Category Archives: Musik

#BernNotBrooklyn

Das Weyerli ist zwar nicht Coney Island, aber hey, auch an unseren Badestränden ist mächtig was los.

Man fürchtete ja kurz um das Seelenheil der Badi-Jugend und hoffte inbrünstig, dass diese dem Englischen noch nicht mächtig sei, als die beiden Herren Yangboy$ vom Dicksucken und Ähnlichem zu trappen begannen am Weyerli Beizli Fest in Frau Feuz’ Hausbadi. Die Jugend rächte sich dann auf ihre ganz eigene Weise, hielt sich zeitweilig demonstrativ die Ohren zu und fragte zwischen zwei Songs, ob die Herren Yangboy$ denn wirklich nicht besser rappen könnten. Aufmüpfige minderjährige Kunstverächter dürften allerdings nicht das Hauptproblem der zwei Yangboy$ gewesen sein, denn die Bühen, welche da kurzerhand neben die überdimensionierte Hüpfburg gepackt wurde, stand in der prallen Sonne. Nüt da mit chillen und dickdippen im kühlen Nass, sondern hüpfen you must, Bitches.

Posten Sie Ihr Foto/Video auf irgendeiner digitalen sozialen Plattform mit dem Zusatz #BernNotBrooklyn. KulturStattBern wählt unter den Fotos das leckerste aus und veröffentlicht es pünktlich zum Katerfrühstück.

Velo oder Schildkröte?

Sommerzeit – Randsportartenzeit! So würden es zumindest die Herren drüben bezeichnen. Tatsächlich gibt es sehr viel nichts Schöneres, als im Sommer das Rad zu satteln, bei Gegenwind Beaufort 12 lauem Lüftchen durch schöne Auenlandschaften zu pedalen, sich perverso die Birne zu verbrennen am wolkenlosen Himmel zu erfreuen und beide Lungenflügel mit verdammten Dreckspollen Mutter Naturs Odem zu füllen. Das führt zu Mordgelüsten inspiriert den Geist und gibt Hornhaut am Arsch ist gut für Leib und Seele! Dieser Ansicht sind offenbar auch Tim & Puma Mimi, wie deren Ode an das Velo verrät.

Kreativer in der Wahl des Fortbewegungsmittels zeigt sich der jüngste Spross aus dem Hause Voodoo Rhythm namens Rolando Bruno. Anstelle eines schnöden Fahrrades besteigt Herr Bruno lieber eine Schildkröte, um der Liebsten zu Hilfe zu eilen. Was Greenpeace dazu sagen würde, sei jetzt mal dahingestellt. Jedenfalls macht die wunderbare Super-Mario-Bros-Ästhetik des Videos richtig Nostalgie-Freude, nicht? Rolando Bruno wird übrigens auch als King of Fuzz Cumbia bezeichnet. Sie wissen nicht, was Cumbia ist, werte Leserschaft? Cumbia ist diejenige Sorte von Musik, die einen als mitteleuropäische Frau mit der Beweglichkeit eines Besenstiels in Schockstarre verfallen lässt. Aber hören sie doch selber. Ich geh derweilen meine Uralt-Nintendo-Playstation im Keller suchen.

Die kreative Jazz-Wundertüte

Benannt hat sie sich nach einer bildhübschen jungen Frau in einem Song von Nick Cave, die als Wasserleiche endet: Elisa Day. Die Berner Jazz-Sängerin und Komponistin Isabelle Ritter ist aber zum guten Glück noch am Leben und ist alles andere als tot, sondern sprudelt vor kreativer Energie. So tauft Isabelle Ritter Am Sonntag bei bee-flat in der Turnhalle gleich Platten von zwei unterschiedlichen Projekten: Elisa Day und Little Wings.

Das muss mehr Schub!

Sie hatten am Mittwochabend einen schweren Stand, die vier Herren und die Dame von Esmerine bei bee-flat im Progr, denn draussen sass es sich an diesem warmen Frühlingsabend gut unter den lauschigen Bäumen. Und doch fand sich dann auch eine handliche Anzahl Eingefleischter in der Turnhalle ein, um dem dramatischen und schwermüten Kammer-Doom des Quintetts aus Montreal zu lauschen. Um es gleich vorneweg zu nehmen: Mit dem bandeigenen Mischer wird Frau Feuz nicht Freundin. Zumindest nicht in diesem Leben.

Jesus? Nein. Wenn auch musikalisch fast: Multiinstrumentalist Brian Sanderson mit Esmerine.

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Damon Albarn, Gorillaz & Humanz

Mit der Energie, die Damon Albarn habe, könne man eine ganze englische Kleinstadt versorgen, inklusive Strassenbeleuchtung, Nahverkehr und Pubs – so kürzlich die Aussage eines Musikjournalisten der Sonntagszeitung. Tatsächlich ist es schon fast unheimlich, mit welcher Kadenz der 48-jährige Albarn mit seinen unterschiedlichen Projekten (Blur, The Good, The Bad and The Queen, Rocket Juice and the Moon, Africa Express) Platten herausgibt.
Soeben ist «Humanz» erschienen, das fünfte Erzeugnis von Albarns Cartoon-Band Gorillaz, der wahrscheinlich ersten Cartoon-Band überhaupt, die 2001 ins Leben gerufen wurde. Sind denn 2D, Murdoc, Noodle und Russel Hobbs mittlerweile erwachsen geworden, Damon Albarn?

Nicht nur Jazz-Pianist: Leo Tardin

Der Westschweizer Pianist Leo Tardin hat 10 Jahre lang in New York gelebt und ist ein vielgefragter Musiker, der in Berlin, Mumbai, Istanbul und Tokyo aufgetreten ist. Jahrelang war Tardin vor allem als Teil des Projektes Grand Pianoramax bekannt, 2014 hat er dann sein erstes Solo-Album «Dawnscape» aufgenommen. Am Sonntag, am internationalen Tag des Jazz, will Leo Tardin in der Turnhalle des Progr nun sein zweites Album live einspielen, das bei weitem nicht nur Jazz beinhaltet.

Bizarre Musikgenres Teil 25: Gospel Black Metal

Die Welt der Musikgenres ist eine vielfältige, bunte und manchmal unfreiwillig komische. In dieser Serie sollen Genres zum Zuge kommen, von denen Sie bis anhin vielleicht (zu recht) noch nie gehört haben. Heute: Gospel Black Metal.

Zurückgerufen hat er dann doch nicht. Aber irgendwie kann man es ihm auch nicht verübeln, diesem Manuel Gangneux, denn der 28-jährige Basler geht mit seinem Unterfangen Zeal & Ardor gerade durch die Decke. Und zwar mit Lichtgeschwindigkeit. Noch bevor der Sohn eines Wallisers und einer Amerikanerin auch nur ein Konzert gespielt, geschweige denn eine Platte herausgegeben hatte, wurde er von der internationalen Presse gefeiert, als wäre er der Retter der Musik. Ist er ja irgendwie auch, weil er nämlich demonstriert hat, dass noch nicht alle musikalischen Pfade ausgetrampelt sind. Gagneux kombiniert bei Zeal & Ardor zwei Genres, welche weiter nicht auseinanderliegen können: Black Metal und Gospel. Wie das klingt? Fantastisch.

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Frau Patagônia, ins Büro!

Alle, die bei KulturStattBern mittun, stehen ja selber mit einem Bein im Kulturgrab mitten im kulturellen Geschehen. Allerdings gehen wir mit unseren Outputs, beziehungweise deren Streuung ganz unterschiedlich um. Rockboy Schwab und Chefin Feuz zum Beispiel lassen ja keine Chance aus, KSB schamlos als Distributionskanal für eigenen Unfug zu missbrauchen und lügen dabei gerne auch mal das Blaue vom Himmel herunter. Konfuzius Rihs würde wohl auch lügen wollen, scheitert dann aber an der konzeptuellen Dekonstruktion seiner selbst (auf der Metaebene, versteht sich) und schreibt drum über Schnaps im Denner. Dandy Fischer säuft nach Design- und Kunstvernissagen die stehengelassenen Gläser leer und gleist den Umsturz aller bestehenden Systeme auf, weiss dann aber am nächsten Tag leider nichst mehr davon, weswegen wir auch nie darüber lesen.

Die einzig Vernünftige in diesem Saufhaufen ist unsere Frau K. (eigentlich Krstic, aber das schreib ich nie mehr aus, weil Frau K. mir mit Enthauptung gedroht hat, falls ich ihren Namen noch einmal falsch zu Papier bringe.)  Besagte Frau K. ist die Bescheidenheit in Person, trinkt ausschliesslich Gurkenwasser und erwähnt denn auch nur ganz beiläufig im Kleingedruckten irgendeiner E-Mail, dass sie gerade ihr erstes Video herausgegeben habe. Frau K. ins Büro der Chefin, los hopp! Wir üben jetzt mal blöffen. Und Schnaps saufen.

2054 Shows: Frank Turner

Früher hat er Konzerte vor einer einzigen Person gespielt und danach auf irgendeinem Zimmerboden geschlafen, heute füllt er das Wembley-Stadion und logiert im noblen Hotel. Der englische Punk-Rock-Musiker Frank Turner blickt im Buch «The Road Beneath my Feet» zurück auf 2054 Shows in 45 Ländern. Bei M4Music in Zürich sprach der sympathische Engländer ausserdem über die Tücken von Drogen und Alkohol und Gitarrenstunden in den Slums von Sierra Leon.

Festival für digitale Kultur

Digitales ist aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken: Digitalradio, digitales Fernsehen, Internet, das World Wide Web, Computerspiele, Youtube … die Liste könnte endlos fortgesetzt werden. Dieser Umstand zeichnet sich auch in der Welt der Kunst ab, wo sich Kunstschaffende Inspiration holen bei Robotik, Computeranimation, Datensätzen oder Algorhythmen. Einige dieser ästhetischen Auseinandersetzungen gibt es zurzeit in Bern zu sehen und zu erleben, findet doch gerade das erste Festival für digitale Kultur statt, wofür Dampfzentrale und Schlachthaustheater zusammengespannt haben. Frau Feuz hat sich mit den Machern von «Digital Playground» unterhalten und bekam dabei gar einen digitalen Orgasmus vorgeführt.