Category Archives: Ausstellungen

Festival für digitale Kultur

Digitales ist aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken: Digitalradio, digitales Fernsehen, Internet, das World Wide Web, Computerspiele, Youtube … die Liste könnte endlos fortgesetzt werden. Dieser Umstand zeichnet sich auch in der Welt der Kunst ab, wo sich Kunstschaffende Inspiration holen bei Robotik, Computeranimation, Datensätzen oder Algorhythmen. Einige dieser ästhetischen Auseinandersetzungen gibt es zurzeit in Bern zu sehen und zu erleben, findet doch gerade das erste Festival für digitale Kultur statt, wofür Dampfzentrale und Schlachthaustheater zusammengespannt haben. Frau Feuz hat sich mit den Machern von «Digital Playground» unterhalten und bekam dabei gar einen digitalen Orgasmus vorgeführt.

«Kunst im Knast»

Die Heilsarmee ist die einzige Freikirche, welche in der Schweiz Menschen in Justizvollzugsanstalten besuchen darf. Eine dieser Besucherinnen ist Hedy Brenner. Die 62-jährige ist einerseits Offizierin in der Heilsarmee, andererseits aber auch Vorstandtsmitglied eines Vereins, welcher das künstlerische Schaffen von Gefangenen sichtbar machen will. Das passiert zurzeit im Berner Heilsarmeemuseum, wo rund 25 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen ausgestellt sind, welche alle hinter Gefängnismauern entstanden sind. Die Ausstellung heisst «Kunst im Knast» und genau in dieser Ausstellung hat sich Frau Feuz mit Hedy Brenner getroffen. Kurz zuvor hatte sich diese allerdings noch hinter dicken Gefängnismauern befunden.

Bilder der Ausstellung finden sich hier.

Jahresrückblick vom Zeichentisch

Eine scharfe Beobachtungsgabe und ein Interesse an Menschen und Klischees ist unabdingbar, will man ein erfolgreicher Karikaturist werden. Das macht die diesjährige Ausgabe von «Gezeichnet» einmal mehr klar, also diejenige Ausstellung im Museum für Kommunikation, welche alljährlich die besten Schweizer Pressezeichnungen zeigt. Von rund 50 Karikaturisten (wovon gerade mal sechs weiblich sind) werden dieses Jahr insgesamt 200 Werke gezeigt, welche die wichtigsten Debatten und Ereignisse des vergangenen Jahres aufgreifen.

Tom Künzlis alias TOMZ Kommentar zur Föhnwelle der amerikanischen Nation

Sarkastisch, bitterbös und teilweise grotesk oder zumindest humorvoll überzeichnet wird da mit scharfer Feder den nationalen und internationalen Grössen aus Politik und Gesellschaft zu Leibe gerückt.

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Black Power Tarot

In der grossen Halle wird zur Zeit gehämmer, gebohrt, gebaut und gebastelt, was das Zeugs hält. Eigentlich hätte man ja erwartet, noch den einen oder anderen Übriggebliebenen vom grossen Wochenend-Rave des UNA-Festivals anzutreffen. Aber nüt da. Ist offenbar auch nicht mehr wie früher mit diesen Ravern. Sind die jungen Leute heutzutags einfach langweiliger vernünftiger oder die Pillen nicht mehr so stark? Wie auch immer. Jedenfalls werden also Bar-Hütten abgebaut und Holzbrücken aufgebaut, wobei die Arbeit von insgesamt 26 übergrossen Tarot-Figuren kritisch beäugt wird.

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«Black Power Tarot» nennt der König des Oldschool-R’n’B King Khan seine Kreationen. Schon seit Jahrzehnten beschäftigt sich der gebürtige Kanadier mit dem Orakel-System und hat nun die Figuren des Tarot de Marseille auf Black Power getrimmt.
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Mord und Totschlag im 1. UG

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Das Frankenstein-Rennen machte Christian Calame

Um den Frankenstein habe es ein kurzes Gerangel gegeben, aber ansonsten seien sie gut nebeneinander durchgekommen. Gegenseitig abgemurkst haben sich die Grafikerinnen und Illustratoren jedenfalls nicht, welche zur Zeit im Keller des Stauffachers ihre Werke präsentieren, obwohl das ja ganz prima zum Ausstellungsthema gepasst hätte. Seit gestern gibt es im 1. UG der Buchhandlung nämlich Poster zum Thema «Mord und Totschlag» zu sehen, beziehungsweise die Resultate gestalterischer Auseinandersetzungen mit einem literarisch einschlägigen Werk. Vorgegeben hatte das blutrünstige Thema der Stauffacher selber, der mit der vierten Ausstellung dieser Art seinem unwohnlichen Kellerraum Leben einzuhauchen trachtet.

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KultuRadar #10

In der 10. Ausgabe des ‎KultuRadar‬ schauen wir hinter Kulissen: Patrik Zeller entwickelt die Theatermusik für das Stück «Nora», welches zur Zeit von Konzert Theater Bern in den Vidmarhallen gezeigt wird. Was macht eigentlich ein Museums-Sicherheitsbeamter den ganzen Tag? Roger Herzig hat Frau Feuz auf einen Rundgang durchs Berner Kunstmuseum mitgenommen und sich dabei als Slayer-Fan geoutet. Das klassische Duo Petting goes Classic rezykliert musikalischen Eurodance-Müll, und zwar auf derart amüsante Art und Weise, dass es die Auszeichnung KultuRadar-Band des Monats verliehen bekommt. Und ausserdem hat Michael Spahr der Schweizerischen Nationalbibliothek einen Besuch abgestattet , um hinter Dada-Kulissen zu schauen.

Flaneur und Aktmodell

Er war kein Held, der für seine Sache kämpfte, sondern ein Frei- und Feingeist, der mit Leichtigkeit durchs Leben flanierte und stets neugierig auf und offen für dasjenige war, was da noch kommen möge. Getauft worden war er auf den Namen Alfred Jonathan Steffen, aber «Bob» passte besser zu diesem Mann mit Jahrgang 1928, welcher in der Berner Künstler-Szene lange Zeit bekannt war wie ein bunter Hund und in den 40er-Jahren für das weltweit einzige Schwulenmagazin «Der Kreis» posierte. Im Kornhausforum ist seit gestern die Ausstellung «Bob le Flaneur» zu sehen, welche das Leben des Weltenbummlers und Paradiesvogels genauer beleuchtet und somit auch ein unerzähltes Stück Berner Geschichte aufrollt.

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Bob Steffen Aktfotografie für die Zeitschrift Der Kreis. Bild: Verein Bob le Flaneur

Mehr zu Bob le Flaneur hier:
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Mutter Natur unter dem Scanner

«Einfach mal wieder genau hinschauen, was uns eigentlich umgibt.» Till Könnekers Ansatz für seine Werkserie «Close Encounters» klingt bestechend einfach, tatsächlich aber nimmt er damit Bezug auf eines der Kernmankos unserer Zeit: Wir schauen nicht mehr richtig hin. Könneker hat dies in seinen Bildern umso mehr getan und die Natur im wahrsten Sinne des Wortes gescannt. Dafür hat der 35-Jährige Berner einen Scanner auf den Kopf gestellt, vor dem eigenen Atelier ins Gras gepflanzt und abgelichtet, was da eben war: Samen, Grashalme, Steinchen, Blätter, Äste, Triebe, Sprossen, Regenwürmer. Durch diese Technik sind die Aufnahmen nicht nur bis ins kleinste Detail scharf, so dass sich selbst die Härchen von Pflanzenstängeln erkennen lassen, sondern aufgrund der langen Aufnahmezeit ergibt sich auch eine ganz eigene Fehler-Ästhetik, etwa wenn sich Kollege Regenwurm auf die Flucht begibt, weil er von der Scanner-Platte flachgedrück wird.
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In Könnekers grossformatige, kaleidskopartige Bilder kann man sich stundenlang versenken, weil sich immer wieder neue Details, Formen und Konstellationen entdecken lassen. Schade bloss, merkt man erst in einer Galerie, wie wohltuend es doch eigentlich wäre, Mutter Natur wieder einmal genau unter die Lupe zu nehmen.

«Close Encounters» wird noch bis am Samstag 24. Oktober in der Soon Galerie gezeigt.

Venedig geht vor die Hunde

veniceEinmal im Leben soll man sie gesehen haben, heisst es. La Serenissima – die Durchlauchtigste. Mythenumwoben ist sie, die insgesamt 118 Inseln fassende Hauptstadt der Region Venetien. Frau Feuz war jetzt also auch da, in diesem unsäglichen Venedig. «Unsäglich?!» ich höre ihn schon, den kollektive Aufschrei von Italien-, Kunst- und Architekturliebhabern. Ja, unsäglich. Unsäglichst! Nicht die Stadt selber, Gott bewahre. Das Stadtzentrum ist mit seinen engen, labyrinthischen, oftmals abrupt vor Wasser endenden Gassen, den schiefen Häusern, den reich verzierten Kirchen und Palästen, der von Romantik bis Barock reichenden Architektur und den Unmengen an Skulpturen ja durchaus bezaubernd. Aber die Touristenströme an rüden Asiaten, ungehobelten Amerikanern und Jetset-Bieannale-Kunstfuzzis sind es fürwahr nicht.

Warum Venedig vor die Hunde geht, Literatur-Tipps und mehr zur PROPORTIO-Ausstellung hier:
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Dismaland: un-fuck the system

Weston-super-Mare ist ein rund 70’000 Einwohner kleines Nest am Bristolkanal im Südwesten Englands, welches definitiv schon bessere Zeiten gesehen hat. War das Seebad einst im viktorianischen Zeitalter, als Ferien am Meer in Mode kamen, noch Ziel von zahlreichen Besuchern aus dem nahen Bristol, Bath oder Südwales, hat das Städtchen im Laufe der letzten 100 Jahre kontinuierlich an Attraktivität verloren und wird heute aufgrund seiner schlammigen Strände spöttisch als Weston-super-Mud (Mud = Schlamm) bezeichnet. Der Grand Pier, welcher mit Jahrmarktbetrieb, einarmigen Banditen, Autoscootern und Geisterbahnen einst tausende von Amüsementwilligen anlockte, ragt heute einsam und verlassen in den Meeresarm hinaus. Weston-super-Mare ist zu einem Sinnbild geworden für die trostlose Dekadenz unserer Vergnügungsgesellschaft und damit auch die perfekte Umgebung für das Vorhaben eines Mannes, der mit seiner gesellschaftskritischen Kunst gerne genau diese Dekadenz an den Pranger stellt. IMG_6392 Vor sechs Wochen sorgte der anonyme britische Streetart-Künstler Banksy im verschlafenen Weston-Super-Mare für einen Paukenschlag sondergleichen, als er dort einen Vergnügunspark der etwas anderen Art eröffnete. In ironischer Anspielung an Disneyland hatte Banksy sein temporäres Kunstprojekt «Dismaland» getauft (dismal = trostlos) und entsprechend sollte dieser Rummelplatz eben nicht der seichten Zerstreuung dienen, sondern vielmehr als handfeste, albtraumhafte Unterhaltungs-Dysopie fungieren. Interesse und Nachfrage an Eintrittskarten waren dermassen gross, dass bei der Freigabe der letzten Tranche 3.5 Millionen Interessierte gleichzeitig versuchten, auf die Verkaufsseite zuzugreifen. Frau Feuz gehörte zu den Glücklichen, welche sich für die letzte Ausstellungs-Woche ein Ticket hatten ergattern können. Und so war’s in Dismaland:
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