Category Archives: Musik

Frau Patagônia, ins Büro!

Alle, die bei KulturStattBern mittun, stehen ja selber mit einem Bein im Kulturgrab mitten im kulturellen Geschehen. Allerdings gehen wir mit unseren Outputs, beziehungweise deren Streuung ganz unterschiedlich um. Rockboy Schwab und Chefin Feuz zum Beispiel lassen ja keine Chance aus, KSB schamlos als Distributionskanal für eigenen Unfug zu missbrauchen und lügen dabei gerne auch mal das Blaue vom Himmel herunter. Konfuzius Rihs würde wohl auch lügen wollen, scheitert dann aber an der konzeptuellen Dekonstruktion seiner selbst (auf der Metaebene, versteht sich) und schreibt drum über Schnaps im Denner. Dandy Fischer säuft nach Design- und Kunstvernissagen die stehengelassenen Gläser leer und gleist den Umsturz aller bestehenden Systeme auf, weiss dann aber am nächsten Tag leider nichst mehr davon, weswegen wir auch nie darüber lesen.

Die einzig Vernünftige in diesem Saufhaufen ist unsere Frau K. (eigentlich Krstic, aber das schreib ich nie mehr aus, weil Frau K. mir mit Enthauptung gedroht hat, falls ich ihren Namen noch einmal falsch zu Papier bringe.)  Besagte Frau K. ist die Bescheidenheit in Person, trinkt ausschliesslich Gurkenwasser und erwähnt denn auch nur ganz beiläufig im Kleingedruckten irgendeiner E-Mail, dass sie gerade ihr erstes Video herausgegeben habe. Frau K. ins Büro der Chefin, los hopp! Wir üben jetzt mal blöffen. Und Schnaps saufen.

2054 Shows: Frank Turner

Früher hat er Konzerte vor einer einzigen Person gespielt und danach auf irgendeinem Zimmerboden geschlafen, heute füllt er das Wembley-Stadion und logiert im noblen Hotel. Der englische Punk-Rock-Musiker Frank Turner blickt im Buch «The Road Beneath my Feet» zurück auf 2054 Shows in 45 Ländern. Bei M4Music in Zürich sprach der sympathische Engländer ausserdem über die Tücken von Drogen und Alkohol und Gitarrenstunden in den Slums von Sierra Leon.

Festival für digitale Kultur

Digitales ist aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken: Digitalradio, digitales Fernsehen, Internet, das World Wide Web, Computerspiele, Youtube … die Liste könnte endlos fortgesetzt werden. Dieser Umstand zeichnet sich auch in der Welt der Kunst ab, wo sich Kunstschaffende Inspiration holen bei Robotik, Computeranimation, Datensätzen oder Algorhythmen. Einige dieser ästhetischen Auseinandersetzungen gibt es zurzeit in Bern zu sehen und zu erleben, findet doch gerade das erste Festival für digitale Kultur statt, wofür Dampfzentrale und Schlachthaustheater zusammengespannt haben. Frau Feuz hat sich mit den Machern von «Digital Playground» unterhalten und bekam dabei gar einen digitalen Orgasmus vorgeführt.

Züri West im Textquiz

«7:7 Unentschide ischs nid», «Ich schänke dir mis Härz / meh hani nid»… ein oder zwei Zeilen aus einem Song von Züri West hat praktisch jeder in der Deutschschweiz auf Lager. Es gibt ja mittlerweile auch einen ganzen Haufen Züri-West-Songtexte: 12 Studio-Alben hat die Berner Rocktruppe bis anhin herausgegeben, morgen Freitag erscheint Album Nummer 13, das den klingenden Namen «Love» trägt. Ab Mai gehen Züri West dann auf Konzert-Tour, bis dahin müssen die Songtexte sitzen. Frontmann Kuno Lauener weiss also, was er in den nächsten Monaten noch zu tun hat. Bloss, wie sieht es eigentlich bei den Mitmusikern von Züri West aus in punkto Textsicherheit? Frau Feuz hat Küse Fehlmann, Gere Stäudle und die beiden Züri-West-Neuverpflichtungen Manuel Häfliger und Wolfgang Zwieauer im Bandraum auf Herz und Nieren geprüft.

Death By Chocolate

Die Musik im Allgemeinen und die Rockmusik im Speziellen ist ein hartes Pflaster, schweizweit gibt es nur ein paar wenige Glückliche, die auch wirklich von der Rockmusik leben können. Eine traurige Konsequenz davon ist, dass viele Bands so lange an ihren musikalischen Ecken und Kanten schleifen, bis nur noch ein weichgespülter Einheitsbrei übrig bleibt. Eine Balance zu finden zwischen geldeinbringender Massentauglichkeit und künstlerisch spannender Sperrigkeit ist schwer.
Die Bieler Band Death By Chocolate wagt diesen Spagat und stellt sich dabei gar nicht mal so ungeschickt an. Morgen Freitag taufen Death By Chocolate im Dachstock ihr drittes Album «Crooked For You», für welches US-Produzent Vance Powell ins Boot geholt wurde. Frau Feuz hat sich mit Sänger Mathias Schenk unterhalten, herausgekommen ist der Artikel «Wir waren eine einzige Zumutung» (Der Bund vom 15.8.17) und das hier:

Melker Not Porno

melker11Die Ausgangslage ist eine heikle: da ist dieser subversive Tunichtgut mit Jahrgang 1898, der mit seiner Trash-Combo Mani Porno für erinnerungswürdige bierselige Auftritte bestschlechtmöglichster Natur sorgte. Oder besagte Auftritte gar nicht erst antrat, weil ein Bandmitglied sich vor dem Konzert dermassen intensiv mit Rauch-Paraphernalia vergnügt hatte, dass es schlichtweg vergass, dass es noch ein Konzert zu spielen gäbe und nach Hause ging. So zumindest die Urban Legend. Jedenfalls hat sich dieser Tunichtgut nun also mit richtig guten Musikern zum Quartett Melker zusammengetan und frönt nicht mehr dem Lo-Fi-Gitarren-Trash, sondern dem Synthie-Pop und New Wave der 80er-Jahre. Herr Porno, pardon, Gaviões so richtig seriös? Kann das gut gehen?

Anfänglich bangte man ja bei der Plattenaufe von Melker am Freitag im ISC. Nicht wegen der Musiker, die verrichteten vom ersten Ton an einen einwandfreien Job. Fred Bürki amtete als Metronom am Schlagzeug, Marco Loso bediente Gitarre und Bass, derweilen Oli Kuster mit seinem Synthesizer musikalische Nebelschwaden fabrizierte. Und der Herr Gaviões? Der schludderte in Sonnenbrille, USA-Hockeyshirt und Steppjacke über die Bühne und schien irgendwie ein Cornerfähnli im Allerwertesten zu haben. Es half dann auch nicht, dass seine Stimme anfänglich komplett in den Synthiewänden absoff und die Texte so nur Genuschel blieben.

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Ritter des metallenen Ordens

Es war einmal vor langer, langer Zeit ein junger Prinz namens Frederyk. Frederyk lebte im hohen Norden (Basel), wo die Nächte lang und die Gemüter finster sind. Auch Frederyks Gemüt war finster. Sein ganzes Leben hatte er als Gefangener im hohen Turm seiner bösen Schwiegermutter Roche verbringen müssen, weil diese eifersüchtig auf Frederyks goldenes, wallendes Haupthaar war. Roche selber hatte nämlich nur Pilze auf dem Kopf. Dafür leuchteten diese.

Eines Tages ritt ein Trupp fescher Ritter an Frederyks Gefängnis vorbei. «Ja wer seid denn ihr? Seid ihr etwa Grillen?» rief Frederyk aus dem Fenster, denn sein Turm war so hoch, dass die feschen Ritter von oben klein wie Insekten aussahen. «Ich bin euer Zar», schrie Frederyk weiter, er, der aufgrund seiner menschenfernen Erziehung wenig Ahnung von Anstand, geschweige denn von politischen Ämtern hatte, dafür aber für sein Leben gerne schrie. «Nein, wir sind Ritter des metallenen Ordens. Wir sind auf dem Weg zum militärischen Stützpunkt, wo wir am Palmsonntag musizieren wollen. Im Volksmunde werden wir deswegen Palmer genannt», antwortete die Viererschaft. Da ging dem jungen Frederyk das Herz auf. Musizieren! Welch wundersamer Klang dieses Wort schon nur hatte. «Zatokrev aber auch, nehmt mich mit!», schrie er und liess schnell seine wallendes blondes Haupthaar herab. Da erbarmten sich die Ritter dem jungen Frederyk, befreiten ihn aus seinem Turm, nahmen ihn in ihre Gesellschaft auf und nannten ihn fortan liebevoll Zar der Grillen.

Das Märchen geht hier weiter: Continue reading

Knöppel, ehr Wichser!

Primitiv und ordinär finden die einen – grösstsmögliche Unterhaltung sagen die anderen. Bereits seit den 90er-Jahren treibt Daniel Mittag genannt Midi sein Unwesen im Schweizer Musikzirkus. In den Anfängen tingelte der heute 44-jährige als Jack Stoiker durch die Lande, wobei er wegen seinen skurrilen Live-Shows, seinem fehlenden Gesangstalent und wegen seinen abenteuerlichen Reimkünsten zur Kultfigur wurde. In breitestem Sankt-Galler-Dialekt erzählte dieser Jack Stoiker Geschichten aus dem Alltag, wobei er ganz offensichtlich eine Vorliebe für pubertären Humor hegte.
Mittlerweile hat Midi eine Punkband namens Knöppel ins Leben gerufen, welche letzten Oktober ihr erstes Album veröffentlicht hat. Ein Konzeptalbum, ähem.

«Bauer sucht Power»

IMG_0283Das Jahr ist zwar noch jung, aber die Gewinner im Wettbewerb um den schönsten Flyer sind bereits bekannt. Welcher Wettbewerb? Na jeder, der da im 2017 noch kommen mag. Ich mein: dieses ausgeklügelte Arrangement, diese sinnliche und harmonische Ästhetik der Bildkomposition. Meisterhaft. Fürwahr.

Seit 15 bis 17 Jahren (man ist sich bezüglich der Dauer des Bestehens bandintern nicht ganz einig) «verpiggern» die Herren vom Biggerclub Heuler aus der Rock-, New Wave- und Punkgeschichte. Gefunden hätten sie sich damals per Annonce in der Tierwelt, sagt Sänger Thomas «Hoschi» Hostettler. Auf «Bauer sucht Power» hätten sich die Herren Schütz (Bass), Abt (Gitarre) und Hertig (Schlagzeug) gemeldet und seitdem fährt die illustere Männerriege mit dem Traktor von Landgasthof zu Landgasthof und beschallt alles, was bei one, two, three, four nicht auf den Bäumen ist.

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Baze: Bruchstücke

bazeDen Namen Baze bringen die meisten mit Mundart Hip Hop in Verbindung. Nein, ein Hip Hop-Album habe er diesmal nicht gemacht, sagt der 36-Jährige über seine neue Platte «Bruchstücke», welche heute herausgekommen ist. Vielmehr hat sich Baze mit einer Band zusammengetan, die einen organisch-warmen, sphärischen und hypnotischen Soundteppich liefert über den Baze seine Geschichten erzählt. Dabei offenbart er sich einmal mehr als genauer Beobachter der menschlichen Psyche.
Hier gehts zum Interview auf Radio Bern RaBe und hier zur Kurzbesprechung bei KulturStattBern.