpf im Gigu» kurz: RIG. Mit ihr verhält es sich einfach gerade umgekehrt als mit der normalen Celsius-Skala, denn je mehr RIGs desto kälter. Logisch, oder. Also, wie viele? Ach kommen Sie schon, tun Sie nicht so erwachsen. Ist doch viel interessanter, als wenn ich Ihnen jetzt hier eine tiefenpsychologische Analyse liefere, wie es um den Protagonisten des Videoclips zu «Southern Grave» bestellt ist. Der ist im Arsch. Da muss man nicht Freud heissen, um das zu erkennen. Die kühle aber doch fulminante Bildsprache soll ich beschreiben? JA SCHAUEN SIE DOCH EINFACH DAS VIDEO, TAMI!

Eine sinnvollere Jahreszeit, um Baden zu gehen, haben sich die drei Tunichtgute von Trampeltier of Love ausgesucht, auch wenn hier die Schwimmbekleidung doch eher Fragen aufwirft. Immerhin: Der RIG-Dichte dürfte diese abträglich sein. Was glauben Sie, wo gibt’s mehr RIGs: bei Unholds nackigem Bötlifahrer oder bei den drei Katholen in der Aare zusammengezählt?

Unhold spielen heute Abend im Rahmen der Alpine Coalition im Rössli der Reitschule. Was die Liebestrampeltiere treiben, weiss der Papst Teufel, live zu sehen sind sie erst wieder am 4. Februar in der Buchhaltung Stauffacher.

Eine gerechtere Welt

bildschirmfoto-2016-12-14-um-11-26-13Im Integrationsprojekt «Time for Change» treffen Menschen aus über 15 Nationen aufeinander und nähern sich künstlerisch dem Thema Ungerechtigkeit.

Er habe einen türkischen Popsong in seiner Muttersprache Kurdisch, in Arabisch, Deutsch und Englisch gesungen und dabei auch noch neue Freunde gefunden, sagt Achmed und strahlt. Der 22-jährige Syrer hat an einem der drei Workshops von «Time for Change» teilgenommen, ein Projekt, welches Schauspieler Dennis Schwabenland zusammen mit 14 weiteren Kulturschaffenden ins Leben gerufen hat. Ziel dieser Workshops sei es, Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammenzubringen und so einen Austausch zu ermöglichen, erklärt Schwabenland, der die künstlerische Leitung hat.

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Angesexter Electropop

Hat Ihnen heute schon jemand gesagt, dass Sie sexy seien? Nicht?! Skandal. Dann gucken Sie jetzt auf der Stelle das neue Video von Fiji, polieren ihr Ego und lernen dabei auch noch gleich ein bisschen Französisch. Deux …. ähem …. Fliegen? …. voleuses à une coup, oder so. Also eigentlich drei, weil das Video von Mag Design bietet ja auch gleich eine prima Zeitreise dank Neonfarben- und Rubik-Würfel-Ästhetik, die an irgendeine Bonusrunde eines Computergames erinnert (Mario Kart? Super Mario? Wipe Out??) und verdrängte Erinnerungen an diese gerillten Gartenschlauch-Instrumente wach werden lässt, die man schwingen konnte und die dann einen Ton erzeugten. Also die, die nach den Hula-Dings-Ringen kamen. Wie «schlechtes Gedächtnis»?! Wissen Sie etwa noch, was Sie in den 90ern getrieben haben? Mein Beileid.

Farbenfroh und angesext ist im Übrigen auch das neuste Erzeugnis aus dem Hause Tim & Puma Mimi. Eines Tages sei eine Anfrage in den Band-Briefkasten geflattert, so die Legende, ob man nicht einen Song kreieren wolle für einen Animationsfilm, in welchem ein Bäckerslehrling sich ausgiebig mit dem Kneten von Teig befasst. Man wollte. Herausgekommen ist ein Animationsfilm namens «Ivan’s Need» zu Deutsch: «Ivan knetet sich in Ekstase», der landauf landab an Filmfestivals gezeigt wird. Und ausserdem haben die Macher von «Ivan’s Need» (Veronica L. Montaño, Manuela Leuenberger, Lukas Suter) mit Szenen aus ihrem Animationsfilm nun auch ein hübsches Musikvideo für Tim & Puma Mimis «Dupi Dough» zusammengestiefelt.

KultuRadar #40

In der 40. Ausgabe des KultuRadars hauen sich bei der Neue Musik Battle im Sternensaal Bümpliz Musiker_innen experimentelle Kompositionen um die Ohren und im Generationenhaus setzen sich im Rahmen von «Time for Change» Menschen unterschiedlichster Herkunft künstlerisch mit dem Thema Gerechtigkeit auseinander. Mit Artsouk und Reverend Beat-Man in der Turnhalle, Tom Sawyers Abenteuern bei Konzert Theater Bern, Phil Hayes im Kairo und Am Kap in der Dampfzentrale.

Kaspar David Autobahn

Frau Feuz aktualisiert für Sie die Klassiker aus der Geschichte der Malerei.

Nirgends ist Bern urbaner als zwischen den Pfeilern der Autobahnbrücke im Gebiet Breitsch und Wankdorf. Und wenn einem dort Vieltönner über den Kopf hinwegdonnern und der Boden dabei leicht vibriert, dürfte man wohl ähnlich beeindruckt sein, wie dies der Wanderer auf Rügen war.

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