Category Archives: Person

Michael Fehr im Porträt

Er wird als Ausnahmeautor bezeichnet, der die Grenzen des gängigen Literaturbegriffs sprengt. Vom Kanton Bern wurde er bereits zweimal mit dem Literaturpreis ausgezeichnet, darüber hinaus räumte er beim renommierten Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb den 2. Preis ab. Die Rede ist vom Berner Autor Michael Fehr, einem Schriftsteller der nicht schreibt, sondern spricht, denn Michael Fehr ist fast blind. Am Freitag erscheint Fehrs viertes Buch «Glanz und Schatten». Frau Feuz hat den Berner Autor für Radio RaBe porträtiert.

Ritter des metallenen Ordens

Es war einmal vor langer, langer Zeit ein junger Prinz namens Frederyk. Frederyk lebte im hohen Norden (Basel), wo die Nächte lang und die Gemüter finster sind. Auch Frederyks Gemüt war finster. Sein ganzes Leben hatte er als Gefangener im hohen Turm seiner bösen Schwiegermutter Roche verbringen müssen, weil diese eifersüchtig auf Frederyks goldenes, wallendes Haupthaar war. Roche selber hatte nämlich nur Pilze auf dem Kopf. Dafür leuchteten diese.

Eines Tages ritt ein Trupp fescher Ritter an Frederyks Gefängnis vorbei. «Ja wer seid denn ihr? Seid ihr etwa Grillen?» rief Frederyk aus dem Fenster, denn sein Turm war so hoch, dass die feschen Ritter von oben klein wie Insekten aussahen. «Ich bin euer Zar», schrie Frederyk weiter, er, der aufgrund seiner menschenfernen Erziehung wenig Ahnung von Anstand, geschweige denn von politischen Ämtern hatte, dafür aber für sein Leben gerne schrie. «Nein, wir sind Ritter des metallenen Ordens. Wir sind auf dem Weg zum militärischen Stützpunkt, wo wir am Palmsonntag musizieren wollen. Im Volksmunde werden wir deswegen Palmer genannt», antwortete die Viererschaft. Da ging dem jungen Frederyk das Herz auf. Musizieren! Welch wundersamer Klang dieses Wort schon nur hatte. «Zatokrev aber auch, nehmt mich mit!», schrie er und liess schnell seine wallendes blondes Haupthaar herab. Da erbarmten sich die Ritter dem jungen Frederyk, befreiten ihn aus seinem Turm, nahmen ihn in ihre Gesellschaft auf und nannten ihn fortan liebevoll Zar der Grillen.

Das Märchen geht hier weiter: Continue reading

«Ma vie de Courgette»

Vor neun Monaten war er beim Filmfestival von Cannes nicht etwa ein Schauspieler aus Fleisch und Blut der Star, sondern ein kleiner Junge mit überdimensionalem Kopf aus Knetmasse. Courgette, so der Name des Jungen, ist die Hauptfigur im 66-minütigen Animationsfilm des Wallisers Claude Barras, der Zurzeit ein gefragter Interviewpartner ist. Seit der Premiere in Cannes wurde «Ma Vie de Courgette» nämlich mit über 20 Preisen ausgezeichnet und ist nun als erster Schweizer Animationsfilm überhaupt für einen Oscar nominiert. Der Courgette-Papa Claude Barras über sozialkritische Themen in Hollywood und grosse Puppenköpfe:

Knöppel, ehr Wichser!

Primitiv und ordinär finden die einen – grösstsmögliche Unterhaltung sagen die anderen. Bereits seit den 90er-Jahren treibt Daniel Mittag genannt Midi sein Unwesen im Schweizer Musikzirkus. In den Anfängen tingelte der heute 44-jährige als Jack Stoiker durch die Lande, wobei er wegen seinen skurrilen Live-Shows, seinem fehlenden Gesangstalent und wegen seinen abenteuerlichen Reimkünsten zur Kultfigur wurde. In breitestem Sankt-Galler-Dialekt erzählte dieser Jack Stoiker Geschichten aus dem Alltag, wobei er ganz offensichtlich eine Vorliebe für pubertären Humor hegte.
Mittlerweile hat Midi eine Punkband namens Knöppel ins Leben gerufen, welche letzten Oktober ihr erstes Album veröffentlicht hat. Ein Konzeptalbum, ähem.

Gimma der Autor

Der Bündern Gimma, eigentlich Gian-Marco Schmid, legte vor 15 Jahren mit seinem Mundart-Rap einen komentenhaften Hitparaden-Aufstieg hin und sorgte auch neben der Bühne oftmals für Schlagzeilen. Als Bad Boy des Mundartrap war er berühmt-berüchtigt für seine Exzesse und sein rüpelhaftes Auftreten, liess er auf dem roten Teppich doch auch gerne mal die Hosen runter.
Heute arbeitet der 37-jährige Gian-Marco Schmid als Werbetexter in Chur und ist auch als Schriftsteller tätig. Vor zwei Jahren veröffentlichte er seine Autobiografie «Hinter dera Maska isches dunkel» – ein mutiger Bericht über eine schwere Kindheit mit einer alkoholkranken Mutter, eine Kindheit die von frühen Drogenexzessen, sexuellen Übergriffen, einer Psychose und mehreren Selbstmordversuchen überschattet war.
Gerade mal ein Jahr später veröffentlichte Gimma dann den Roman «40» und knüpft darin nahtlos an sein Debut an. Geschildert wird das Leben eines Hip-Hop-Stars auf der Überholspur, der polytoxikomanischen Exzessen nicht abgeneigt ist und der sehr bewusst den Drogenwahnsinn dem langweiligen Alltag vorzieht.

Hier geht’s zum Interview in «Der Bund» (16.2.17)

Wo ist Gaudenz?

Kommendes Wochenende kommen Hörfetischisten auf ihre Kosten: Im Kino Rex wird beim 7. sonOhr Festival Ohrensex Audiokunst geboten. Form und Inhalte der Wettbewerbsbeiträge sind vielfältig. Es gibt Features, Dokumentationen, Reportagen und Klangcollagen in Deutsch, Französisch und Italienisch zu hören, die sich unter anderem um Kühe am Schönheitswettbewerb, den schweren Umgang mit Demenz oder die vermeindliche Mutation von Getreidekörnen drehen. Ausserdem wird mit «Nosferatu reloaded» ein Live-Hörspiel fabriziert und bei den Hörgames «Blowback – Der Auftrag» und «Polder – become a story» kann das Publikum gar selber mittun.

Der Blick ins Programm verrät, dass dieses Jahr einer fehlt. Ein Kurzhörspielmacher, der sonst bei sonOhr immer dabei ist. Einer, der in schönster Do-it-yourself-Manier vom Texten übers Komponieren und Pegeln alles selber übernimmt und dann auch noch gleich alle Rollen einspricht und zwar in unterschiedlichen Dialekten. Einer, dessen Beiträge humortechnisch, nun ja, vielleicht nicht jedermanns Sache sind, der aber andererseits gerade wegen seiner kindlichen Experimentierfreude und dem niederschwelligen «Gott, du bisch ä blöde Siech»-Humor über eine eingefleischte, weltumfassende Fangemeinde verfügt (Matto Kämpf und Frau Feuz). Gaudenz Trüeb, wo bist du? Dir ist doch hoffentlich nichts zugestossen, oder?! Und gell, nächstes Jahr kommt wieder was von dir? Einfach bitte nicht über Raclette. Sonst kann man das dann auch nicht mehr essen.

Das sonOhr Festival findet vom 17. – 19. Februar im Kino Rex statt, mehr zu Gaudenz Trüeb können Sie hier in Erfahrung bringen.

Baze: Bruchstücke

bazeDen Namen Baze bringen die meisten mit Mundart Hip Hop in Verbindung. Nein, ein Hip Hop-Album habe er diesmal nicht gemacht, sagt der 36-Jährige über seine neue Platte «Bruchstücke», welche heute herausgekommen ist. Vielmehr hat sich Baze mit einer Band zusammengetan, die einen organisch-warmen, sphärischen und hypnotischen Soundteppich liefert über den Baze seine Geschichten erzählt. Dabei offenbart er sich einmal mehr als genauer Beobachter der menschlichen Psyche.
Hier gehts zum Interview auf Radio Bern RaBe und hier zur Kurzbesprechung bei KulturStattBern.

Bubi, Drugs und Rock’n’Roll

Grenzgänger und Menschenfreund: Sänger und Musiker Bubi Rufener arbeitet seit 20 Jahren in der Anlaufstelle der Suchthilfe Contact.
bubi
Den meisten ist er bekannt als lautstarker Frontmann der Berner Mundart-Gruppe Bubi Eifach, der auf der Bühne gerne kesse Sprüche klopft und den Rock’n’Roll-Lifestyle zelebriert. Christian Rufener, den alle nur unter dem Spitznamen Bubi kennen, kann aber auch ganz anders. Seit 20 Jahren arbeitet der 48-jährige bei Contact, Stiftung für Suchthilfe, und betreut in der Berner Anlaufstelle suchtkranke Menschen. Zu seiner Stelle bei Contact gelangte der gelernte Buchhändler durch Zufall: Nach einem einjährigen Aufenthalt in Paris kehrte er ohne einen Rappen in der Tasche nach Bern zurück. Ein Job musste her. Eigentlich hätte er seine alte Anstellung in der Comicabteilung einer renommierten Buchhandlung wieder antreten können, er habe aber etwas Neues ausprobieren wollen, erzählt Rufener.

Das ganze Porträt gibt’s im Surprise Strassenmagazin Heft 391 zu lesen.

«Tony, you rock»

Während andere in seinem Alter sich auf die Pensionierung und das süsse Nichtstun freuen, denkt Anthony Thomas mitnichten ans Aufhören. Der Beruf des gebürtigen Amerikaners: Gitarrist und Sänger der Basler Garagerock-Truppe The Lombego Surfers. Seit rund 30 Jahren malträtiert der 63-jährige Tony bei den Lombegos die Gitarre und schreit sich dazu die Seele aus dem Leib. Mattias Willi hat der Legende nun den 40-minütigen Dokumentarfilm «Tony, you rock» gewidmet, in welchem besagter Tony in charmantem Baseldeutsch-Englisch über seine musikalischen Anfänge, die veränderte Attitüde der heutigen Kids und den Punk-Spirit sinniert.

Nebst Anthony Thomas selber kommen auch langjährige Wegbegleiter zu Wort wie etwa Künstler Dirk Bonsma, Schlagzeuger Olivier Joliat und Teilzeit-Lombego Bassist Luc Montini. Sie alle zeichnen das gleiche Bild: Ein authentischer und umgänglicher Mann ist er, dieser Tony, der die Gitarre lieber zu laut als zu leise spielt und die musikalische Schlichtheit der 60er-Jahre beibehalten hat.
Continue reading

Die Flamenco-Pianistin

isora_castillaDie preisgekrönte Pianistin Isora Castilla ist gebürtige Spanierin, hat eine Vorliebe für spanische und zeitgenössische Musik und unterrichtet am Konservatorium in Bern. Derzeit schreibt die 37-jährige Castilla an der Universität Bern ihre Dissertation über den deutschen Komponisten Antonio Robledo, der eine Vielzahl an Stücken für die Tanzkompanie Flamencos en route geschrieben hat. Mit dieser tritt Castilla vom 21. bis 30. Dezember in der Dampfzentrale auf, gezeigt wird das Tanzpoem «àMiró», welches dem spanischen Maler Joan Miró gewidmet ist. «Viele meinen, es gebe nur einen ‹richtigen› Flamenco.»

Ein Klavier ist ja nun nicht das erste Instrument, das man mit Flamenco in Verbindung bringen würde. Warum diese Kombination?
Sie haben recht, eigentlich nimmt man das Klavier nicht als traditionelles Flamenco-Instrument wahr, denn normalerweise wird dieser Tanz ja mit Gitarre, Perkussion und Gesang begleitet. Allerdings ist ein Klavier in dieser Musik auch nichts Fremdes.

Das ganze Interview mit Isora Castilla online lesen.