Monthly Archives: December 2015

Zur Strafe CSI Miami

«Hasta La Vista» hätte Frau Feuz ja noch zuordnen können. Kam aber nicht. «We need a bigger boat» beschwor in den grauen Hirnzellen gerade noch ein schwaches Bild von einem sehr grossen, sehr gefährlichen Fisch herauf, «Chrieg», «Unser Garten Eden» und «Wintergast» hat man ja zum Glück vor noch nicht allzulanger Zeit selber gesehen, dass Goldie Hawn seit Jahrzehnten mit Kurt Russell liiert ist, stand mal irgendwo in einem Gala, das in der Sauna rumlag, und dass K.I.T.T. ein Pontiac Firebird ist, hat einem damals der grosse Bruder mit glänzenden Augen mehr als ausgiebig erklärt.

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Dann war dann aber auch schon bald mal Feierabend im den feuzschen Wissen gestern Abend beim grossen Filmquiz im Kino Rex. Ja ich schäme mich. Andererseits waren die Fragen denn auch nicht unbedingt auf ein durchschnittliches Kinogänger-Publikum ausgerichtet, sondern eher für die Nerd-Abteilung. Damit trotzdem einigermassen Chancengleichheit herrschte, mussten «Professionelle» (etwa Kinobetreiber, die extra aus Züri angereist waren oder Filmwissenschaftler) mit einem Handicap von 10 Punkten starten. Wer beim Googeln erwischt wurde, dem drohte eine Strafe in Form von drei Folgen CSI Miami.

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Bizarres Musikgenre Teil 23: Peschmerga-RnB

Die Welt der Musikgenres ist eine vielfältige, bunte und manchmal unfreiwillig komische. In dieser Serie sollen Genres zum Zuge kommen, von denen Sie bis anhin vielleicht (zu recht) noch nie gehört haben. Heute: Peschmerga-R&B.

Während Deutschland der kurdischen Peschmerga mit Flugzeugen zur Seite steht, tut dies eine Dame namens Helly Luv mit ihren ganz eigenen Waffen. Die 26-Jährige hat ihre Kindheit in einem Flüchtlingscamp verbracht, bevor sie nach Finnland gelangte. Heute lebt Helly Luv in den USA, hat zwei Löwen als Haustiere, im Garten einen Panzer stehen, auf Twitter über 100’000 Follower und ist in der autonomen Region Kurdistan im Irak eine Berühmtheit. Und ganz nebenbei hat der IS ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt. Warum? Weil sie mit ihrem kriegsverkitschendem Hochglanz-R&B zum Postergirl der Peschmerga geworden ist, nicht zuletzt weil sie in ihren Songs Durchhalte- und Agitationsparolen an die Kämpfer richtet.

Mut hat sie, das muss man Frau Luv lassen. So hat sie das Video zu «Risk it all», in dem sie leicht bekleidet und mit Molotowcocktail bewaffnet auftritt – in anderen Videos sind es auch mal Panzerfaust und goldener Patronengürtel – in unmittelbarer Nähe eines Kampfgebietes aufgenommen. Es gehe ihr aber nicht bloss um Provokation, liess Helly Luv, die mit bürgerlichem Namen Helan Abdullah heisst, verlauten, sondern sie wolle mit ihrer Musik klar machen, wer die Guten und wer die Schlechten seien. Wenn doch Politik bloss auch so einfach wäre.

Bizarre Musikgenres Teil 22: Quantenphysik-Pop

Die Welt der Musikgenres ist eine vielfältige, bunte und manchmal unfreiwillig komische. In dieser Serie sollen Genres zum Zuge kommen, von denen Sie bis anhin vielleicht (zu recht) noch nie gehört haben. Heute: Quantenphysik-Pop.

Die physische Realität sei nur eine Spiegelung dessen, was die meisten Menschen für echt hielten, also eine Parallelwirklichkeit. «Wollen wir diese Parallelwirklichkeit ändern, müssen wir selber damit anfangen.» Weise Worte, die man einem Mann gar nicht zutrauen würde, der einen grossen Teil seiner Karriere damit verbracht hat, sich in einem Box-Ring gfürchig zu benehmen und mit «Triangle Choke» oder «Spinning Back-Fist» seine Gegner zu Fall zu bringen. Wo auch immer der Martial-Art-Kämpfer Genki Sudo auftrat, war ihm die ungeteilte Aufmerksamkeit des japanischen Publikums gewiss, zumal er seinen unberechenbaren, hoch technischen Jiu-Jitsu-Kampfstil gerne mit Tanzeinlagen anreicherte. 2009 hängte Genki Sudo dann allerdings wegen einer Nackenverletzung seine Kampfhose an den Nagel, scharrte sechs Tänzer um sich und startete ein Musikprojekt namens World Order, mit dem er fortan dem «Quantenphysik-Pop» frönte.

Stets adrett gewandet, nehmen die sieben Herren ihre Musikvideos gerne an öffentlichen Orten vor ahnungslosem Publikum auf. So gaben World Order eine Woche nach der Katastrophe von Fukushima den Video-Clip zu «Machine Civilization» heraus, welcher unter anderem auf japanischen Flughäfen während des After-Katastrophen-Hochbetriebs sowie in zerstörten Industrieanlagen gefilmt worden war. Welch schöne Mensch-Maschine-Persiflage auf unsere ach so fortschrittliche, technologisierte Welt. Aber schauen Sie doch selber:

Fuchswerfen und Oktopuswrestling

foxtossingAus irgendeinem Grund sind sämtliche Sportarten, welche Edward Brooke-Hitching in «Fox Tossing, Octopus Wrestling and Other Forgotten Sports» zusammengetragen hat, ausgestorben. Aus einem guten Grund bzw. mehreren guten Gründen. Zum Teil sind die historischen Freizeitbeschäftigungen nämlich furchtbar kompliziert in der Durchführung, zum Teil unsäglich dämlich oder unbeschreiblich grausam. Bespiel gefälligst?

Da wäre etwa Eis-Tennis, in der angelsächsischen Welt auch gerne als Ten-Ice (ahahaaa) bezeichnet, eine Kombination aus Tennis und Schlöflen, bei der garantiert jeder Teilnehmer regelmässig schmerzhaft den Boden küsst. Oder aber Zentrifugal-Bowlen oder Looping-Bowlen, bei welchem aus Mangel an Raum eine kreis- oder U-förmige Bowling-Bahn gebaut wurde. Die Idee war, dass Bowling so auch in den trauten vier Wänden stattfinden könnte. Weil aber die Laufbahn der Kugel bei dieser Art von Bahnen äusserst unberechenbar war, hat sich Zentrifugal-Bowling nie durchsetzen können. In die gleiche unpraktische Kategorie fallen auch Flugzeug-Golf, Auto-Polo oder Telefonzellen-Moschten.

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Verkohlte Leichen in Bern

fehlschussThomas Bornhausers erster Roman «Fehlschuss» ist ein detailreicher Krimi, der vom Bremgartenwald bis nach Warschau führt. Und von der Pfadi bis zur Börse.

Selbstvertrauen sei schliesslich der Schlüssel zum Erfolg, kommentiert Thomas Bornhauser im Nachwort seines ersten Krimis «Fehlschuss» die Tatsache, dass er in den 90er-Jahren einen ersten Entwurf seiner Geschichte an die ARD schickte, in der Hoffnung, dieser möge als Grundlage für eine Tatort-Folge dienen. Mit sympathischer Selbstironie hält Bornhauser weiter fest, dass es der ARD hoch anzurechnen sei, dass diese ihm überhaupt geantwortet habe, sei doch sein damaliger Entwurf ein strukturloses «Chaos pur» gewesen. Über 20 Jahre später bringt nun Bornhauser seinen «Fehlschuss» als Krimi in Buchform heraus, wobei er offensichtlich viel Aufräumarbeit geleistet hat.
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Der fabrizierte Jahrhundertverrat

Bildschirmfoto 2015-12-09 um 17.00.23Peter Beutler beschreibt in seinem Kriminalroman «Berner Münstersturz» die Geschehnisse rund um den kafkaesken Prozess gegen Brigadier Jean-Louis Jeanmaire im Jahre 1977 und hält sich dabei weitgehend an historisch verbürgte Tatsachen. Diese sind erschreckend.

Er habe keinen Grund, schlecht auszusehen, verkündete Brigadier Jean-Louis Jeanmaire, als er im Jahre 1991 seinen alten Bekannten, den Russen Wassili Denissenko, wieder traf. Dabei hätte Jeanmaire allen Grund gehabt zu klagen, hatte er doch gerade 12 Jahre wegen Landesverrats im Gefängnis gesessen – und das höchstwahrscheinlich unschuldig. Wie es dazu gekommen war?

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Elektronisches zwischen Kakteen

Im Botanischen Garten wird die Adventszeit etwas anders gefeiert. Zwar leuchten auch hier Lichter dem Suchenden den Weg durch den BoGA zum Sukkulentenhaus, dort landet man aber nicht an Jesus’ Krippe sondern bei überdimensionalen Kakteen und elektronischen Klängen. Im Rahmen der Reihe ADV3NT, welche die Herren von Everest Records ins Leben gerufen haben, bedienen Klang-Künstler jeweils sonntags ihre Gerätschaften zwischen Agaven und Kakteen. Gestern tat dies Bigeneric aka Marco Repetto, der während einer Stunde ambiente Elektro-Klänge zu einer sphärischen Landschaften zusammenbaute.

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Das Sukkultentenhaus bietet eine Kulisse sondergleichen für das ADV3NT-Unterfangen, zumal man umgeben von Kakteen, Agaven, Milchbaum und anderen Dickfleischern plötzlich auch in den elektronischen Klanglandschaften organische Spuren zu erkennen glaubt.

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Isländische Schafsböcke

Dass die Isländer eine ganz spezielle Beziehung zu Tieren haben, ist spätestens seit Benedikt Erlingssons wunderbar skurrilem «Of Horses and Men» bekannt. Nun stellt Regisser Grímur Hákonarson in «Rams» nicht die isländischen Pferde (Ja, Pferde. Wer in Island von Pony redet, wird auf der Stelle von Thors Hammer erschlagen. Oder sollte es nach Meinung der Isländer zumindest werden.), sondern das isländische Nationalvieh per se in den Mittelpunkt: das Schaf.

Die beiden Brüder und Schafzüchter Gummi und Kiddi leben zwar in einem abgelegenen Tal im Norden Islands unmittelbar nebeneinander, sind aber seit 40 Jahren dermassen zerstritten, dass sie nur noch durch Nachrichten kommunizieren, welche der getreue Border Collie überbringt.
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